Schwäbische Zeitung

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Schwäbische Zeitung
Schwäbische Zeitung-Logo
Beschreibung regionale Tageszeitung
Verlag Medienhaus Schwäbischer Verlag GmbH & Co. KG, Ravensburg
Erstausgabe 4. Dezember 1945
Erscheinungsweise werktäglich
Verkaufte Auflage
(IVW 2/2017, Mo–Sa)
165.373 Exemplare
Chefredakteur Hendrik Groth
Weblink www.schwaebische.de

Die Schwäbische Zeitung ist eine laut Untertitel unabhängige Tageszeitung für christliche Kultur und Politik, mit Unternehmenssitz in Ravensburg. Herausgeber der Tageszeitung ist das Medienhaus Schwäbisch Media, Schwäbischer Verlag GmbH & Co. KG Drexler, Gessler. Sie erschien erstmals am 4. Dezember 1945 in Leutkirch im Allgäu und ist eine der größten regionalen Abonnementzeitungen in Baden-Württemberg. Die verkaufte Auflage beträgt 165.373 Exemplare, ein Minus von 16,2 Prozent seit 1998.[1] Bis zum Umzug nach Ravensburg im Januar 2013 war Leutkirch auch Sitz des Verlags und der Zentralredaktion. Die Schwäbische Zeitung hat eine regionale Monopolstellung.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1922 gründete der Verleger Franz Walcher eine genossenschaftliche Kooperation, den „Verband oberschwäbischer Zeitungsverleger“ in Friedrichshafen. In der Nazizeit wurde der Veaband in „Donau-Bodensee-Zeitung“ umbenannt, Standort wurde ab 1943 Leutkirch. 1945 gründeten Verleger des Verbands den Schwäbischen Verlag mit der Schwäbischen Zeitung, die bisherigen Verleger schlossen sich meist wieder an.[2]

Nachkriegszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Gründungsjahren nach Ende des Zweiten Weltkriegs wirkten führende Mitarbeiter der ehemaligen Frankfurter Zeitung mit (so der aus dem Landkreis Biberach stammende letzte Verlagsleiter der Frankfurter Zeitung, Wendelin Hecht, die Redakteure Johannes Schmid und Ernst Trip sowie der Schriftsteller Heinrich Schirmbeck). Der in Anlehnung an die Frankfurter Zeitung in Fraktur gesetzte Titel der Schwäbischen Zeitung geht auf den Einfluss dieser Männer zurück.

Bis Anfang der 1950er Jahre bediente die Schwäbische Zeitung mit ihrer „interlokalen“ Ausgabe einen gewissen überregionalen Markt.

In den 60er Jahren wurde Georg von Waldburg zu Zeil und Trauchburg Anteilseigner.[3]

Von 1963 bis 1988 führte der Theodor-Wolff-Preis-Träger Chrysostomus Zodel, der zuvor Chefredakteur der Stuttgarter Nachrichten gewesen war, das Blatt. Bis in die 1990er Jahre gingen zahlreiche Journalistenpreise (vgl. z. B. Theodor-Wolff-Preis, Wächterpreis der deutschen Tagespresse) an Journalisten der Schwäbischen Zeitung. Eine Reihe von national bedeutsamen Journalisten wie Thilo Bode (sen.), Ulrich Ritzel, Hartmut Paeffgen, Bernhard Hermann, Wolf-Dieter Ebersbach oder Frank Plasberg starteten hier ihre Karrieren.

Negative Berühmtheit erlangte der langjährige Leiter der Schramberger Lokalredaktion Julius Viel durch seine im „Ravensburger Kriegsverbrecherprozess“ offengelegte NS-Vergangenheit.

Neuausrichtung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Zentrale der Schwäbischen Zeitung in Ravensburg, 2013

Geschäftsführer Udo Kolb wandelte in den 90erJahren die Kommanditgesellschaft in eine GmbH um. Die Kleinverlage wurden von der Zentrale übernommen.[4]

Von 1997 bis 2007 war Joachim Umbach, der zuvor sieben Jahre lang stellvertretender Chefredakteur der NRZ (Neue Rhein/Ruhr Zeitung) in Essen gewesen war, Chefredakteur. Umbach steht für eine Neuausrichtung der Schwäbischen Zeitung, oder – nach Ansicht seiner Kritiker – für deren Niedergang.[5][6][7]

Unter Umbachs Regie wurde die Zentralredaktion verkleinert und das Blatt optisch sowie inhaltlich neu ausgerichtet. Von Seiten des Verlags wurde der Abbau der Redakteursstellen mit Anzeigenrückgängen und der „schwierigen wirtschaftlichen Situation der Tageszeitungen“ begründet. Umbach führte das SZ-Forum ein, das regelmäßig Personen aus Politik und Gesellschaft auf Podiumsveranstaltungen vorstellt.

Die Umgestaltung der Zeitung, die sich seit 1997 vollzog, wurde von den Lesern begleitet durch Protestaktionen und Lichterketten, wie im Dezember 1998 in Leutkirch (fristlose Kündigung des Kirchenredakteurs Joachim Rogosch wegen angeblich ehrverletzender Äußerungen über den Verlag)[8], im März 2002 in Biberach an der Riß (Kündigung des langjährigen lokalen Redaktionsleiters Gunther Dahinten und Roland Reck, angeblich auf Druck des Landrats Peter Schneider)[9] sowie 2004 im Schwarzwald (Einstellung der Lokalteile Rottweil und Schramberg) und in Ulm (Einstellung des Lokalteils).

Die Neuausrichtung der Redaktion ging einher mit der Neuorganisation des Verlagshauses. Der Schwäbische Verlag übernahm nach und nach alle seine Lokalverlage, die zunächst weitgehend selbständig agiert hatten. Zuletzt verlor 2004 der Ehinger Lokalverlag Feger seine Selbständigkeit.

Von Januar 2008 bis 2011 führte Ralf Geisenhanslüke (zuvor stellvertretender Chefredakteur der Glocke in Oelde, Westfalen) die Redaktion. In dieser Zeit hat die Schwäbische Zeitung in Zusammenarbeit mit KircherBurkhardt Struktur- und Layoutveränderungen vollzogen. Dafür erhielt sie einen der „Awards of Excellence“ beim European Newspaper Award 2011. Zudem wurde der Online-Auftritt SZON in Schwäbische.de umbenannt.

Seit Mitte 2011 ist Hendrik Groth Chefredakteur der Schwäbischen Zeitung.[10] Groth ist seit 1990 als Journalist in verschiedenen Positionen aktiv. Unter anderem war er in mehreren dpa-Büros und als stellvertretender Nachrichtenchef der Süddeutschen Zeitung tätig. Von 2003 bis 2007 hatte er die Position des stellvertretenden Chefredakteurs bei der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) inne. Danach arbeitete Groth als Konzernrepräsentant der ThyssenKrupp AG in Südamerika. Seit 2012 gehört Christoph Plate als Stellvertreter von Groth zur Chefredaktion. Plate war von 1993 bis 2002 Afrika-Korrespondent mit Sitz in Nairobi. Er arbeitete dort für den Spiegel, die Berliner Zeitung und die Neue Zürcher Zeitung (NZZ). Von 2002 bis 2012 arbeitete er als Auslandsredakteur bei der NZZ am Sonntag.

Auflage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schwäbische Zeitung hat wie die meisten deutschen Tageszeitungen in den vergangenen Jahren an Auflage eingebüßt. Die verkaufte Auflage ist seit 1998 um 16,2 Prozent gesunken.[11] Sie beträgt gegenwärtig 165.373 Exemplare.[12] Das entspricht einem Rückgang von 31.860 Stück. Der Anteil der Abonnements an der verkauften Auflage liegt bei 91,2 Prozent.

Entwicklung der verkauften Auflage[13]


Verbreitungsgebiet und Mitbewerber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Titelseite der Schwäbischen Zeitung
Alle 22 Lokalausgaben der Schwäbischen Zeitung

Mit 22 Lokalausgaben deckt die Schwäbische Zeitung ein Verbreitungsgebiet ab, das von Ellwangen im Norden und Lindau im Süden bis nach Tuttlingen im Westen und Ulm und Leutkirch im Osten reicht. Darüber hinaus gibt das Medienhaus Schwäbischer Verlag die regionale Wochenzeitung Südfinder mit einer Auflage von rund 500.000 Exemplaren, weitere lokale Anzeigen- und Amtsblätter sowie unterschiedliche Magazine heraus.

Die Schwäbische Zeitung ist im Kern ihres Verbreitungsgebietes ein Monopolblatt (Landkreis Ravensburg, Landkreis Biberach). Einige Konkurrenzsituationen gibt es in der Peripherie des Verbreitungsgebietes: durch die Südwest Presse im Alb-Donau-Kreis (Ehingen und Laichingen) bzw. durch ihr Kopfblatt Schwäbische Post im Ostalbkreis sowie durch den Südkurier in den Landkreisen Bodensee, Sigmaringen und Tuttlingen. Seit dem Rückzug der Schwäbischen Zeitung aus dem Landkreis Rottweil und dem (nahezu gleichzeitigen) Rückzug des Schwarzwälder Boten aus dem Landkreis Tuttlingen gibt es keine Konkurrenz mehr zwischen Schwäbischer Zeitung und Schwarzwälder Bote.

Lokalredaktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lokalredaktionen von Nord nach Süd: Ellwangen (Ipf- und Jagst-Zeitung), Aalen (Aalener Nachrichten), Laichingen, Ulm, Ehingen, Laupheim, Riedlingen, Biberach, Sigmaringen, Trossingen (Trossinger Zeitung), Spaichingen (Heuberger Bote), Bad Saulgau, Meßkirch, Tuttlingen (Gränzbote), Bad Waldsee, Pfullendorf, Leutkirch im Allgäu, Ravensburg, Markdorf, Wangen im Allgäu, Tettnang, Friedrichshafen, Lindau (Lindauer Zeitung).

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Katholischer Medienpreis 2016[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die Serie „Menschenwürdig leben bis zuletzt“ wurde die Schwäbische Zeitung mit dem Katholischen Medienpreis ausgezeichnet. In einer Artikelserie mit mehr als 40 Beiträgen in Mantel- und Lokalteilen, Online und im Regionalfernsehen hatte die Schwäbische Zeitung im Dezember 2015 in Zusammenarbeit mit dem Caritasverband der Diözese Rottenburg/Stuttgart Fragen um Krankheit, Sterben und Tod ausgeleuchtet.

World Young Reader Prize 2016[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim World Young Reader Prize des Weltverbands der Zeitungen und Nachrichtenmedien wurde im Herbst 2016 die Schwäbische Zeitung für ihr Engagement für Kinder und Jugendliche geehrt. Ausgezeichnet wurde die bundesweit einzigartige Kooperation zwischen der Schwäbischen Zeitung und dem Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen UNICEF. Für das Projekt „Jugendliche übernehmen die Schwäbische“ übernahmen 15 Jugendliche aus der Region für zwei Tage die Redaktion.

Technische Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Zeitung hat das Rheinische Format mit einem Satzspiegel (Breite x Höhe) von 320 mm x 480 mm. Sie ist siebenspaltig aufgebaut, was eine Spaltenbreite von 44,4 mm ergibt.

Besitzverhältnisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Herausgeber der Schwäbischen Zeitung ist der Schwäbischer Verlag GmbH & Co.KG Dexler, Gessler. Dessen persönlich haftende Kommanditisten sind: Hildegard Diederich, Andreas Drexler, Andreas Gessler, Dr. Martin Walchner und Erich Fürst von Waldburg zu Zeil.[14]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. laut IVW, (Details auf ivw.eu)
  2. Saubermänner im Glashaus. In: Kontext:Wochenzeitung. (kontextwochenzeitung.de [abgerufen am 4. Januar 2017]).
  3. Saubermänner im Glashaus. In: Kontext:Wochenzeitung. (kontextwochenzeitung.de [abgerufen am 4. Januar 2017]).
  4. Saubermänner im Glashaus. In: Kontext:Wochenzeitung. (kontextwochenzeitung.de [abgerufen am 4. Januar 2017]).
  5. Hermann-Josef Freudenreich: Ein christliches Blatt auf dem Boulevard – Wie die Schwäbische Zeitung ihre Leser heimatlos macht. In: Wir können alles: Filz, Korruption & Kumpanei im Musterländle. Klöpfer & Mayer, Tübingen 2008, ISBN 978-3-940086-12-9, S. 219–229
  6. Rudi Holzberger: „Das Blatt (…) hat es tatsächlich geschafft, noch schlechter zu werden!“ In: Ders: Die journalistische Praxis – Medium und Methode in der Reihe „Journalismus – Theorie und Praxis“, Lit Verlag, 2001, ISBN 3-8258-5810-3, S. 200
  7. Oswald Metzger: „Aus der Schwäbischen Zeitung ist inzwischen ein seichtes und oberflächliches Blättchen geworden, das ich schon längst abbestellt hätte, wenn ich es nicht wegen des Lokalgeschehens lesen müsste.“ In: Blix, Aulendorf, Juli 2006, S. 9
  8. Wulf Reimer: „Nach der Beichte arbeitslos – Warum die Schwäbische Zeitung ihren Kirchenredakteur feuert.“ In: Süddeutsche Zeitung vom 20. Januar 1999
  9. http://blix.info/images/sz-archiv/SZ_BLIX_April2003.pdf
  10. Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger: „Schwäbische Zeitung“: Hendrik Groth Chefredakteur, 9. Juni 2011
  11. laut IVW, (Details auf ivw.eu)
  12. laut IVW, zweites Quartal 2017, Mo–Sa (Details und Quartalsvergleich auf ivw.eu)
  13. laut IVW, jeweils viertes Quartal (Details auf ivw.eu)
  14. Zeitreise - Schwäbisch Media. In: www.schwaebisch-media.de. Abgerufen am 6. Januar 2017.