Schrattenthal

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Stadtgemeinde
Schrattenthal
Wappen Österreichkarte
Wappen von Schrattenthal
Schrattenthal (Österreich)
Schrattenthal
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Niederösterreich
Politischer Bezirk: Hollabrunn
Kfz-Kennzeichen: HL
Hauptort: Obermarkersdorf
Fläche: 22,41 km²
Koordinaten: 48° 43′ N, 15° 54′ OKoordinaten: 48° 43′ 0″ N, 15° 54′ 0″ O
Höhe: 289 m ü. A.
Einwohner: 871 (1. Jän. 2019)
Bevölkerungsdichte: 39 Einw. pro km²
Postleitzahl: 2073
Vorwahl: 02942
Gemeindekennziffer: 3 10 41
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Obermarkersdorf 36
2073 Schrattenthal
Website: www.schrattenthal.at
Politik
Bürgermeister: Stefan Schmid (ÖVP)
Gemeinderat: (2015)
(15 Mitglieder)
9
6
Insgesamt 15 Sitze
Lage von Schrattenthal im Bezirk Hollabrunn
Alberndorf im PulkautalGöllersdorfGrabernGuntersdorfHadresHardeggHaugsdorfHeldenbergHohenwarth-Mühlbach am ManhartsbergHollabrunnMailbergMaissauNappersdorf-KammersdorfPernersdorfPulkauRavelsbachRetzRetzbachSchrattenthalSeefeld-KadolzSitzendorf an der SchmidaWullersdorfZellerndorfZiersdorfNiederösterreichLage der Gemeinde Schrattenthal im Bezirk Hollabrunn (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
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Rathaus in der Katastralgemeinde Obermarkersdorf
Rathaus in der Katastralgemeinde Obermarkersdorf
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria
Hauptstraße von Schrattenthal
Wehranlagen im Schloss Schrattenthal
Europawarte nach der Sanierung im Herbst 2018

Schrattenthal ist eine Stadtgemeinde mit 871 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2019) im Bezirk Hollabrunn in Niederösterreich und damit eine der kleinsten Stadtgemeinden Österreichs.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schrattenthal liegt im Weinviertel in Niederösterreich. Die Fläche der Stadtgemeinde umfasst 22,41 Quadratkilometer. 34,33 Prozent der Fläche sind bewaldet.

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort ist namengend für das kristalline Becken von Obermarkersdorf.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gemeindegebiet umfasst folgende drei Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand 1. Jänner 2019[1]):

  • Obermarkersdorf (364) samt Breitenmühle und Rosenau
  • Schrattenthal (293)
  • Waitzendorf (214)

Die Gemeinde besteht aus den Katastralgemeinden Obermarkersdorf, Schrattenthal und Waitzendorf.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1425 standen die Hussiten vor Schrattenthal, das im Jahr 1220 das erste Mal urkundlich erwähnt wurde, und eroberten es nach mehrtägiger Belagerung ebenso wie die benachbarten Städte Retz und Pulkau.

Am 4. April 1434 erwarb Ulrich von Eyczing Schrattenthal und machte es 1435, obwohl er ausgedehnte Ländereien zwischen Donau und Mähren mit großen Orten und Burgen besaß, zu seinem Hauptsitz. Er ließ eine neue Burg errichten und bezog den Ort durch gemeinsame Mauern in die Verteidigungsanlagen mit ein.

Am 18. September 1472 wurde Schrattenthal von Kaiser Friedrich III. zur Stadt erhoben und bekam ein Stadtwappen.

29 Jahre später (1501) entstand in Schrattenthal die erste Buchdruckerei in Niederösterreich.

1563 bekannten sich die Eyczinger zum protestantischen Glauben, errichteten in der Burg eine evangelische Kirche und holten aus der Pfalz einen Prediger, der auch Schulmeister wurde. Schrattenthal wurde ein wichtiges Zentrum des Protestantismus in Niederösterreich.

In den Anfangsjahren des Dreißigjährigen Kriegs verloren die Eyczinger ihre Ländereien, die kleine Stadt erlebte in der Folge einige Besitzerwechsel. Von 1620 bis 1660 besaßen die Grafen von Strozzi den Ort.

Vom März bis Oktober 1645 waren die Schweden mit ihrem General Lennart Torstensson, der hier sein Hauptquartier aufgeschlagen hatte, in der Stadt.

Schrattenthal um 1670, Typographia Austriae inferioris, Georg Matthäus Vischer

Von 1660 bis 1734 war der Ort im Besitz der Freiherrn von Adlersthurm, dann kamen die Grafen von Hartig. 1740 wurden die Felder vermessen und die Häuser nummeriert. Bei der Nummer 57 war Schluss. In der Vorstadt (vier Häuser) waren die verpönten Berufe wie der Scharfrichter, Abdecker und Viehhirte angesiedelt.

Die Folgen eines Brandes 1783, der große Teile der Stadt zerstörte, veränderte deren Aussehen. Die Stadtmauern wurden aufgelassen und als Baumaterial für den Wiederaufbau verwendet.

In den Napoleonischen Kriegen zogen 1797 (General Suworow) und 1805 (General Kutusow) russische Hilfstruppen durch die Stadt, 1809 waren es die Österreicher, Russen und Franzosen.

Sechs Jahre lang wurde an der „Commerzstrasse“ von Krems nach Znaim gebaut, 1833 wurde sie von Kaiser Franz I. eröffnet. Er war nicht der erste Kaiser in Schrattenthal. Kaiser Maximilian II. war hier oft zur Jagd und am 11. Oktober 1848 reiste Kaiser Ferdinand I. auf seiner Flucht aus Wien hier durch, begleitet vom Thronfolger Franz Joseph.

Das Jahr 1848 brachte die Bauernbefreiung und das Jahr 1850 die ersten Wahlen in der Stadt. Der bisherige Herrschaftsbesitzer, Hermann Graf von Attems, wurde erster frei gewählter Bürgermeister. Am 27. Juli 1866 kamen die Preußen und mit ihnen die Cholera (zwei Tote).

1945 zog die deutsche Wehrmacht in Schrattenthal ein, die Stadt wurde ab dem 11. April Kriegsgebiet, der Postbetrieb und die Lebensmittelzuteilung wurden eingestellt. Am 8. Mai wurden Brücken und Munitionslager gesprengt, die Stromversorgung brach zusammen. Um 22 Uhr kam die Rote Armee in die Stadt. Mitte Juni 1946 verließ sie die Stadt wieder.

1972 entstand durch Zusammenlegung der Gemeinden Schrattenthal, Obermarkersdorf und Waitzendorf die Stadtgemeinde „Stadt Schrattenthal“. Der namensgebende Ort Schrattenthal zählt rund 250 Einwohner (257 Einwohner lt. Volkszählung 2001) und ist somit eine der kleinsten historischen Städte Österreichs. Die Volkszählung 2001 wies außerdem für Obermarkersdorf 376 Einwohner und für Waitzendorf 246 Einwohner aus.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Schrattenthal

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2010 gab es 79 land- und forstwirtschaftliche Betriebe (121 im Jahr 1999), davon waren 39 Haupterwerbsbetriebe.[3] Im Produktionssektor beschäftigten acht Betriebe neunzehn Arbeitnehmer, vorwiegend mit der Herstellung von Waren. Der Dienstleistungssektor gab in 37 Betrieben 59 Menschen Arbeit, vor allem im Handel und in sozialen und öffentlichen Dienstleistungen (Stand 2011).[4][5]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister der Stadtgemeinde ist Stefan Schmid, Amtsleiter Werner Köck. Im Stadtgemeinderat gibt es bei insgesamt 15 Sitzen nach der Gemeinderatswahl vom 25. Jänner 2015 folgende Mandatsverteilung: ÖVP 9, SPÖ 6, andere keine Sitze.[6]

Töchter und Söhne der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael von Aitzing (~1530–1598), Adliger, Gelehrter und Autor
  • Theobald Fritz (1771–1848), Augustiner-Mönch und Hochschullehrer an der Universität Wien
  • Ferdinand Steinhauser (1905–1991), Klimatologe, Meteorologe und Direktor der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik in Wien.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schrattenthal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistik Austria: Bevölkerung am 1.1.2019 nach Ortschaften (Gebietsstand 1.1.2019), (CSV)
  2. Europawarte bei Waitzendorf auf weinviertel.net
  3. Statistik Austria, Ein Blick auf die Gemeinde Schrattenthal, Land- und forstwirtschaftliche Betriebe. Abgerufen am 8. Oktober 2019.
  4. Statistik Austria, Ein Blick auf die Gemeinde Schrattenthal, Arbeitsstätten. Abgerufen am 8. Oktober 2019.
  5. Statistik Austria, Ein Blick auf die Gemeinde Sxhrattenthal, Beschäftigte. Abgerufen am 8. Oktober 2019.
  6. Wahlergebnis Gemeinderatswahl 2015 in Schrattenthal. Amt der NÖ Landesregierung, 1. Dezember 2015, abgerufen am 7. Februar 2019.