Schott AG

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Koordinaten: 50° 0′ 50,7″ N, 8° 14′ 47,3″ O

Schott AG
Logo
Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1884, Jena, Deutschland
Sitz Mainz, Deutschland
Leitung Frank Heinricht
Vorsitzender des Vorstandes
Mitarbeiterzahl 15.113 in 35 Ländern, davon 5.200 in Deutschland (2016/2017)[1]
Umsatz 2,05 Mrd. Euro (2016/2017)
Branche Glasproduktion
Website www.schott.com

Zentrale der SCHOTT AG in Mainz

Die Schott AG mit Hauptsitz in Mainz (Deutschland) ist ein internationaler Technologiekonzern, der auf die Herstellung von Glas und Glaskeramik spezialisiert ist. Vorstandsvorsitzender des Unternehmens ist seit 2013 Frank Heinricht.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründung als Glaslabor Ende des 19. Jahrhunderts[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Historische Aufnahme des 1884 in Jena gegründeten Glastechnischen Laboratoriums
Unternehmensgründer und Namensgeber Otto Schott

Die Anfänge der Schott AG gehen zurück bis in das Jahr 1884. Damals gründeten Otto Schott, Ernst Abbe und Carl Zeiß sowie dessen Sohn Roderich Zeiß das Glastechnische Laboratorium Schott & Genossen in Jena, das zunächst optische Gläser für Mikroskope und Fernrohre herstellte.[2] Im Jahr 1891 wurde die von Ernst Abbe zwei Jahre zuvor ins Leben gerufene Carl-Zeiss-Stiftung Teilhaberin des Glaslabors. Mit der Erfindung des chemisch resistenten, hitze- und temperaturwechselbeständigen Borosilicatglases konnten neue technische Gläser angeboten werden: Thermometerglas, Laborgläser und Glaszylinder für Gaslampen.

Stiftungsunternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die neuen Produkte sorgten für einen raschen wirtschaftlichen Aufstieg des Unternehmens. 1919 lag die Mitarbeiterzahl bei 1.233, der Umsatz verdoppelte sich bis 1920 dank neuer Produkte auf 28 Millionen Mark. 1919 übertrug Otto Schott seine Geschäftsanteile an die Carl-Zeiss-Stiftung. Das Glaslabor wurde so zu 100 Prozent ein Stiftungsunternehmen und in Jenaer Glaswerk Schott & Gen umbenannt. Ab 1927 leitete Erich Schott, Sohn des Firmengründers Otto Schott, das Glaswerk.

Mainz wird neuer Firmensitz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werk Mainz in den 1950er Jahren

Als der Firmenstandort Jena nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Jahre 1945 Teil der sowjetischen Besatzungszone wurde, nahm das US-Militär bei seinem Rückzug aus dem Gebiet die Geschäftsleitung und ausgewählte Spezialisten mit nach Westdeutschland, unter anderem Richard Hirsch. Das Ereignis ging als Zug der 41 Glasmacher in die Firmengeschichte ein.[3] Nach Zwischenstationen in Heidenheim auf der Ostalb in Württemberg und Zwiesel in Bayern endete die Reise für die Mitarbeiter des Glaswerks schließlich in Mainz, wo Erich Schott 1952 den heutigen Firmensitz in der Mainzer Neustadt errichten ließ. Auslöser für den Neuanfang war die Enteignung des Jenaer Werks und die Umwandlung in einen volkseigenen Betrieb im Jahr 1948 sowie die ein Jahr danach erfolgte politische Teilung Deutschlands.

Analog zur deutschen Geschichte war nun auch das Unternehmen zweigeteilt: Im östlichen Jena gab es das VEB Jenaer Glaswerk, später in das Kombinat VEB Carl Zeiss Jena integriert, und im westlichen Mainz das Jenaer Glaswerk Schott & Gen. Die intensive Zusammenarbeit zwischen den ost- und westdeutschen Werken in den ersten Nachkriegsjahren wurde 1953 durch die DDR beendet. Während sich der volkseigene Betrieb in Jena zu einem der wichtigsten Spezialglaslieferanten Osteuropas entwickelte, baute Erich Schott von Mainz aus eine internationale Firmengruppe mit Vertriebsstätten in Europa, Amerika und Asien auf. Mit neuen Produkten wie Glaskomponenten für Fernsehbildröhren, Glasfasern für Licht- und Bildleiter, Spiegelträger für Großteleskope aus Zerodur, Kochflächen aus Ceran (ab 1973 in Serienanfertigung) und Glasröhren für Parabolrinnenkraftwerke wurde das Unternehmen ein führender Spezialglashersteller. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands übernahm das Werk in Mainz die Geschäftsanteile des Jenaer Betriebs.[3]

Wandel zum Technologiekonzern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das erste Jahrzehnt nach dem Fall der Mauer war von wirtschaftlichem Wachstum geprägt. SCHOTT Glas, wie das Unternehmen seit 1998 heißt, entwickelte sich zu einem Technologiekonzern – mit 80 Unternehmen in 32 Ländern und einem weltweiten Umsatz von über drei Milliarden DM. 1984, im 100-jährigen Jubiläumsjahr, betrieb SCHOTT lediglich 40 Produktionsstätten in zehn Ländern, der weltweite Umsatz lag bei 1,31 Milliarden DM. Angesichts des Wachstums und der Herausforderungen des globalen Wettbewerbs wurde die Rechtsform von Schott Glas als rechtlich unselbstständiger Betrieb der Carl-Zeiss-Stiftung im Jahre 2004 mit sofortiger Wirkung in eine selbstständige Aktiengesellschaft – die Schott AG – geändert.[4] Alleinige Aktionärin ist die Carl-Zeiss-Stiftung. Eine Veräußerung dieser Aktien ist laut Stiftungsstatut nicht erlaubt – ein Börsengang ist damit ausgeschlossen.

Ein- und Ausstieg in die Solarbranche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2001 stieg der Technologiekonzern in die Solarbranche ein und gründete 2005 die SCHOTT Solar GmbH (seit 2008: Schott Solar AG). Das Tochterunternehmen produzierte Wafer, Zellen und Module für die Photovoltaik. Parallel erfolgte ein Engagement in der Concentrated Solar Power (CSP)-Technologie. Mit der Herstellung von Receivern lieferte Schott die Schlüsselkomponente zur Stromerzeugung aus Sonnenenergie in Großkraftwerken. 2012 zog sich Schott aus dem Solargeschäft zurück, die Schott Solar AG wurde aufgelöst.[5][6]

Unternehmensprofil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Übersicht, Leitungsgremien, Ökonomie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schott AG (Deutschland)
Mainz
Mainz
Grünenplan
Grünenplan
Müllheim
Müllheim
Jena
Jena
Landshut
Landshut
Mitterteich
Mitterteich
Werke in Deutschland

2013 kam es zu einer Veränderung in der Unternehmensführung. Im Februar des Jahres berief der Aufsichtsrat Frank Heinricht mit Wirkung zum 1. Juni 2013 zum Vorstandsvorsitzenden der Schott AG.[7][8] Er wurde Nachfolger von Udo Ungeheuer, der den Vorstandsposten zwischen 2004 und 2013 bekleidete. Heinricht verstärkte die Kernbereiche: Pharma-Verpackungen, Ceran-Kochflächen, Kaminscheiben und Brandschutzgläser sowie Komponenten zum Schutz sensibler Elektronik.

Im Geschäftsjahr 2016/2017 erzielte Schott einen Umsatz von 2,05 Milliarden Euro und einen Jahresüberschuss von 197 Millionen Euro (Geschäftsjahr 2015/2016: 139 Mio. Euro). Die Schott AG beschäftigt in Produktions- und Vertriebsstätten in 35 Ländern rund 15.100 Mitarbeiter, davon etwa 5.200 in Deutschland (Stand 2018).[9]

Werke in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mainz: Optisches Glas, Ceran Glaskeramik-Kochflächen, Robax Feuersichtscheiben, Glasfasern, Pharmarohr
  • Grünenplan: Dünngläser
  • Jena: Brandschutzglas
  • Landshut: Electronic Packaging
  • Mitterteich: Glasrohre, -stäbe und -profile für technische und pharmazeutische Anwendungen
  • Müllheim: Pharmaverpackungen

Produktportfolio[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Spiegelguss

Schott produziert eine Vielzahl von Spezialgläsern und Glaskeramiken in hohen Stückzahlen für viele Branchen wie Hausgeräteindustrie, Pharma, Elektronik, Optik, Life Sciences, Automobil- und Luftfahrtindustrie. Zu den herausragenden Produkten für Einzelprojekte zählen die Teleskopspiegelträger für die Astronomie:

2017 hat Schott den Auftrag erhalten, vier von fünf Spiegeln für das European Extremely Large Telescope (ELT) herzustellen.[13] Mit einem Durchmesser des Hauptspiegels von 39 Metern gilt dieses als das größte Spiegelteleskop der Welt. Schott erhielt den Zuschlag für die Lieferung von 4 der 5 Spiegelträger, darunter der Hauptspiegel: 798 Hexagone aus ZERODUR Glaskeramik bilden zusammengesetzt den riesigen Hauptspiegel. Das ELT soll 2024 in Chile in Betrieb gehen.Vorlage:Zukunft/In 5 Jahren[14]

Marken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gebogenes Glas

Neben den bekanntesten Marken CERAN (Glaskeramikkochflächen) und PYRAN (Brandschutzgläser)[15] zählen dazu unter anderem ROBAX (Feuersichtscheiben), FIOLAX (Glasrohre für pharmazeutische Behältnisse), HelioJet (Flugzeugkabinenbeleuchtung), PURAVIS (Glasfasern für die Medizintechnik), Zerodur (Glaskeramik für Teleskopspiegelträger und die Halbleiterindustrie). Die Laborglasmarke Duran wurde verkauft.

Besitzverhältnisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die alleinige Eigentümerin der Schott AG ist die Carl-Zeiss-Stiftung, die sämtliche Aktien hält und sich u. a. aus der Dividende finanziert.[16]

Gesellschaftliches Engagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schott AG ist darüber hinaus in gesellschaftlichen Bereichen engagiert. Sie organisiert den jährlichen Benefizlauf Run for Children, der auf der 400-Meter-Bahn des Sportvereins TSV Schott Mainz stattfindet und seit der Erstauflage 2006 rund 1,7 Millionen Euro für bedürftige Kinder erbracht hat.[17] Seit 2014 organisiert und finanziert Schott den weltweiten Austausch von Mitarbeiter-Kindern. Unter dem Motto Schott goes Family verbrachten im Jahr 2017 32 Jugendliche aus zehn Ländern wechselseitig zwei Wochen mit ihren Austauschpartnern bei deren Familien im Ausland. Die Aktion bietet jungen Menschen die Möglichkeit, internationale Erfahrung zu sammeln und Verständnis für andere Kulturen zu entwickeln.[18] Für die Kirche St. Stephan in Mainz hat Schott 2009 drei neue Glocken gestiftet.[19]

Die Schott AG ist Hauptsponsor des TSV Schott Mainz, der mit rund 4.600 Mitgliedern in 30 Sportarten der größte Breitensportverein in Rheinland-Pfalz ist.[20] Darüber hinaus ist die Schott AG auch Hauptsponsor des SV Schott Jena, mit mehr als 1.300 Mitgliedern in 13 verschiedenen Sportarten einer der größten Breitensportvereine in Thüringen.[21]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schott AG wurde bereits mehrfach für ihre Produkte ausgezeichnet. So erhielt das Unternehmen unter anderem den Deutschen Innovationspreis 2010[22] für das umweltfreundliche Herstellungsverfahren von Ceran Glaskeramik-Kochflächen, den Corporate Environmental Achievement Award 2013 der American Ceramic Society[23], den Interior Innovation Award 2015[24], vergeben von der Einrichtungsmesse imm cologne, als Best of the Best in der Kategorie Küche und Haushalt sowie den Innovationspreis der deutschen Wirtschaft 2016 für ultradünnes Glas. Darüber hinaus wurde Schott Ceran 2013 und 2016 vom Verlag Deutsche Standards zur Marke des Jahrhunderts gekürt.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dieter Kappler, Jürgen Steiner: Schott 1884–2009. Vom Glaslabor zum Technologiekonzern. 1. Auflage. Universitätsdruckerei H. Schmidt, Mainz 2009, ISBN 978-3-935647-45-8 (264 S.).
  • Rolf Sachsse, Ulrike Ellguth-Malakhov,‎ Angelika Steinmetz-Oppelland,‎ Miriam Halwani: Albert Renger-Patzsch - Industriefotografien für SCHOTT. Hrsg.: SCHOTT AG,‎ LWL-Industriemuseum. 1. Auflage. VDG Weimar - Verlag und Datenbank für Geisteswissenschaften, Weimar 2011, ISBN 978-3-89739-730-9 (110 S.).

Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ein Glas für alle Fälle – Schott AG in Mainz – Fernsehdokumentation des SWR aus der Reihe made in Südwest, erstmals gesendet am 20. Mai 2015 (kurzer Inhaltsüberblick); Online-HD-Video (840 MB) – pd-ondemand.swr.de (aktuell verfügbar, Stand 25. Juli 2016)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schott AG – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Geschäftsbericht 2016/2017. In: Schott AG, abgerufen am 19. Januar 2018.
  2. Vom Glaslabor zum Technologiekonzern. Historische Meilensteine. SCHOTT AG, abgerufen am 14. November 2017.
  3. a b Geschichte: Schott 1884 – 2009. In: Schott AG, aufgerufen am 20. Januar 2016.
  4. SCHOTT ist jetzt Aktiengesellschaft. Messe München GmbH, 2. Juli 2004, abgerufen am 14. November 2017.
  5. Schott Solar bestätigt Rückzug. Alfons W. Gentner Verlag GmbH & Co. KG, abgerufen am 14. November 2017.
  6. SCHOTT schließt Verkauf von CSP-Geschäft ab. Die SCHOTT AG hat den Verkauf des CSP-Geschäftes (Concentrated Solar Power) an die spanische Rioglass Solar abgeschlossen. In: Pressemitteilung. SCHOTT AG,, 14. April 2016, abgerufen am 14. November 2017.
  7. cs: Frank Heinricht, in: Internationales Biographisches Archiv 08/2014 vom 18. Februar 2014, im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
  8. Vorstand Dr. Frank Heinricht Vorsitzender des Vorstandes der SCHOTT AG. Abgerufen am 14. November 2017.
  9. SCHOTT bleibt auf Wachstumskurs. In: Pressemitteilung zur Bilanzpressekonferenz. SCHOTT AG, Pressestelle, 19. Januar 2018, abgerufen am 19. Januar 2018.
  10. Schott-Spiegelträger aus Mainz. Astronomische Arbeitsgemeinschaft Mainz e. V., abgerufen am 14. November 2017.
  11. Rene Purwin: Gezieltes Zerren an der Optik. ZEIT ONLINE GmbH, 31. Juli 1992, abgerufen am 14. November 2017.
  12. Gran Telescopio CANARIAS (GTC) offiziell eingeweiht. Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH, 24. Juli 2009, abgerufen am 14. November 2017.
  13. Die ESO unterzeichnet Verträge für den riesigen Hauptspiegel des ELT. In: ESO-Pressemitteilung eso1717. European Southern Observatory, 13. Mai 2017, abgerufen am 14. November 2017.
  14. Weltgrößtes Teleskop für Atacamawüste. Mainzer gießen Spiegel für Riesenfernrohr. SWR, 20. Januar 2017, abgerufen am 14. November 2017.
  15. PYRAN®. In: Produktbeschreibung. SCHOTT AG, abgerufen am 14. November 2017.
  16. Aufgaben und Ziele nach § 1 Stiftungsstatut. Carl-Zeiss-Stiftung, abgerufen am 14. November 2017.
  17. Historie. Abgerufen am 14. November 2017.
  18. SCHOTT organisiert internationalen Austausch für Mitarbeiterkinder. „SCHOTT goes Family“ fördert interkulturelles Verständnis. 23. Juli 2015, abgerufen am 14. November 2017.
  19. Glocken von St. Stephan. Katholisches Pfarramt St. Stephan, abgerufen am 14. November 2017.
  20. Hauptsponsor. TSV SCHOTT Mainz e. V., abgerufen am 14. November 2017.
  21. Sponsoren und Förderer. SV SCHOTT Jena e. V., abgerufen am 14. November 2017.
  22. Der Deutsche Innovationspreis 2010. Gewinner des Innovationspreises: Ideen schmieden. WirtschaftsWoche, 30. April 1010, abgerufen am 14. November 2017.
  23. Corporate Environmental Achievement Award. The American Ceramic Society, abgerufen am 14. November 2017 (englisch).
  24. Imm Cologne 2015 News: winners of the Interior Innovation Awards 2015. Design Contract, 20. Januar 2015, abgerufen am 14. November 2017 (englisch).