Schwäbischer Vulkan

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356 Eruptionspunkte im Urach-Kirchheimer Vulkangebiet

Der so genannte Schwäbische Vulkan wird in einem Umkreis von etwa 56 km auf dem Plateau der Schwäbischen Alb und im Alb-Vorland vorgefunden. Es wurden bisher über 350 Vulkanschlote (Diatreme) ermittelt; zahlreiche verborgene Schlote konnten nur mit geophysikalischen Techniken kartiert werden. Da die vulkanischen Aktivitäten nur im Miozän (vor 17–11 Mio. Jahre) stattfanden, sind nach dieser langen Zeit Vulkanmerkmale nur in einigen Fällen wahrnehmbar, in noch weniger Fällen prägend für das Landschaftsbild und ganz selten sind Schlotspitzen an der Oberfläche sichtbar. Am sehr kleinen Scharnhauser Vulkanschlot, rund 23 Kilometer nördlich des heutigen Albtraufs, wurden Weißjura-Fragmente (Malm beta) vorgefunden, wo alle drei Jurastufen längst abgetragen sind. Zur Vulkanzeit kann das Albplateau also noch bis kurz vor Stuttgart bestanden haben.

Neuffener Steige: exzellentes Beispiel, wie ein Tuffschlot Weißjuradecken glatt durchschlug
Weißer Jura, Fragmentenfund im Scharnhauser Vulkan
Wasserdampf-Explosionen eines Vulkans heute, Spirit Lake (Washington) 1980
Randecker Maar; hinten: Alb-Vorland Vulkan Limburg
Pseudo-Zeugenberg Jusi, zweitgrößter „Schwäbischer Vulkan“
Konradfels, Schlot-Felsnadel, verbackener Vulkanit
Molach, Erkenbrechtsweiler Halbinsel, wasserstauende Mulde über Tuffschlot

Landschaft im Urach-Kirchheimer Vulkangebiet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem Erlöschen des Vulkanismus im Miozän (vor ca. 11 Mill. Jahren) ist es zu keinen weiteren Aktivitäten mehr gekommen.[1] Nach dieser langen Zeit sind Vulkanmerkmale nur in einigen Fällen wahrnehmbar und in noch weniger Fällen prägend für das Erscheinungsbild der Landschaften. An der Oberfläche sichtbare Schlotspitzen sind selten. Rhenanische Erosion, Verwitterung und Abtragung des Reliefs des Albplateaus um bis zu 200m,[2] nördlich des heutigen Albtraufs oft 300m oder mehr,[3] haben die Tops der Vulkanschlote abgeräumt und die Landschaft überprägt. Ein Übriges haben menschliche Einflüsse bewirkt - Besiedlung, technisierte Landwirtschaft, extensive Flächennutzungen und Arbeitsmigration in das Vorland. Nach der Stilllegung der wenigen Vulkan-Steinbrüche, die es gab, sind auch deren Spuren durch Bewuchs, Zerfall oder Zuschüttung verwischt. Die wasserstauenden Schlottuffeigenschaften sind für die Siedlungen der verkarsteten Schwäbischen Alb seit der flächendeckenden Albwasserversorgung ab 1870 unwichtig geworden. Für die Pflege von Weingärten und Streuobstwiesen sind die sonnenexponierten Hänge der Vulkan-Härtlinge im Alb-Vorland noch nützlich.[4]

Morphologie im Urach-Kirchheimer Vulkangebiet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geomorphologisch sind drei Landschaftstypen leicht zu unterscheiden: 1. Auf dem Albplateau sind das Schopflocher Moor (ein durch Vulkangestein wassergestautes Hochmoor), das kreisrunde, ausgelaufene Randecker Maar (es wurde aber durch erosive Rückverlegung des Albtraufs bereits kräftig angeschnitten), sowie zahlreiche, zumeist besiedelte Gelände-Eintiefungen landschaftsprägend.

Weil die beckenartigen, heute abgetragenen Tops der Tuffschlote im Gegensatz zum Kalkgestein der Umgebung für Wasser undurchlässig sind, bildeten sich in den Becken bevorzugt Dörfer, denn hier halfen kleine Karstquellen, Brunnen oder Tümpel Wasserknappheit teilweise zu kompensieren - so etwa in Apfelstetten, Auingen, Böhringen, Böttingen, Donnstetten, Dottingen, Erkenbrechtsweiler, Feldstetten, Grabenstetten, Groß- und Kleinengstingen, Gruorn, Hengen, Hülben, Laichingen, Magolsheim, Ochsenwang, Ohnastetten, Rietheim, Sirchingen, Upfingen, Wittlingen, Würtingen, oder Zainingen.

2. Der nächst dem Randecker Maar zweitgrößte und sehr gut erforschte Jusi kann als Paradebeispiel für einen vulkanischen Berg angesehen werden, der mit dem heutigen Albplateau noch teilweise verbunden ist.[5]

3. Die Limburg ist das Paradebeispiel für isolierte Berge, die im Mittleren- oder Unteren Jura des Alb-Vorlandes liegen. Die namentlich benannten Objekte sind wegen ihrer leicht nachvollziehbaren Vulkanformen auch sehr bekannt.

Zu 2. und 3. Zeugenberge, albtraufnah, aber isoliert, oder als Sporn des Albtraufs, werden gerne als eindeutige Zeugen der Schwäbischen Erdgeschichte missinterpretiert. Jusi, Limburg, Floriansberg, Aichel- und Turmberg, Georgenberg und andere sind aber nur Pseudo-Zeugenberge! Reutlingen blickt auf zwei ähnliche Kegelberge, Georgenberg und Achalm - vulkanischen Ursprungs ist aber zweifellos nur ersterer. Im das Alb-Vorland dominierenden Mittleren Jura tritt das Schlottuffgestein häufig als Härtling auf, dessen fruchtbare Böden aber auch im Hangschutt noch biologisch/ökologisch wirksam herausragen – ähnlich wie am Albtrauf. Als Beispiel für einen vulkanischen Härtling kann der Calverbühl bei Dettingen an der Erms aufgeführt werden, der sich aus mitteljurassischen Sedimenten erhebt.[6]

Vulkanologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Textquellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt eine Fülle von Veröffentlichungen, die sich mit vulkanischen Erscheinungen des Urach-Kirchheimer Vulkangebiets befassen. Umfassend haben sich vier Autoren mit der Thematik auseinandergesetzt. 1894/5 hatte Wilhelm Branco „Schwabens 125 Vulkanembryonen“ ausgemacht. 1941 führte Hans Cloos aufgrund zahlreicher Geländebeobachtungen den Begriff „Schwäbischer Vulkan“ in die geowissenschaftliche Literatur ein. 1969 veröffentlichte der Geophysiker Otto Mäussnest, dass er durch seine Forschungen von 1953-1968 335 Eruptionspunkte bestätigen könne.[7] Mit seiner Veröffentlichung gravimetrischer- und geomagnetischer Messungen hatte sich die Zahl von Fundstellen nahezu verdoppelt. Heute sind 356 Eruptionspunkte bekannt (Stand 2015). Mit einer Veröffentlichung von 1982 revidierte der Vulkanologe Volker Lorenz Annahmen zum Schwäbischen Vulkan, indem er diesen Vulkanismus in die Reihe „phreatomagmatischer Eruptionstyp“ einordnete.[8] In dieser Zeit setzte sich die Erkenntnis durch, dass die Explosionskraft nicht von Gas-Lapilli-Gemischen herrührte, sondern von Wasserdampf-Explosionen, sobald heißer Schlottuff wasserführende Schichten erreichte.[9]

Die Zeit der Vulkanaktivitäten wurde durch die radiometrischen Altersdatierungen (K/Ar-Alter) von (Lippolt etal 1973) auf 17-11 Mio. Jahre, (Miozän) bestimmt, was „auch mit dem biostratigraphischen Alter der fossilführenden Maarsedimente in Einklang steht (Zonen MN5 bis MN8)“.[10] Für Vulkanite des Hohenbol haben (Lippolt etal 1973) ein Alter von 11 Mill. Jahren angegeben.[11]

Einordnung im weltweiten Vulkanismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Cloos, der damals mehrere gute Aufschlüsse vorgefunden hatte, hat den Jusi und andere Eruptionspunkte detailliert untersucht und befunden, dass man alle Eruptionspunkte als den einen „Schwäbischen Vulkan“ bezeichnen könne.[12] Heute geht man davon aus, dass sich der „Intraplattenvulkanismus[13] des Urach-Kirchheimer Vulkangebiets über einem Manteldiapir entwickelt hat.

(Lorenz 1982) meint, besser als die von (Cloos 1941) eingeführte Bezeichnung „Schwäbischer Vulkan“ sei die Bezeichnung „Urach-Kirchheimer Vulkangebiet“. Denn das Zentrum der Eruptionspunkte falle mit dem geologischen Trog „Uracher Mulde“ (Gwinner 1961) zusammen.[14] Der Trog wird als ältere Grundgebirgsstruktur interpretiert[15] Dieses regional-geologische Merkmal nämlich sei das eigentliche Alleinstellungsmerkmal, da fast alle Vulkane des Urach-Kirchheimer-Vulkangebiets dem Typ „phreatomagmatische Eruption“ angehören. Dieser Typus aber sei in anderen Vulkangebieten ebenso anzutreffen: Vulkaneifel, Hegau, Midland Valley, Schottland, Kimberlit, Südafrika, USA, Australien.[16]

Entstehung und Entwicklung des Schwäbischen Vulkans[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Vulkangänge entwickelten sich entlang tiefer, tektonisch zerrütteter Klüfte und Spalten, d. h. bevorzugt in tektonischen Schwächezonen (Täler und Karstklüfte).[17] Die Wege erweiterten sich zu fast lotrecht verlaufenden Gängen und Durchschlagsröhren. Die Schlote weisen Durchmesser zwischen wenigen zehn Metern und 1,2 Kilometern auf. Im Weltmaßstab sind sie daher als klein einzustufen. Die Tuffe bestehen vorwiegend aus meist sehr kleinen Lapilli, mit einem kristallinen Kern von Olivin oder Melilith, oder beiden (Mineralen), umgeben von einer Glashaut.[18]

Die ersten Vulkanaktivitäten dürften in vielen Fällen ähnlich abgelaufen sein: Mehr oder weniger zahlreiche Einzeleruptionen pro Schlot; mehrere Tage bis Monate dauernd. Ablagerung von Auswurfmaterial als Kraterwall und lateral über einige Kilometer, auch einige Vulkanische Bomben. Es gab keine Lava Ablagerungen.[19] Die Spuren an den Oberflächen sind längst abgetragen. Die juvenilen Pyroklasten in den Schloten - Asche, Lapilli und kantige, sowie gerundete Xenolithe sind im Laufe der Zeit verdichtet und abgesackt (Herkunft der Xenolithe: Oberer Erdmantel, variszisches Grundgebirge, mesozoisches Deckgebirge). [20] Heute liegen über den meisten Schloten dünne Jura-Deckschichten und darüber noch zumeist dünne, nährstoffarme Verwitterungsdecken, auf denen sich aber viele diesen Verhältnissen gut angepasste Pflanzengemeinschaften angesiedelt haben: Artenreiche Weidegräser, seltene, wertvolle Blumen, z.B. Orchideen. Auf dem Albteil des Urach-Kirchheimer Vulkangebiets sind heute flächig ausgedehnte Buchenwälder prägend.

Beim Durchschlagen der (grund-)wasserführenden Schichten kam es zu heftigen Wasserdampfexplosion, die Trichter bilden. Die Eruptionen waren aber immer so, dass Tuffe zusammen mit Trümmern durchschlagener Juradecken, wieder in die Schlotöffnungen zurückstürzten und bei ausklingender Tuffentgasung absackten. In den Trichtern bildeten sich wassergefüllte Maare. Bei späteren Ausbrüchen weiteten sich Schlotgänge und führten zu weiteren Dampfexplosionen, bis das Wasser überall aufgebraucht war. Nach den sehr langen Prozessen von Abtragung, Verwitterung, Sedimentation und Kompaktion findet man heute Tuffite in den Schlotresten in geschichteter und ungeschichteter Form vor (Pyroklasten und Nicht-Pyroklasten)[21]. So werden die Reste noch heute vorgefunden.[22]

Im Fall der beiden Pseudo-Zeugenberge Jusi und Aichelberg hat Cloos bis zu 300m große, „Sinkschollen“ aus nicht mehr existierenden stratigraphisch höheren Juraschichten im Schlottuff festgestellt, die zwar mehr oder weniger zerrüttet, aber noch in ihrem ursprünglichen Schichtverband bestanden hätten.[23] (Lorenz 1982) hat jedoch Closs‘ Einordnung der Sinkschollen: Das langsame Auslösen „aus ihrem ursprünglichen Gesteinsverbund“, das langsame Absinken im „aufsteigenden Gas-Aschen/Lapilli-Strom“, als unhaltbar verworfen.[24]

Nur in einigen, wenigen Vulkanschloten intrudierte in Nachschüben auch Magmaschmelze in schmalen Kanälen bis in die heutigen Aufschlussbereiche der Tuffe. (Cloos 1941) beschreibt eine Intrusion im Jusi. Die Intrusionen enthalten zahlreiche, verschiedene Mineralien, u.a. auch Olivin und Melilith.[25] In der Geokarte von (Mäussnest 1978) sind 22 Eruptionspunkte mit massigen Olivin-Melilithen eingezeichnet.[26]

Der ursprünglich postulierte Zusammenhang zwischen Wärmeanomalie und dem Vulkanismus des Urach-Kirchheimer Gebiets (Thermalbäder von Beuren (bei Nürtingen) und Bad Urach) - muss „auf andere Ursachen in erdgeschichtlich jüngerer Vergangenheit zurückgeführt werden.“[27]

Bedeutende Einzelvulkane[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Vulkanschlot bei Scharnhausen (9 km südöstlich Stuttgart), nördlichster Außenposten des Urach-Kirchheimer Vulkangebiet im Alb-Vorland liegt in 310 m üNN. Es ist der mit ca. 700 m zum heutigen Albplateau am stärksten erodierte Vulkanschlot und der einzige im vorjurassischen Keuper, wo Ober-, Mittel- und Unterer Jura abgetragen sind. Branco stellte durch eine 7m-Bohrung wenig später sicher, was für die Geologie von Baden-Württemberg bedeutend war: „…ein armseliger kleiner Aufschluss, in welchem vom Besitzer vulkanischer Tuff gegraben wird“ enthält tatsächlich jurassische Bruchstücke „bis hinauf zum Weißen Jura beta.“[28][29] Damit war der Beweis erbracht, „dass also die Alb damals sich mindestens noch bis in die Gegend von Stuttgart erstreckte.“[30][31] Der Weißjurafund lieferte außerdem „zum ersten Male einen relativen Maßstab, wenn auch nur für den Mindestbetrag,“ dass der „Nordrand der Alb mindestens um ungefähr 23 Kilometer nach Süden zurückgewichen“ ist.[32] In der Geokarte 7221 Stuttgart-Südost, Auflage von 1960, ist der Vulkanschlot mit ca. 60 m Durchmesser eingetragen.

Als Vulkan Erkennbare[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Typischer Tuffit vom Jusi
Tuffit vom Hohenbol

Einige Vulkanformen sind auch heute noch gut erkennbar und deswegen allgemein bekannt. Dazu gehören das Randecker Maar (Mäussnest[33]: ~1,2km, NSG), das Schopflocher Moor (Mäussnest: ~500 m, NSG) und die Limburg (Müssnest: ~500x750 m, NSG). Ebenfalls landschaftsprägend sind Molach (Mäussnest: ~220x350m), Konradfels (Mäussnest: ~120x150m), Schlottuff und glatt durchschlagene Jurawand eines kleinen Vulkans an der Neuffener Steige (Bezeichnung bei Mäussnest: „Wendenberg“, ~150m. In der Geokarte mit ~100 m eingetragen) und der dem Teckberg angrenzende, Kegelberg Hohenbol (Mäussnest: ~420x550m, NSG) bei Owen. Direkt neben dem Hohenbol befindet sich der Götzenbrühl, wo früher auch Olivin-Melilithit abgebaut wurde.[34]

Die zwei kleinen Eruptionspunkte Wendenberg und Konradfels am westlichen, bzw. östlichen Steilhang der Erkenbrechtsweiler Halbinsel sind geologische Anschauungsobjekte. Am Rand des Wendenbergschlotes ist geradezu exemplarisch aufgeschlossen, wie die ehemals heiße Tuffmasse den gebankten Weißjura, (Unteren Felsenkalk-Formation, ki2, Malm delta), total glattkantig durchschlagen hat. Durch die Erosion des Tales der Lenninger Lauter ist der kompaktierte, verbackene Schlotinhalt des Konradfelsens als harte Schlot-Nadel viele Meter ganz freigelegt.

Der Schlot des Jusi (Mäussnest: ~1000m, NSG) ist nach dem des Randecker Maars der Zweitgrößte des Urach-Kirchheimer Vulkangebiets. Ein viel benutzter, steiler Pfad führt zu der baumlosen Aussichts-Plattform (573 m üNN) des über 4 km (!) weit ins Alb-Vorland ragenden Ausliegers.[35] Der Sporn ist an der Schmalseite zum Dettinger Ermstal als großes Naturschutzgebiet „Jusi – Auf dem Berg“ gesetzlich geschützt.

Vulkane des Albplateaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem relativ ebenen Albplateau sind zahlreiche Gelände-Eintiefungen erkennbar, die als relativ guterhaltene Reste von vulkanischen Maartrichtern interpretiert werden. Anders als im Alb-Vorland wurden die Schlottops auf dem Plateau nur um maximal 200 m erodiert. Soweit die trichterähnlichen Eintiefungen nicht gänzlich besiedelt wurden, haben die wasserstauenden Pyroklasten Feuchtgebiete (z.B. das Biotop Molach), oder Hülen (z. B. die im Dorf Zainingen, Vulkan bei Mäussnest: ~650x370m) erhalten. Zahlreiche besiedelte Eintiefungen (z.B. Donnstetten, Vulkan bei Mäussnest: ~630m) linderten die frühere Wasserknappheit der Albdörfer durch Nutzung von kleinen Karstquellen, oder Hülen, oder sie bohrten Brunnen.

Geophysikalische Ausnahmeerscheinungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lapilliführender Tuffit vom Calverbühl

Die Schlotschmelzen enthalten Mineralien, die ausgeprägte magnetische Eigenschaften haben. Daraus ergeben sich magnetische Anomalien gegenüber dem allseits vorhandenen Erdmagnetismus. Im Gipfelbereich des Konradfels und des aus den Mitteljuraschichten herausragenden kleinen Kegelbergs Calver Bühl (Mäussnest: ~120m), westlich Dettingen an der Erms[36] wurden besonders starke Magnetisierungen vorgefunden, die als Blitzmagnetisierung interpretiert werden.[37] Hier werden Magnetnadeln normaler Kompasse stark abgelenkt. Nur in sehr wenigen Fällen sind Vulkanite von Schloten heute noch an Oberflächen sichtbar; nur mit den von Mäussnest erstmals implementierten hochsensiblen geophysikalischen Messmethoden konnten noch viele Schlote neu aufgefunden und die Funde mehr als verdoppelt werden.

Bei den Eruptionspunkten Eisenrüttel (NW Dottingen (Münsingen), Mäussnest: ~800x500m, NSG Höhnriß-Neuben) und Sternberg (bei Gomadingen, Mäussnest: ~40m) wurden schon immer massenhafte Basalteruptionen angenommen. Am Eisenrüttel wurde „Basalt“ von 1867 bis 1900 abgebaut und im staatlichen Basaltquetschwerk Georgenau zu Straßenschotter verarbeitet.[38] In den ehemaligen Steinbrüchen haben sich Feuchtgebiete entwickelt. In einer Veröffentlichung von 2009 konnte durch mehrere unterschiedliche, geophysikalische Messmethoden (Geomagnetik, Geoelektrik) nachgewiesen werden, dass es sich beim Sternberg um „effusiven melilithischen Vulkanismus“ handelt, dessen Vulkanite wohl „Überreste eines fossilen Lavasees“ sind. Die Autoren gehen davon aus, dass massige Olivin-Melilithe in einer zweiten Phase nach phreatomagmatischen, trichterbildenden Eruptionen entstanden.[39][40] Der Basaltschlot wurde auf maximal 45-50 m Durchmesser berechnet.[41] Zur Altersbestimmung der Vulkanite des Sternbergs verweisen die Autoren auf die Veröffentlichung von (Lippolt etal 1973), die auf ein Alter von ~16 Mill. Jahren kamen.[42] Der Sternberg ist einer der wenigen Eruptionspunkte auf dem Albplateau, die nicht als Gelände-Eintiefungen übrig geblieben sind. Der Vulkan überragt als Härtling mit ca. 844 m üNN die Kuppen der Umgebung. Vielleicht ist die ehemalige miozäne Landoberfläche im Bereich des Sternbergs durch Abtragung bis heute nur wenige Meter tiefer gelegt worden.[43]

Bei Grabenstetten liegt ein aufgeschlossener, „Basalt“-Gang (ca. 1500 m lang, 1 m breit), der keinen Vulkanschlotcharakter hat.[44] Heute sind im Vulkangebiet keine weiteren Gänge aufgeschlossen.

Der einmalige Böttinger Marmor[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine besondere Rarität in geologischer, mineralogischer und paläontologischer Hinsicht, wahrscheinlich sogar eine einmalige Rarität[45], brachte die Böttinger Eruptionsmulde (Mäussnest: ~500x550m), östlich von Münsingen, hervor. Das emporsteigende Thermalwasser einer großen Randspalte am Eruptionstrichter schichtete alternierend weißen und stark eisenhaltigen (roten) Sinterkalk auf, so dass sich in der ca. 200x30m langen Spalte große Mengen an so genanntem, „gebänderten Böttinger Marmor und – weniger wertvoll, „Wilden Marmor“ - bildeten. Die für die Bänderung entscheidenden vertikalen Felsschichtungen sind noch heute gut erkennbar. Der Böttinger Marmor ist im petrographischen Sinne kein echter Marmor, sondern ein Thermalsinterkalk (Travertin). Aus dem Steinbruch in der Felsspalte wurden seit 1763 Platten gewonnen, die zugesägt und poliert zur dominierenden, prachtvollen Täfelung des großen „Marmorsaales“ des „Neuen Stuttgarter Schlosses“ wurden. Nach Weltkriegs-Zerstörung des Schlosses wurde u.a. der Marmorsaal ab 1955 erneut mit frisch gebrochenem Böttinger Marmor neu errichtet.[46]

Referenzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. (Geyer & Gwinner 2011), S. 338
  2. (Lorenz 1982), S. 179
  3. (Lorenz 1982), S. 175
  4. Im Alb-Vorland entstanden oft berg- oder kegelförmige Erhebungen, weil die Mitteljuraschichten weniger verwitterungsresistent als der Schlottuff sind.
  5. (Baier 2015), S. 40ff
  6. (Baier & Schweigert 2015), S. 56 ff.
  7. Mäussnest 1969a, S. 165
  8. vgl. (Neumann 1999), S. 82. Lorenz stützte sich insbesondere darauf, dass die abgeschreckten Schmelzen geringviskos (kieselsäurearm) waren und auf Grund der blasenarmen bzw. -freien Ausbildung bei der Eruption gasarm gewesen sein sollten.
  9. (Lorenz 1982), S. 167. Er leitete die hydrogeologischen Verhältnisse des Urach-Kirchheimer Vulkangebiets aus den zahlreichen Erkenntnissen der Jura-Karstologen ab und machte sie für seine Eruptions-These fruchtbar, indem er die Analogie zum phreatomagmatischen Vulkantyp anderer deutscher und internationaler Vulkangebiete herstellte.
  10. (Geyer & Gwinner 2011), S. 338
  11. (Geyer & Gwinner 2011), S. 328
  12. (Cloos 1941), S. 710. „Aber sie sind untereinander so ähnlich und von den übrigen Vulkanbauten Süddeutschlands so verschieden und räumlich so scharf getrennt, daß man sie als Teile eines einzigen großen Vulkans von eigenartigem Bau, des ‚Schwäbischen Vulkans‘ (S. 770) betrachten muß.“
  13. (Neumann 1999)
  14. (Geyer & Gwinner 1986) S. 331
  15. (Neumann 1999), S. 77
  16. (Lorenz 1982), S. 180, S. 195
  17. (Lorenz 1982), S. 177
  18. (Geyer & Gwinner 1984), S. 102
  19. (Lorenz 1982), S. 185
  20. (Cloos 1941); (Geyer & Gwinner 2009), S. 338f
  21. Flächige Lagenschichtung, wie man sie im oberen Teil einiger Tuffschlote antrifft, bezeichnet Lorenz als umgelagerte, epiklastische Gesteine, Sedimente, Konglomerate bzw. Breckzien, (Lorenz 1982), S. 180
  22. (Cloos 1941)
  23. (Cloos 1941), S. 736 und 752
  24. (Lorenz 1982), S. 183. Wegen ihrer enormen Größe müssen die Sinkschollen in calderaartigen Erweiterungen der initialen Förderschlote ausgebrochen worden und mit abgesackt sein.
  25. (Neumann 1999), S. 77
  26. (Lorenz 1982), S. 178, sieht ebenfalls diese Intrusionen; er sieht „das flächenmäßig größte Olivin-Melilithit-Vorkommen am Eisenrüttel“, S. 192.
  27. (Geyer & Gwinner) 1986, S. 330f und die völlige Neubearbeitung von (Geyer & Gwinner 2011), S. 338
  28. (Branco 1892), S. 3
  29. (Geyer & Gwinner 2011), S. 313, bestätigen dies erneut
  30. (Branco 1892), S. 48
  31. Als „Alb“ wurden immer schon nur die markanten Weißjurastufen zum Plateau angesehen.
  32. (Branco 1892), S. 48, 50
  33. Die geophysikalischen Messungen von Mäussnest sind in den Geokarten in vielen Fällen mit erweiterten oder abweichenden Flächen, oder als gänzliche Neuermittlungen eingetragen.
  34. (Baier 2016), S. 38ff
  35. (Baier 2015), S. 40ff
  36. (Baier & Schweigert 2015), S. 56ff
  37. (Mäussnest 1969b), S. 515
  38. (Scheerer 1983), S. 392
  39. (Kröchert etal 2009)
  40. so etwa auch (Lorenz 1982)
  41. (Kröchert etal 2009), S. 321
  42. (Kröchert etal 2009), S. 318
  43. (Ufrecht 2006), S. 53, zitiert nach (Kröchert 2009), S. 316
  44. (Geyer&Gwinner 2009), S. 329, 332
  45. (Aigner 1975), S. 1
  46. (Lang 2003)
  47. (Baier & Schweigert 2015), S. 56ff

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch: Vulkan

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Branco 1892, Branco W., Ein neuer Tertiär-Vulkan bei Stuttgart, zugleich ein Beweis, dass sich die Alb einst bis zur Landeshauptstadt hin ausdehnte. Tübingen, 1892

Branco 1894, Branco, W., Schwabens 125 Vulkanembryonen und deren tuffgefüllte Ausbruchsröhren, das größte Maargebiet der Erde; Jh. Ver. vaterl. Naturkde. Württembg., 50, Stuttgart

Württ. Statistisches Landesamt 1932, Erläuterungen zur Geologischen Spezialkarte von Württemberg, Blatt Stuttgart, Nr. 70 und Blatt Möhringen, Nr. 69

Cloos 1941, Cloos, H., Bau und Tätigkeit von Tuffschloten. Untersuchungen an dem Schwäbischen Vulkan; in: Geol. Rdsch., 32, Stuttgart

LGRB 1960, Erläuterungen zum Blatt 7221, Stuttgart Südost der Geologische Karte 1:25000 von Baden-Württemberg, Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau Baden-Württemberg, Freiburg

Gwinner 1961, Gwinner, M.P., Tektonik, Sedimentation und Vulkanismus im Gebiet der „Uracher Mulde“ (Schwäbische Alb, Württemberg), Jber. Mitt. oberrh. geol. Ver., 43, 1961, S. 25–40

Mäussnest 1969a, Mäussnest, O., Die Ergebnisse der magnetischen Bearbeitung des Schwäbischen Vulkans, Jber. Mitt. oberrh. geol. Ver., 51, 1969, S. 159–167

Mäussnest 1969b, Mäussnest, O., Magnetische Untersuchungen im Gebiet des Schwäbischen Vulkans, Geologische Rundschau, 58, 1969

Lippolt etal 1973, Lippolt, H.J., Todt, W. & Baranyi, I., K-Ar ages of basaltic rocks from the Urach volcanic district, SW Germany; in: Fortschr. Mineral., 50, Stuttgart

Mäussnest 1974, Mäussnest, O., Die Eruptionspunkte des Schwäbischen Vulkans, Teil II; in: Z. dt. Geol. Ges., 125, Hannover

Aigner 1975, Aigner, T., Der obermiozäne Thermalsinterkalk von Böttingen (,,Böttinger Marmor") auf der Schwäbischen Alb; in: Der Aufschluss, 26, Sonderdruck, Tübingen

Mäussnest 1978, Mäussnest, O., Karte der vulkanischen Vorkommen der Mittleren Schwäbischen Alb und ihres Vorlandes 1:100 000; Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau Baden-Württemberg, Freiburg

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Scheerer 1983, Scheerer, F., Vom Schwäbischen Vulkan, Heimatkundliche Blätter Balingen, 2+3 1983

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Roser 2003, Roser, W., & Mauch, J., Der Schwäbische Vulkan, Kirchheim Teck

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Lang 2003, Lang, F. Th., Heimischer Marmor für ein württembergisches Schloss, in: (Rosendahl etal) 2003, S. 35ff

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LGRB 2013, Werner W., Naturwerksteine aus Baden-Württemberg, Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau Baden-Württemberg, Freiburg

Baier 2015, Baier, J., Der Jusi bei Metzingen – ein Vulkanschlot am Albrand; Fossilien, Zeitschrift für Hobbypaläontologen, 32(3), Korb

Baier & Schweigert 2015, Baier, J., Schweigert, G., Der Calverbühl bei Dettingen an der Erms; Fossilien, Zeitschrift für Hobbypaläontologen, 32(6), Korb

Baier 2016, Baier, J., Hohenbol und Götzenbrühl – zwei Vulkanschlote am Fuße der Teck; Fossilien, Zeitschrift für Hobbypaläontologen, 33(1), Korb

Commons Bildmaterial[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schwäbischer Vulkan – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 48° 30′ 55″ N, 9° 25′ 25″ O