Schwäbischer Dialekt

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Schwäbisch

Gesprochen in

Deutschland, Österreich (Außerfern in Tirol)
Sprecher 820,000
Linguistische
Klassifikation
Offizieller Status
Amtssprache von -
Sprachcodes
ISO 639-1:

ISO 639-2:

ISO 639-3:

swg

Schwäbisch ist eine Dialektgruppe, die im mittleren und südöstlichen Bereich Baden-Württembergs, im Südwesten Bayerns sowie im äußersten Nordwesten Tirols gesprochen wird.

Die westoberdeutsche (alemannische) Dialektgruppe. Die hellblau eingefärbten schwäbischen Mundarten bilden eine der großen alemannischen Untergruppen.

Linguistisch gesehen gehört Schwäbisch zu den alemannischen Dialekten und damit zum Oberdeutschen. Von den anderen alemannischen Dialekten hat es sich durch die Durchführung der neuhochdeutschen Diphthongierung abgetrennt. „Mein neues Haus“ hört sich im Schwäbischen deshalb als „Mae nuis Hous“ (je nach Region) an und nicht wie in anderen alemannischen Dialekten als „Mi nüs Huus“.

In arealtypologischer Hinsicht ist Schwäbisch innerhalb des hochdeutschen Raumes als Ganzes vergleichsweise isoliert, zugleich aber auch (anders als das ostoberdeutsche Bairisch) intern sehr heterogen.[1]

Dialekträume und Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die innerschwäbischen Dialekträume werden herkömmlich in West-, Mittel- und Ostschwäbisch unterteilt.[2] Die Grenzen dieser drei Regionen werden im Einzelnen leicht unterschiedlich gezogen. In einer ersten groben Annäherung liegen Westschwäbisch und Mittelschwäbisch in Baden-Württemberg, Ostschwäbisch im bayrischen Regierungsbezirk Schwaben.

Mittelschwäbisch (auch: Neckarschwäbisch, Niederschwäbisch) wird in den einwohnerstarken Gebieten Böblingen/Sindelfingen, Tübingen/Reutlingen, Esslingen, Kirchheim/Nürtingen, Waiblingen/Backnang und Göppingen gesprochen, einschließlich der angrenzenden Gebiete des nördlichen Nordschwarzwalds im Westen und der Schwäbischen Alb im Süden, sofern noch nicht die Verneuhochdeutschung eingegriffen hat. Als Leitwort für Mittelschwäbisch kann gwäa ‘gewesen’ gelten, sowie der oe-Laut wie z. B. in noe ‘nein’, Boe ‘Bein’, Schdoe ‘Stein’.

Westschwäbisch oder Südwestschwäbisch (da im westlichen und nordwestlichen Grenzbereich mit Calw und Pforzheim das Mittelschwäbische ohne westschwäbischen Anteil direkt an das Südwestfränkische angrenzt) hat als Charakteristikum den oa-Laut, z. B. Boa Bein’, noa ‘nein’, Schdoa ‘Stein’ usw. Das südwestschwäbische Gebiet beginnt mit einem sehr schmalen Streifen einzelner Dörfer südwestlich von Calw und wird weiter südlich immer breiter. Es umfasst die Bereiche Rottenburg, Freudenstadt, Horb, Sulz, Hechingen, Balingen, Albstadt und Sigmaringen. Im Norden noch mit 'gwäa' beginnend, ersetzt nach Süden hin ab Horb gsae das gwäa ‘gewesen’. Ab Horb kommt ein charakteristischer Singsang in der Sprachmelodie dazu, der bei Balingen und Albstadt am deutlichsten hervortritt. Weiter südlich (ab Sigmaringen) geht das Südwestschwäbische in das Bodenseealemannische über.

Ostschwäbisch wird in den württembergischen Gebieten Aalen, Heidenheim und Ulm gesprochen, sowie nahezu im ganzen bayrischen Regierungsbezirk Schwaben, von Nördlingen im Norden über Augsburg in der Mitte bis Kempten im Süden. Ostgrenze zum Bairischen ist weitgehend der Lech. Als Leitvokal des Ostschwäbischen kann der Diphthong 'oa' an Stelle des mittel- und westschwäbischen Monophthongs å gelten: Schloaf statt Schlåf ‘Schlaf’, Schdroas statt Schdrås ‘Straße’ usw.

Das viel zitierte Älblerisch als eigenen Dialektraum gibt es sprachwissenschaftlich gesehen nicht. Es ist eine Erfindung der schwäbischen Jux- und Spaßliteratur. Der bei weitem größte Bereich der Schwäbischen Alb (Reutlinger, Bad Uracher, Münsinger, Laichinger, Nürtinger, Kirchheimer, Göppinger Alb) gehört zum Mittelschwäbischen. Der deutlich kleinere Bereich der Südwestalb (Balingen, Albstadt und Teilbereiche des Großen Heubergs) gehört zum Südwestschwäbischen. Der Unterschied zu den tiefer gelegenen Gebieten der beiden Dialekträume liegt nur in der etwas weniger fortgeschrittenen Verneuhochdeutschung.

Innerhalb der genannten drei Haupträume werden immer wieder, meist aus lokalem Interesse heraus, weitere Dialekte postuliert: Sie begründen aber keine weiteren Dialekträume, sondern bleiben den drei Großräumen untergeordnet. Beispiele dafür:

  • Enztalschwäbisch (teilweise auch als Enztalfränkisch bezeichnet), gesprochen im oberen Enztal südlich Pforzheim und im unteren Nagoldtal von Calw an nördlich. Es handelt sich um ein ursprünglich fränkisches Siedlungsgebiet, das stark schwäbisch überformt wurde. Der fränkische Ursprung zeigt sich noch beispielhaft in Formulierungen wie i haa gsaa (reines mittelschwäbisch wäre i hao gsaed) ‘ich habe gesagt’. Zuordnung: Hauptraum Mittelschwäbisch. Die alte historische Grenzlinie zwischen schwäbischer und fränkischer Mundart in diesem Bereich findet sich bei Karl Bohnenberger.[3]
  • Rieser Schwäbisch. Der Rieser sagt nicht Do hanna, sondern do dranna, wenn er ‘da dort’ meint. Zuordnung: Hauptraum Ostschwäbisch.
  • Allgäuerisch (Tiroler Schwäbisch) in den Landkreisen Ober- und Ostallgäu, auch verwendet in angrenzenden Gebieten Tirols (Lechtal, Außerfern), Vorarlbergs und Oberbayerns (Lechrain). Zuordnung: Hauptraum Ostschwäbisch.
  • Übergänge zum Bairischen: Im Landkreis Aichach-Friedberg wird teilweise Bairisch, allerdings mit starkem schwäbischem Einfluss, gesprochen. Mit dem Lechrainerischen existiert ein auf dem Ostschwäbischen basierender Übergangsdialekt zum Bairischen, der bis in die oberbayrischen Landkreise Landsberg und Weilheim-Schongau verbreitet ist. Zuordnung: Hauptraum Ostschwäbisch.

Phonologische Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Lautbestand des Schwäbischen, insbesondere an Vokalen, ist sehr viel reicher als der des heutigen Standarddeutschen. Er umfasst erheblich mehr Monophthonge und Diphthonge, dazuhin eine erhebliche Anzahl an Nasallauten und Schwa-Lauten, die weit über das vergleichsweise geringe Inventar der deutschen Hochsprache hinausgehen. Darin liegt zugleich das Grundproblem jeder Art von Schreibung des Schwäbischen: „Die 26 Buchstaben unseres lateinischen Alphabets reichen vorn und hinten nicht aus, den Reichtum des schwäbischen Vokalismus wiederzugeben“.[4] Um der Eigenart des Schwäbischen gerecht zu werden, scheint es zuerst notwendig zu sein, es wie eine eigene Sprache empirisch zu erfassen. Erst danach kann es angemessen mit dem heutigen Deutsch verglichen werden.

Vokale in Stammsilben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom empirischen Bestand her besitzt die schwäbische Sprache insgesamt sieben Grundvokale: a, e [e], ä [ɛ], i, o, u, å [ɑ̃ː] (im Schwäbischen Fråg „Frage“ usw.). Sie sind alle mit den Vokalen a, e, und o zu Diphthongen kombinierbar.

Die Grundvokale haben teilweise eine große Zahl an Realisierungen (Allophone). Beispielsweise hat das a mindestens folgende Allophone:

  • [a] (bzw. streng nach IPA [ä]), der ungerundete offene Zentralvokal, in seiner kurzen Form, wie in Sack;
  • [aː], die lange Variante, wie in Bad;
  • [ɐ] bzw. [ɜ], der fast offene Zentralvokal bzw. ungerundete halboffene Zentralvokal, in seiner kurzen Form, wie in der Endung -en z. B. in heben [ˈheːbɐ], im Plural der -le-Verkleinerungsform z. B. in Mädle ['mɛːdlɐ], oder bei vielen Sprechern vor [m], [n] und [ŋ] z. B. in Lamm ['lɐm], Anna ['ɐnaː] oder Hang ['hɐŋ];
  • [ɐː], die lange Variante, bei vielen Sprechern vor [m], [n] und [ŋ], wie in kam ['kɐːm] oder Kahn ['kɐːn]; bei manchen Sprechern auch Bahn [bɐː] oder Mann [mɐː] (zentrale Variante);
  • [ɐ̃ː], wie in Bahn [bɐ̃ː] oder Mann [mɐ̃ː] bei manchen Sprechern (zentrale, nasale Variante);
  • [ɑ̃ː] oder [ɔ̃ː], wie in Bahn [bɑ̃ː] oder Mann [mɑ̃ː] bei manchen älteren Sprechern (hintere, nasale Variante);
  • [ɑː] oder [ɔː], wie in Bahn [bɔː] oder Mann [mɔː] bei den meisten jüngeren Sprechern (hintere Variante).

Innerhalb von Diphthongen können aus den Allophonen [a] und [ɐ] tatsächliche Phoneme werden, d. h. Laute, die bedeutungsunterscheidend sind:

  • In Kombination mit [e] bzw. [i] existieren in der überregionalen „Halbmundart“ sowie in gewissen regionalen Mundarten die Phoneme [ae] und [ɐi], wie in hinein [nae] und neu [nɐi] (grundmundartlich [nʊi]) oder in Bäume [baem] (grundmundartlich mehrheitlich [beːm]) und beim [bɐim]. Ein von einem schwäbischen Sprecher gesprochenes Hochdeutsch kennt ferner die Unterscheidungen wie Leib [lɐib] und Laib [laeb] (im Schwäbischen allerdings [lɔeb]) oder Farbe weiß [vɐis] und ich weiß [vaes] (im Schwäbischen allerdings [vɔes]).
  • In Kombination mit [u] bzw. [o] existieren die Phoneme [ao] und [ɐu], wie in taub [taob] und Taube [tɐub] oder in er haut [haot] und Haut [hɐut].
Vokaldreieck

Umlaute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die standarddeutsche Sprache kennt drei Umlaute: a/ä, o/ö, u/ü. Diese drei Umlaute kommen aber in der schwäbischen Sprache so gut wie nicht vor. Der Vokal ä wird im Schwäbischen sehr genau vom Vokal e unterschieden und wird im Regelfall als eigenständiger Grundvokal gebraucht. Nur in wenigen Ausnahmefällen dient er als Umlaut zu a. Die Vokale ö und ü des Standarddeutschen entsprechen dem Lautstand des Mittelhochdeutschen; im Schwäbischen (wie in den meisten anderen ober- und mitteldeutschen Mundarten) wurden sie zu e und i entrundet, vgl. standarddeutsch Einzahl Ofen / Mehrzahl Öfen = schwäbisch Einzahl Ofa / Mehrzahl Efa und standarddeutsch Fuß/Füße = schwäbisch Fuaß/Fiaß.

Diphthonge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Anzahl der Diphthonge ist erheblich höher als im Standarddeutschen. Im Lauf der Entwicklung des Schwäbischen wurden, ähnlich wie in der Entwicklung des Standarddeutschen, sowohl mittelhochdeutsche Monophthonge diphthongiert, als auch bereits bestehende Diphthonge weiterentwickelt, letztere aber fast immer in anderer Richtung als im Standarddeutschen. Die Entwicklungsprozesse der Diphthonge und ihre Ergebnisse sind im Schwäbischen derart kompliziert, dass hier für Einzelheiten auf die Fachliteratur verwiesen werden muss.[5] Hier können der Übersichtlichkeit halber nur einige wenige Details aufgeführt werden:

  • Das mittelhochdeutsche lange ī [iː] wurde im Standarddeutschen zu ei, ausgesprochen [aɪ]. Beispiel: Mittelhochdeutsch zīt und wīb entsprechen standarddeutsch Zeit und Weib. Im Schwäbischen wurde dieses alte lange ī zwar auch diphthongiert, dabei aber nur bis zu [əi] bzw. [ɐi] gesenkt. Nur der mittelhochdeutsche Diphthong ei [ei] wurde im Schwäbischen zu [ae] gesenkt. Damit bleiben eine Reihe semantischer Differenzierungen erhalten, die im Standarddeutschen nicht mehr existieren. Beispielsweise unterscheidet der Schwabe in der Aussprache ganz eindeutig zwischen Leib [lɐib] und Laib [laeb], Seit (Seite) [sɐit] und Sait (Saite) [saet] usw. Da der Unterschied zwischen [ɐi] aus mhd. ī und [ae] bzw. [ɔe] aus mhd. ei einen Bedeutungsunterschied markieren kann, handelt es sich um echte Phoneme und nicht etwa nur um allophonische Ausspracheunterschiede. Durch die enorme Vielfalt an Vokalen und Diphthongen gehört das Schwäbische zu den phonemreichsten Sprachen überhaupt, was sehr knappe und dennoch semantisch präzise Wort- und Satzbildungen ermöglicht.
  • Das Entsprechende gilt für das mittelhochdeutsche lange ū [uː], das im Schwäbischen zu [əu] bzw. genauer [ɐʊ] diphthongiert wurde; nur der mittelhochdeutsche Diphthong ou wurde im Schwäbischen zu [ao] gesenkt, womit sie, anders als im Standarddeutschen, im Schwäbischen ebenfalls nicht zusammengefallen sind. Auch dieser Unterschied ist im Schwäbischen phonematisch, der Schwabe unterscheidet in der Aussprache eindeutig zwischen Tauben (= Vögeln). [dɐʊbɐ] und Tauben (= Gehörlosen). [daobɐ]. Bei einigen Wörtern bleibt es auch beim u, nämlich wenn das mittelhochdeutsche lange ū vor Beginn der Diphthongierung verkürzt wurde, z. B. ufschraibe [ʊfʃrɐibɐ] (aufschreiben).
  • Wo das lange mittelhochdeutsche lange ū vor n oder m steht, etwa in zūn = Zaun, ist die Diphthongierung vollständig, die Aussprache ist also [tsaon] und nicht [tsɐʊn]. Dasselbe gilt vor mhd. ī vor n oder m, wie etwa in mīn (mein), wīn (Wein) und līm (Leim): Es wurde im Schwäbischen zunächst wie im Standarddeutschen zu [ai] diphthongiert und gesenkt und später in großen Teilen Schwabens zu [oi], [õi] oder [ɑ̃i] weiterentwickelt, also zu moi [moi/mõi/mɑ̃i] und Woi [voi/või/vɑ̃i]. Im Dialektkontinuum zum alemannischen Sprachraum konnte sich das lange mittelhochdeutsche ī teilweise als kurzes i erhalten, z. B. [min] anstatt [moi/mõi/mɑ̃i]. In neuester Zeit werden diese Laute durch den Druck des Standarddeutschen auch von Schwaben oft wieder als [ae] artikuliert, während aber mittelhochdeutsch ī weiterhin als [əi] artikuliert wird, also etwa mae Zəidung [maɛ̃ t͡seidung] statt traditionell schwäbisch moi Zəidong [moi/mõi/mɑ̃i t͡seidung] bzw. mi Zeidung [mi t͡seidung] (meine Zeitung). Der traditionelle schwäbische Unterschied im Diphthong wird also beibehalten, weil die standarddeutsche Aussprache maene Zaetung auch in den Ohren stark assimilierter Schwaben immer noch ausgesprochen affektiert klingt.
  • Mittelhochdeutsch /iə/ ist schwäbisch als [iɐ] erhalten: schiaf [ʃiɐv̊] „schief“ und – via Entrundung aus /yə/ – miad [miɐd] „müde“. Diese alten Diphthonge sind allerdings stark im Rückzug begriffen.
  • Eher ungewöhnlich für standarddeutsche Ohren (vgl. jedoch immerhin die Interjektion pfui) klingt der schwäbische Diphthong ui, etwa in nui „neu“ [nʊi].
  • So gut wie alle Diphthonge im Schwäbischen können auch nasaliert werden (was für Nichtschwaben die Aussprache des Schwäbischen noch komplizierter macht). Immerhin sind die differenzierten schwäbischen Nasalierungen fast immer lediglich allophonisch, sie markieren also – im Unterschied zum hochdifferenzierten Vokalismus des Schwäbischen – keine Bedeutungsunterschiede. Beispiel: schwäbisch ãẽkaofa [æɛ̃ɡaofɛ̃] „einkaufen“, da hier das n durch Nasalierung im Diphthong aufgegangen ist.

Nasallaute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Charakteristikum des Schwäbischen ist sein etwas nasaler Klang, denn viele Vokale werden im Schwäbischen nasaliert. Vokale vor den Mitlauten m, n und ng werden grundsätzlich (leicht) nasaliert,[6] auch wenn sie kurz sind, zumindest werden sie etwas weniger klar artikuliert. Entsprechend internationalem Gebrauch werden nasalierte Vokale mit einer Tilde geschrieben: ã, ẽ, õ usw. Besonders häufig kommen solche Nasallaute im Portugiesischen vor. Schwäbische haben weniger als andere deutsche Schüler Probleme, Französisch korrekt auszusprechen, da ihnen die vier Nasale des Französischen zumindest näherungsweise vertraut sind.

Vokale in Nebensilben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Gegensatz zum Neuhochdeutschen kennt das Schwäbische den Schwa-Laut genannten mittleren Zentralvokal nicht. Im Neuhochdeutschen kommt er vor allem in der Infinitivendung -en vor (lesen, schreiben, rechnen) vor. Für die Infinitivendung -en wie auch für den Plural der Verkleinerungform -le wird im Schwäbischen der fast offene Zentralvokal [ɐ] (bzw., fast identisch, der ungerundete halboffene Zentralvokal [ɜ]), teilweise auch seiner nasalierten Variante [ɐ̃], benutzt, manchmal aber auch nur ein sehr kurzer ungerundeter offener Zentralvokal [ă]; beispielsweise wird heben als [ˈheːbɐ] oder [ˈheːbă], der Plural von Mädle als ['mɛːdlɐ] oder ['mɛːdlă] ausgesprochen.

Manche Autoren sprechen in diesem Zusammenhang von "Leichtvokalen": Das Schwäbische kenne, über das Neuhochdeutsche hinaus, nicht nur kurze oder lange Ausgaben von Vokalen, sondern auch drei nur äußerst leicht ausgesprochene Ausgaben der Vokale "geschlossenes e" [ě], "kurzes, nasaliertes a" [ă] und "geschlossenes o" [ǒ]. Für hochdeutsche Ohren sind diese "Leichtvokale" kaum erkennbar.

Von größerer Bedeutung ist die Unterscheidung der beiden Leichtvokale [e] und [ă] für Singular und Plural des Diminutivs, z. B. Mädle ['mɛːdlě] = Singular und Mädla ['mɛːdlă] = Plural.

Der Leichtvokal ǒ kommt immer dort vor, wo das Neuhochdeutsche vor einem r ein e schreibt. Dies betrifft z. B. den bestimmten Artikel Maskulinum Singular der. Er wird im Schwäbischen dor [dǒr] gesprochen. Das ǒ ist in diesem Falle so leicht, dass viele Mundartautoren nur noch dr schreiben.

Konsonanten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

a) k-, p- und t-Laute: Diese drei Fortis-Laute werden im Allgemeinen im Schwäbischen als weiche Lenis-Laute ausgesprochen: b, d und g. [ b,ɡ,d]. Eine ähnliche Abschwächung ist als sogenannte binnendeutsche Konsonantenschwächung in vielen Gegenden Deutschlands verbreitet.

Beispiele: Schdual statt Stuhl und Dabeda [dabedɛ̃] statt Tapeten.

Im Süden des schwäbischen Sprachraums ist die Abschwächung nicht so weit fortgeschritten und betrifft in der Regel nur den Anlaut.

Beispiele: Dag statt deutsch Tag aber Decke statt wie im Norden Degge. Am Silbenende werden Fortis- als auch Lenis-Laute immer hart (genauer: stimmlos) als Fortislaute ausgesprochen. Dieses Phänomen der sogenannten Auslautverhärtung ist die Regel fast im gesamten deutschen Sprachraum.

Beispiele: Boscht und Fahrrat für deutsch Post und Fahrrad. Im Unterschied zur Standardsprache bleibt das auslautende -d etwa in Rad oder Wind aber unbehaucht und kann deswegen auch mit -d geschrieben werden.

b) r-Laute: Bei vielen Sprechern weicht die Lautung des r-Lautes von der im Standarddeutschen am häufigsten vorkommenden uvularen Aussprache [ʁ], dem Zäpfchen-R, ab. Dabei wird der Laut velar, gesprochen ([ɣ]). Dieses r klingt ähnlich einem ch wie im Wort Dach, das gehaucht wird. Am Silbenende, z. B. bei wieder oder Wengerter, und vor dental-alveolaren Konsonanten (im Deutschen d, n, s und l), z. B. im Wort Erde, wird das r besonders tief im Rachen gesprochen (pharyngal, [ʕ]), dieses r klingt einem nasalierten A (å) sehr ähnlich.[7]

c) s-Laute: Das Schwäbische kennt wie andere süddeutsche Dialekte nur das stimmlose s; ein stimmhaftes s das aus dem Niederdeutschen in die deutsche Standardsprache eingedrungen ist (z. B. in Rose oder auch am Wortanfang) gibt es nicht. Die besondere Kennzeichnung eines stimmlosen s etwa durch den Buchstaben "ß" ist deshalb im Schwäbischen überflüssig.

d) sch-Laut: Dieser Laut kommt im Schwäbischen deutlich häufiger als im Deutschen vor, so gut wie immer vor d/t und b/p, auch im Inneren eines Wortes. So werden z. B. Raspel und Angst im Schwäbischen als Raschbl und Angschd ausgesprochen. Er wird im Schwäbischen tendenziell eher im hinteren, im Deutschen tendenziell eher im vorderen Zungenbereich gebildet. Ganz am östlichen Rand des Schwäbischen wird der sch-Laut darüber hinaus sogar vor g/k verwendet, z. B. Bruschtmuschkel für Brustmuskel. Die Lautfolge „st“ wurde im deutschen Südwesten einschließlich Schweiz und Elsass um das 11. Jahrhundert in allen Positionen zu /scht/. Die Lautfolge /st/ ist im Schwäbischen deswegen generell sehr selten, sie kommt aber vor, insbesondere in Verbformen der 3. Person Singular wie er hoißt/er håßt oder s(i)e lesst „er heißt“, „sie lässt“. Dies erklärt sich dadurch, dass zum Zeitpunkt der Entwicklung von st zu scht diese Verbformen noch zweisilbig waren („er heißet“) und erst später das Schwa in der zweiten Silbe geschwunden ist. Aus demselben Grund hört man auch aus dem Munde waschechter Schwaben die Wochentagsbezeichnung Samsdag (aus mhd. samestag, geschrieben sameztac!) neben häufigerem Samschdag, in dem der Wandel st > scht sekundär und analog nachvollzogen wurde (kein Schwabe würde Sonnabend sagen). Allerdings wird der Wochentag in Teilen Schwabens nicht Samschdag, sondern Samschdig genannt. Dies scheint bereits eine Weiterentwicklung zu sein, aufgrund der fortlaufenden deutschen Lautverschiebung.

Als Verbalendung der 2. Person Singular (im modernen Schwäbisch -sch, im klassischen Schwäbisch -scht) ist dieser Laut eines der klassischen Merkmale aller Schwäbisch-Sprecher/innen: Du musch(t), du schreibsch(t) usw., tritt aber auch in anderen Dialekten auf.

Weitere Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die standardsprachlichen Endungen „-eln“ und „-ern“ (in „würfeln“, „meckern“) lauten im Schwäbischen -lâ und -râ: wirflâ, mäggrâ.[8]
  • „man“ wird im Schwäbischen oder mr gesprochen
  • Das Personalpronomen der 1. Pers. Pl. Nom. lautet mir (deutsch „wir“). Diese in den deutschen Dialekten weit verbreitete Lautung entstand in der invertierten Satzstellung „haben wir“, in der das anlautende „w-“ an die vorangehende verbale Endung „-en“ assimiliert wurde.[9]
  • Abweichende Fälle bei bestimmten Verben, z. B. Dativ statt Akkusativ: I leit dr aa (ich rufe dich an).
  • Verben, die im Standarddeutsch reflexiv sind, werden im Schwäbischen z. T. durch nicht-reflexive Umschreibungen ersetzt: sich hinsetzen, sich hinlegen, sich hinstellen wird zu nâsitzâ (hinsitzen), nâliegâ (hinliegen), nâschdandâ (hinstehen), z. B. D’kansch dahannâ nâsitzâ (Du kannst Dich hier hinsetzen). Schwaben, die Standardsprache sprechen, verwenden diese Formen in der standarddeutschen Lautung oft weiter, was im norddeutschen Raum leicht befremdlich wirkt.
  • wo als stets unveränderliche Relativpartikel statt „der, die, das, welcher, welche, welches“: Dui Frao, må (auch der må) i ân Kuss gäbâ hann, …, auch gea hao, … „Die Frau, der ich einen Kuss gegeben habe, …“
  • Die Uhrzeiten vierdl (drei) und dreivierdl (fenfe/feife) bedeuten in anderen Sprachregionen „viertel nach … (zwei)“ und „viertel vor … (fünf)“. Diese Sprechweise kommt (oder kam) aber auch in anderen Regionen vor, z. B. in Berlin, Sachsen und Sachsen-Anhalt.
  • Zahlen:
1 oes, regional oas; (siehe "Anm. zur Zahl 1") 11 ålf
2 zwåe (siehe "Anm. zur Zahl 2") 12, 20 zwelf; zwanzich/zwanzg
3 drei (siehe "Anm. zur Zahl 3") 13, 30 dreizäa; dreisich/draißg
4 vir, regional viar 14, 40 virzäa, virzich/virzg
5 faef [gespr. wie engl. "five"] 15, 50 fuffzäa, fuffzich/fuchzg
6 seggs 16, 60 sächzäa, sächzich/sächzg
7 siba 17, 70 sibzäa, sibzich/sibzg
8 achd, aachd 18, 80 achzäa, achzich/achzg
9 nae 19, 90 naezäa, naenzich/naenzg
10 zäa 100, 1000 hondord, daused
  • Anm. zur Zahl 1: Die schwäbische Sprache unterscheidet zwischen dem unbestimmten Artikel und dem Zahlwort: Der unbestimmte Artikel lautet a, das Zahlwort dagegen oe [wie englisch a und one]. Z. B. a Mã, a Weib, a Kend (allgemein ein Mann, eine Frau, ein Kind) und oe Mã, oe Weib, oe Kend (1 Mann, 1 Frau, 1 Kind). Die deutsche Sprache kann diesen Unterschied nur durch unterschiedliche Betonung ausdrücken.
  • Anm. zur Zahl 2: Regional wird nach dem Geschlecht differenziert: Zwee Manne, zwoa/zwo Fraoa, zwoe Kend(or) (2 Männer, 2 Frauen, 2 Kinder).
  • Anm. zur Zahl 3: Als Uhrzeitangabe lautet sie em drui (um drei Uhr).
  • Beispiele weiterer Zahlen: Oisazwanzg (21), Zwoiazwanzg (22), Simnazwanzg (27), Dausedzwoihondrdviirädraißg (1234)
  • Um eine Tätigkeit ausdrücken, zu der man sich unmittelbar begibt, wird das Partikalwort ge verwendet (entstanden aus „gen“, das seinerseits wiederum aus „gegen“ entstanden ist). Zum Beispiel i gang ge schaffa (ich gehe zur Arbeit) oder mir goant ge metzga (wir gehen schlachten).
  • Das Südwestschwäbische weist weitere Besonderheiten aus: Der Konjunktiv I für die Wiedergabe einer wörtlichen Rede wird im Vergleich zum gesprochenen Standarddeutsch sehr häufig verwendet (z. B. Sie hot gsait sie komm am achte für „Sie hat gesagt sie komme um 8 Uhr“). Im Gegensatz zum Standarddeutschen verfügt es auch über einen Hilfskonjunktiv I: därâ (z. B. Se hond gsait se därât am neine kommâ für „Sie haben gesagt sie würden um 9 Uhr kommen“). Ebenso hat „haben“ mit häbâ eine eigene Konjunktiv I-Form (z. B. Se hond gsait se häbât koâ Zeit für „Sie haben gesagt sie hätten keine Zeit“). Somit lässt sich der Konjunktiv eindeutig vom Konjunktiv II abgrenzen (Se hettât koâ Zeit wenn…; Se dätât am neine komme wenn…).
  • Beim Vergleichen wird statt des standardsprachlichen „als“ das „wie“ („Ich bin größer wie du“) oder gar die Kombination „als wie“ („Ich bin größer als wie du“) verwendet.

Grammatikalische Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe den Hauptartikel → Schwäbische Grammatik

Wortschatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Falsche Freunde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bezeichnung Falsche Freunde wird für Wörter aus unterschiedlichen Sprachen verwendet, die sich geschrieben oder klanglich ähneln, aber eine jeweils andere Bedeutung haben. Falsche Freunde führen leicht zu Übersetzungsfehlern.

  • Ein bekanntes Beispiel für solche false friends ist das deutsch/englische Wortpaar Frieden/freedom. Diese beiden Worte scheinen auf den ersten Blick das Gleiche zu bedeuten. Aber engl. freedom bedeutet nicht Frieden sondern Freiheit. Wer das deutsche Wort Frieden ins Englische übersetzen will, muss dafür das Wort peace nehmen.
  • Auch im Verhältnis von Deutsch und Schwäbisch gibt es zahlreiche false friends. Ein bekanntes Beispiel sind die deutsch/schwäbischen Wortpaare heben/heba bzw. halten/halda. Deutsch halten entspricht schwäbisch nicht halda, sondern heba, deutsch heben entspricht schwäbisch nicht heba sondern lubfa.

  In der nachfolgenden Auflistung finden sich Beispiele mehrerer Autoren für deutsch/schwäbische false friends.

  • bei Körperteilen: mit „Fuaß“ wird das Bein bis zum Oberschenkel bezeichnet, das „Kreiz“ (Rücken) umfasst den ganzen Rücken; in äußerst seltenen Fällen werden Hand, Unterarm, Ellbogen und Oberarm bis zum Schultergelenk auch als „Hand“ zusammengefasst, und der „Bauch“ umfasst den ganzen Korpus. Ein Schwabe ist in der Lage, einen Krampf an der Stelle zu bekommen, „wo der Fuß in den Bauch mündet“. (Oder auch: „I han en Wadâkrampf em Fuaß.“)
  • bei Tieren: eine Stubenfliege (Musca domestica) heißt im Schwäbischen „Mugg“ (oder auch „Fluig“), eine Stechmücke (Culicidae) „Schnôg“ (Schnake); für die Mückenfamilie der (nichtstechenden) Tipulidae, die üblicherweise als Schnaken bezeichnet werden, gibt es den Begriff „Mugg“ (in Stuttgart oft auch „Großvater“ genannt, Weberknechte werden als „Habergoes“ bezeichnet.). Der Bedeutungswandel des Worts „Schnake“ ist mittlerweile umgangssprachlich über das Schwäbische hinaus verbreitet. Die Fliegenklatsche heißt auf Schwäbisch „Fluigabätschr“ oder auch „Muggabatschr“ (Mückenbatscher). Für etwas unvorstellbar Kleines oder auch allgemein für „ein bisschen“ wird „Muggeseggele“ verwendet. Wörtlich bedeutet „Muggeseggele“ Zeugungsglied einer Fliege.
  • bei Bewegungsverben:
    • „gângâ“ oder „gâu“(gehen) wird nur benutzt, um den Ortswechsel zu beschreiben – gehen als Art der Bewegung heißt im Schwäbischen „laufâ“, laufen heißt „springâ“ (hüpfen heißt „hopfâ“ oder „hopsâ“), springen heißt „sprengâ“ aber auch „juggâ“ (jucken hingegen heißt „beißâ“); schnelles Laufen heißt „rennâ“ oder „sauâ“ (vgl. standardsprachlich „sausen“). Ruft der Schwabe seiner Frau zu „Alde, sau!“, so bezeichnet er sie nicht als weibliches Schwein, sondern weist sie an, schnell zu rennen. Der Begriff „Alde“ bzw. „Aldr“ ist zwar nicht besonders freundlich, unter länger verheirateten Paaren aber durchaus gebräuchlich. Darüber hinaus verwenden häufig Jugendliche die Begriffe „Alde“ bzw. „Aldr“, wenn sie untereinander über ihre Eltern sprechen; wie z. B.: „Mei Aldr hat des au gsaidt.“ (Mein Vater sagte das auch). Sprechen sie über ihre Eltern, meinen also Vater und Mutter, bezeichnen sie diese meist als „[ihre] Leit“ (Leute), z. B. „Sen deine Leit au dâ?“ (Sind deine Eltern auch da?)
    • „gângâ lâu!“ oder „Gâu lâu!“ (gehen lassen!/Imperativ) ist nicht im Sinne eines Ortswechsels zu verstehen, sondern kommt vom „den Teig gehen lassen“, also „ruhen lassen“. Wenn ein Schwabe sagt: „Oh verreck, wenn’s so isch, ôifach gâu lâu“ meint er: „So ein Mist, wenn das so ist, einfach in Ruhe lassen“ Und wenn ein Schwabe sagt: „Lame gâu.“ meint er: „Lass mich in Ruhe.“
    • Hingegen: „I muâß jetzêtt gâu gâu!“ Hier bedeutet das erste „gâu“ = „gleich“, das zweite = „gehen“. Also: „Ich muss jetzt gleich gehen!“
    • Zu „gâu mr gâu“ („gehen wir gleich/dann“) gibt es die Ungedulds-Steigerung „gâu mr gâu gâu“ („gehen wir jetzt endlich!“)
  • „bald“ erhält die Bedeutung des standarddeutschen „früh“ und ist auch steigerbar. So kann eine Schwäbin sagen: „I muss morgâ fei bald aufschdandâ ond mai Mâ no bäldr!“ (Ich muss morgen aber früh aufstehen und mein Mann noch früher!)
  • „G’schwend“ (geschwind) wird im schwäbischen nicht zur Definition einer Geschwindigkeit benutzt, sondern um einen Zeitabstand zu verdeutlichen: z. B. „Komsch du (oder ‚dâu‘) mol gschwênd?“ = „Kommst du mal kurz?“
  • halten heißt im Schwäbischen „hebâ“ (das gilt für „halten“ sowohl im Sinne von „festhalten“ als auch im Sinne von „haltbar sein, nicht verderben“ und auch im Sinne von „stabil sein, unter Belastung nicht zusammenbrechen“)
  • heben heißt „lupfâ“ (ein Nagel in der Wand „hebd“ das Bild, während der Stuhl auf den Tisch „g'lupfd“ wird.).
  • Uffhebâ bedeutet sowohl das Aufbewahren einer Sache, als auch das Heben eines Gegenstandes von einer niedereren Ebene (Boden) auf eine höhere Ebene. Die Kombination des Begriffes in der Dialektischen Aufhebung konnte nur vom Schwaben Hegel so formuliert werden.
  • Sitzen heißt im Schwäbischen „hoggâ“ und kommt vom standardsprachlichen „hocken“ (im Sinne von „in die Hocke gehen“)
  • Die standardsprachliche Marmelade nennt der Schwabe „G'sälz“, während er „dr (= den) Buddr“ (die Butter, man beachte das im Schwäbischen vom Standarddeutschen verschiedene Genus) drunterstreicht.
  • arbeiten heißt im Schwäbischen „schaffâ“ und schaffen „machâ“, während für machen oftmals doa/dua (tun) verwendet wird.
  • Geht der Schwabe zum „schaffâ“, also zur Arbeit, so geht er "ins Gschäft". Dort hat er auch "Gschäft" im Sinne von "Des isch abr a Gschäft" (Das ist aber harte Arbeit). Ein Einkaufsgeschäft dagegen heißt "Lade".
  • In einigen Regionen gibt es auch Entdifferenzierungen von Farbattributen: helles Orange, Ocker, und Hellbraun werden oft zu „gäal“ (Gelb) zusammengefasst, dunkles Orange, Rot, Rosa oder Violett dagegen heißen „roâd“ oder „rood“ (Rot), analog werden Grautöne schon bei mittlerer Helligkeitsintensität als „schwarz“ bezeichnet.
  • Das Personalpronomen „wir“ lautet im Schwäbischen generell „mir“.[10]
  • Das Fragewort wo? zeigt die dieselbe Verschiebung von „w“ zu „m“. Es lautet im schwäbischen Hauptgebiet „må?“.[11]
  • Das indeklinable Relativpronomen „wo“, schwäbisch ebenfalls „må“, entspricht dem gleichfalls indeklinablen „so“ im Lutherdeutsch.[12]
  • bei Haushaltsgegenständen: Mit „Debbich“ (Teppich) wird auch eine (Woll-)Decke bezeichnet, die zum Zudecken geeignet ist.
  • (Aussprache näher am ‚a‘) steht im Schwäbischen für hin (von „nach“); z. B. Gugg net lang, gang nâ! – Starr nicht in die Luft, geh hin!. Des Weiteren steht (Aussprache zwischen ‚a‘ und ‚o‘) für „dann“, „denn“, und in anderen Bedeutungen. Es ist damit ein im Schwäbischen besonders häufiges und charakteristisches Wort. So ergibt sich eine fein abgestufte Kette von ‚a‘ bis ‚o‘: na=hinab, =hin, =dann, =noch.
  • langâ wird als Verb gebraucht und bedeutet „etwas mit den Händen anfassen“; z. B. Schwätz net lang, lang nâ! – Rede nicht lange, packe zu!
  • Eine andere Bedeutung von langâ ist „schlagen“ im Sinne von „Eine schmieren“: „I lang dr glei Oina“
  • 'Schlagen' ist aber durchaus ebenso gebräuchlich, z. B. „Ich schlage dir auf den Kopf“: „I schla' dr and Battrie nâ!“ (wörtlich: „Ich schlage Dir an die Batterie hin!“)
  • Schließlich kann langâ auch „ausreichen“ bedeuten: „'etzt langt’s abb'r!“ („Jetzt reicht’s aber!“)
  • schmeggâ kann neben „schmecken“ auch „riechen“ bedeuten.
  • Auch bezüglich des Geisteszustandes von einzelnen Personen gibt es Umdeutungen. So wird eine g’schuggde (Form von Meschugge) Person auch als ned ganz bacha (halbgebacken) bezeichnet.
  • Der Mittag geht im Schwäbischen von 12 bis 17 oder 18 Uhr, da die Begriffe „Vormittag“ und „Nachmittag“ nicht existieren. Es gibt also nur den Morgen (en dr Fria), den Mittag, den Abend und die Nacht.[13]
  • fai (fein) verstärkt eine Aussage oder betont einen Aspekt. Man könnte es in der Standardsprache manchmal durch „wirklich“ oder „aber“ ersetzen. So entspräche „Des gôht fai et, was Sia dô probierat!“ dem standarddeutschen Satz „Das geht aber nicht, was Sie da versuchen!“. Im Satz „Der isch fai z’schnell gfahrá.“ erfüllt fai dagegen eine betonende Rolle: Wäre bei einem Autounfall die Schuldfrage beispielsweise ungeklärt, würde dieser Satz die Aussage „Er ist zu schnell gefahren“ mit dem impliziten Hinweis verbinden, dass dies einen Einfluss auf die Schuldfrage hat. Eine weitere Steigerung ergibt sich dann durch die Kombination mit „wirklich“: „Der isch aber fai wirklich z’schnell gfahrá“.
  • ha noi wird wie ein Wort gesprochen und müsste im Standarddeutschen am ehesten einem „Ha, nein“ entsprechen. Die Übertragung mit „Ach, nein“ wäre ungenau, weil sie eine Art halberschrockenes Erstaunen nicht präzise wiedergeben kann.
  • Bezeichnet der Schwabe des Kerle, so meint er nicht einen grobschlächtigen „Kerl“, sondern in der Bedeutung von „Knabe“ einen „Jungen“: „Kerle, …“ drückt also Besorgnis aus wie ein standarddeutsches „Mensch Junge“ oder „Junge, …“. Dabei ist ein „Kerle“ in entsprechender Abgrenzung auch kein „Mâ“: „Bisch ja koi Kerle meh, bisch'a en Mâ.“ ist Abgrenzung.
  • Das Adjektiv frech ist im Schwäbischen stärker, bedeutet (noch immer) „unverschämt“. Die im Standarddeutschen immerhin mögliche Abschwächung zur Charakterisierung eines annähernd sympathischen Lausbuben ist nicht in vergleichbarer Weise vorhanden.

Eigenständiges Vokabular im Schwäbischen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufkleber einer Werbekampagne des Landes Baden-Württemberg

Eine Vielzahl an schwäbischen Wörtern/Vokabeln (vor allem von der älteren Generation gebraucht) haben in der Standardsprache keine Entsprechung. (Daher rühren die Wörterbücher „Schwäbisch – Deutsch“). Von den nachfolgenden zahlreichen Beispielen sind allerdings eine größere Anzahl nicht im gesamten schwäbischen Sprachraum, sondern nur regional verbreitet. Nachfolgende Liste kann nur eine kleine Auswahl des eigenständigen Schwäbischen Vokabulars darstellen.

Substantive (f=weiblich, m=männlich, n=sächlich, pl=plural)

  • Afdrmedig = Dienstag (nur regional, v.a. im Raum Augsburg), s. u. Zaischdig
  • Bäbb = Klebstoff; wird aber auch als Umschreibung für „Unsinn“ verwendet („Schwätz koin Bäbb!“)[14]
  • Bäbber (m) = Aufkleber, Sticker, Klebeetikett
  • Batsch (m) = (Hand-)Schlag
  • Bebbeleskehl / Bebbeleskraut = Rosenkohl
  • Behne = Dachboden (von Bühne)
  • Bettfläsch(a) f = Wärmeflasche
  • Blafó (m) = Zimmerdecke (von frz. le plafond)
  • Blätzla = Weihnachtsgebäck
  • Blôdr = Blase, insbesondere Schweinsblase, Schimpfwort
  • Bulldog = Traktor (der von der Produktbezeichnung Lanz Bulldog abgeleitete Gattungsname für Traktoren wird im Schwäbischen teilweise noch verwendet, aber zunehmend durch Schlebbr = Schlepper ersetzt, das Wort „Traktor“ ist unüblich).
  • Butzawaggerle = kleiner Knirps, schmeichelnd oder höhnisch
  • Butzameggerler = Nasenpopel
  • Butzastenkl = Purzelbaum
  • Breedla (n)= Keks/Weihnachtsgebäck
  • Bräschdleng (m) = Erdbeere, Erdbeeren
  • Brockela/Brogala = Erbsen
  • Debbich (m) = Decke (zum Zudecken) (von Teppich); selbst für Tischdecke gebräuchlich
  • Dreible n, pl Dreibla = Johannisbeere (von „Träuble“ → kleine Traube)
  • Droid = Getreide
  • Droddwar n, von franz. le trottoir = Gehweg
  • Dolkâ m, pl = Tintenfleck
  • Dullâ m, pl = (Alkohol)Rausch, vgl. ahd. twelan „betäuben, betäubt sein, sich säumig zeigen, einschlafen“ und engl. to dwell
  • Flädlessubb f = Im Schwäbischen verbreitete spezielle Art der Pfannkuchensuppe
  • Fuaß m, pl Fiaß = Bein(e), einschließlich der Füße
  • Gaudi = Spaß, vgl. lat. gaudium
  • Giggle = kleine Tüte aus Papier oder Plastik, Frischhaltebeutel
  • Gluf f, pl Glufa = Stecknadel, Sicherheitsnadel (Glufâmichl = etwas trotteliger männlicher Mensch)
  • Glump/Glomp = Gerümpel, Schrott, Unbrauchbares, qualitativ Minderwertiges (von „Gelumpe“)
  • Grädda/Gradda/Kradda m = Weidenkorb mit 1 Henkel (mit 2 Henkeln siehe Zonn)
  • Grend = Kopf
  • Grom = reg Geschenk, Mitbringsel
  • Grombir/Äbir f (auch nasaliert Grombĩr/Äbĩr) = Grund-Birne/Erd-Birne = Kartoffel
  • Gruuschd m = Kram, Zeug
  • Gschnuder = Schnupfen
  • Gschpei = Schleim, Auswurf
  • Gsälz n = Marmelade, dementsprechend ist ein „Breschdlengsgsälz“ eine Erdbeermarmelade (vgl. oben „Breschdleng“)
  • Gugg/Guggâ f, pl Gugga/Guggena = Tüte, laut Grimmschem Wörterbuch (Band IX, Sp. 1030) „gucke, f., papiertüte, ein vornehmlich obd. (oberdeutsches) wort“
  • Gutsle n, pl -la = Weihnachtsgebäck (regional auch Bonbon/Süßigkeit)
  • Häägamarg n = Hagebuttenmus (als süßer Brotaufstrich)
  • Hafa m, pl Häfa = Topf; davon abgeleitet: Häfele n = Töpfchen; Kochhafa = Kochtopf; S(ch)dogghafa = (Stocktopf) Blumentopf
  • Häggr = Schluckauf
  • heidenai! = der Brüller!
  • Heedscha, Heedsched, Heedschich m = Handschuh
  • Hengala = Himbeeren
  • Hoggâdse oder Hoggâde (f) = Straßenfest (wörtl. „Hockerei“)
  • Holga = Bilder (v. Heiligenbilder)
  • Hoob = Hackmesser, vgl. Hippe
  • Joomer (m) = Heimweh, vgl. mhd. jamer mit langem A
  • Kadárr m = Erkältung
  • Kánapee n, von franz le canapé = Sofa, Couch
  • Kandl m = Rinnstein
  • Kehrwisch (neuschwäbisch, traditionell:) Kaerawisch m = Kehrbesen, Handfeger
  • Kobbr = Rülpser
  • Kries(e), gesprochen: Gries(e) = Kirschen
  • Kuddr = Kehricht
  • Kuddrschaufl = Schaufel zum Aufnehmen des Kehrichts
  • Maurochen = Morchel
  • Meedâle = Eigenart, Macke, Tick (eig. „Mödelein“)
  • Medich, Medig = Montag
  • Meggl m = Kopf
  • Migda, Michda = Mittwoch
  • Muggeseggele n = kleinstes schwäbisches Längenmaß (wörtlich „Fliegenpenis“)
  • Ois(le), Oes f = Hautrötung, Blase
  • Poader (m) = Kugel
  • Poadranuschter (m) = Kugelkette (lat.: paternoster; Rosenkranz)
  • Pfutzger = Furz
  • Quadde, gesprochen: Gwadde = Maikäferlarve
  • rode Fläggâ = Masern
  • Raa n = Abstieg (Rückweg; wörtl. „herab“)
  • Ranzâ m = Bauch
  • Schässlo (Betonung teilweise auf der ersten Silbe) = Sofa (frz. chaise longue)
  • Schranna f = Biergarnitur
  • Schmarra m = Unfug, Unsinn
  • Suddrae/Suddrä m = Keller (frz. sous-terrain)
  • Schietê(n) = großer Korb, meist Holztragekorb (von „schütten“ i. S. „ausleeren“)
  • Schlägle = (nicht tödlicher) Schlaganfall, Hirnschlag (wörtl. „Schlägchen“)
  • Schleck m = Süßigkeit
  • Wegga m, regional auch Weggle n = Brötchen
  • Wäffzg f, pl-a = Wespe
  • Zaischdig/Daeschdich m = Dienstag
  • Zibéb f = Rosine (vom arabischen zabiba[15])
  • Zonn/Zoana/Zoina f = Weidenkorb mit zwei Henkeln (mit einem Henkel siehe Grädda), vgl. deutschschweizerisch Zaine = Wäschekorb und got. tains = Korb.

Verben

  • äschdemierâ = hoch achten, ehren
  • åglotza = anschauen
  • bäbbâ = kleben
  • batschâ = klatschen, applaudieren oder auch schlagen. I bätsch dir oine bedeutet auch „Ich schlage dich.“
  • bampa = auf’s klo gehen / kacken (Ausdruck wird meist Kindern gegenüber verwendet)
  • beigâ(n) = stapeln (von der Beige, dem Stapel)
  • bledla = lustig sein
  • blegglâ = stürzen
  • blodzâ = hinfallen, stürzen (z. B. als Frage an ein Kind: „Bisch nâblodzd?“ = „Bist Du hingefallen?“)
  • bogglâ = fallen, anstoßen, rumpeln
  • bronzâ = pinkeln / urinieren
  • bruddlâ = etwa „halblaut vor sich hin schimpfen“ (vgl. Luxemburgisch: „braddelen“)
  • driâlâ = sabbern, trielen, übertragen auch: trödeln
  • drillâ = drehen, im Kreis drehen
  • firbâ = fegen
  • flagg(â) = sich hinlegen, daliegen
  • flatierâ = schmeicheln, bitten, betteln
  • fuâßlâ = zügig laufen (langsamer als „schbrengâ“)
  • gambâ = schwanken, schaukeln. Speziell auch das Hinundherbewegen der Beine. Kann auch im Sitzen erfolgen. Spezialfall: Von einem Fuß auf den anderen treten (meist bei voller Blase). Teilweise auch: springen, siehe Volkslied[16]
  • gigampfa = auf dem Stuhl wippen
  • gruâbâ = ausruhen, entspannen
  • gugga, part. perf. gugg(e)d = schauen; nãgugga = (genau) hinschauen; gugg romm! = schau her!
  • hebâ = etwas halten, nicht heben! (vgl. lupfâ)
  • hoschdubâ = tratschen
  • hudlâ = sich beeilen (von „Hud(d)el“, einem im Backhaus eingesetzten feuchten Lappen zum Auswischen des Holzofens zur Entfernung der glühenden Kohlereste vor dem Einsetzen der Brotlaibe; dieser durfte natürlich nicht verbrennen und wurde dementsprechend schnell bewegt)
  • hurglâ = kugeln
  • keiâ = werfen
  • kobba = rülpsen
  • loiba = verschwenden, (Essen) übrig lassen
  • losâ/losnâ/losânâ/lusâ = (hin-)hören/lauschen, vgl. engl. to listen!
  • luaga, part. perf. gluag(e)d = schauen (südwestschwäbisch und allgemein alemannisch; verwandt mit engl. to look
  • lupfâ = (hoch-)heben (vgl. engl. to lift)
  • nuâlâ = wühlen
  • sauâ = rennen (Im Schwäbischen darf der Trainer einem Spieler jederzeit ein „Sau!“ zurufen. Dieser Zuruf ist keine Beleidigung, sondern nur eine Aufforderung zur Anstrengung beim Sprinten)
  • soichâ = regnen, urinieren, tröpfeln (auch für auslaufende Gefäße verwendet)
  • schäddra = lachen
  • schbrengâ = rennen, dt. „springen“ heißt auf schwäbisch „hobfâ“
  • schdräâlâ = kämmen (Sträâl = Kamm)
  • schdragga = liegen
  • schlotzâ = lecken (z. B. ein Eis schlotzâ), trinken
  • schnäddrâ = rattern, klingen
  • schuggâ = schubsen
  • schwätzâ = reden, sprechen, plaudern
  • dribelierâ = (jmd.) auf die Nerven gehen
  • wargla = drehen, wälzen; kugeln. Siehe auch hurgla

Adjektive, Adverbien und Modalpartikel

  • âfangâ = mittlerweile
  • äbber/äpper/jäapper = jemand, aus noch frühnhd. etwer, vgl. etwas
  • äbbes/äppes/jäappes = etwas
  • äggelich = widerlich, eklig; das Wort ist nicht mit hochdeutsch „eklig“ verwandt, sondern entspricht mhd. ege(s)lich, egeslīche = „schrecklich, furchtbar, abscheulich“, das auf germ. *agis „Furcht“ basiert, vgl. engl. awe
  • änâwäâg, oinâwäg = ohnehin, wie auch immer
  • brifaad = privat
  • därâtwäâgâ(t) = deshalb, darum
  • derbies = als bald
  • diemol = neulich, letztens
  • fai = aber, wirklich
  • gau = bald
  • gladd = lustig, komisch, merkwürdig (vgl. engl. „glad“=„froh“) – kann mit der Vorsilbe „sau“ gesteigert werden („De’sch [j]a saugladd!“ = „Das ist ja sehr lustig!“)
  • gotzig/gotzich = einzig
  • gär = steil (vgl. Schweizerdeutsch gärch und hochdeutsch jäh), vgl. lääg
  • griâbig = geruhsam, gemütlich
  • häälengâ = heimlich
  • hee/heenich = kaputt (es ist (da)hin)
  • lääg = sanft ansteigend
  • liâdrig = liederlich
  • nä(r)sch, narred = wütend, zornig (sein)
  • omanand(r) = umher, umeinander
  • pääb/b’häb = sehr nah, sehr knapp (auch: krumm; engstirnig, geizig)
  • reng = gering, wenig
  • schäbbs = schief
  • (uf) z’mol(s) = auf einmal, plötzlich
  • sällmål/sälbigsmål = damals
  • schainds = anscheinend
  • soddige, sogâte, sonige = solche
  • wahrschains = wahrscheinlich
  • wisawí = gegenüber (aus dem Französischen: „vis à vis“)
  • wonderfitzig = neugierig
  • zwär(ch) = quer, vgl. hochdeutsch Zwerchfell, eigentlich „Querhaut“, mhd. fell = Haut, Fell

Präpositionen, Ortsangaben, Richtungsangeben

Hinweisschild auf Schwäbisch: „Den Kreuzweg dürfen wir nicht hinunter (reiten)“
  • aa/ah = ab; davon abgeleitet: naa/nah/nabe = hinab, raa/rah = herab, abe = abwärts
  • ae = ein; davon abgeleitet: nae = hinein (nicht verwechseln mit schwäbisch nei = neu!) und rae = herein
  • aus = aus; davon abgeleitet: naus = hinaus, raus = heraus
  • iib(â)r = über; davon abgeleitet: nib(o)r = hinüber, rib(o)r = herüber
  • nääbrânandr = nebeneinander
  • obâ = oben; davon abgeleitet: doba = da oben, hoba = hier oben
  • omm = um; davon abgeleitet: nomm = hinum, (omm …) romm = (um …) herum
  • ondâ = unten; davon abgeleitet: donda = da unten, honda = hier unten („Jetz isch gnug Hae honda“ = „Jetzt haben wir genug darüber gestritten“, wörtl.: „Jetzt ist genügend Heu hier unten“)
  • ondâr = unter; davon abgeleitet: drondor = darunter, nondor = hinunter, rondor = herunter
  • uff = auf; davon abgeleitet: nuff = hinauf, ruff = herauf, uffe = aufwärts
  • ussâ = außen; davon abgeleitet: dussa = draußen, hussa = hier außen
  • hent(â)râ = nach hinten
  • hendârsche = rückwärts
  • fiare, ferre = nach vorne
  • fiarasche = vorwärts
  • dur = durch
  • durâ = hindurch
  • äll häck (südwestschwäbisch), äll ridd/dridd (mittelschwäbisch) = ständig (z. B. „Där guggd äll häck/ridd/dridd vorbei“ = „Er schaut ständig vorbei (und nervt mich damit!)“)
  • äll(â)mol/äml/älsâmol = manchmal
  • (irgend) oimâ/ammâ/ommâ/wammâ = (irgend)wo
  • näânâ(ts) (südwestschwäbisch), närgâds, näâmârds (mittelschwäbisch) = nirgends
  • ällaweil/äwe/äwl = immer
  • allat (allgäuerisch/vorarlbergerisch) = immer
  • ge (Richtungsangabe; schweizerdeutsch gi/go) = nach/gegen/gen (z. Bsp. „I gang ge Dibeng“ = „Ich gehe nach Tübingen“)
  • z (Ortsangabe, deutsch einst zu) = in (z. Bsp. „I be z Dibeng“ = „Ich bin in Tübingen“)

Bewegungsrichtungen und Ortsbestimmungen im Schwäbischen:

Wenn sich etwas nah bei jemandem befindet bzw. sich wegbewegt Wenn etwas entfernt ist bzw. sich herbewegt
dô = da/hier de(r)t = dort
dô hanna = hier/ genau hier det danna/dranna = dort dran/ genau dort
nab/nah = hinab rab/rah= herab
nondr = hinunter rondr = herunter
honna = herunten/ hier unten donna = drunten/ dort unten
nuff/nauf = hinauf ruff/rauf = herauf
hob/hoba = heroben/ hier oben dob/doba/drob/droba = droben/ dort oben
herna/hiba = herüben/ hier drüben derna/diba/driba = drüben/ dort drüben
nomm/niibr = hinüber romm/riibr = herum/ herüber
nei = hinein rei = herein
henna = herinnen/ hier drinnen denna/drenna = drinnen/ dort drinnen
naus = hinaus raus = heraus
huss/ hussa = heraußen/ hier draußen duss/dussa = draußen/ dort draußen

Befindet sich zum Beispiel Person A im Inneren eines Hauses und Person B außerhalb, dann sagt A: „I bee henna, ond du bisch dussa“, während B in derselben Situation sagt: „I bee hussa, on du bisch drenna.“

Kuriosa[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werbung auf schwäbisch: „Halten Sie sich links, wenn Sie nach Stuttgart wollen.“

Die in dieser Rubrik aufgeführten Redewendungen und Sprüche gehören in aller Regel zur Jux- und Spaßliteratur. Das heißt, sie gehören nicht zur tatsächlichen Alltagssprache, sondern sind künstlich zurechtgemacht und wollen erheitern oder verwirren. Als Stilmittel dienen bevorzugt Alliterationen, zungenbrecherische Wortkombinationen oder das Spielen mit den zahlreichen schwäbischen Vokalvariationen, die über den Vokalbestand des standardisierten Deutsch hinausgehen. Für deren Schreibung gibt es keine Regeln. Einige wenige Formulierungen kommen dagegen durchaus in der Alltagssprache vor und werden jeweils situationsangepasst variiert.

Formulierungen aus der Alltagssprache:

  • Send d’Henna henna?, alliterierend („Sind die Hühner hinnen?“ (gemeint ist: „im Stall?“))
  • Da Abbarad ra tra, alliterierend („Den Apparat herunter tragen“)
  • En a Gugg nae gugga, alliterierend („In eine Tüte hinein schauen“)
  • Må ganga-mor nå no nã?, lautmalerisch („Wo gehen wir dann noch hin?“)
  • Mål amål a Mãle nã!, lautmalerisch („Male mal ein Männchen hin!“)

Althergebrachte volkstümliche Formulierungen:

  • Schället se edd an sällere Schäll, sälle Schäll schällt edd. Schället se an sällere Schäll, sälle Schäll schällt. (Schäll heißt ‘Klingel’, schällâ ‘klingeln’ und sälle heißt ‘selbige’.)
  • ’s leit a Klötzle Blei glei bei Blaubeura, glei bei Blaubeura leit a Klötzle Blei.[17] („Es liegt ein Klötzlein Blei gleich bei Blaubeuren, gleich bei Blaubeuren liegt ein Klötzlein Blei“; gemeint ist der Metzgerfelsen bei Blaubeuren, der Zungenbrecher stammt aus dem Märchen von der schönen Lau in Eduard Mörikes Stuttgarter Hutzelmännlein)
  • In Ulm, um Ulm und um Ulm herum (ein standarddeutscher,[18] kein schwäbischer Zungenbrecher).

Formulierungen aus der Spaßliteratur:

  • Dr Babschd hôt s’Schbätzlesbschtegg zschbäd bschdelld. (Der Papst hat das Spätzle-Besteck zu spät bestellt.)
  • s’Rad ra draga ond s’Greiz õschlaga (das Rad heruntertragen und das Kreuz anschlagen: das õ dabei nasal – etwa Richtung ö und ä – also Albschwäbisch aussprechen)
  • I han âmôl oen kennd khedd, der hôdd oene kennd. Dui hôdd a Kend khedd, dees hôdd se abbr edd vo sällam khedd. Där hot nemlich nemme kennd khedd. Se hôdd abbr no an andârâ kennd khedd. Där hôdd no kennd khedd. Ond wenns se deen nedd khennd khedd hedd, nô hedd se koe Kend khedd. (Ich habe einmal einen gekannt [gehabt], der hat eine gekannt. Die hat ein Kind gehabt, das hat sie aber nicht von diesem gehabt. Der hat nämlich nicht mehr gekonnt [gehabt]. Sie hat aber noch einen anderen gekannt [gehabt]. Der hat noch gekonnt [gehabt]. Und wenn sie diesen nicht gekannt hätte, dann hätte sie kein Kind gehabt.)
  • Hitza hodse, saidse, häbse und bei Nacht so schwitza miasdse, saidse, dädse. (Die Hitze hat sie, sagt sie, habe sie und bei Nacht so Schwitzen müsse sie, sagt sie, tue sie.)
  • Isch der älle älle? Wer war do do? (Ist der alle alle [leer]? Wer war da hier? [Eine Werbung für Honig])
  • oe Åe (mittelschwäbisch) bzw. oa Åa (südwestschwäbisch) ‘ein Ei’
  • Hosch au a oâhgnehm grea âhgschdrichas Gardadierle? (Hast du auch ein unangenehm grün angestrichenes Gartentürchen?)
  • Do hogged die mo(wo) emmer do hogged (Hier sitzen die, die immer hier sitzen) Besitzanspruch auf einen Stammtisch in der Kneipe, meist durchgehend geschrieben um zu verwirren.
  • Schuggschdumi schuggidi (Schubst du mich, schubs ich dich)
  • Moisch d'mõgsch Moschd? Mõgsch Moschd, mõgsch mi. (Meinst du, du magst (Apfel-)Most? Magst du Most, magst du mich.)
  • Källerätälle? („Wie viel Uhr ist es?“, v. frz. Quelle heure est-il?)

Sprachliche Schichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Was früher als Honoratiorenschwäbisch bezeichnet wurde und eher als Manierismus galt, ist heute eine weitverbreitete Anverwandlung des Schwäbischen an standardsprachliches Deutsch. In vielen Situationen werden Mischformen verwendet, die Schriftdeutsch, umgangssprachliches Deutsch und Schwäbisch in verschiedenen Anteilen mischen. Typische Situationen sind solche, in denen reines Schwäbisch nicht verstanden wird, die Standardsprache aber nicht angemessen wäre oder in denen der Sprecher das Gefühl hat, nicht verstanden zu werden, auch wenn die Gegenseite sehr wohl Schwäbisch versteht, oder in Situationen, in denen er dem Gesagten besonderen Nachdruck verleihen will. Beispielsweise werden im Gespräch mit schwäbischen Kindern oft Mischformen verwendet („So, jetzt muâsch du dô drückhhen.“ „Ich sag dir des noch einmal.“ „Sascha, geh’ nicht dahintere!“ statt „Gang ed dahendre!“).

Im Sinne eines Dialektkontinuums gibt es sowohl Unterschiede innerhalb des schwäbischen Sprachraums, als auch fließende Übergänge zu den Nachbarmundarten. Ebenso werden im Sinne eines Dialekt-Standard-Kontinuums in der Regel schwäbische und hochdeutsche Elemente je nach Sprechersituation in verschiedener Weise miteinander verknüpft, womit es zu fließenden Übergänge zwischen reinem Ortsdialekt, regionalen Dialektformen, regional gefärbtem Hochdeutsch und reinem Hochdeutsch kommt.

Neuere Tendenzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • In den letzten Jahrzehnten ist wie bei anderen deutschen Dialekten auch eine starke Veränderung hin zum Standarddeutschen zu erkennen. Viele klassische Aussprachemerkmale und Vokabeln sind nur noch bei älteren Sprechern in ländlichen Regionen anzutreffen oder schon ausgestorben.
  • Merkmale, die einen großen Radius aufweisen, bleiben lebendig (z. B. sch vor t oder das Verkürzen der Vorsilbe „ge“ zu g). Beide Phänomene sind nicht nur schwäbisch, sondern allgemein oberdeutsch.
  • Die Nasalierung geht allgemein zurück. Aus Hãd wird Hand, aus Kẽd wird Kend, aus wird Mond.
  • Regionale Eigenheiten werden durch großräumigere schwäbische Aussprachemerkmale ersetzt, insbesondere, wenn diese näher an der Standardsprache liegen. So werden beispielsweise die westschwäbischen oa/åa-Laute allmählich von den großräumerigen ost- und mittelschwäbischen oe/åe-Lauten (für hochdeutsch /ai/ wie etwa in „beide“ oder „Meister“) verdrängt.
  • Es gibt auch Entwicklungen, die nicht auf den Einfluss des Standarddeutschen zurückzuführen sind. So kann man mitunter zwischen einer klassischen und einer neueren schwäbischen Form unterscheiden. Beispielsweise wird i hao („ich habe“) zu i han (ursprünglich alemannisch/rheinfränkisch). Ebenso neuschwäbisch ist das Weglassen des Schwa-â in vielen Positionen (z. B. du hedsch statt du hedâsch(t) für „du hättest“ oder hendre statt hendâre für „nach hinten“)
  • In Bayerisch-Schwaben wird das Schwäbische neben dem Einfluss des Hochdeutschen auch vom Bairischen zurückdrängt, insbesondere dort, wo die bairische Form näher an der Standardsprache liegt. So sagen jüngere Sprecher dort eher z. B. ihr habts als ihr hand.

Typologische Verwandtschaften mit außerdeutschen Sprachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schwäbisch – Französisch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nasalvokale
Stark mit dem Französischen verbunden ist das Schwäbische durch seinen Lautbestand an Nasalvokalen. Es kennt vier von ihnen (in der Reihenfolge ihrer Häufigkeit): [ã], [õ], [ẽ] und [ɛ̃ ]. Schwäbisch-muttersprachliche Schüler haben deshalb in aller Regel keinerlei Probleme mit der korrekten Aussprache der französischen Nasale.

Der Nasalvokal ã wird mittelschwäbisch ähnlich wie französisch 'ain' ausgesprochen, südwest-schwäbisch eher wie 'ant'. (Das französische Wort 'maintenant' umfasst beide Arten der Aussprache.) Der Nasalvokal õ wird in der Regel etwas weniger stark nasaliert ausgesprochen als sein französisches Pendant.

Wortschatz
Allgemein bekannt ist die Tatsache, dass zahlreiche Lehnwörter aus dem Französischen Eingang in die schwäbische Alltagssprache gefunden haben, sehr viel umfangreicher als in anderen deutschen Sprachgebieten. Eine weitere Gruppe französischer Lehnwörter, die im Hochdeutschen parallel zu deutschen Wörtern gebraucht werden, wie z. B. Portemonee/Geldbeutel, Viadukt/Überführung hatten im Schwäbischen früher die deutschen Wörter vollständig ersetzt. Allerdings ist der ehemals klassisch-schwäbische Sonderwortschatz komplett in seiner Existenz bedroht.
Beispielhaft für ein ehemals Vielfaches an Umfang seien genannt:

  • äschdimira (genießen, schätzen, frz. estimer)
  • prässant (eilig, frz. pressant)
  • wiif (on wiifor Kärle = ein aufgeweckter Junge, frz. vif)
  • Blaffo m (Zimmerdecke, frz. le plafond)
  • Boddschambor m (Nachttopf, frz. pot de chambre)
  • Buddo m (Knopf, Ohrstecker, frz. le bouton)
  • Droddwar n (Gehweg, frz. le trottoir) (In Stuttgart zum Namen der Straßenzeitung "Trott-war" geworden, die v. a. von Obdachlosen verkauft wird)
  • Sãdamedor m (Metermaß, frz. le centimètre)
  • Schässlo m (Couch, frz. chaise longue, wörtlich „langer Stuhl“)
  • Suddrae m (Untergeschoss, frz. sous-terrain)

Schwäbisch – Englisch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen Schwäbisch und Englisch gibt es einige Berührungspunkte:

Grammatik:

Dieser Artikel oder Abschnitt bedarf einer Überarbeitung: Der englische indefinite Artikel ist nicht nur "a", sondern "a" und "an". Der nachfolgende Satz ist daher ungenau und läßt offen, wie es im Schwäbischen ist.
Zudem: Selbst wenn der schwäbische Artikel "für alle drei Geschlechter gleich" ist, so stellt sich die Frage, wie das mit den Kasus ist. Ist es ebenfalls "für alle Kasus gleich" oder wird der Artikel noch dekliniert oder sonst wie verändert?

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Der unbestimmte Artikel lautet in beiden Sprachen (im Schwäbischen für alle drei Geschlechter gleich) „a“ und wird identisch ausgesprochen, so bereits bei Johann Christoph Schmid[19] 1831 angeführt.

In Sonderfällen der Grammatik gibt es Berührungspunkte: Mit dem Ausfall des „g“ in einigen Formen der Worte „sagen“ und „liegen“ hat das Schwäbische Parallelen im Englischen. (In beiden Fällen geht die Verbindung über verwandte althochdeutsche/altenglische Wortformen.)

  • Schwäbisch „saa“ (dt. sagen) mit „du saischd“, „är said“ und „gsaid“ hat seine Parallele im englischen „(to) say“ und „said“.
  • Ähnlich schwäbisch „liiga“ (liegen) mit „du leischd, är leid“ im englischen „(to) lay“.

Phonetik
Der reiche Lautbestand des Schwäbischen schafft zahlreiche sprachliche Brücken zum Englischen, die das Hochdeutsche wegen seines deutlich kleineren Lautbestands so nicht kennt. Schwäbisch-muttersprachliche Schüler tun sich deshalb mit der englischen Phonetik meist leichter, weil sie diejenigen englischen Laute, die über den Bestand des Hochdeutschen hinausgehen, schon von ihrer eigenen Muttersprache her gut formen können. Nachfolgend einige ausgewählte Beispiele:

Dieser Artikel oder Abschnitt bedarf einer Überarbeitung: Z.B. nach en.pons.com/translate/english-german wird der Vokal a in englisch what ([ɒ], dialektal [ʌ]), warm ([ɔ:]) und water ([ɔ:], dialektal [ɑ:]) unterschiedlich ausgesprochen. Ist å ebenfalls so schwankend oder sind die englischen Beispiele oder der Vergleich unpassend? Im Abschnitt "Vokale in Stammsilben" ist es "å [ɑ̃ː]", demnach wären der schwäbische Vokal nicht so schwankend und die englischen Beispiele oder der Vergleich unpassend.
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  • Der für das Schwäbische typische, häufige Vokal å (in Wörtern wie Schlåf, Stråß, Såel, bråed usw.), in der deutschen Standardlautung verpönt,[20] hat im Englischen ein ganz ähnliches, häufig vorkommendes Pendant (in Wörtern wie what?, warm, water usw.).
  • Der schwäbische Diphthong ei [əɪ] (schreiba, weis, vormeida usw.), im Hochdeutschen abgelehnt und mit der Aussprache als ai [aɪ] (schreiben, weiß, vermeiden usw.) erzwungen, ist im Englischen ebenso gängig und häufig (to take, to make, made, may usw.) wie im Schwäbischen.
  • Der schwäbische Diphthong au [ou] (baua, Taub, laud usw.), im Hochdeutschen abgelehnt und mit der Aussprache als ao [ao] (bauen, Taube, laut usw.) erzwungen, ist im Englischen ebenso gängig und häufig (boat, to load, to grow usw.) wie im Schwäbischen.
  • Sowohl das Schwäbische wie das Englische differenzieren zwischen weichen und harten Auslauten. Beiden Sprachen fremd ist die im Duden-Aussprachewörterbuch engführende, weil ausnahmslos vorgeschriebene Auslautverhärtung (z. B. „gibt“ = [gipt], „Laub“ = [laop] usw.).

Drei dieser Phänomene, die das Englische und das Schwäbische verbinden, kommen im Wort „Homepage“ zusammen: Im Schwäbischen ist die dort als elegant empfundene englische Aussprache [houmpɘɪdʃ] mit ihren beiden Diphthongen [ou] und [ɘɪ] und ihrem weichen Auslaut selbstverständlich, wohingegen das hochdeutsche [hoːmpeːtʃ] in schwäbischen Ohren seltsam tumb und hölzern klingt.

Wortschatz
Schwäbisch und Englisch berühren sich mit Wortpaaren wie „luaga“/„to look“, „lubfa“/„to lift“, „losna“/„to listen“ (gesprochen „to lisn“), „glatt“ (dt. lustig)/„glad“ (dt. fröhlich). In diesen Fällen hat das Schwäbische mit dem Englischen zusammen alte germanische Worte bewahrt, die das Hochdeutsche verloren hat.

Schwäbische Schreibweisen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Eine der größten Schwierigkeiten, das Schwäbische anderen zu vermitteln, besteht darin, dass es dafür keine geeignete Schrift gibt.[21]

Eduard Huber

Für die Schreibung des Schwäbischen kann die Vorgehensweise der Mundart-Autoren grundsätzlich in drei Gruppen eingeteilt werden.

Dies gilt auch für viele selbst ernsthafte Autoren, die ihre Schreibung innerhalb ein- und desselben Werkes inkonsequent handhaben. Es scheint oft sowohl vor dem Schreiben eine tiefer gehende Reflexion über die Schreibweise zu fehlen, wie auch nach Vollendung eines Werkes eine abschließende selbstkritische Durchsicht. Besonders häufig ist dieses Phänomen bei den Werken kommerzorientierter schwäbischer Juxliteratur anzutreffen.

1. Die Autoren verwenden ausschließlich den schriftdeutschen Zeichensatz,

versuchen aber gleichzeitig das, was sie (aus ihrer jeweiligen Sicht) für die schwäbische Eigenart halten, mit diesem Zeichensatz irgendwie auszudrücken. (Rosemarie Bauer, Kurt Dobler, Manfred Merkel, Bernd Merkle, Doris Oswald, Bernhard Reusch, Lina Stöhr, Winfried Wagner u. v. a. m.).

Dies führt zu sozusagen hochdeutschen Falschschreibungen verschiedenster Art, die der tatsächlichen schwäbischen Aussprache mehr oder weniger nahekommen sollen. Beispiele: „är hoat“, „r hot“ u. ä. m. für schriftdeutsch „er hat“; „mr sind“, „mir/mer/mor send/sänd“ u. ä. m. für schriftdeutsch „wir sind“.

2. Die Autoren verwenden zusätzliche selbst erfundene diakritische Zeichen.

Sie gehen zwar ebenfalls vom schriftdeutschen Zeichensatz aus, ergänzen aber ihre Zeichen bei solchen Vokalen, die es im Hochdeutschen nicht gibt. Die unkritische Verwendung von diakritischen Zeichen erweckt allerdings oft den Eindruck, dass die betreffenden Autoren keine Kenntnis davon haben, ob und wie eines ihrer eigenen Sonderzeichen in einer anderen europäischen Sprache bereits verwendet wird. So steht z. B. das diakritische Zeichen ˆ im Französischen (von dem das Schwäbische einst viele Lehnwörter übernommen hat!) für ein nicht mehr geschriebenes historisches s (vgl. frz. maître, dt. Meister). Eine Verwendung dieses Zeichens im Schwäbischen dürfte sich deshalb nicht empfehlen.

Die selbst erfundenen Zeichen führen bezüglich des dunklen a zu Schreibungen wie „ar gòht“ (Sebastian Sailer), „är gòòt/är hòt“ (Friedrich E. Vogt) „är gôôt“ (Polyglott Sprachführer Schwäbisch) oder „ho͗t“ (Roland Groner).
Bezüglich des auslautenden Schwa-Lautes führen sie zu Schreibungen wie „schreibâ“ (zahlreiche Autoren), „schreibå“ (Roland Groner) und „schreibα“ (Eduard Huber). Meist aber wird dieser unbetonte Auslaut als einfaches a geschrieben (siehe unter Gruppe 1), öfters auch als einfaches e.
Dieser Artikel oder Abschnitt bedarf einer Überarbeitung: Bei "dr Moo" steht kein Apostroph. Ist das Beispiel oder die Schreibung falsch?
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Das nasalierte a und das nasalierte o wird oftmals mit einem Auslassungszeichen („i ka'“, „dr Moo“ (Mond)) gekennzeichnet (viele Autoren); ganz außergewöhnlich mit „àà“ bei Willi Habermann.

3. Die Autoren übernehmen international definierte diakritische Zeichen aus anderen Sprachen.

Häufigster Fall ist die Verwendung der Tilde (~) über einem Vokal, um dessen Nasalierung zu kennzeichnen, z. B. häufig bei ã oder õ, seltener bei ẽ. (Polyglott Sprachführer Schwäbisch; Karl Götz, Roland Groner)

Ein weiteres diakritisches Zeichen ist das dänische (nicht schwedische) ° über dem a, um dessen dunkle Aussprache zu charakterisieren, z. B. „er gåht“ für schriftdeutsch „er geht“. (u. a. bei Eduard Huber, Hubert Klausmann[22])

Bistro am Eingang zur Insel Mainau – Phonetische Schreibweise außerhalb des schwäbischen Sprachraums -

Weiteres:

Quer durch Einteilung in drei Gruppen lässt sich bei nicht wenigen Autoren (u. a. bei Sebastian Blau) beobachten, dass sie die im Schwäbischen unterschiedlich ausgesprochenen Diphthonge „ao“ und „au“ auch differenziert schreiben. Seltener anzutreffen ist eine ebensolche phonologische und schriftliche Differenzierung bei den beiden Diphthonge „ei“ [eı] und „ai“ (schwäbisch meist [ae]). Solche Differenzierungen sind umso bemerkenswerter, weil sie bei den Autoren die Erkenntnis voraussetzen, dass mit der differenzierten Aussprache dieser Diphthonge im Schwäbischen öfters auch ein Sinnunterschied der Worte verbunden ist (z. B. schwäbisch Raub (dt. Raupe) und Raob (dt. Raub)), was im Hochdeutschen nirgends der Fall ist. In eindrucksvoller Weise konsequent durchgeführt hat diese Unterscheidung Rudolf Paul in seiner Bibel für Schwoba.

Die Schreibung eines Längungs-h, eine (im europäischen Vergleich unübliche) Eigenart des Schriftdeutschen wird von so gut wie allen schwäbischen Mundartautoren beibehalten.

Hubert Klausmann[23] schlägt aber zumindest in den Fällen, in denen das Schwäbische einen langen Vokal spricht und das schriftdeutsche Pendant einen kurzen, die Doppelschreibung des betreffenden Vokals vor. Durch eine solche Schreibung wird die speziell schwäbische Aussprache dieser Wörter gestützt.

Eine breite und bunte, regional differenzierte Zusammenstellung klassischer schwäbischer Poesie und Prosa findet sich in der anthologischen Zusammenstellung von Friedrich E. Vogt, Oberdeutsche Mundartdichtung.[24]

Schwäbische Mundartdichter und Dialektautoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wörterbücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

(Auswahl, chronologisch sortiert)

  • Johann Christoph von Schmid: Schwäbisches Wörterbuch, mit etymologischen und historischen Anmerkungen. Stuttgart 1831. (Digitalisat)
  • Dionys Kuen: Oberschwäbisches Wörterbuch der Bauernsprache von mehr als zweitausend Wörtern und Wortformen. Buchau 1844. (Digitalisat eines Faksimiles von 1986)
  • Anton Birlinger: Wörterbüchlein zum Volksthümlichen aus Schwaben. Freiburg 1862. (Digitalisat)
  • Hermann Fischer, Wilhelm Pfleiderer: Schwäbisches Wörterbuch. 7 Bände. 1901 (1. Lieferung; bzw. 1904 1. Band)–1936 – das bis heute maßgebliche Wörterbuch des Schwäbischen
  • Schwäbisches Handwörterbuch. Auf der Grundlage des „Schwäbischen Wörterbuchs“ … bearbeitet von Hermann Fischer und Hermann Taigel. 3. Auflage. H. Laupp’sche Buchhandlung Mohr Siebeck, 1999. (unverzichtbares wissenschaftliches Standardwerk)
  • Susanne Brudermüller: Langenscheidt-Lilliput Schwäbisch. Berlin/ München 2000.
  • Hermann Wax: Etymologie des Schwäbischen. Geschichte von mehr als 8.000 schwäbischen Wörtern. 4., erw. Auflage. Tübingen 2011, ISBN 978-3-9809955-1-1.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sebastian Blau: Schwäbisch. (= Was nicht im Wörterbuch steht. Band VI). Piper Verlag, München 1936.
  • Karl Bohnenberger: Die Mundarten Württembergs, Eine heimatkundliche Sprachlehre. (= Schwäbische Volkskunde. Buch 4). Silberburg-Verlag, Stuttgart 1928.
  • Josef Karlmann Brechenmacher: Schwäbische Sprachkunde in ausgeführten Lehrbeispielen. Versuch einer bodenständigen Grundlegung des schaffenden Deutschunterrichts. Adolf Bonz & Comp., Stuttgart 1925. (Nachdruck: Saulgau 1987)
  • Ulrich Engel: Mundart und Umgangssprache in Württemberg. Beiträge zur Sprachsoziologie der Gegenwart. Dissertation. Universität Tübingen, 1955.
  • Eberhard Frey: Stuttgarter Schwäbisch. Laut- und Formenlehre eines Stuttgarter Idiolekts. Elwert, Marburg 1975, ISBN 3-7708-0543-7.
  • Roland Groner: Gschriebå wiå gschwätzt: Schwäbisch mit all seinen Reizen – anschaulich und lebensnah; mit vielen konkreten Beispielen aus dem Alltag und einer umfangreichen Wortsammlung. SP-Verlag, Albstadt 2007, ISBN 978-3-9811017-4-4. (Schwäbische Grammatik; Titel auf hochdeutsch: Geschrieben wie gesprochen.)
  • August Holder: Geschichte der schwäbischen Dialektdichtung. Max Kielmann, Heilbronn 1896. (Digitalisat)
  • Eduard Huber: Schwäbisch für Schwaben. Eine kleine Sprachlehre. Silberburg-Verlag, Tübingen 2008, ISBN 978-3-87407-781-1.
  • Friedrich Maurer: Zur Sprachgeschichte des deutschen Südwestens. In: Friedrich Maurer (Hrsg.): Oberrheiner, Schwaben, Südalemannen. Räume und Kräfte im geschichtlichen Aufbau des deutschen Südwestens. (= Arbeiten vom Oberrhein. 2). Hünenburg-Verlag, Straßburg 1942, S. 167–336.
  • Wolf-Henning Petershagen: Schwäbisch für Besserwisser. Theiss, Stuttgart 2003, ISBN 3-8062-1773-4. (mit Folgebänden Schwäbisch für Durchblicker und Schwäbisch für Superschlaue)
  • Friedrich E. Vogt: Schwäbisch in Laut und Schrift. 2. Auflage. Steinkopf-Verlag, Stuttgart 1979.
  • Rudolf Paul: Bibel für Schwoba. Schwäbischer Albverein, Stuttgart 2014, ISBN 978-3-920801-59-9.
  • Ludwig Mich. Dorner: Etz isch noch go gnuag Hai hunta! Oberschwäbische Sprichwörter, Redensarten, Kinderreime, Lieder. Biberach 2017, ISBN 978-3-943391-88-6.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Alfred Lameli: Strukturen im Sprachraum. Analysen zur arealtypologischen Komplexität der Dialekte in Deutschland. (= Linguistik – Impulse & Tendenzen. 54). Walter de Gruyter, Berlin/ Boston 2013, passim, besonders S. 168 ff.
  2. Fritz Rahn: Der schwäbische Mensch und seine Mundart. Stuttgart 1962. (vgl. vordere und hintere Umschlagseite); Friedrich E. Vogt: Schwäbisch in Laut und Schrift. 2. Auflage. Stuttgart 1979. (vgl. vordere und hintere Umschlagseite); Eduard Huber: Schwäbisch für Schwaben. Tübingen 2008, S. 127.
  3. Karl Bohnenberger: Die Mundarten Württembergs. Eine mundartliche Sprachlehre. Silberburg-Verlag, Stuttgart 1929, S. 4f.
  4. Eduard Huber: Schwäbisch für Schwaben. 2008, S. 17.
  5. Eduard Huber: Schwäbisch für Schwaben. 2009, S. 21–23; Friedrich Vogt: Schwäbisch in Laut und Schrift. 2. Auflage. 1979, S. 37ff. u. a. m.
  6. Polyglott Sprachführer Schwäbisch. 2004, S. 5.
  7. B. Rues u. a.: Phonetische Transkription des Deutschen. Tübingen 2007, S. 101.
  8. Die schwäbische Stellung des „l“ und des „r“ stimmt mit der in den anderen germanischen Sprachen (Schwedisch, Dänisch, Alemannisch usw.) überein. Das Standarddeutsche steht hier allein.
  9. Deutsches Wörterbuch. Band XIV 2, Spalte 534, Artikel wir; Damaris Nübling: Klitika im Deutschen. Tübingen 1992, S. 253.
  10. Hermann Fischer: Schwäbisches Wörterbuch. Band 5, Sp. 1.
  11. Hermann Fischer: Schwäbisches Wörterbuch. Band 7/1, Sp. 914.
  12. Z. B. Psalm 103 Verse 11+13 in der Originalfassung Luthers (nicht mehr in den Ausgaben ab 1912)
  13. Uni Augsburg zum Begriff mittags
  14. Babette Knöpfle: Schwätz koin Bäpp. Schwäbischer Dolmetscher. Silberburg Verlag, Stuttgart 1999, ISBN 3-87407-101-4.
  15. Hermann Wax: Etymologie des Schwäbischen. 3. Auflage, S. 559.
  16. Aufm Wasa graset d Hasa. In: Volksliederarchiv. kostenlose Datenbank zum Volkslied. Abgerufen am 21. Mai 2010.
  17. Eduard Mörike: Die Historie von der schönen Lau. 1858, Kap. 3, dort als „ein altes Sprüchlein …, von welchem kein Gelehrter in ganz Schwabenland Bescheid zu geben weiß, woher und wie oder wann erstmals es unter die Leute gekommen“ bezeichnet.
  18. Deutsches Kinderlied und Kinderspiel. In: Kassel aus Kindermund in Wort und Weise gesammelt von Johann Lewalter. Kassel 1911.
  19. Schwäbisches Wörterbuch mit etymologischen und historischen Anmerkungen. 1. Auflage. Stuttgart 1831, S. 1. (2. Aufl. 1844)
  20. Fritz Reusch: Der kleine Hey. Die Kunst des Sprechens. 1956, S. 19: „das dunkle und unschöne Å“
  21. Eduard Huber: Schwäbisch für Schwaben. 2008, S. 17.
  22. Schwäbisch, 2014, S. 8.
  23. Hubert Klausmann: Schwäbisch. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2014, S. 7.
  24. Oberdeutsche Mundartdichtung. Ernst Klett Verlag, 1968, DNB 457721383, S. 29ff.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wikipedia auf Alemannisch (inklusive Schwäbisch)
 Wikisource: Schwäbische Wörterbücher – Quellen und Volltexte
 Wiktionary: Schwäbisch – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen