Schrattenkalk-Formation

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Schrattenkalk)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Schrattenkalk in der Schrattenfluh.

Die Schrattenkalk-Formation, bezeichnet eine lithostratigraphische Einheit der Kreidezeit im Helvetikum der Schweiz, dem Vorarlberg in Österreich und dem Allgäu in Deutschland. Ihr Name leitet sich von der Schrattenfluh ab, einem Gebirgsstock der Schweizer Voralpen im Kanton Luzern, der karrige oder schrattige Verwitterungsoberflächen bildet. Der Begriff Schrattenkalk wurde 1834 erstmals von Bernhard Studer verwendet.[1]

Synonyme sind: Hieroglyphenkalk, Calcaire à Hippurites, Urgonien, Rudistenkalk, Urgo-Aptien, Schrattenschichten, Requienenkalk, Rhodanien, Caprotinenkalk, Urgonkalk.

Im Liegenden werden die Gesteine von der Tierwis- und im Hangenden von der Garschella-Formation begrenzt. Die gesamte Mächtigkeit kann bis 300 m betragen.[2]

Unterteilung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Formation wird weiter wie folgt unterteilt.

1. Unterer Schrattenkalk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alter: frühes Barremium bis unteres Aptium
Hellgrau anwitternder, bioklastischer-oolithischer Flachwasserkalk. Typische Fossilien sind Rudisten, Brachiopoden und Bivalvier, zahlreiche Mikrofossilien und Rot- und Grünalgen.

2. Rawil-Member, veraltet: Orbitolinenschichten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alter: Aptium
Gut geschichtete, bräunliche bis schwarzgraue Kalkbänke, die mit Mergellagen und knolligen Schichten in Wechsellagerung liegen. Als Ursache dieser Wechsellagerungen wird eine rhythmische Sedimentation mit mehreren kleinen Regressionen und Transgressionen angenommen. Während der Regression nahm der Anteil detritischer Sedimentation zu. So sind manchmal Sandsteinbänke eingelagert. Die knolligen Schichten können als Ablagerungen in Küstennähe mit grösserer Fliessenergie des Wassers gedeutet werden.
Typische Fossilien: Zusätzlich zum unteren Schrattenkalk treten Seeigel, seltener Korallen auf. Insbesondere charakteristisch sind Orbitolinavertreter (Foraminiferen).
An der Pilatussüdseite (Lokalität: Chilchsteinen 1865 m ü. M.) konnte ein fossiler Wurzelboden, wahrscheinlich von einer mangrovenartigen Vegetation, nachgewiesen werden. Dies bestätigt neben dem hohen Detritusanteil die ufernahen Ablagerungsverhältnisse.

3. Oberer Schrattenkalk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alter: Aptium
Hellgrau bis weiss anwitternder, bioklastischer-oolithischer Flachwasserkalk.
Der Fossilgehalt ist vergleichbar mit dem des unteren Schrattenkalkes, wobei v.a. Bivalvier (Toucasien, Requienien und Austern) gehäuft auftreten können. Zudem sind immer wieder Korallen, Kalkschwämme und Algenknollen zu finden.[3]

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Typusprofil an der Schrattenfluh ist ungeeignet, da nur der untere Teil der Formation vorhanden ist. Geeignet wäre die Beschreibung der Formation am Berg Lopper, beispielsweise im Steinbruch Hellegg: (667.850/203.050).

Die Entstehung des Schrattenkalks in sehr flachem Wasser wird zudem durch Saurierfährten (Iguanodon) auf Schichtplatten im Steinbruch Risleten bei Beckenried belegt. Periodisch muss dieses damalige Schelfgebiet auch trocken gefallen sein.[4]

Der Schrattenkalk der Kreide bildet wie der Malmkalk und Dogger der Jurazeit bei flacher Lagerung der Schichten markante 50 bis 200 m hohe Felswände, bei steiler Lagerung Klettergrate.

Beispiele von Berggipfeln aus Schrattenkalk sind neben der Schrattenfluh beispielsweise die Kreuzberge im Alpstein, die Argentine im Kanton Waadt zwischen Les Diablerets und Grand Muveran sowie das Bockmattli im Kanton Schwyz östlich des Wägitalersees. Im Kleinwalsertal bildet der Schrattenkalk nördlich des Hohen Ifens das 25 Quadratkilometer grosse Gottesackerplateau, welches eine eindrückliche Karstlandschaft darstellt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kristina Schenk: Die Drusberg- und Schrattenkalk-Formation (Unterkreide) im Helvetikum des Berner Oberlandes. Dissertation Universität Bern, 1992.

Weblink[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Neues Jb. der Min., Geogn., Geol., Petr., 1834, Heft 5, S. 512
  2. Lithostratigraphisches Lexikon der Schweiz, siehe Weblinks
  3. Viktor Steinhauser: Geologie der östlichen Pilatusgruppe. Diplomarbeit ETHZ, 1981.
  4. Geologie des Kantons Uri. Altdorf 2011, S. 67, ISBN 978-3-03302916-3