Schulfernsehen

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Bestrebungen das Medium Fernsehen für die Belange des Schulunterrichts zu nutzen, entstanden Ende der 1940er Jahre in den USA. Im Jahr 1953 startet beim Sender KUTH, jetzt HoustonPBS, das erste regelmäßige Schulfernsehprogramm. Parallel mit dem Sendestart des japanischen Fernsehens NHK 1953 startete auch dort das Schulfernsehen, das bis heute ein integraler Bestandteil im Lehrplan an japanischen Schulen ist. In Europa startete Frankreich 1949 mit Radio Television Scolaire (RTS) die ersten Sendungen, die 1952 auf die Zielgruppe mittlere und höhere Schulformen ausgeweitet wurden. Die BBC begann im Herbst 1957 mit nachmittäglichen Sendungen, drei Jahre später starteten die Vormittagsausstrahlungen. Der Programmmantel der BBC nennt sich BBC Schools.

Das Schulfernsehen in der Bundesrepublik Deutschland wurde 1964 im Zuge der Diskussion um das durch Georg Picht eingebrachte Schlagwort Bildungskatastrophe entwickelt. Den Lehrern sollte neben dem klassischen Lehrbuch ein zeitgemäßes Medium für den Einsatz im Schulunterricht zur Verfügung stehen. Der Bayerische Rundfunk startete Ende 1964, der WDR als zweite Sendeanstalt 1969, alle weiteren Landessender folgten, bis 1972 Schulfernsehen schließlich flächendeckend zur Verfügung stand.[1]

In Österreich begannen die Schulfernsehausstrahlungen im ORF im September 1964.[2] Zu größerer Bekanntheit brachte es Lisa Schüller, die von 1974 bis 1992 den Russischsprachkurs "Russisch für Anfänger" moderierte.[3] Eingestellt wurde die Ausstrahlung des Schulfernsehens im Zuge der Programmreform Ende der 1990er Jahre.

In der Schweiz wird durch das Schweizer Radio und Fernsehen seit 1964 ein regelmäßiges Angebot für Schulen ausgestrahlt. Eine Leistungsvereinbarung mit der Deutschschweizer Erziehungsdirektoren-Konferenz sowie dem Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) regelt die Zusammenarbeit der Rundfunkanstalt mit den Schulgremien. Bund und Kantone beteiligen sich zu einem Drittel am Aufwand für das Schulfernsehen.[4]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Beginn des Schulfernsehens glichen die Sendungen sehr stark abgefilmtem Unterricht; gleichsam unter dem Motto „Ich bin der Lehrer auf dem Bildschirm...“.[5]

Seit den 1980er-Jahren wird diese Form der Wissensvermittlung im Fernsehen nicht mehr eingesetzt. Schulfernsehen versteht sich als Partner und nicht als Ersatz des Lehrers. Das Gesicht der Schulfernsehsendungen hat sich daher auch von moderierten Studiosendungen hin zu Features und Dokumentationen gewandelt. Bei der Erstellung der Sendungen wird darauf geachtet, dass die Inhalte eine leichte Integration in das Curriculum des Schulunterrichts erlauben. Viele Sendungen sind fächerverbindend konzipiert, so dass ein Einsatz im Fächerverbund möglich ist.

Mitte der 1990er-Jahre brachten die „neuen Medien“ große Veränderungen für die Schule. Der Computer hielt Einzug in die Gesellschaft und stand bald auch im Klassenzimmer. Auf diese Entwicklung reagierte das Schulfernsehen, die Unterrichtsmittel selbst wurden multimedial; das klassische Schulfernsehangebot wurde um die Elemente Internetangebot und CD-ROMs sowie DVD erweitert.

Schulfernsehen gab es auch in der DDR. Seit den 1970er Jahren sendete der DFF Schulfernsehsendungen. Die Sendungen waren den Lehrplänen der Polytechnischen Oberschulen angepasst, die Unterrichtsabläufe (wie zum Beispiel zeitliche Eintaktung) dem Fernsehprogramm. Als Fächer fanden ESP, Englisch (mit der Sendung "English for you"), Geographie, Geschichte, Heimatkunde, Literatur, Physik, Staatsbürgerkunde und Russisch Berücksichtigung. Zusätzlich gab es Lehrer-Information, die zusätzliche Informationen zu den entsprechenden Sendungen vermittelten. Die Reihen liefen dabei zum Teil sehr lange und wurden jährlich wiederholt, "English for you" umfasste 52 Folgen und wurde von 1978 an 11 Jahre lang gesendet.[6]

Situation in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rechtliches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schulfernsehen und Schulfunk (Hörfunksendungen) haben in Bezug auf den Urheberrechtsschutz eine Sonderstellung. Gemäß dem deutschen Urheberrecht §47 ist die Aufzeichnung von Hörfunk- und Fernsehsendungen sowie Vervielfältigung mit dem Ziel der Nutzung und Aufführung im Unterricht zulässig. Voraussetzung dafür ist, dass die Sendungen als „Schulfernsehen“ bzw. „Schulfunk“ im Sendeablauf deklariert sind. Aufgezeichnete Sendungen dürfen bis zum Ende des auf die Ausstrahlung folgenden Schuljahres verwendet werden. Paragraph 47 ist auch die Rechtsgrundlage dafür, dass Schulfernsehsendungen von Landesmedienzentren aufgezeichnet und für Schulen vorgehalten werden können.

Sendungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Rahmen von Planet Schule des SWR Fernsehens und WDR Fernsehens werden Sendungen zu allen Schulfächern angeboten.[7] Der Bayerische Rundfunk strahlt Sendungen sowohl über das Bayerische Fernsehen als auch über ARD-alpha aus.[8] Um ein breites Angebot bieten zu können, tauschen die schulfernsehproduzierenden ARD-Anstalten untereinander Eigen- und Fremdproduktionen aus. Schulfernsehsendungen sind u. a.:

Abgrenzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das beim Bayerischen Rundfunk ausgestrahlte Bildungsfernsehen Telekolleg wird oftmals mit dem Schulfernsehen verwechselt. Im Gegensatz zum Schulfernsehen vermittelt das Telekolleg in Verbindung mit Präsenzunterricht an Volkshochschulen oder Fachoberschulen den formalen Bildungsabschluss „Fachhochschulreife“.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Schulfernsehangebot der einzelnen Rundfunkanstalten
Literatur

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Übersicht Entwicklung des Schulfernsehens Teil I Kapitel 1.3 in Dissertation "Die Lernwirksamkeit des Schulfernsehens und seine mögliche Rolle im Bildungssystem von Kamerun" abgerufen 3. Januar 2014
  2. Seite "50 Jahre Fernsehen" in "Der Standard" abgerufen 6. Januar 2014
  3. Seite "Was wurde aus ... Lisa Schüller?" in "DiePresse.com" abgerufen 6. Januar 2014
  4. Seite der "Deutschschweizer Erziehungsdirektoren-Konferenz" abgerufen 3. Januar 2014
  5. 1. Schulfernsehsendung SWF 1971. Website Planet-Schule. Abgerufen am 3. Januar 2014.
  6. Schulfernsehsendungen im DFF, Bundeszentrale für politische Bildung, abgerufen am 3. Februar 2015
  7. "Liste der Fächer im Schulfernsehprogramm des SWR und WDR auf planet-schule.de" abgerufen 3. Januar 2014
  8. "Ausstrahlungspläne des Bayerischen Rundfunks" abgerufen 3. Januar 2014