Schräglenkerachse

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Einzelradaufhängung an einer Hinterachse mit Schräglenkern

Die Schräglenkerachse ist eine Bauform der Einzelradaufhängung. Sie wird in Kraftfahrzeugen fast ausschließlich als Radaufhängung an der Hinterachse verwendet und besteht aus einer dreiecksförmigen Schwinge, die mit dem Radträger fest verbunden und an zwei Punkten an der Karosserie oder einem Hilfsrahmen (Fahrschemel) gelagert ist. Die von beiden Lagern gebildete Drehachse zeigt zur Fahrzeugmitte hin schräg nach hinten, sodass die Räder beim Einfedern etwas Vorspur und negativen Sturz bekommen.

Im Vergleich zur Pendelachse hat die Schräglenkerachse geringere Sturzänderung und ein tiefer liegendes Momentanzentrum. Antriebswellen müssen aber je zwei Gelenke haben statt einem. Im Vergleich zu modernen Mehrlenkerachsen neigt die Schräglenkerachse unter Seitenkräften zum Übersteuern, gilt daher als technisch überholt.

Lancia ließ sich die Schräglenkerhinterachse im Jahre 1947 patentieren und baute sie ab 1950 im Lancia Aurelia ein. Renault verwendete sie ab 1951 (Renault Frégate), Fiat ab 1955 (Fiat 600) und 1957 (Fiat Nuova 500) (in beiden Typen zusammen über 6,5 Millionen Mal). Deutsche Hersteller begannen Ende der 1950er-Jahre Schräglenkerachsen einzubauen: Lloyd (Lloyd Alexander TS ab 1958), Barkas (B 1000 ab 1961), BMW („Neue Klasse“ ab 1962), AWE (Wartburg 312 ab 1965), NSU (Ro 80 ab 1967), Mercedes-Benz (Typ W114/115 – „Strich-Acht“ ab 1968) und Volkswagen (VW Käfer mit Halbautomatik, VW-Transporter T2, beide 1967), VW 411 1968 und K 70 1970.

In Großbritannien führte Ford sie 1966 im Ford Zephyr ein, der Nachfolger Ford Granada von 1972 mit der gleichen Achskonstruktion war auch auf dem Kontinent erhältlich. BMC verwendete sie beim 1967 erschienenen Austin 3-litre. GM führte die Schräglenkerachse 1964 im Chevrolet Corvair ein und in Europa ab 1977 im Opel Senator und Vauxhall Royale. In Frankreich gab es sie wieder ab 1968 im Peugeot 504.

Sie wird seit Beginn der 1980er Jahre bei hinterradgetriebenen Fahrzeugen von der Raumlenkerachse verdrängt, wie sie im Mercedes 190 (W 201) zum ersten Mal verwendet wurde.

Daimler-Benz verwendete für die hintere Schräglenkerachse der 1968 vorgestellten Baureihe W114/115 die Bezeichnung „Diagonalpendelachse“. Der Name wurde aus Marketinggründen gewählt, um die damals aktuelle S-Klasse (W 108/109) mit Pendelachse nicht als veraltete Konstruktion erscheinen zu lassen.

Der Barkas B 1000 ist eines der wenigen Fahrzeugmodelle mit Schräglenkern[1] auch an den Vorderrädern.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter Gerigk, Detlev Bruhn, Dietmar Danner: Kraftfahrzeugtechnik. 3. Auflage, Westermann, Braunschweig 2000, ISBN 3-14-221500-X

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.barkas.de/Fanshop/Handbuecher/Pflegeplan.jpg Schemaplan von Fahrgestell und Fahrwerk