Amoklauf an der Columbine High School

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Luftbild der Schule

Der Amoklauf an der Columbine High School wurde am 20. April 1999 von zwei Schülern der Columbine High School in Columbine, einem nahe Littleton gelegenen Vorort von Denver im US-Bundesstaat Colorado, verübt. Eric Harris (18) und Dylan Klebold (17) ermordeten dabei zwölf Schüler im Alter von 14 bis 18 Jahren und einen Lehrer. Außerdem verwundeten sie 24 weitere Menschen und töteten anschließend sich selbst.

Der Amoklauf ist die bis heute blutigste Tat ihrer Art an einer US-amerikanischen Highschool[1] und erregte weltweites Aufsehen.

Täter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eric David Harris (* 9. April 1981; † 20. April 1999) und Dylan Bennet Klebold (* 11. September 1981; † 20. April 1999) waren gute und eher unauffällige Schüler, die an der Columbine High School einer Gruppe von Außenseitern, der sogenannten Trenchcoat-Mafia, nahestanden, jedoch nicht zu ihnen gehörten.[2] Deren Mitglieder trugen meist schwarze Kleidung und sahen sich, wie Harris und Klebold, häufig Schikanen sportlich aktiver Jungen, sogenannter Jocks, ausgesetzt. Während die beiden von Mitschülern als relativ isoliert und unbeliebt beschrieben wurden, galten sie jedoch nicht als vollkommene Außenseiter und verfügten durchaus über einen gewissen Freundeskreis.[3] Sowohl Klebold als auch Harris hatten jeweils einen älteren Bruder und stammten aus relativ wohlhabenden Mittelstandsfamilien.

Dylan Klebold, gebürtig in Lakewood, Colorado, nahm als Grundschüler an einem Programm für besonders begabte Kinder teil.[4] Eric Harris galt bis zuletzt als sehr guter und interessierter Schüler. Als Kind litt er nach eigenen Angaben unter den häufigen Umzügen der Familie und den damit verbundenen, mehrfachen Schulwechseln, bedingt durch die Arbeit seines Vaters beim Militär. Obwohl beide Eltern aus Colorado stammten, wurde Eric Harris daher in Wichita, Kansas, geboren und lebte unter anderem längere Zeit in Plattsburgh, New York. 1993 ließ sich die Familie Harris schließlich fest in Littleton, einem Vorort von Denver, nieder.[4]

Die beiden späteren Täter lernten sich dort auf der Ken Caryl Middle School in der 7. oder 8. Klasse kennen und wurden enge Freunde. Beide gingen ab 1995 auf die Columbine High School.

Eric Harris betrieb seit Ende 1996 eine eigene Website, auf der er zunächst hauptsächlich selbst erstellte Level für das Computerspiel Doom veröffentlichte. Ab Anfang 1997 begann er dort auch über seinen wachsenden Hass auf Gesellschaft und Mitmenschen zu schreiben und berichtete später über seine ersten Schritte beim Bauen eigener Sprengsätze.[5] Auf seiner Website sprach er wiederholt Morddrohungen gegen Mitschüler aus, die zunächst ohne Beachtung blieben, da seine Website nur wenige Besucher anzog. Zu den bedrohten Personen gehörte auch Brooks Brown, ein ehemaliger gemeinsamer Freund beider Täter, mit dem sich Harris überworfen hatte. Dieser wurde von Dylan Klebold auf Harris' Website hingewiesen, woraufhin Browns Mutter dies der Polizei meldete. Diese prüfte die Website, ging den Vorwürfen dann aber nicht weiter nach, auch weil Harris die entsprechenden Texte wieder entfernte.[6] In einem Schulaufsatz versetzte sich Harris in die Rolle des Protagonisten aus seinem bevorzugten Computerspiel, Doom 2: Hell on Earth, und schrieb über das Töten von Dämonen und anderen Wesen.

Im Januar 1998 brachen Klebold und Harris in ein Auto ein und entwendeten Computerzubehör.[7] Sie wurden dafür verurteilt, zeigten sich jedoch einsichtig, hinterließen einen guten Eindruck auf den Richter und wurden von Erziehungsmaßnahmen, zu denen sie verurteilt worden waren, früher als vorgesehen freigestellt. Seit dem Vorfall waren beide in psychiatrischer Therapie, Harris wurde die regelmäßige Einnahme von Antidepressiva verschrieben.

Aus Tagebucheinträgen geht hervor, dass das Duo spätestens seit Mitte 1998 einen Amoklauf an ihrer Schule plante. Sie arbeiteten einen akribischen Plan aus, der vorsah, während der Pause die Schulcafeteria mit eigens gebauten Zeitbomben mit Propangasflaschen zu sprengen und anschließend möglichst viele Überlebende zu erschießen. Zudem platzierten sie ebenfalls Zeitbomben in ihren Autos, die anschließend Polizei und Rettungspersonal treffen sollten. Sie hofften dabei, mehrere hundert Menschen zu töten[8] und in puncto Opferzahl den Bombenanschlag in Oklahoma City von 1995 zu übertreffen.

Die Motive für ihre Tat sind bis heute unklar. Als einer der wichtigsten Gründe werden immer wieder Rachegelüste aufgrund von Mobbing in der Schule, mangelnder sozialer Akzeptanz und Ausgrenzung angeführt. Beide Schüler galten als unbeliebt und als Außenseiter, wenngleich sie jedoch keine typischen Mobbingopfer waren.[9] Es wird vermutet, dass sich dennoch durch Demütigungen und Isolierung bei Harris und Klebold im Laufe der Zeit ein Hass auf die gesamte Schule und die Gesellschaft entwickelte sowie das Bedürfnis, sich für ihnen widerfahrenes Unrecht zu rächen. Zeugen berichteten, dass besonders Eric Harris[7] häufig Schikanen ausgesetzt war.[3] Klebold und Harris waren offenbar auch sexuell frustriert[10] und litten darunter, trotz ihrer Bemühungen keine Freundin zu finden.[11] Harris beschrieb in seinem Tagebuch mehrfach Vergewaltigungsfantasien.[12]

Rache für soziale Missachtung und Mobbing wird jedoch heute nicht als ausschließliches Motiv angesehen und wurde besonders in den letzten Jahren in Frage gestellt.[13][14] Beide Täter hatten teils schwere psychische Probleme. Harris nahm seit seiner Verurteilung 1998 das Antidepressivum Luvox ein.[15]

Die beiden Schüler führten ab 1998 Tagebücher, anhand derer Experten im Nachhinein versuchten, ein psychologisches Profil zu erstellen. Dylan Klebold wurde als depressive und suizidale Person eingeschätzt,[16] der versuchte, seiner Depression durch gelegentlichen Alkoholmissbrauch zu entfliehen.[17] Eric Harris wurde teilweise als antisozial, narzisstisch, manipulativ und psychopathisch charakterisiert.[18][19][20] Harris attestierte man anhand seiner Tagebucheinträge zudem einen „Überlegenheitskomplex“.[21] In seinem Tagebuch beschrieb er zudem einen Hass auf die Gesellschaft, sowie den Wunsch, die Menschheit auszulöschen.[22] Sein erster Eintrag beginnt mit den Worten „I hate the fucking world“[12] (deutsch Ich hasse die verdammte Welt). Zwar wurde Eric Harris von Anfang an meist als die treibende Kraft beim Columbine-Amoklauf beschrieben, es war jedoch Dylan Klebold, der in seinem Tagebuch als erster konkrete Pläne für einen Anschlag auf ihre Schule beschrieb.[23]

Von den Medien wurde auch die Vorliebe der Täter für gewalttätige Filme wie Natural Born Killers und Computerspiele wie Doom und Quake sowie für Bands wie Rammstein oder KMFDM aufgegriffen.[24]

In einem Video, das die beiden kurz vor dem Amoklauf aufnahmen, erklärte Harris:

„There is nothing that anyone could have done to prevent this. No one is to blame except me and voDKa [Klebolds Spitzname]. Our actions are a two man war against everyone else.“

„Es gibt nichts, das irgendjemand hätte tun können, um dies zu verhindern. Niemand außer mir und voDKa (Klebolds Spitzname) kann verantwortlich gemacht werden. Unsere Aktionen sind ein Zwei-Mann-Krieg gegen alle anderen.“[25]

Allerdings waren beide nach außen hin weitgehend unauffällig; ihre persönlichen und psychischen Probleme wurden weder von Eltern oder Lehrern noch von ihrem sozialen Umfeld hinreichend erkannt. Ihre Absichten und Planungen, ihr angehäuftes Waffenarsenal, bestehend aus Schrotflinte, 9-mm-Waffen und mehreren Dutzend selbstgebauter Bomben, sowie ihre Schießübungen im Wald blieben somit bis zuletzt unbemerkt. Sie standen dennoch mehrfach kurz davor, bei ihren Planungen entdeckt zu werden.[26] So rief etwa im Dezember 1998 der Waffenladen, bei dem Harris und Klebold Munition für ihre Tat bestellt hatten, im Haus der Familie Harris an, um mitzuteilen, dass die Ware nun eingetroffen sei. Dabei flog die Planung der Tat beinahe auf, als der Vater, Wayne Harris, ans Telefon ging, den Anruf jedoch für einen Irrtum hielt. Einige Personen aus dem Umfeld der Täter berichteten teils über weitere Signale, Anzeichen und Aussagen der beiden, die rückwirkend eventuell als Vorandeutung des Amoklaufs angesehen werden konnten.[27][22] Der endgültige Entschluss, die Tat zu begehen, wurde offenbar erst relativ spät gefasst, so schrieb Harris im Dezember 1998 in seinem Tagebuch: „Wenn mir die Leute mehr Komplimente machen würden, wäre all das noch vermeidbar… aber wahrscheinlich nicht. Egal was ich tue, die Leute machen sich ständig über mich lustig, teilweise direkt in mein Gesicht.“[28]

Der Amoklauf am 20. April 1999 fand nur 17 Tage vor ihrem Schulabschluss und kurz vor den letzten Prüfungen ihres Jahrgangs statt.[29] Beide Attentäter hatten sich auch bereits zu Zukunftsplänen geäußert. Harris hatte sich, unterstützt durch seinen Vater, bei der US-Marine beworben, Klebold war bereits für ein Studium an der University of Arizona akzeptiert worden.[20]

Während der Tat verwendete Harris eine abgesägte Pumpgun und eine halbautomatische Schusswaffe vom Typ Hi-Point Carbine. Klebold war mit einer halbautomatischen Pistole, einer TEC-9, und einer doppelläufigen abgesägten Schrotflinte bewaffnet. Die Waffen hatten sie sich durch volljährige Freunde besorgen lassen, von denen Mark Manes und Philip Duran nach der Bluttat zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt wurden. Manes und Duran war jedoch nicht bewusst, wofür die Waffen verwendet werden sollten.

Harris’ und Klebolds Leichen wurden von ihren Eltern aus Angst vor Grabschändungen eingeäschert. Die Eltern äußerten sich erst Jahre nach der Tat zu den Vorfällen.

Opfer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt bis heute keine Anhaltspunkte dafür, dass sich Harris und Klebold ihre Opfer gezielt aussuchten, um möglicherweise alte Rechnungen zu begleichen. Gleichwohl gibt es Anhaltspunkte, dass sie das „System Columbine“[30] mit seinen täglichen Schikanen zerstören wollten. Die anfängliche Behauptung, dass die Täter aus rassistischen Gründen gehandelt hätten, konnte nicht lange aufrechterhalten werden. So war nur eines der Opfer, Isaiah Shoels, dunkelhäutig. Auch schrieb Harris u. a. in seinem Tagebuch:

“You know what I hate? Racism. Anyone who hates Asians, Mexicans, or people of any race because they’re different.”

„Weißt Du was ich hasse? Rassismus. Jeden, der Asiaten, Mexikaner oder Menschen einer beliebigen Rasse wegen ihrer Andersartigkeit hasst.“[31]

Dagegen spricht jedoch, dass Harris in seinem Tagebuch am 17. November 1998 schrieb:

“[…] yes I’m a racist and I don’t mind.”

„Ja, ich bin ein Rassist und mich stört es nicht.“

Es gab eine Todesliste, doch nur einer der darauf Genannten wurde während der Tat leicht verletzt.

Todesopfer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Cassie Rene Bernall (* 6. November 1981, 17 Jahre)
  • Steven Robert Curnow (* 28. August 1984, 14 Jahre)
  • Corey Tyler DePooter (* 3. März 1982, 17 Jahre)
  • Kelly Ann Fleming (* 6. Januar 1983, 16 Jahre)
  • Matthew Joseph Kechter (* 19. Februar 1983, 16 Jahre)
  • Daniel Conner Mauser (* 25. Juni 1983, 15 Jahre)
  • Daniel Lee Rohrbough (* 2. März 1984, 15 Jahre)
  • Rachel Joy Scott (* 5. August 1981, 17 Jahre)
  • Isaiah Eamon Shoels (* 4. August 1980, 18 Jahre)
  • John Robert Tomlin (* 1. September 1981, 17 Jahre)
  • Lauren Dawn Townsend (* 17. Januar 1981, 18 Jahre)
  • Kyle Albert Velasquez (* 5. Mai 1982, 16 Jahre)
  • Lehrer David „Dave“ William Sanders (* 22. Oktober 1951, 47 Jahre)

Überlebende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Medien verfolgten später viele der Einzelschicksale, darunter das einer seit dem Massaker im Rollstuhl sitzenden Schülerin, deren Mutter das Leid ihrer Tochter nicht mehr ertragen konnte und sich das Leben nahm.
  • Crystal Woodman Miller überlebte das Massaker und verfasste ein Buch, in dem sie ihre Erlebnisse während der Ereignisse und das Leben danach beschrieb.
  • Samuel J. Granillo widmete sich nach dem Amoklauf der Filmbranche und arbeitete als Produzent sowie Kameramann an diversen US-amerikanischen Fernsehproduktionen. 2012 verlor er einen Freund beim Amoklauf von Aurora.[32] Am Ende desselben Jahres drehte er mit den Überlebenden von Columbine die Dokumentation Columbine: Wounded Minds, die das Leben der Schüler nach dem Massaker erzählt.[33]

Tatverlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorbereitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon mindestens ein Jahr vor dem 20. April 1999 begannen Harris und Klebold mit der minutiösen Planung eines Anschlags auf die Columbine High School. In Vorbereitung auf die Tat bauten sie Rohrbomben, beschafften Waffen und Munition und studierten gründlich die Abläufe und Gewohnheiten an der Schule. Ihr ursprünglicher Plan sah die Detonation von zwei 10 kg schweren Propangasbomben vor, die sie zuvor in der Cafeteria deponieren wollten. Nach der Explosion beabsichtigten Harris und Klebold möglichst viele flüchtende Mitschüler zu erschießen. Weitere Sprengsätze sollten in der näheren Umgebung der Schule detonieren, um eintreffende Polizisten und Rettungskräfte zunächst vom Zentrum des Geschehens abzulenken. Sie hofften insgesamt mehrere hundert Menschen zu töten.[8]

Das FBI vermutete später, dass es tatsächlich zu einer derartig hohen Opferzahl gekommen wäre, hätten die Bomben nicht auf Grund eines technischen Defekts versagt. Aus Tagebüchern und von den Tätern gedrehten Videobändern, die später von der Polizei beschlagnahmt wurden, schloss man auch, dass die beiden von Anfang an beabsichtigten, am 20. April 1999 in ihrer Schule zu sterben.

Auf dem Schulhof[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine halbe Stunde vor der Tat trafen sich die beiden Täter und nahmen ein letztes Abschiedsvideo auf, bevor sie am Morgen des 20. April 1999 getrennt mit dem Auto zur Schule fuhren. Sie erreichten die Columbine High School um etwa 11:10 Uhr. Harris hatte wenige Minuten vor der Tat noch seinen Mitschüler Brooks Brown auf dem Parkplatz angetroffen, den er aufforderte, das Schulgelände zu verlassen.[34] Bei ihren Autos bewaffneten sich die Täter, trafen sich anschließend bei Harris’ Wagen und rüsteten sich mit zwei Sporttaschen aus, in denen sich zwei neun Kilogramm schwere Propangasbomben befanden. Sie gingen daraufhin in die Schulcafeteria, wo sie die Taschen wenige Minuten vor Beginn der Mittagspause ablegten. Anschließend verließen die beiden Attentäter das Schulgebäude wieder und warteten getrennt bei ihren Autos auf die Explosion. Die Bomben sollten gegen 11:17 detonieren.

Die Detonation der Bomben blieb jedoch aufgrund eines Fehlers aus, so dass sich Harris und Klebold wieder auf dem Schulhof trafen und kurz diskutierten. Um 11:19 Uhr eröffneten sie am oberen Ende der Treppe vor dem Westeingang der Schule das Feuer. Das erste Opfer war Rachel Scott (17), die mit ihrem Mitschüler Richard Castaldo im Gras saß. Scott wurde viermal getroffen, den tödlichen Schuss gab Eric Harris ab. Der neben ihr sitzende Castaldo wurde acht mal getroffen und fiel in Ohnmacht; als Folge der Tat ist er heute querschnittsgelähmt.

Zwei weitere Schüler, die unterhalb der Treppe auf einem Hügel saßen, wurden ebenfalls durch Schüsse verletzt. Nach einem Kopfschuss starb auch Daniel Rohrbough, der mit seinen Freunden Lance Kirklin und Sean Graves gerade die Treppe, an der Harris und Klebold gestanden hatten, hinaufging und daher keine Möglichkeit hatte zu entkommen. Rohrboughs Freunde überlebten schwer verletzt. Videofilmer in über der Schule kreisenden Hubschraubern fingen das Bild des in einer Blutlache liegenden Rohrbough ein und dokumentierten damit schon frühzeitig das Ausmaß des Amoklaufs. Auf dem Schulhof wurden weitere Schüler schwer verletzt.

In den ersten Minuten nach Beginn des Amoklaufs hielten einige Schüler und Lehrer die Schießerei für einen Streich des Abschlussjahrgangs, dem auch Harris und Klebold angehörten. Die Lehrerin Patti Nielson hielt die Waffen der Attentäter für Spielzeugpistolen. Als sie den beiden die Waffen abnehmen wollte, wurde sie angeschossen. Der Notruf aus der Bibliothek wurde durch die Medien weiter verbreitet. Der Lehrer Dave Sanders forderte in der Cafeteria derweil die Schüler energisch zur Flucht auf, ehe er Minuten später selbst angeschossen wurde. Er konnte sich zunächst schwerverletzt in einem Klassenzimmer in Sicherheit bringen, wo er von einem Schüler und Kollegen versorgt wurde. Er starb gegen 15:00 Uhr nachmittags auf dem Weg ins Krankenhaus aufgrund seines hohen Blutverlustes.

In der Bibliothek[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem Harris und Klebold in den Gängen der Schule wild und ziellos um sich geschossen hatten und eine Schülerin dabei am Knöchel getroffen wurde, gingen sie in die Bibliothek, wo es zu den meisten Todesopfern kam. Zwischen 11:29 und 11:36 Uhr nahmen die beiden Schüler nacheinander gezielt die einzelnen Tische unter Beschuss. Die etwa 50 Schüler, die sich unter den Tischen versteckten, wurden dabei von den beiden Schützen verspottet. Ob und, wenn ja, welche verbalen Auseinandersetzungen zwischen den beiden Todesschützen und den Opfern stattfanden, konnte nie eindeutig geklärt werden. Fest steht, dass die beiden Täter äußerst brutal vorgingen. Cassie Bernall (17), die sich unter einem Tisch versteckte, wurde von Harris aus kurzer Distanz mit einem Kopfschuss getötet, der Rückstoß der Schrotflinte brach ihm dabei selbst die Nase. Daniel Mauser (15), dem vorletzten Todesopfer, dessen Vater in der Dokumentation Bowling for Columbine zu sehen ist, wurde ins Gesicht geschossen.

Nachdem Harris und Klebold erfolglos die in der Bibliothek anwesenden Sportler („Jocks“) aufgefordert hatten, aufzustehen und sich zu zeigen, schoss Klebold auf Kyle Velasquez (16), den einzigen Schüler, der sich nicht unter einem Tisch versteckte. Harris schoss unterdessen einige Male aus dem Fenster, um fliehende Schüler und Polizeikräfte zu treffen. Kurze Zeit darauf konfrontierte er eine Schülerin mit der Frage, ob sie heute sterben wolle, und verspottete sie, als sie ihn anflehte, sie nicht zu töten. Der Afroamerikaner Isaiah Shoels (18) wurde als einziger Schüler wegen seiner Hautfarbe getötet, nachdem er zuvor mit rassistischen Sprüchen gedemütigt worden war. Neben ihm starb auch Matthew Kechter (16), während der Bruder der bereits getöteten Rachel Scott nur deshalb überlebte, weil er sich in die Blutlachen seiner beiden Freunde warf und so die beiden Schützen täuschen konnte.

Eric Harris und Dylan Klebold schossen weiter auf ihre Mitschüler und warfen kleine Sprengsätze unter und auf die Tische der Bibliothek. Mehrmals feuerten sie unter einen Tisch nahe dem Eingang, unter dem sich vier Mädchen versteckt hatten. Zwei von ihnen wurden schwer verletzt; Lauren Townsend (18) und Kelly Fleming (16) überlebten den Kugelhagel nicht. Nur einem Mitschüler erlaubten die beiden Attentäter, die Bibliothek zu verlassen: John Savage, einem Freund Dylan Klebolds, welcher später aussagte, dass er immer versucht habe, Harris und Klebold mit Respekt zu behandeln, während Steven Curnow (14), Corey DePooter (17) und John Tomlin (17) zu den zehn Mordopfern in der Bibliothek gehörten.

Klebold und Harris verließen die Bibliothek schließlich in Richtung Cafeteria, wo sie die dort deponierten Bomben durch Schüsse doch noch zur Detonation bringen wollten. Nachdem sie in der Cafeteria auf einem Tisch einen Molotowcocktail gezündet hatten, verließen sie diese in Richtung des südlichen Teils der Schule. Dabei schossen sie auf den Gängen ziellos um sich. Durch die kleinen Fenster in den Türen der Klassenräume konnten sie sehen, dass sich noch viele Schüler in der Schule befanden. Harris und Klebold machten jedoch keine Anstalten, diese Räume zu betreten.

In der Vermutung, dass die Polizei demnächst das Schulgebäude stürmen würde, zogen sich Eric Harris und Dylan Klebold schließlich wieder in die Bibliothek zurück. Sie schossen noch vereinzelt aus dem Fenster, begingen dann aber um 12:08 Uhr durch Kopfschüsse Suizid. Harris schoss sich dabei mit seiner Schrotflinte in den Mund, während Klebold sich tötete, indem er seine Waffe an seine linke Schläfe hielt und abfeuerte. Nach Aussage von Patti Nielson hörte sie die beiden davor bis drei zählen, gefolgt von den Schüssen der beiden.[35] Viele der – größtenteils verletzten – Schüler waren bereits zuvor durch die Notausgänge aus der Bibliothek geflohen. Dass sich neben den zehn Toten auch noch zwei Schwerverletzte befanden (ein Schüler und eine Schülerin), hatten die Amokläufer nach ihrer Rückkehr aus der Cafeteria offenbar nicht bemerkt. Der Schüler rettete sich um 14:38 Ortszeit selbständig aus dem Fenster in die Arme von Rettungskräften. Erst durch ihn erfuhren Rettungsmannschaften vom Tod der Attentäter und retteten die beinahe verblutende Mitschülerin.

Ende der Schießerei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gegen 12.45 Uhr betraten die ersten Spezialeinheiten der Special Weapons and Tactics (SWAT) die Columbine High School, die alle Klassenräume der Schüler überprüften und noch zahlreiche Schüler in Sicherheit brachten. Etwa 20 Minuten vorher war von der SWAT noch zusätzliche Munition angefordert worden. Um 13:00 Uhr wurde gemeldet, dass in der Schule mehrere Rohrbomben versteckt seien. Nachdem die Schüler und Lehrer verhört und verarztet worden waren, brachte man sie zu ihren Angehörigen, die sich in der Leawood Elementary School aufhielten. Erst um 15:22 Uhr erreichte die erste SWAT-Einheit die Bibliothek. Sie meldete den Fund von zwölf Leichen, darunter die beiden mutmaßlichen Täter, sowie einer schwer verletzten Schülerin.

Gegen 16:00 Uhr schätzte der Sheriff die Anzahl der Todesopfer auf etwa 25. Er gab außerdem bekannt, dass die Spezialeinheit die Leichen von Eric Harris und Dylan Klebold in der Bibliothek gefunden habe. Gegen 16:30 Uhr wurde die Schule als gesichert erklärt. Etwa eine Stunde später wurden jedoch zusätzliche Beamte an den Tatort gerufen, da in den Autos der Täter, am Schulparkplatz zahlreiche kleinere Bomben aufgefunden worden waren. Die Leichen innerhalb des Schulgebäudes wurden auf Grund der langwierigen Ermittlungen der Spurensicherung erst am darauf folgenden Tag in die Gerichtsmedizin überführt.

Folgen der Tat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch wenn durch den Amoklauf von Littleton im Hinblick auf die dort geschehenen Grausamkeiten eine neue Dimension der Gewalt offenkundig wurde, so waren Vorfälle dieser Art in den Vereinigten Staaten bis dato nicht unbekannt. Fälle, in denen Kinder oder Jugendliche an Schulen Mitschüler töteten, hatten sich in den Monaten zuvor bereits in Springfield (US-Staat Oregon), Pomona (Kalifornien), Jonesboro (Arkansas), West Paducah (Kentucky) und Pearl (Mississippi) ereignet.

In den Blickpunkt gerieten auch nach dem Vorfall in Columbine Computerspiele wie First-Person-Shooter sowie Filme wie Natural Born Killers, die nach Meinung einiger Kritiker die Hemmschwelle zur Gewalt bei Jugendlichen deutlich verringern würden. Auch die Heavy-Metal-/Rock-Szene geriet ins Blickfeld der Kritik. Gruppen wie Marilyn Manson, Rammstein und KMFDM sollen mit ihren Texten die Mörder direkt beeinflusst haben. Zudem seien sie Black-Metal-Fans und von Okkultismus, dem Nationalsozialismus und Adolf Hitler (das Datum des Schulmassakers fiel auf Hitlers Geburtstag) fasziniert gewesen.[36] Der Tag des Massakers sollte jedoch ursprünglich am 19. April stattfinden (vermutlich aufgrund des Oklahoma city bombings), jedoch konnte nicht genug Munition bis dahin aufgetrieben werden. Michael Moynihan, Post-Industrial-Musiker und Autor des Buches Lords of Chaos, betont jedoch, dass die Täter keine Black-Metal-Fans gewesen seien und es in den Vereinigten Staaten keine Black-Metal-Szene gebe.[37]

Das vielen als zu liberal geltende US-Waffengesetz kam in den Wochen und Monaten nach dem Massaker ebenfalls auf den Prüfstand. Der Filmemacher Michael Moore nahm die Ereignisse an der Columbine High School zum Anlass, 2002 in seinem Film Bowling for Columbine den Umgang mit Waffen, Waffenhandel und Waffenindustrie in den USA und Kanada zu thematisieren. Moore kam in seinem Dokumentarfilm zu dem Ergebnis, dass es in den Vereinigten Staaten jährlich 11.000 Todesopfer durch Schusswaffen gebe, und verglich die Zahl mit der von Kanada – einem nicht weniger waffenvernarrten Land, mit aber „nur“ 165 Todesopfern durch Schusswaffen pro Jahr. Der US-Schauspieler Charlton Heston, zu jener Zeit Vorsitzender der National Rifle Association, verteidigte dagegen den Waffenbesitz als gesetzlich festgeschriebenes, amerikanisches Grundrecht zur persönlichen Verteidigung.

Da die These, dass Jugendliche auf Grund von Gewaltdarstellungen in Medien und Computerspielen zu solchen Ausbrüchen verleitet würden, umstritten ist und auch nicht die Frage beantwortet, warum diese Form der Gewalt ausgerechnet gegen Mitschüler Anwendung findet, konzentrierte sich die Öffentlichkeit bald auf das soziale Umfeld von Harris und Klebold. Bekannt wurde, dass die beiden Attentäter auf Grund ihres öffentlichen Auftretens in ihrem sozialen Umfeld auf Ablehnung stießen und von Mitschülern gemobbt wurden, jedoch (insbesondere Harris) auch selbst andere Schüler schikanierten. So sollen sie beispielsweise permanent den Angriffen von erfolgreichen Sportlern der Columbine High ausgesetzt und auch in den Gruppenzusammenhang der Trenchcoat-Mafia nicht wirklich integriert gewesen sein. Auf den hinterlassenen Videobändern, den „Basement Tapes“, die jedoch nie veröffentlicht wurden und 2011 zerstört wurden,[38] bekräftigen die beiden Jugendlichen, dass sie keine Freude am Leben hätten und zur Durchführung ihrer Tat entschlossen seien.

Mobbing wird bei fast allen Amokläufen an Schulen für die Hauptursache gehalten, so auch bei dem Amoklauf von Winnenden, dem Amoklauf von Kauhajoki, dem Schulmassaker von Jokela, dem Amoklauf von Emsdetten und dem Amoklauf von Ansbach.[39][40][41][42]

Suche nach Schuldigen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Ursachenforschung ging auch die Suche nach Mitverantwortlichen einher. Nicht zuletzt wegen konkreter Anschuldigungen von Eltern der Columbine-Opfer gerieten die Eltern der beiden Attentäter in die Kritik, sich nicht ausreichend um ihre Kinder gekümmert und Warnsignale übersehen zu haben. Michael und Vonna Shoels, die nach dem Tod ihres Sohnes Littleton verließen, verklagten die Eltern von Eric Harris und Dylan Klebold auf ein Schmerzensgeld in Höhe von 250 Mio US-Dollar.

Auch die Columbine High School und das Polizeipräsidium von Jefferson County wurden von betroffenen Eltern verklagt. Der Polizei wurde vorgeworfen, nicht entschlossen genug gegen die beiden Attentäter vorgegangen zu sein, nachdem die ersten Einsatzkräfte an der Schule eingetroffen waren. Gemäß den Vorschriften verschanzten sich diese hinter ihren Wagen und warteten auf Verstärkung aus der Polizeizentrale. Die Eltern der ermordeten Schüler gehen davon aus, dass durch ein zügigeres Einschreiten die Gewalttaten in der Bibliothek hätten verhindert werden können. Inzwischen wurden die in solchen Fällen angewandten Verfahrensrichtlinien vom Polizeipräsidium von Jefferson County geändert.

Konsequenzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Tatmotiv der Amokläufer bleibt weiterhin unklar. Auch Untersuchungen der CIA und des Bildungsministeriums brachten keine neuen Erkenntnisse darüber, warum einige Schüler unerwartet derartige Gewalttaten verüben. Nach dem CHS-Gewaltverbrechen konzentrierte man sich daher vorwiegend auf Präventivmaßnahmen wie das Installieren von Sicherheitskameras und Metalldetektoren sowie die verstärkte Präsenz von Sicherheitskräften an Schulen.

Auch für die Musik- und Filmindustrie hatte das Verbrechen von Littleton Auswirkungen. Der US-Spielfilm Killing Mrs. Tingle (deutsch „Tötet Frau Tingle“), der kurz nach dem Schulmassaker veröffentlicht wurde, erhielt kurzfristig den alternativen Titel Teaching Mrs. Tingle (sinngemäß „Erzieht Frau Tingle“). Mit der Waffenpolitik und dem Problem der zunehmenden Gewalt an Schulen setzten sich inhaltlich insbesondere Michael Moores Dokumentation Bowling for Columbine wie auch der Spielfilm Elephant von Gus Van Sant auseinander.

Der stark für seine Liedtexte kritisierte Marilyn Manson sah sich gezwungen, mehrere Konzerte abzusagen, und thematisierte das Massaker ein Jahr später mit seinem fünften Album Holy Wood, indem er vor allem die Problematik der US-amerikanischen Politik und der Waffenlobby ansprach. Auf die Geschehnisse des 20. April ging die Musikgruppe Nightwish auf ihrem Album Wishmaster unmittelbar ein. Mit dem Song The Kinslayer beschrieb sie mögliche Empfindungen der beiden Attentäter. Auf den angeblichen Märtyrertod von Rachel Scott und Cassie Bernall sowie auf Glaubensfragen ging dagegen die texanische Band Flyleaf ein, die mit dem Song Cassie die letzten Minuten der beiden Schülerinnen zu beschreiben versuchte.

We are Columbine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Schulmassaker zogen die Schüler der Columbine High School für die verbleibende Zeit des Schuljahres in die nahegelegene Chatfield High School um. In den folgenden Wochen entstanden Diskussionsrunden zwischen mittelbar und unmittelbar Betroffenen, in denen gemeinsam das Erlebte verarbeitet werden sollte. Viele erklärten sich mit den Hinterbliebenen der Opfer solidarisch und so entstand die Initiative We are Columbine (deutsch „Wir sind Columbine“). Jedoch nicht jeder hatte in den folgenden Monaten dafür Verständnis, dass auch vollkommen Unbeteiligte diesen Slogan auf T-Shirts, auf Stickern oder als Aufkleber an Autos benutzten.

Unterdessen wurden an der Columbine High School die Holzbretter von den Fenstern der Schulbibliothek wieder abgenommen, die über Wochen sehr eindringlich an die Schüsse erinnert hatten. In der Schule wurden Einschusslöcher verputzt und Wände neu gestrichen. Der Signalton des Feueralarms, der am 20. April stundenlang geschellt hatte, wurde ebenfalls geändert, um den Schülern ein fortwährendes Wiedererleben der Ereignisse zu ersparen. Die ursprüngliche Bibliothek wurde vollständig entfernt; die darunter liegende neu eingerichtete Cafeteria erstreckt sich nun über zwei Stockwerke.

Am 16. August 1999 kehrten die Schüler der Columbine High an ihre Schule zurück. Der Wiedereröffnung ging eine Veranstaltung unter dem Motto Null Toleranz für Intoleranz voraus, an der etwa 2.000 Menschen teilnahmen. Unter den Anwesenden waren nicht nur Ärzte für die psychologische Betreuung, sondern auch Ersatzlehrer, für den Fall, dass einzelne reguläre Lehrer der Schule den Unterricht nicht durchstehen würden.

Die Eltern der Attentäter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tom und Sue Klebold, die Eltern von Dylan, äußerten sich erst fünf Jahre nach dem Attentat in der Öffentlichkeit und lösten dadurch bei betroffenen Eltern Empörung aus. Die Mutter wehrte sich gegen den Vorwurf, die Tat sei mit der Erziehung ihres Sohnes in Verbindung zu bringen. Don Fleming, Vater der ermordeten Kelly, äußerte dementgegen den Verdacht, dass weder die Harris’ noch die Klebolds am Leben ihrer Söhne interessiert gewesen wären und deren polizeiliche Verwicklungen ignoriert hätten. Klebolds Eltern bedauerten zwar, eventuelle Warnsignale nicht erkannt zu haben, widersprachen aber der Anschuldigung, etwas falsch gemacht zu haben. Al und Phyllis Velasquez, die Eltern des getöteten Kyle, kritisierten diese Art der Ablehnung von Schuld und bezeichneten die gemachten Aussagen als „hilflos“. Die Flemings und Velasquez’ waren zwei von fünf Familien, die vor Gericht gingen, um die Eltern der Attentäter zur Rechenschaft zu ziehen.

In einer Erzählung schildert Mrs. Klebold, wie sie vom Vorfall mit ihrem Sohn erfuhr und wie sie darauf reagierte.[43]

Allerdings teilen nicht alle Angehörigen der Opfer diese Meinung. Beth Nimmo, die Mutter der getöteten Rachel Scott, machte in einem Interview deutlich, dass sie ausschließlich Eric und Dylan für die Tat verantwortlich mache. Sie beide seien diejenigen gewesen, die sich die Gewalttat ausgedacht und letztendlich auch allein ausgeführt hätten. Ferner könne sie sich nicht vorstellen, dass es auffällige Verhaltensweisen gegeben hätte, die die Eltern bemerken und auf diese Weise etwas hätten verhindern können.

Einfluss auf spätere Amokläufer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschehnisse von Columbine zählen wegen ihrer Brutalität und der hohen Opferzahl zu den weltweit bekanntesten Amokläufen an Schulen. Mehrere spätere Amokläufer behaupteten, sich mit den Tätern von Columbine zu identifizieren oder sie zu bewundern, so beispielsweise auch Sebastian Bosse (auch bekannt unter dem Pseudonym „ResistantX“), der Amokläufer von Emsdetten, der Harris in seinem Tagebuch auch als „Gott“ bezeichnete[44] und wie Harris und Klebold seinen Amoklauf in einem schwarzen Trenchcoat durchführte. Weitere bekannte „School Shooter“, die Harris und Klebold bestätigt verehrten, sind Cho Seung-Hui sowie Pekka-Eric Auvinen.[45] Es wird außerdem auch angenommen, dass die beiden Täter Harris und Klebold für die meisten anderen deutschen Schulamokläufer wie Tim Kretschmer, Robert Steinhäuser oder Georg R. ebenfalls als großes Vorbild galten beziehungsweise die Amokläufer Bezug auf die beiden nahmen.

Columbine-Legenden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mythos Märtyrertod[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der angebliche Märtyrertod von Rachel Scott lässt sich mangels Zeugen nicht mehr klären; der von Cassie Bernall ist dagegen widerlegt. Angeblich fragte Harris bei den Schüssen in der Bibliothek in den Raum, ob jemand an Gott glaube. Bernall habe das laut bejaht und gesagt, dass Gott auch Harris liebe, worauf ihr dieser mit den Worten „Es gibt keinen Gott“ in den Kopf geschossen haben soll. Andere Mitschüler berichteten, dass Harris ihr die Waffe an die Schläfe hielt und gezielt die Glaubensfrage an sie richtete. Als sie diese bejahte, habe Harris abgedrückt.

Patricia Nielson, die Lehrerin, die die Polizei verständigte, hatte kurz vor dem Eintreffen der beiden Amokläufer den Hörer nur fallen gelassen und somit die Verbindung zur Polizei-Zentrale weiter aufrechterhalten. Die Tonbandmitschnitte bestätigten einen solchen Dialog zwischen Harris und Bernall allerdings nicht. Vielmehr stellte sich heraus, dass eines der überlebenden Opfer, Valeen Schnurr' laut „Oh mein Gott, oh mein Gott“ gerufen hatte, als sie durch Schüsse verletzt wurde und neben ihr die beiden Mitschülerinnen Lauren Townsend (18) und Kelly Fleming (16) tödlich verletzt zusammensackten. Beim Nachladen des Gewehrs schaute einer der beiden Schützen sie ungläubig an und fragte, ob sie etwa an Gott glaube, was sie zögernd bejahte. Ob und wie die beiden Todesschützen darauf reagierten, ist nicht bekannt. Die Schülerin aber wurde nicht mehr angegriffen.

Dass es zwischen Bernall und Harris zu keinem verbalen Austausch kam, wurde auch von ihrer Mitschülerin Emily Wyant bezeugt, die sich zum Zeitpunkt der Tat unter einem benachbarten Tisch versteckte und als einzige Blickkontakt mit Cassie Bernall gehabt hatte. Laut ihrer Aussage hätten sie sich beide angeschaut, und kurz darauf habe Emily Cassies letzte Worte wahrgenommen: „Lieber Gott. Lieber Gott. Warum passiert das? Ich will nur nach Hause.“ Daraufhin habe Eric Harris sich vor ihrem Tisch hingekniet, Peek-a-boo!“ gerufen und sie ohne weitere Worte erschossen. Craig Scott, Bruder der getöteten Rachel, blieb dagegen bei seiner Aussage, dass er klar und deutlich die Stimme von Cassie Bernall gehört habe. Er wurde daher von der Polizei gebeten, auf den Tisch zu zeigen, von wo aus er glaubte, jenes Gespräch gehört zu haben. Dabei zeigte er auf den Tisch, unter dem Valeen Schnurr gehockt hatte. Cassie Bernall starb jedoch unter einem Tisch in genau entgegengesetzter Richtung hinter ihm.

Unbeeindruckt von den Aussagen von Emily Wyant veröffentlichte die Mutter von Cassie, Misty Bernall, später ein Buch über den angeblichen Märtyrertod ihrer Tochter, der es auf die Bestseller-Liste schaffte: She Said Yes (deutsch Sie sagte Ja). Auch Beth Nimmo und Darrell Scott, die Eltern von Rachel Scott, glaubten fest an den Märtyrertod ihrer Tochter und eröffneten eine kommerzielle Website, auf der sie Bücher wie Rachel’s Tears (deutsch Rachels Tränen) verkaufen.

Mord oder Unfall[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lange Zeit hielt sich hartnäckig das Gerücht, dass Daniel Rohrbough nicht von einem der beiden Amokläufer getötet, sondern versehentlich von einem Polizeibeamten getroffen worden war. Im Mai 2000 veröffentlichte die Verwaltung von Jefferson in ihrem offiziellen Untersuchungsbericht, dass Rohrbough zuerst von Eric Harris getroffen, dann aber von Dylan Klebold aus kürzester Distanz gezielt getötet wurde. Die Eltern bezweifelten diesen Bericht, der in ihren Augen widersprüchlich war. Die einzige der drei wiedergefundenen Kugeln, die ihren Sohn trafen, stamme aus einer Waffe, die Eric Harris benutzt habe. Ferner wurde bekannt, dass auf der Kleidung von Rohrbough keine Schießpulverpartikel gefunden worden waren. Der erste Polizist vor Ort, Dan O’Shea, wurde von den Rohrboughs verdächtigt, in dem allgemeinen Durcheinander versehentlich auf ihren Sohn geschossen zu haben.

Vor Gericht behauptete die Familie im April 2000, dass ein Polizeibeamter und nicht Harris oder Klebold die Kugel abgefeuert hätte, die ihren Sohn tötete. Als danach der Name Dan O’Shea ins Gespräch gebracht wurde, ordnete die Verwaltung von Jefferson eine unabhängige Untersuchung an, die der benachbarte Verwaltungsbezirk El Paso County leitete. Dieser wies die Ergebnisse des Berichts von Jefferson County im April 2002 zurück und benannte Eric Harris als den Mörder von Daniel Rohrbough. Die Bezirksverwaltung von Jefferson war dadurch bloßgestellt, deren Polizeibeamter aber entlastet. Die Familie bat den Polizisten danach um ein Treffen, um sich bei ihm für die falschen Anschuldigungen zu entschuldigen, was dieser ablehnte.

Gedenkstätten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Columbine Memorial

Nach dem Massaker entstand nahe der Schule ein Denkmal mit 15 großen Kreuzen, die mahnend an das Verbrechen an der Columbine High School erinnern sollten. Von empörten Eltern wurden zwei der 15 Kreuze niedergerissen, da diese für Harris und Klebold aufgestellt worden waren.

Die Grundsteinlegung für ein dauerhaftes Denkmal zum 5. Jahrestag des Amoklaufs musste abgesagt werden, da zu diesem Zeitpunkt anstatt der erforderlichen 2,5 Mio US-Dollar erst 600.000 Dollar zur Verfügung standen. Am 16. Juni 2006 wurde dann in Anwesenheit des ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton in einer feierlichen Zeremonie im Clement Park der Grundstein für das Columbine Memorial gelegt. Die Gedenkstätte wurde am 21. September 2007 eingeweiht.

Filme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gus Van Sant ließ Einzelheiten der Vorfälle in seinen Spielfilm Elephant einfließen.

In dem Film Bang, Bang, Du bist tot werden die Ereignisse sehr frei an das Massaker der Columbine High School angelehnt.

Im dritten Teil der Dokumentationsserie Zero Hour wird der Amoklauf dokumentiert und mit Schauspielern rekonstruiert.

In dem Film Bowling for Columbine geht Michael Moore in Bezugnahme auf den Amoklauf von Littleton der Frage nach: „Sind wir verrückt nach Waffen – oder sind wir nur verrückt?“

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Elliot Aronson: Nobody Left to Hate. Teaching Compassion After Columbine. First Owl Books, 2001, ISBN 0-8050-7099-0 (sozialpsychologische Untersuchung, engl.)
  • Brooks Brown, Rob Merritt: No Easy Answers: The Truth Behind Death at Columbine. Lantern Books, New York 2002, ISBN 1-59056-031-0. (Brooks Brown soll ein Freund der Attentäter gewesen sein. engl.)
  • Misty Bernall: She Said Yes. The unlikely martyrdom of Cassie Bernall. The Plough Publishing House, 1999, ISBN 0-87486-987-0.
    • deutsch von Christian Rendel: Cassie. Sie sagte Ja und musste uns viel zu früh verlassen. 17 Jahre mit meiner Tochter. Brunnen Verlag, Gießen 2000, ISBN 3-7655-1645-7.
  • Joachim Gaertner: Ich bin voller Hass – und das liebe ich. Dokumentarischer Roman. Eichborn, Berlin 2009, ISBN 978-3-8218-5848-7.
  • Dave Cullen: Columbine Hachette Book Group, 2009, ISBN 978-1-906964-14-6.
  • Marjorie Lindholm: A Columbine Survivor’s Story. ISBN 0-9773085-0-2 (eine Überlebende des Schulmassakers, engl.)
  • Elsa Pollmann: Tatort Schule. Wenn Jugendliche Amok laufen. Tectum, Marburg 2008, ISBN 978-3-8288-9801-1.
  • Frank Robertz, Ruben Wickenhäuser: Der Riss in der Tafel. Amoklauf und schwere Gewalt in der Schule Springer, Heidelberg 2007, ISBN 978-3-540-71630-3.
  • Morton Rhue: Ich knall euch ab! Roman. Ravensburger, Ravensburg 2002, ISBN 3-473-58172-0.
  • Crystal Woodman Miller: Ich dachte mein Leben ist vorbei. Wie der Amoklauf von Littleton eine junge Frau veränderte. Gerth Medien, Asslar 2008, ISBN 978-3-86591-297-8.
  • Mark Ames: Going Postal. Soft Skull Press 2005, ISBN 1-932360-82-4. Snowbooks 2007, ISBN 978-1-905005-34-5. (Versuch der Erklärung des Phänomens des Amoklaufes als Problem einer sich desozialisierenden Gesellschaft, Darstellung der Schikanen im Schulalltag an der Columbine High School anhand ausgewählter Quellen)
  • Jasmin Seiwert: Die Bühne der Amokläufer. Mediale Selbstdarstellung der Täter in Internet und TV. Tectum-Verlag, Marburg 2010, ISBN 978-3-8288-2329-7.
  • Beth Nimmo, Darrell Scott, Steve Rabey: Rachel’s Tears: The Spiritual Journey of Columbine Martyr Rachel Scott. Nelson, Nashville 2000, ISBN 0-7852-6848-0.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schulmassaker von Littleton – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. A Timeline Of Mass Shootings In The US Since Columbine By Aviva Shen on Dec 14, 2012
  2. Trenchcoat Mafia
  3. a b Peter Langman, Ph.D.: The Search for Truth at Columbine, schoolshooters.info (PDF; 275 kB)
  4. a b Dylan Bennet Klebold Suspects Text, CNN
  5. „Columbine“. The Final Report. Season 1. Episode 9
  6. Brooks Brown, Rob Merritt: No Easy Answers: The Truth Behind Death at Columbine. Lantern Books, 2002, ISBN 1-59056-031-0.
  7. a b A Columbine Site: Eric Harris
  8. a b Columbine killers planned to kill 500, BBC News
  9. huffingtonpost.com
  10. Peter Langman, PhD: Why Kids Kill: Inside the Minds of School Shooters
  11. https://www.psychologytoday.com/blog/keeping-kids-safe/201007/sex-love-and-school-shooters-eric-harris
  12. a b Eric Harris’ handgeschriebenes Tagebuch
  13. Dave Cullen: Columbine. Twelve, New York 2010, ISBN 978-0-446-54692-8, S. 167–168, 285–286.
  14. The Depressive and the Psychopath, slate.com
  15. Joel Achenbach, Dale Russakoff: Teen Shooter’s Life Paints Antisocial Portrait. In: Washington Post. 29. April 1999.
  16. denverpost.com
  17. https://www.theguardian.com/world/2009/apr/25/dave-cullen-columbine
  18. 20. April 2009 – Vor 10 Jahren: Amoklauf an der Columbine-High-School: Massaker zu Hitlers Geburtstag, WDR.DE, 20. April 2009.
  19. Eric Harris: Personality Profile, csbsju.edu
  20. a b guardian.co.uk
  21. 10 Jahre Columbine-Massaker: Der Tag, an dem die Unschuld starb. auf: Spiegel Online.
  22. a b „Kill mankind. No one should survive“, salon.com
  23. Jerald Block: Lessons From Columbine: Virtual and Real Rage. In: American Journal of Forensic Psychiatry, Vol. 28, No. 2, July 2007.
  24. Ann Powers: The Nation; The Stresses of Youth, The Strains of Its Music. In: New York Times. 25. April 1999.
  25. Transcripts of „The Basement Tapes“ of Eric Harris and Dylan Klebold, Wikisource
  26. Jule Lutteroth: Littleton: Attentäter zeichneten Vorbereitungen auf Video auf. In: Der Spiegel. 15. Dezember 1999.
  27. Fünfter Jahrestag des Massakers: Mindestens 17 Schul-Schießereien seit Columbine.
  28. https://schoolshooters.info/sites/default/files/harris_journal_1.3.pdf
  29. Gunfire in the Halls of Columbine, A Columbine Site
  30. Auszug aus dem Buch Going Postal mit Darstellung der Zustände an der Schule
  31. Mark Ames: Going Postal, 2005, ISBN 1-932360-82-4, 2007, ISBN 978-1-905005-34-5.
  32. Columbine survivor loses friend in Aurora shootings, BBC News (englisch), abgerufen am 20. Dezember 2012.
  33. Columbine: Wounded Minds Project (englisch), abgerufen am 20. Dezember 2012.
  34. Brooks Brown, Rob Merritt: No Easy Answers: The Truth Behind Death at Columbine. Lantern Books, New York, NY 2002, ISBN 1-59056-031-0.
  35. Lynn Bartels: Fatal Friendship. In: The Rocky Mountain News, 1999. Archiviert vom Original am 21. Februar 2001. Abgerufen am 6. Juni 2015. 
  36. Nicholas Goodrick-Clarke: Black Sun. Aryan Cults, Esoteric Nazism and the Politics of Identity. New York University Press, New York/ London 2002, S. 209f.
  37. Zach Dundas: The Notorious Michael Moynihan (Memento vom 27. Oktober 2005 im Internet Archive).
  38. Basement Tapes destroyed, westword.com, 2. Februar 2015.
  39. Nährboden für Mobbing, spiegel.de, 25. September 2008.
  40. Nicht ohne den anderen, zeit.de, 20. November 2007.
  41. Mobbing erzeugt Amokläufe, jetzt.sueddeutsche.de, 14. März 2009.
  42. Amoklauf: Mobbing kann Auslöser sein, all-in.de, 17. März 2009.
  43. [1] oprah.com, November 2009.
  44. Sebastian Bosses Tagebuch, menschenkunde.com, abgerufen am 1. Juni 2015
  45. Britta Bannenberg: Amok an Schulen, slideplayer.org, abgerufen am 3. Juni 2015

Koordinaten: 39° 36′ 15″ N, 105° 4′ 31″ W