Schulmassaker von Jokela

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Beim Schulmassaker von Jokela tötete der 18 Jahre alte Schüler Pekka-Eric Auvinen am 7. November 2007 insgesamt acht Menschen in einem Schulzentrum in Jokela, einem Teil der finnischen Gemeinde Tuusula nördlich von Helsinki.

Verlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem der Täter vier Schüler, eine Schülerin, die Schulkrankenschwester, eine Studentin sowie die Schulleiterin[1] mit einer kleinkalibrigen (.22 LR) Sig-Sauer Mosquito Pistole getötet hatte, fügte er sich selbst schwere Schussverletzungen zu, denen er später im Krankenhaus erlag. Schulleiterin Helena Kalmi starb, nachdem sie über die Lautsprecheranlage sämtliche Lehrer und Schüler gewarnt und sich danach dem Täter in den Weg gestellt hatte.[2]

Hintergründe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auvinen gilt als der erste Amokläufer, der sich vor seiner Tat im Internet intensiv selbst profiliert hat.[3] In den Monaten davor hatte er zahlreiche Videos für YouTube erstellt (die Polizei fand 46 auf seinem Computer vor; er selber gab aber über 140 an).[3] Seine Mitschüler wussten über diese Online-Aktivitäten bereits seit Frühjahr 2007 und es gab Gerüchte, dass er einen Sprengstoffanschlag plane.[3] Im Juni 2007 warnte der YouTuber TheAmazingAtheist (bürgerlich: Terroja Lee Kincaid) in einem Video davor, dass Auvinen ein potenzieller Amokläufer sein könnte und verwies hierfür auf sozialdarwinistische und die Columbine-Täter verherrlichende Inhalte in seinen Videos.[4] Auvinen trat zuerst unter dem Namen NaturalSelector89 auf, bis dieser von YouTube gesperrt wurde; danach nutzte er den Kanal Sturmgeist89.[3] Unmittelbar vor der Tat kündigte er diese dort in einem Video mit dem Titel „Jokela High School Massacre – 11/7/2007“ an.[5] Polizeiliche Ermittlungen ergaben, dass Auvinen jahrelang ein Opfer von Mobbing in der Schule gewesen war.[6] Er hatte auch psychische Probleme. 2006 hatte ihm ein Arzt wegen Panikstörung und sozialer Phobie Serotonin-Wiederaufnahmehemmer verschrieben, obwohl diese, in Finnland, für Minderjährige nicht empfohlen werden.[7] Ein Versuch der Eltern, ihn in eine Psychiatrie einzuweisen, schlug fehl, da ihnen gesagt wurde, dass seine Symptome dafür nicht ernsthaft genug ausgeprägt gewesen seien und sie stattdessen die Dosierung erhöhen sollten.[7]

In seinem Abschiedsbrief beschrieb sich Auvinen als „zynischer Existenzialist, antihumanistischer Humanist, antisozialer Sozialdarwinist, realistischer Idealist und [als] ein gottgleicher Atheist“. In diesem ließ er auch verlauten, dass er bereit sei, bei seinem Amoklauf selbst zu sterben, was er auch in die Tat umsetzte. Auvinen kündigte an „alle [zu] eliminieren, die sich als wertlos, als Blamage für die menschliche Rasse und als Ausfall der natürlichen Selektion erweisen“,[8] weil die Menschheit zu 94 Prozent aus geistlosen „Massenmenschen“ bestehe.[3] Der Täter verehrte die beiden Täter des Amoklaufs an der Columbine High School und war im Besitz eines schwarzen T-Shirts mit der weißen Aufschrift „Humanity is overrated“, zu deutsch „Menschlichkeit ist überbewertet“, welche der Fernsehserie Dr. House entlehnt war.[9] Er behauptete weiterhin, mit Bezug auf ein Zitat von Eric Harris, dass es nicht wert sei, für die menschliche Rasse zu kämpfen, sondern nur diese auszulöschen. Seine Gedanken waren, unter anderem, von Friedrich Nietzsche, Theodore Kaczynski, Pentti Linkola und Platon beeinflusst gewesen.[3]

Finnland liegt bei der Anzahl der Schusswaffen pro Einwohner an dritter Stelle weltweit, auf 100 Menschen kommen 56 Schusswaffen. Gewalt in diesem Umfang gilt in Finnland trotzdem als selten. Beim Bombenanschlag von Vantaa im Jahr 2002 kamen sieben Menschen um, beim Amoklauf von Kauhajoki im Jahr 2008 war der Verlust von elf Menschenleben zu beklagen.

Reaktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für den Tag nach der Tat wurde Staatstrauer angeordnet, zudem wurde im Dom von Helsinki ein Gedenkgottesdienst abgehalten. Der finnische Ministerpräsident Matti Vanhanen kündigte in Anbetracht des Umstandes, dass der Amokläufer im Besitz eines Waffenscheins war, eine Überprüfung der Waffengesetze an.[10]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hufvudstadsbladet: Alla offer identifierade (Memento des Originals vom 26. September 2008 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.hbl.fi, 8. November 2007
  2. Finnland nach Schulmassaker unter Schock (Memento des Originals vom 12. November 2007 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bb-live.de
  3. a b c d e f Nils Böckler, Wilhelm Heitmeyer, Thorsten Seeger, Peter Sitzer: School Shootings: International Research, Case Studies, and Concepts for Prevention, New York 2013, S. 200–201.
  4. Matthias Kremp: Warnung vor Amokläufer schon im Juni, Spiegel Online, 10. November 2007.
  5. Al-Dschasira: Deadly rampage at Finland school 8. November 2007
  6. Timesonline:Finnish 'YouTube killer' was bullied at school 8. November 2007
  7. a b Nils Böckler, Wilhelm Heitmeyer, Thorsten Seeger, Peter Sitzer: School Shootings: International Research, Case Studies, and Concepts for Prevention, New York 2013, S. 199.
  8. [1] slideplayer.org, abgerufen am 3. Juni 2015
  9. Brendan O'Neill: Rating humanity, The Guardian, 14. November 2007.
  10. Tagesschau: Amoklauf in Finnland – Offenbar noch größeres Massaker geplant (Memento vom 24. September 2008 im Internet Archive), 8. November 2007

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]