Schutzweiche

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Schutzweiche mit Prellbock im Ausweichgleis des Bahnhofs Allersberg (Rothsee). Das geschützte Streckengleis kann mit 300 km/h befahren werden.

Eine Schutzweiche ist eine Eisenbahnweiche, die zu einem Gleisende führt und dazu dient, sich bewegende Eisenbahnfahrzeuge von einem zu schützenden Fahrweg fernzuhalten, damit eine Flankenfahrt verhindert wird. Dabei wird bewusst in Kauf genommen, dass die in das Gleisende geleiteten Fahrzeuge entgleisen oder mit dem Prellbock am Gleisende zusammenstoßen können. Schutzweichen werden an Stellen verwendet, wo ein Schutz durch Gleissperren ungenügend ist.

Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schutzweiche in der Ausweichstelle Salbar des Hex-River-Tunnel-Systems in Südafrika

Um Unfälle im Eisenbahnverkehr zu vermeiden, muss sichergestellt werden, dass die Fahrwege von Eisenbahnfahrzeugen voneinander getrennt sind. Dieser Schutz ist besonders dann notwendig, wenn im Ereignisfall ein großer Schaden zu erwarten ist. Er muss auch bei menschlichem oder technischen Versagen wirksam sein. In der Regel werden Streckengleise von Rangieranlagen durch technische Maßnahmen geschützt, die auf rein mechanische Art wirksam sind, weil in den meisten Fällen auf den einen Fahrweg bedrohenden Fahrzeugen keine Zwangsbremsung durch die Zugbeeinflussung ausgelöst werden kann.

Gleissperren eignen sich, um leichte Fahrzeuge, die sich nur mit geringer Geschwindigkeit bewegen, wie zum Beispiel entrollte Einzelwagen, von Fahrwegen fernzuhalten. Ihre Schutzfunktion besteht darin, dass sie ein gegen den zu schützenden Fahrweg rollendes Fahrzeug zum Entgleisen bringen und dieses durch den wesentlich erhöhten Rollwiderstand im Schotterbett zum Stehen kommt. Sie sind wirkungslos, wenn die Fahrzeuge auf Grund ihrer Maße oder ihrer Geschwindigkeit auch im entgleisten Zustand den zu schützenden Fahrweg erreichen können, weil sich durch die Gleissperre ihre Bewegungsrichtung nicht geändert hat. Gleissperren und Sandweichen dürfen deshalb in Deutschland nur in Rangiergleisen angewendet werden.

Um größere Wagengruppen oder Züge von Fahrwegen fernzuhalten, kommen Schutzweichen zum Einsatz. Diese leiten den Fahrweg einer unerwünschten Bewegung vom zu schützenden Fahrweg weg und erreichen dadurch, dass auch entgleiste Fahrzeuge nicht den zu schützenden Fahrweg erreichen können. Hinter der Schutzweiche muss genügend Freiraum vorhanden sein, um Folgegefahren durch entgleiste oder mit dem Prellbock zusammengestoßende Fahrzeuge auszuschließen.

In Deutschland wurde der Flankenschutz mit Schutzweichen im Zuge der dritten Verordnung zur Änderung Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung (nach § 14 Abs. 11 EBO) für Gleise in Bahnhöfen und Anschlussstellen vorgeschrieben, die mit mehr als 160 km/h befahren werden.[1]

Ausführung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schutzweiche mit Stumpfgleis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In das auf den feindlichen Fahrweg zuführende Gleis ist eine Weiche eingebaut, deren ablenkender Strang in ein etwa zehn Meter langes Stumpfgleis führt, an dessen Ende ein Prellbock steht. Dieses Schutzgleis ist parallel zum zu schützenden Fahrweg so angeordnet, dass auch entgleiste Fahrzeuge diesen nicht gefährden können. Der Prellbock dient dazu, leichte Fahrzeuge, die sich nur mit geringer Geschwindigkeit auf das Gleisende hinzu bewegen, vor einer Entgleisung zu bewahren. Die Schutzweiche wird in dieser Anordnung betrieblich nicht befahren, ist aber meist eine Regelausführung, deren ablenkender Strang mit 40 km/h befahren werden kann. In Anordnungen, wo davon ausgegangen werden kann, dass die Schutzfunktion der Weiche nur selten zum Einsatz kommt, kann auch auf den Prellbock verzichtet werden.

Entgleisungsvorrichtung in Frankreich

Entgleisweiche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entgleisungsweiche in England (rechtes Gleis, im Vordergrund)

Bei der Entgleisweiche oder Entgleisungsweiche handelt es sich um eine Weiche, deren Schienenstränge unmittelbar nach den Zungen oder nach dem Herzstück enden und dadurch Fahrzeuge zum Entgleisen bringen, bevor sie den Gefahrenpunkt erreichen. Im Gegensatz zu einer Gleissperre wird das Fahrzeug bei der Entgleisung etwas vom zu schützenden Fahrweg abgelenkt, wird aber nicht wie bei einer Schutzweiche vollständig vom Fahrweg weggeleitet. Damit sich das Fahrzeug beim Entgleisen nicht gegen das zu schützende Gleis neigt, endet der vom zu schützenden Fahrweg abgewandte Schienenstrang eine Schwelle früher als der dem Fahrweg zugewandte Strang. Die Ausführung ist in der Regel so gestaltet, dass die entgleisenden Fahrzeuge die Weichenschwellen nicht beschädigen können, womit teure Reparaturarbeiten vermieden werden. Diese Art von Schutzweiche ist vor allem in Großbritannien gebräuchlich und wird dort vor allem bei der Zusammenführung von zwei Streckengleisen angewandt.

Zwieschutzweiche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Zwieschutzweiche

Eine besondere Form einer Schutzweiche ist die Zwieschutzweiche. Sie hat die Aufgabe, zwei Fahrwege zu schützen, kann aber diese Funktion nicht gleichzeitig für beide Fahrwege übernehmen.

Betriebliche Schutzweiche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Betrieblich befahrene Weichen können die Funktion einer Schutzweiche übernehmen.

Bei Industriegleisen, die in Streckengleise münden, können Weichen von Abstellgleisen oder Ausziehgleisen die Funktion einer Schutzweiche übernehmen. Die Weichen sind in solchen Fällen in das Stellwerk des Bahnhofes eingebunden, auch wenn die übrigen Weichen der Rangieranlage vor Ort von Hand bedient werden.

Auf Kreuzungsbahnhöfen von einspurigen Strecken sind nach den meisten Fahrdienstvorschriften Schutzweichen auf der Ausfahrseite erforderlich, wenn die Züge gleichzeitig von beiden Richtungen in den Bahnhof einfahren sollen. Dadurch wird verhindert, dass ein nicht rechtzeitig zum Stillstand kommender Zug dem Gegenzug in die Flanke fährt. Die Funktion des Schutzgleises wird meist von Industrieanschlussgleisen, Rampengleisen oder anderen Nebengleisen übernommen. Um einen sicheren Betrieb im Winter zu gewährleisten, müssen die als Schutzweiche dienenden Weichen zu Nebengleisen mit einer Weichenheizung versehen sein.

Grenzsperre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An der innerdeutschen Grenze wurden auf der Seite der DDR Schutzweichen eingebaut, um einen unberechtigten Grenzübertritt zu verhindern. Die Weichen standen auf ablenkender Stellung und wurden erst nach Beendigung der Kontrolle und nach Zustimmung der Grenzwache auf Durchfahrt umgestellt. Diese Zustimmung war als Sperrkreis so in die Stellwerksmechanik eingebaut, dass ohne diese die Weiche nicht aus der Schutzlage umgestellt werden konnte.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schutzweiche – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Walter Mittmann, Fritz Pätzold, Dieter Reuter, Hermann Richter, Klaus-Dieter Wittenberg: Die Dritte Verordnung zur Änderung der Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung (EBO). In: Die Bundesbahn. Nr. 7-8, 1991, ISSN 0007-5876, S. 759–770.