Schulschiff Deutschland

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Dieser Artikel behandelt das Segelschulschiff Schulschiff Deutschland. Für das ehemalige Schulschiff der Marine siehe Deutschland (A 59).
Schulschiff Deutschland
Schulschiff Deutschland.jpg
Schiffsdaten
Flagge DeutschlandDeutschland Deutschland
Schiffstyp Segelschulschiff
Bauwerft Tecklenborg-Werft, Geestemünde
Stapellauf 14. Juni 1927
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
86,0 m (Lüa)
Breite 12,0 m
Tiefgang max. 5,18 m
Vermessung 1.257 BRT, 769 NRT
 
Besatzung 8 Offiziere, 10 Unteroffiziere, 140 Mannschaften
Takelung und Rigg
Takelung Vollschiff
Anzahl Masten 3
Anzahl Segel 25
Segelfläche 1.950 m²
Geschwindigkeit
unter Segeln
max. 16 kn (30 km/h)

Die Schulschiff Deutschland war ein Segelschulschiff der deutschen Handelsschifffahrt. Das letzte deutsche Vollschiff, ein Dreimaster, liegt heute als maritimes Kulturdenkmal ganzjährig in Bremen-Vegesack.

Da der Name Deutschland schon für das bereits geplante, aber noch nicht gebaute Panzerschiff Deutschland der Marine vergeben war, wurde bei der Schulschiff Deutschland die Funktion Schulschiff mit in den offiziellen Namen aufgenommen.

Geschichte[Bearbeiten]

Segelschulschiff[Bearbeiten]

Die Schulschiff Deutschland wurde 1927 vom Deutschen Schulschiff-Verein (DSV) in Auftrag gegeben. Sie war das vierte Segelschulschiff des Vereins, nach dem Vollschiff Großherzogin Elisabeth (der heute französischen Duchesse Anne), dem Vollschiff Prinzeß Eitel Friedrich (der heute polnischen Dar Pomorza) und der Bark Großherzog Friedrich August (der heute norwegischen Statsraad Lehmkuhl). Da die beiden letzteren nach dem Ersten Weltkrieg an die Siegermächte ausgeliefert worden waren, war nur noch die 1901 gebaute Großherzogin Elisabeth im Besitz des Vereins.

Am 14. Juni 1927 lief die Schulschiff Deutschland bei der Tecklenborg-Werft in Geestemünde (heute Bremerhaven) vom Stapel. Ihr Liegehafen war Elsfleth, da der offizielle Heimathafen aller DSV-Schulschiffe, Oldenburg, wegen mangelnder Wassertiefe nicht angelaufen werden konnte. Um die angehenden Matrosen in der seemännischen Praxis zu unterweisen, unternahm das Schiff regelmäßige Ausbildungsfahrten, im Winter im Atlantik nach Übersee (meist Afrika und Karibik/Südamerika), im Sommer in der Nord- und Ostsee. Die letzte Winterreise in den Südatlantik endete am 22. März 1939 auf Reede von Bremerhaven, und während des Zweiten Weltkriegs fanden Ausbildungsfahrten nur noch in der Ostsee statt; Liegeplatz des Schiffs war daher ab 15. April 1940 am Westufer der Swine in der Pommerschen Bucht, dann ab November 1941 Lübeck. Von 1927 bis 1939 wurden 12 Überseereisen und von 1928 bis 1944 insgesamt 17 Nord- und Ostseefahrten unternommen. Die letzte endete am 1. Oktober 1944.

Kriegs- und Nachkriegsnutzung[Bearbeiten]

Durch eine kurzzeitige Nutzung als Lazarettschiff in der Lübecker Bucht am Ende des Krieges konnte verhindert werden, dass die Schulschiff Deutschland als Reparationsleistung ausgeliefert werden musste. Im August 1946 wurde das Schiff auf Anweisung der britischen Besatzungsbehörden nach Cuxhaven verlegt, um dort bis zu dessen Auflösung Ende Dezember 1947 als Wohnschiff für den Deutschen Minenräumdienst („German Minesweeping Administration“, GMSA) zu dienen. Am 22. Juli 1948 wurde das Schiff nach Bremen in die amerikanische Besatzungszone geschleppt, um einer Auslieferung an Großbritannien zu entgehen. Es diente daraufhin bis Anfang 1952 als schwimmende Jugendherberge, mit Liegeplatz im Bremer Europahafen.

Stationäres Schulschiff[Bearbeiten]

Nachdem die Schulschiff Deutschland am 27. Februar 1950 von den Alliierten wieder an den Deutschen Schulschiff-Verein als Eigner übergeben worden war, begannen Bemühungen zum Neubeginn des Ausbildungsbetriebs. Der Verein und der Senat der Freien Hansestadt Bremen finanzierten die Erneuerung der Takelage und der Unterkünfte, und am 1. April 1952 wurde am nunmehr festen Liegeplatz des Schiffs an der Kleinen Weser in Bremen-Woltmershausen mit 18 jungen Männern der reguläre Ausbildungsbetrieb aufgenommen, nun allerdings nicht mehr für Schiffsjungen, sondern für Anwärter auf die Laufbahn eines Nautischen Offiziers. Es wurden keine Ausbildungsfahrten mehr unternommen, aber die Schiffsoffiziersanwärter konnten die gesetzlich vorgeschriebene praktische Vorausbildung erhalten.[1] Der Versuch des Schulschiff-Vereins in den 1960er Jahren, die stationäre Ausbildung durch einen Törn auf einem vereinseigenen Segelschulschiff zu ergänzen, war nur kurzzeitig erfolgreich. Der Betrieb der 1963 gekauften und 1963/64 zum Schulschiff umgebauten Ketsch Seute Deern überforderte die finanziellen Möglichkeiten des Vereins, und auch die 1967 erfolgte Vercharterung des Schiffs an den Norddeutschen Lloyd, der mit ihr einige Auslandreisen mit Steuermannsanwärtern durchführte, endete zwangsläufig mit der Änderung der Schiffsbesetzungsordnung im Jahre 1970, die keine Bordausbildung mehr vorschrieb. 1972 wurde auch der stationäre Schulschiffbetrieb auf der Schulschiff Deutschland eingestellt. Das Schiff wurde umgebaut und dann als Internat und Ausbildungswerkstatt genutzt.

Das Schiff wurde 1995 als schwimmendes Kulturdenkmal anerkannt[2] und 1995/1996 für 5,5 Millionen DM auf der Bremer Vulkan-Werft in Bremen-Vegesack renoviert und so weit wie möglich originalgetreu restauriert, einschließlich des stehenden und laufenden Guts. Dabei erhielt es ein neues Edelholzdeck. Am 14. Juni 1996 waren die Arbeiten beendet und das Schiff wurde zu seinem heutigen Liegeplatz an der Lesum-Mündung in Vegesack verholt. Noch bis zum Frühjahr 2002 wohnten Auszubildende im Internat an Bord, die den Beruf des Schiffsmechanikers in der deutschen Seeschifffahrt anstrebten und am Schulzentrum an der Kerschensteiner Straße in Vegesack ausgebildet wurden. Mit der Einstellung dieser Ausbildung in Bremen wurde das Kapitel der Seemannsschule Bremen geschlossen.

Heutige Nutzung[Bearbeiten]

Das inzwischen letzte deutsche Vollschiff, maritimes Kulturdenkmal im Besitz des Deutschen Schulschiff-Vereins, wird heute vor allem durch ehrenamtliche Helfer betreut und instand gehalten.[3] Es ist eine touristische Attraktion in Bremen-Vegesack und wird als Restaurant und Hotel sowie für Tagungen, Seminare, Ausstellungen und Feiern genutzt. Einmal monatlich finden auf ihr standesamtliche Trauungen statt und ganzjährig kann auf ihr in 30 Doppelkabinen und in der Kapitänssuite übernachtet werden.

Für die Sail Bremerhaven 2005 war die Schulschiff Deutschland wieder in der Schiffsliste eingetragen.

Ende 2014 wurde sie noch einmal für rund eine Million Euro saniert; vor allem der Rumpf war durch Rost angegriffen worden.[4]

Kapitäne[Bearbeiten]

  • Reinhold Walker (1927–1933)
  • Walther von Zatorski (1933–1936)
  • Ernst Sieck (1936–1938)
  • Otto Bauer (1938–1945)
  • O. Hattendorf (1945–1953)
  • K. Köppl (1953–1961)
  • O. Hattendorf (1961–1977)
  • Harm Müller-Röhlck (1977–2002)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wer im Decksdienst zur See fahren wollte musste eine entsprechende Ausbildung durchlaufen. Weitere Schulen gab es in Hamburg-Finkenwerder, Travemünde und Elsfleth.
  2. Denkmaldatenbank des LfD
  3. Gesucht: Helfer an Bord www.weser-kurier.de. vom 16. September 2015, Abgerufen am 1. Dezember 2015.
  4. Spendensammeln für Schulschiff Deutschland geht weiter, 6. Februar 2015 www.radiobremen.de. Abgerufen am 1. Dezember 2015.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans-Georg Prager: Schulschiff Deutschland - Weißer Schwan der Unterweser. Koehlers Verlagsgesellschaft, Hamburg 2000, ISBN 3-7822-0706-8. (Neuauflage: Hauschild Verlag, 2010, ISBN 978-3-89757-439-7)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schulschiff Deutschland – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

53.1661111111118.6263888888889Koordinaten: 53° 9′ 58″ N, 8° 37′ 35″ O