Schockraum

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Schockraum des Universitätsklinikums Mannheim im Bereitschaftszustand (2009)

Ein Schockraum, auch Reanimationsraum,[1] ist in Europa[2] oft Bestandteil der Notaufnahme eines Krankenhauses. Er dient der Erstversorgung schwerverletzter bzw. polytraumatisierter Patienten. Das Ziel ist die schnellstmögliche Diagnostik und Therapie der lebensbedrohlichsten Verletzungen oder Erkrankungen. Daher wartet das medizinische Fachpersonal bereits im Schockraum auf den Patienten, wenn dieser durch den Rettungsdienst vorangemeldet ist.

Notfallpatienten aus dem Bereich der Inneren Medizin wurden in der Vergangenheit hingegen dort im Allgemeinen nicht behandelt, was das Konzept von dem des amerikanischen Emergency Room bisher abgrenzte.[2] Da jedoch auch internistisch erkrankte Patienten einen instabilen Zustand aufweisen können, etabliert sich auch der Begriff des internistischen Schockraums für Patienten mit oder nach einem Kreislaufstillstand oder generell für beatmungs- oder intensivpflichtige Patienten.[3]

Die im Schockraum zu bewältigenden Aufgaben lassen sich in drei Aspekte gliedern:[1]

Diese Maßnahmen müssen simultan erfolgen, was hohe Anforderungen an die Einrichtung[1] und das interdisziplinäre Team stellt. Daher sollten regelmäßige Weiterbildungen und Simulationsübungen stattfinden. Nach der Erstversorgung wird der Patient in der Regel auf eine Intensivstation oder direkt in den Operationssaal verlegt.

Der genaue Schockraum-Algorithmus variiert in den unterschiedlichen Krankenhäusern, orientiert sich aber meist am ABCDE-Schema und an der Leitlinie, die von der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie federführend herausgegeben wird. Ein überregionales Traumazentrum muss mindestens zwei Schockraumpatienten gleichzeitig versorgen können.

Beteiligte Fachrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um ein bestmögliches Behandlungsergebnis zu erzielen sind viele Fachspezialisten an einer Schockraumversorgung beteiligt. Je nach Krankenhaus und Meldebild variieren diese.[5][6]

Basisteam[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Unfallchirurg
  • Allgemeinchirurg
  • zwei Schockraumpflegekräfte
  • Anästhesist
  • Anästhesiepflegekraft
  • Radiologe
  • medizinisch-technische Radiologiefachkraft
  • Transportpersonal (zum Beispiel Transport von Blutkonserven)

Erweitertes Team[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Oberarzt Unfallchirurgie
  • Oberarzt Allgemeinchirurgie
  • Oberarzt Anästhesiologie
  • Oberarzt Radiologie
  • Oberarzt Intensivmedizin
  • Gefäßchirurg
  • Herzchirurg
  • Handchirurg
  • Mund-, Kiefer-, Gesichtschirurg
  • Kinderchirurg oder Pädiater
  • Neurochirurg
  • Neuroradiologe
  • Neurologe
  • Kardiologe / CPU-Arzt
  • Internist
  • HNO-Arzt
  • Augenarzt
  • Urologe
  • Gynäkologe
  • zwei OP-Pflegekräfte

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael Gerstorfer, Ludwig Gutermuth (Hrsg.): Schockraum-Management: Organisation und Patientenversorgung. 1. Auflage. Elsevier, Urban & Fischer, München 2009, ISBN 978-3-437-24800-9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Harald Tscherne, Gerd Regel (Hrsg.): Tscherne Unfallchirurgie: Trauma-Management, Band 1. Springer, Heidelberg, Berlin 1997, ISBN 978-3-642-59215-7, S. 68 ff. (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  2. a b Rolf Rossaint, Christian Werner, Bernhard Zwißler (Hrsg.): Die Anästhesiologie: allgemeine und spezielle Anästhesiologie, Schmerztherapie und Intensivmedizin. Springer, Berlin, Heidelberg 2004, ISBN 3-540-00077-1, S. 1142 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  3. Internistische Intensivstation - Voller Einsatz im Kampf ums Leben. (Nicht mehr online verfügbar.) In: Klinikum Nürnberg. 27. Januar 2015, archiviert vom Original am 13. Januar 2017; abgerufen am 13. Januar 2017. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.klinikum-nuernberg.de
  4. Arnulf Thiede, Norbert Roewer, Olaf Elert, Hubertus Riedmiller (Hrsg.): Chronik und Vision. Zentrum Operative Medizin 2004. Universitätsklinikum Würzburg, Würzburg 2004, ISBN 3-00-013537-5, S. 316.
  5. Schockraumkonzept. Abgerufen am 21. Oktober 2019 (deu).
  6. Weißbuch Schwerverletztenversorgung. Abgerufen am 21. Oktober 2019 (deu).