Schonungen

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Schonungen
Schonungen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Schonungen hervorgehoben
Koordinaten: 50° 3′ N, 10° 19′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Unterfranken
Landkreis: Schweinfurt
Höhe: 218 m ü. NHN
Fläche: 81,03 km²
Einwohner: 7701 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 95 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 97453,
97526 (Reichelshof)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/PLZ enthält Text
Vorwahlen: 09721, 09727, 09526
Kfz-Kennzeichen: SW, GEO
Gemeindeschlüssel: 09 6 78 174
Gemeindegliederung: 13 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Marktplatz 1
97453 Schonungen
Webpräsenz: www.schonungen.de
Bürgermeister: Stefan Rottmann (SPD)
Lage der Gemeinde Schonungen im Landkreis Schweinfurt
Schweinfurt Würzburg Landkreis Main-Spessart Landkreis Bad Kissingen Landkreis Rhön-Grabfeld Landkreis Haßberge Landkreis Kitzingen Landkreis Würzburg Landkreis Bamberg Nonnenkloster (Unterfranken) Stollbergerforst Bürgerwald Vollburg Wustvieler Forst Hundelshausen (Bayern) Geiersberg (Gemeindefreies Gebiet) Bergrheinfeld Dingolshausen Dittelbrunn Donnersdorf Euerbach Frankenwinheim Geldersheim Gerolzhofen Gochsheim Grafenrheinfeld Grettstadt Kolitzheim Lülsfeld Michelau im Steigerwald Niederwerrn Oberschwarzach Poppenhausen (Unterfranken) Röthlein Schonungen Schwanfeld Schwebheim Sennfeld Stadtlauringen Sulzheim (Unterfranken) Üchtelhausen Waigolshausen Wasserlosen Werneck WipfeldKarte
Über dieses Bild

Schonungen ist eine Gemeinde im unterfränkischen Landkreis Schweinfurt. Sie ist mit 81 km² die flächengrößte Kommune des Landkreises.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schonungen liegt ca. fünf Kilometer östlich von Schweinfurt am Main, 219 m ü. NN. Sein alter Ortskern breitet sich in der Talweitung der Steinach bei ihrer Mündung in den Main aus, während die Neubaugebiete die Hänge hinaufwachsen. Die Großgemeinde deckt etwa ein Drittel des Gebietes des zum Landkreis Schweinfurt gehörenden Teils der Schweinfurter Rhön ab.

Die Gemarkung ist sehr abwechslungsreich. Die Hochfläche im Norden wird durch zwei Bachtäler in drei Teile zerschnitten, auf deren Höhen wenig ertragreicher Ackerbau betrieben wird. An den Südhängen gegen den Main befinden sich im Gegensatz zu früher nur noch wenige Weinberge. Im Südwesten und Westen greift die Gemarkung über den Main hinüber und schließt dort in der Schonunger Bucht mehrere Baggerseen und den Reichelshof mit ein.

Zu Schonungen gehört auch der der Benediktinerabtei Münsterschwarzach gehörende Kaltenhof auf der Hochfläche zwischen Mainberg und Schonungen, in dem der gemeinnützige Verein LEVI e. V. ein Wohnprojekt für die Nachbetreuung und Wiedereingliederung von psychiatrisch behandelten Menschen unterhält.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schonungen gliedert sich in 13 Ortsteile[2]:

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachbargemeinden sind (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn): Stadtlauringen, Aidhausen, Riedbach, Haßfurt, Theres, Gädheim, Gochsheim, Sennfeld, Schweinfurt und Üchtelhausen.

Alte Steinachbrücke
Jahrgangs-Gedenktafel
Die Alte Apotheke

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Orte mit der Endung ungen deuten auf thüringischen Ursprung hin. Die Thüringer beherrschten das nördliche Mainfranken, bis sie ab dem 6. Jahrhundert von den Franken zurückgedrängt bzw. überlagert wurden.

Schonungen wurde wohl im 5. Jahrhundert gegründet. Der Name besagt entweder, dass es eine schöne, stattliche Siedlung war (sconi = ansehnlich, schön) oder die Niederlassung einer Sippe des Schön (Scono = Personenname).

Erste bekannte Erwähnung ist in einer Urkunde vom Jahre 1194 zu finden, mit der Kaiser Heinrich VI. Schenkungen bestätigte. Begütert waren in Schonungen außer den Grafen von Henneberg die Herren von Lobdeburg, von Thundorf und von Wenkheim, die Klöster Theres, Ebrach und Heidenfeld sowie das Stift Haug in Würzburg.

Im Markgräflerkrieg brannte Schonungen 1553 fast völlig nieder. 300 Jahre später ereilte den Ort abermals dieses Schicksal: Ursache war ein Funkenflug an der ein Jahr zuvor eröffneten Eisenbahnstrecke von Bamberg nach Schweinfurt.

1978 wurde Schonungen im Zuge einer Gebietsreform zur Großgemeinde. Neben den Ortsteilen gibt es im Gemeindegebiet Schonungen noch die vier Weiler Bayerhof, Kaltenhof, Rednershof und auf der anderen Mainseite, nur über Gochsheim oder Sennfeld erreichbar, Reichelshof.

Ende 2000 wurde die Gemeinde landesweit bekannt durch die so genannte Sattler-Altlast; so wurde die großflächige Bodenbelastung mit Schweinfurter Grün genannt, da sie in der Zeit von 1814 bis 1930 von der einstigen Farbenfabrik Wilhelm Sattler verursacht wurde. Am 24. Oktober 2002 wurde ein Bericht vom Magazin monitor des WDR über die Sattler-Altlast ausgestrahlt, der Schonungen bundesweit in die Schlagzeilen brachte. Im Oktober 2011 begannen die Vorbereitungen zur Sanierung des betroffenen Geländes, unter anderem mit dem Abbruch mehrerer Gebäude.[3] Da der Verursacher der Belastung nicht mehr greifbar ist, wären laut geltender Gesetze die aktuellen Eigentümer der Grundstücke dazu verpflichtet, sich bis zur Höhe des Wertes ihrer Grundstücke an den Sanierungskosten zu beteiligen. Nach langen Verhandlungen wurde zwischen den Grundstückseigentümern und dem Freistaat Bayern ein Kompromiss gefunden, der die Haftung der Grundstückseigentümer auf 13,33 € pro Quadratmeter begrenzt.[4][5]

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Juli 1975 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Mainberg eingegliedert. Abersfeld, Forst, Hausen, Löffelsterz, Marktsteinach, Reichmannshausen und Waldsachsen kamen am 1. Mai 1978 hinzu.[6]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 6. Juni 1961: 8.111[6]
  • 27. Mai 1970: 8.286[6]
  • 31. Dezember 2003: 8.243
  • 31. Dezember 2004: 8.200
  • 30. Juni 2005: 8.232
  • 31. Dezember 2006: 8.137
  • 31. Dezember 2007: 8.074
  • 31. Dezember 2011: 7.806

Religionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1332 wurde Schonungen Pfarrei durch Stiftung des Ehepaares von Wenkheim. Die durch den Dorfbrand 1853 zerstörte alte St.-Georgs-Kirche im Neumannstil wurde nach dem Wiederaufbau 1858 eingeweiht. Ihr spitzer Echterturm prägt den alten Ortskern.

1959–1961 wurde die neue St.-Georgs-Kirche an der Hauptstraße erbaut. Außer diesen beiden katholischen Kirchen gibt es seit 1954 am Schrotberg die evangelische Christuskirche. Die evangelische Pfarrgemeinde Schonungen wurde zunächst von Schweinfurt St. Johannis betreut, bis sie nach dem Zweiten Weltkrieg einen eigenen Seelsorger erhielt. 1953 wurde das Vikariat zu einer Pfarrstelle erhoben.

Im 18. Jahrhundert siedelten sich, begünstigt durch die Herren von Thundorf, einzelne jüdische Familien an. 1725 bestand die Jüdische Gemeinde aus acht Familien. Das von ihnen errichtete Bethaus fiel dem Dorfbrand 1853 zum Opfer, wurde aber 1855/56 wieder aufgebaut und neu eingeweiht. Die jüdische Gemeinde hatte einen eigenen Lehrer. Die Inneneinrichtung der Synagoge in der Bachstraße 21 wurde beim Novemberpogrom 1938 von SA-Männern zerstört; das Gebäude wurde nach 1945 zu einer Autogarage und Wohnhaus umgebaut. Dort erinnert eine Gedenktafel an das Gotteshaus und die jüdischen Mitbürger, die Opfer der Shoa wurden.[7]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat hat (ohne Bürgermeister) 20 Mitglieder.

(Stand: Kommunalwahl am 2. März 2008)

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 11. März 2012 wurde Stefan Rottmann (SPD) zum neuen Bürgermeister als Nachfolger von Kilian Hartmann (CSU) gewählt. Mit 25 Jahren wurde er der damals jüngste Bürgermeister Deutschlands. Er setzte sich mit drei Stimmen Vorsprung gegen den Kandidaten von der CSU durch.[8] Der sehr knappe Wahlausgang und die Titulierung als „jüngster hauptamtlicher Bürgermeister“ hatten überregionale Berichte zur Folge. Artikel über Rottmann erschienen in den Tagen nach der Wahl unter anderem im Hamburger Abendblatt, im Focus und auf Spiegel.de.[9][10][11]


Interkommunale Allianz Schweinfurter OberLand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde ist Gründungsmitglied der Interkommunalen Allianz Schweinfurter OberLand, der außerdem die Gemeinden Maßbach, Rannungen, Thundorf in Unterfranken, Üchtelhausen und Stadtlauringen angehören (siehe auch Schweinfurter Rhön).

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Schonungen hat eine Städtepartnerschaft mit Alban (Tarn, Frankreich).

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alte Kirche

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alte Kirche in Schonungen. Dort finden ab und zu Kulturveranstaltungen statt
  • Schloss Mainberg

Baudenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Museum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Schonungen gibt es, begründet durch die Apothekerfamilie Schumm, seit 1998 ein Apothekenmuseum mit drei Räumen auf etwa 50 Quadratmetern. Es ist nach Vereinbarung öffentlich zugänglich.[12]

Freizeitmöglichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Golfplatz des Golf Clubs Schweinfurt in Löffelsterz. 18-Loch-Golfplatz, öffentlicher 6-Loch-Platz und Driving Range.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Ort besitzt alle wesentlichen Einrichtungen eines Kleinzentrums, z. B. Ärzte, Zahnärzte, Apotheke, Schulen, Postagentur, Banken, Spiel- und Sportstätten, Hallenbad, Autoreparaturwerkstatt mit Tankstelle, Friseure, Einzelhandelsgeschäfte und Handwerksbetriebe. Übernachtungsmöglichkeiten gibt es im Naturfreundehaus und in zwei Gasthöfen
  • Mit der Jugend-Umweltstation der Katholischen Jungen Gemeinde und dem Naturerlebnisgarten Reichelshof befinden sich auf dem Gebiet der Gemeinde zwei staatlich anerkannte Umweltstationen.
  • Die evangelische Kirchengemeinde betreibt auf den Dächern der Christuskirche und des Gemeindehauses zwei Photovoltaikanlagen mit insgesamt 14 kWp. Auf dem Dach des Rathauses befindet sich ebenfalls eine Photovoltaikanlage.
  • Im nordöstlichen Gemeindebereich zwischen Forst und Waldsachsen erzeugen acht Windkraftanlagen mit je 1,0 MW Leistung Strom.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Ort wird von der Bundesstraße 26 (Schweinfurt–Bamberg) durchzogen, von der im Ortskern die Staatsstraße St 2266 nach Hofheim abzweigt. 2 km östlich besteht Anschluss an die B 303 nach Coburg und an die A 70 (Maintalautobahn).
  • Ab Dezember 2014 erhält Schonungen wieder einen Anschluss an die Bahnstrecke Bamberg–Würzburg durch einen neuen Haltepunkt.[13] Der alte Bahnhof wurde im Oktober 1983 stillgelegt.
  • Der Ort ist an das Verkehrsnetz der Stadtbusse Schweinfurt angeschlossen und die Omnibusverkehr Franken GmbH (OVF) führt mehrere Buslinien (z. B.: 8130, 8156) durch Schonungen.

Medien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Schonungen gibt ein Gemeindeblatt heraus, das jeden Freitag erscheint.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort hat eine Grundschule, eine Realschule und ein Förderzentrum mit dem Förderschwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung (Schule für Kinder und Jugendliche mit Körperbehinderung) der Lebenshilfe Schweinfurt e.V..

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gemeinde Schonungen (Hrsg.): 800 Jahre Schonungen 1194–1994, Schonungen 1993
  • Rudolf Metz: Schonungen anno 1986, Schonungen 1988
  • Robert Mantel: 1200 Jahre Abersfeld 788-1988, Schonungen 1988
  • Joachim Ahlborn/Norbert Kraus: Forst im Wandel der Zeiten, Schonungen 1984
  • Rita Steger-Frühwacht, 800 Jahre Hausen. Ein Dorf in der Schweinfurter Rhön 1194–1994, Hausen 1994
  • Erich Schröder: Löffelsterz auf dem Schlettach. Das Dorf und seine Menschen, Löffelsterz 1994
  • Erich Schröder: Löffelsterz auf dem Schlettach im Einflußbereich der Popponen und Henneberger, Löffelsterz 1993
  • Rudolf Metz/Ingrid Räder: Reichmannshausen. Geschichte und Geschehen im liebenswerten Schlettachdorf, Schonungen 1999
  • Robert Hofmann: Reichmannshausen und ich. Jugenderinnerungen, Schonungen, 2. Aufl. 1995

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schonungen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom Juli 2016 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. http://www.bayerische-landesbibliothek-online.de/orte/ortssuche_action.html?anzeige=voll&modus=automat&tempus=+20111114/222947&attr=OBJ&val=1769
  3. Mitteilung auf der Homepage des Landratsamts Schweinfurt, abgerufen am 17. Oktober 2011.
  4. Meldung auf der Webseite des Bayerischen Rundfunks, abgerufen am 15. März 2012.
  5. verwaltung.bayern.gov (PDF; 421 kB)
  6. a b c Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 753.
  7. Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 191
  8. Schonungen hat ihn: Stefan Rottmann jüngster hauptamtlicher Bürgermeister Deutschlands, www.swex.de, 11. März 2012
  9. Hauchdünner Vorsprung: Stefan Rottmann ist neuer Bürgermeister, Hamburger Abendblatt, abgerufen am 15. März 2012
  10. Deutschlands jüngster Bürgermeister ist erst 25, Artikel auf focus.de, abgerufen am 15. März 2012
  11. Tobias Lill: Der Drei-Stimmen-mehr-Mann, Artikel auf spiegel.de vom 14. März, abgerufen am 15. März 2012.
  12. Eckart Roloff und Karin Henke-Wendt: Gut dosiert und bescheiden, aber vielseitig und sehr gefragt. (Das Kleine Apothekenmuseum in Schonungen) In: Besuchen Sie Ihren Arzt oder Apotheker. Eine Tour durch Deutschlands Museen für Medizin und Pharmazie. Band 2, Süddeutschland. Verlag S. Hirzel, Stuttgart 2015, S. 146-147, ISBN 978-3-7776-2511-9.
  13. [1], www.nuus.de, abgerufen am 19. Juni 2012