Schnittmuster

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Schnittmusterbogen für Mädchenwäsche, um 1900. Mit überschneidend angeordneten Teilen.

Als Schnittmuster bezeichnet man in der Schneiderei die Papiervorlagen (Schnittteile), nach denen Stoff zugeschnitten wird. Die Berufsbezeichnung des Schnittmuster-Erstellers ist Zuschneider.

In der Regel werden die Schnitte für ein bestimmtes Modell der meisten Hersteller in mehreren Größen angeboten. Das zweidimensionale Schnittmuster stellt ein dreidimensionales Kleidungsstück in Einzelteile zerlegt dar.

Geschichte und Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schnittmethode zum Korsett (aus „Ich kann schneidern“, 1908)
Stoff mit Schnittmuster zuschneiden

Vorläufer der Schnittmusterbögen waren kleinformatige Schnittzeichnungen in deutschen Modezeitschriften des 18. Jahrhunderts mit Anleitungen zum Schneidern. Die Schnittmuster in tatsächlicher Größe, wie sie seit dem 19. Jahrhundert gedruckt wurden, verbesserte der US-amerikanische Unternehmer Ebenezer Butterick indem er ab 1863 die Schnitte mit Zugaben für verschiedene Größen versah und alles zur Porto- und Papierersparnis auf Bögen aus dünnem Papier druckte. Spätestens seit etwa 1900 gab es in Deutschland beidseitig bedruckte "Schnittbogen" oder "Schnittblätter", auf denen die Teile sich überschneidend angeordnet und mit unterscheidbaren Linienmustern gekennzeichnet waren.[1] Aus solchen Bogen wurden daher die Teile nicht mehr unmittelbar ausgeschnitten, sondern mussten mit Kopierpapier oder einem gezahnten Kopierrädchen auf einen zweiten Bogen übertragen werden.

Schon damals unterhielten bestimmte Modeverlage[2] eigene "Schnittmusterabteilungen" zu deren Vertrieb. Durch Aenne Burdas Zeitschrift burda Moden, die sich gezielt nicht nur an erfahrene Schneiderinnen, sondern an durchschnittlich geschickte Frauen wandte, wurde im Deutschland der Nachkriegszeit das Selbstschneidern nach Schnittmustern erleichtert und popularisiert.

Einzelschnitte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Schnittmuster, bei dem sämtliche Schnittteile nebeneinander auf dem Bogen angeordnet sind, nennt man auch Einzel- oder Fertigschnitt. Die einzelnen Teile können so in jeder Größe einfach ausgeschnitten werden. Ein Einzelschnitt besteht normalerweise aus Schnittbogen, Nähanleitung und Modellbild. Zeichnungen und Schritt-für-Schritt-Anleitungen erleichtern zusätzlich das Nähen.

Schnittmusterbogen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Detailaufnahme eines Schnittmuster-Bogens mit verschiedenen Konfektionsgrößen, eingezeichnetem Fadenlauf und Zwicken

Auf den Schnittmusterbogen werden alle Schnitte eines Hefts abgebildet. Um alles unterzubringen, werden die Bögen beidseitig bedruckt und die Schnittteile so platzsparend wie möglich angeordnet. Dabei überschneiden sich die einzelnen Teile, weshalb man sie nicht einfach ausschneiden kann. Um ein bestimmtes Modell zu nähen, wird der entsprechende Schnitt mit speziellem Kopierpapier „abgepaust“ oder auf Folie, Seidenpapier u. ä. durchgezeichnet. Ein System von speziellen Konturlinien (Größenlinien), verschiedenen Linienarten (gestrichelt, gepunktet, durchgezogen), Nummern und Farben hilft beim Abpausen.

Zum Übertragen des Schnittmusters auf den Stoff können Kreide oder ein Kopierrad verwendet werden, wobei auf den Fadenlauf zu achten ist. Dieser ist in der Regel pro Einzelteil durch einen Pfeil auf dem Vordruck eingezeichnet.

Auf der Vorlage eines Schnittmusters sind häufig noch weitere Angaben zu finden, die das Verarbeiten erleichtern:

  • Sogenannte "Knipse" (auch "Zwicke") markieren Stellen zum Einschneiden. Sie stehen im 90-Grad-Winkel von der äußeren Kante nach innen ab und sind sehr kurz – sie markieren häufig an gegenüberliegenden Seiten eine Kante, an der der Stoff später gefaltet oder umgelegt werden soll. Durch die bereits enthaltene Nahtzugabe von durchschnittlich ein bis zwei Zentimetern sind die Zwicke im fertigen Werkstück dann nicht mehr enthalten.
  • Umbruch-Linien: sie sind innerhalb einer Schablone verzeichnet und meist nicht bis außen durchgezogen, um nicht versehentlich geschnitten zu werden.
  • In manchen Schnittteilen werden zudem Mittellinien (vordere Mitte oder hintere Mitte) markiert.
  • Einige Anleitungen verwenden Steppschablonen: Im Gegensatz zu den üblichen Schneideschablonen sind diese nicht zum Zuschneiden des Stoffes gedacht, sondern werden auf ein bereits zugeschnittenes Stück mit Kreide o. ä. übertragen und markieren eine Naht, die nicht an einem Rand entlang, sondern mitten im Stoffteil angesetzt wird.
  • Wenn vorhanden können Linien für die Umbrüche der Belege eingezeichnet sein. Belege stehen in diesen Fällen für Zwickel, die nicht aus einem separaten Stück eingenäht werden, sondern durch mehrmaliges Umschlagen von Kanten entstehen.

Literatur über das Erstellen von Schnittmustern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Guido Hofenbitzer: Bekleidung. Schnittkonstruktion für Damenmode. Band 1: Bekleidung, Grundlagen. Europa Lehrmittel, Haan-Gruiten 2009, ISBN 978-3-8085-6236-9.
  • Dennic Chunman Lo: Schnittentwicklung. Stiebner, München 2011, ISBN 978-3-8307-0875-9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schnittmuster – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
WiktionaryWiktionary: Schnittmuster – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zum Beispiel Brigitte Hochfelden: Das Buch der Wäsche, Leipzig [o. J.] (um 1900). Reprint 1988. Das abgebildete Beispiel widerlegt die Darstellung im TV-Film von 2018, nach der solche Schnitte von Burda erfunden wurden.
  2. Zum Beispiel der Verlag der Deutschen Modezeitung, Leipzig.