Schulpsychologie

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Schulpsychologie ist die Unterstützung von Schule in ihrem Bildungs- und Erziehungsauftrag sowie von Eltern, Schülern und anderen am Schulleben beteiligten Personen mit psychologischen Methoden und Wissen. Sie ist ein Berufsfeld der angewandten Psychologie. Neben der Pädagogischen Psychologie stützt sie sich auf die Diagnostik, Klinische Psychologie, (Sonder-) Pädagogik und Organisationspsychologie.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Gedanke, psychologische Ideen in die Schule zu tragen, entstand bereits im 19. Jahrhundert, wurde aber vor allem durch Bücher für den Lehrer und erste schulnahe Untersuchungen verwirklicht. Auf dem ‚Ersten deutschen Kongress für Jugendbildung und Jugendkunst‘ 1911 forderte William Stern die Einsetzung von Schulpsychologen, was in der Lehrerschaft zuerst auf starke Ablehnung traf. Der erste Schulpsychologe weltweit war wohl Cyril Burt, der 1913 am London County Council bei der Schulaufsicht eingestellt wurde. Im Rahmen des Mannheimer Schulsystems einer gemeinschaftlichen Volksschule des Schulrats Joseph Anton Sickinger wurde 1922 mit Hans Lämmermann der erste Schulpsychologe in Deutschland eingesetzt – zur Unterstützung des Reformprojekts. Die Nationalsozialisten stellten das Projekt 1935 ein. Wichtige Forschungsbeiträge, unter anderem Untersuchungsmethoden des Unterrichts und „Untersuchungen zur Psychologie des Lehrers“ (1925), leistete auch Woldemar Oskar Döring, der bereits 1925 eine empirische Untersuchung zur Psychologie der Schulklassen durchführte und mit William Stern zusammenarbeitete.[1]

Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand in Hamburg aus der Schülerkontrolle die Schülerhilfe mit einem einzelfallorientierten Beratungsansatz. Dagegen sollte die 1953/1954 entstandene Schulpsychologie in Hessen die Schule als System beraten, also Lehrer und die Schulorganisation. Im Kultusministerkonferenz-Beschluss „Beratung in Schule und Hochschule“ von 1973 wurde der Ausbau der Schulpsychologie beschlossen. Die angestrebten Zahlen (Schulpsychologen : Schüler-Relation = 1:5000) sind nie erreicht worden, obwohl sie weit schlechter sind als in vielen vergleichbaren Staaten. Seit Anfang der 1970er Jahre wurden darüber hinaus Schulsozialarbeiter an deutschen Schulen eingesetzt, die seitdem ebenfalls die Schulen unterstützen. Schulpsychologen und Schulsozialarbeiter arbeiten heute eng zusammen.

1973 errichtete auch die DDR ein Schulpsychologen-Modell. Hier unterstützten Lehrer mit psychologischer Zusatzausbildung in Fortbildungen Lehrkräfte, Erzieherinnen und Kindergärtnerinnen.

Organisation und rechtliche Verankerung[Bearbeiten]

Schulpsychologen sind nur sehr selten an einer einzelnen (Brennpunkt-) Schule angesiedelt; meist sind es eigene Beratungsstellen, manchmal auch nur Einzelpersonen für eine ganze Region. Die Schulpsychologie ist nicht in allen Bundesländern Pflichtaufgabe. Die flächendeckende Versorgung wurde zwar immer wieder gefordert (Position der Kultusministerkonferenz in 1973 sowie nach dem Amoklauf von Erfurt 2002,[2]) tatsächlich gibt es aber völlig unversorgte Bereiche. In Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bayern gibt es auch kommunale Schulpsychologische Dienste. Träger kann neben dem Öffentlichen Dienst auch ein der Liga der Freien Wohlfahrtsverbände angeschlossener Dienst sein.

Schulpsychologen arbeiten aber systemisch und werden entsprechend von den Schulleitungen ins Haus geleden; dort können sie ggf. hospitieren. Die Fallarbeit, früher Hauptaufgabe der Mitarbeiter, wird heute auf 50 bis 30% reduziert. Erschwerend kommt hinzu, dass Eltern von minderjährigen Schülern der fallbezogenen Untersuchung zustimmen müssen.

Pro Team scheint es erforderlich, dass ein approbierter Psychologischer Psychotherapeut vorhanden ist, denn Schulpsychologen sind nicht selten mit der Zuordnung und später Evaluation von Therapien, gem. 35a SGB VIII, befasst.

Arbeitsgrundlagen[Bearbeiten]

Schulpsychologen greifen zurück auf die

Im Land Berlin (früher West-Berlin) waren ab 1968 alle Schulpsychologen nicht nur im Fach diplomiert, sondern auch Lehrer mit 2. Staatsexamen; diese Einstellungsvoraussetzung galt bis 2007 und hat dazu beigetragen, dass die Beschäftigten in hohem Grade schulisches Praxiswissen einbrachten und - im Vergleich - von ihren unterrichtenden Kollegen in den jeweiligen Schulformen und -zweigen bekannt und akzeptiert waren.

International ist Schulpsychologie oft ein eigenes Ph.D. Studium. D.h., Schulpsychologie kann nach dem (in der Regel mindestens vier Jahre umfassenden) Bachelor in Psychologie in einem speziellen Graduiertenstudium (von 6-7 Jahren Dauer) studiert werden, dem noch ein einjähriges supervidiertes spezielles Praktikum anzuschließen ist.

Berufsverbände[Bearbeiten]

Die Sektion Schulpsychologie des Berufsverbandes Deutscher Psychologen organisiert interessierte Kollegen. Zudem gibt es in einzelnen Bundesländern entsprechende Landesverbände Schulpsychologie. Die GEW Berlin führt eine Gruppe Schulpsychologie.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Detlef Berg: Schulpsychologie, In: Lexikon der Psychologie, Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, Berlin 2000, ISBN 3-621-27491-X.
  • Hans-Georg Häring, Walter Kowalczyk (Hrsg.): Schulpsychologie konkret – Einführung in Handlungsfelder und Methoden, 2001, ISBN 3-472-04541-8.
  • Helmut Heyse: Schulpsychologie, In: Detlef Rost (Hrsg.): Handwörterbuch Pädagogische Psychologie, PVU Beltz, Weinheim 2002, ISBN 3-8274-0464-9.
  • Gustav Keller: Schulpsychologie von A bis Z. Ein schulpsychologisches Praxislexikon, Asanger Verlag, Kröning und Heidelberg 2003, ISBN 3-89334-400-4.
  • Klaus Kuhlmann, Elfriede Mittag (Hrsg.): Schulpsychologie in Nordrhein-Westfalen – Eine kommunale Erfolgsgeschichte, Eul Verlag, Lohmar, Köln 2001, ISBN 3-89012-912-9.
  • Fleischer, Grewe, Jötten, Seifried u. Sieland (Hrsg.): Handbuch Schulpsychologie, Kohlhammer, Stuttgart 2007, ISBN 978-3170186439.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. W. O. Döring: Psychologie der Schulklasse. Eine empirische Untersuchung. 1930
  2. DJI: Strategien der Gewaltprävention an Schulen, S. 104ff (PDF-Datei; 1,86 MB)


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