Schubboden



Schubboden, auch als Schiebeboden bekannt, ist ein motorisch oder hydraulisch angetriebener, beweglicher Boden, der in der Förder- und Fahrzeugtechnik eingesetzt wird, um Stückgut, Transportbehälter (Container, Kisten, Säcke, Bigbags) oder lose kohäsive Schüttgüter über kurze Strecken automatisiert fortzubewegen.
Der Boden besteht aus beweglichen parallelen Segmenten (Lamellen), die (hydraulisch) verschoben werden können und dabei das auf den Segmenten liegende Material mitführen. Die Segmente bewegen sich dabei häufig nur um einige Zentimeter vor und zurück.
Funktion
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Schubboden besteht aus längsverschiebbaren Lamellen, die ohne Zwischenräume ineinander greifen. Nebeneinander angeordnet teilen sich diese Längsbahnen (Segmente) in Zonen auf. Die Segmente jeder dieser Zonen werden entweder mechanisch gekoppelt und motorisch angetrieben oder jedes Segment erhält einen eigenen Hydraulikzylinder und die synchrone Kopplung der Segment-Bewegung wird durch die hydraulische Ansteuerung erreicht.
Durch die gestaffelte Ansteuerung der Segmente wird erreicht, dass sich das Material nicht mit den Segmenten vor und zurück, sondern stets nur in die gewünschte Richtung bewegt:
- Zunächst bewegen sich alle Lamellen gemeinsam in eine Richtung. Anschließend wird pro Bewegungsphase jeweils nur jede dritte Lamelle wieder nach hinten gezogen. Nach der dritten Bewegungsphase befinden sich alle Lamellen wieder in der Ausgangsposition. Da nur jede dritte Lamelle zurückgezogen wird, können diese unter dem Material durchrutschen, das währenddessen unbewegt auf der Mehrheit der Lamellen ruht, die stillstehen.
Nachdem alle Lamellen in drei konsekutiven Bewegungsphasen unter dem stehenden Ladegut zurückgezogen wurden, bewegend sich in der anschließenden vierten Bewegungsphase wieder sämtliche Lamellen in die gleiche Richtung.
- Alternativ zum Zusammenschalten jeder dritten Lamelle können die Lamellen auch lediglich in zwei Gruppen aufgeteilt werden, die sich zeitgleich bewegen, wenn die Lamellen einer Gruppe während der horizontalen Bewegung zusätzlich (geringfügig) angehoben bzw. abgesenkt werden.
- Wenn die Oberfläche der Lamellen eine Sägezahnstruktur erhält, genügt es ebenfalls, die Lamellen zum Schieben des Materials in zwei Gruppen aufzuteilen, die sich gemeinsam bewegen. Sofern die Lamellen einer Gruppe während der Bewegung nicht zusätzlich angehoben oder abgesenkt werden, ist in diesem Fall allerdings nur das Verschieben in eine Richtung möglich.
Anwendungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Fahrzeugtechnik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Vorteil von Schubboden-Aufliegern besteht in ihren flexiblen Einsatzmöglichkeiten, da neben Stückgut auch bestimmte lose Güter befördert und entladen werden können. Mit dem hohen Nutzvolumen der Lkw-Auflieger von bis zu 100 m³ eignen sich diese Fahrzeuge vor allem für den Transport von voluminösen und leichten, losen Gütern. Die Beladung des Aufliegers kann von allen Seiten erfolgen. Der Lkw benötigt für den Betrieb eines hydraulisch angetriebenen Schubbodenaufliegers eine Hydraulikpumpe als Nebenantrieb.
Von Vorteil ist die automatisierte Entladung insbesondere an Orten, an denen aufgrund des unebenen oder weichen Untergrunds (Baustellen) oder einer zu geringen Deckenhöhe ein gewöhnlicher Gabelstapler nicht eingesetzt werden kann. Der Auflieger muss bei der Entladung nicht gekippt werden.
Bewegungsablauf eines modernen Schubbodens der zum Entladen im Sattelauflieger eines LKW integriert ist:
- Alle Profile, und damit auch die Ladung, bewegen sich gemeinsam in Richtung der hinteren Ausladekante.
- Die erste Längsbahn wird unter der Ladung zurück nach vorne (von der Ausladekante weg) gezogen.
- Die zweite Längsbahn wird unter der Ladung nach vorne gezogen.
- Die dritte Längsbahn fährt unter der Ladung nach vorne.
Dieser Ablauf wird so lange wiederholt, bis die Entladeposition erreicht ist oder Schüttgut, Säcke oder BigBags über die Ladekante gefallen sind.

Fördertechnik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Schubboden-System wird zum Beschicken und Dosieren in Spezialbunkern eingesetzt und bietet durch wartungsarmen Aufbau in der Fördertechnik eine platzsparende, gleichmäßige Austragung von schwer transportierbaren Materialien. Typische Anwendungen sind zum Beispiel Brennkesselbeschickung mit Holzhackschnitzeln oder der Transport von großvolumigem Schüttgut in Industriebetrieben oder Betrieben der Abfallwirtschaft.[1]
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Die vertikale Austragung von schlecht fließenden (komplexen) Schüttgütern aus Lagerbehältern kann über Drehbalkenböden gesteuert werden.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Winfrid Rauch: Schubbodentechnik Möglichkeiten und Anwendungen. Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, Wiesbaden 2020, ISBN 978-3-658-31503-0.