Schwäbisches Reichsgrafenkollegium

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Der Graf von Heiligenberg aus dem Hause Fürstenberg nahm den Ehrenplatz auf der Grafenbank ein

Das schwäbische Reichsgrafenkollegium, auch schwäbische Reichsgrafenbank genannt, war der korporative Zusammenschluss der schwäbischen Reichsgrafen und Herren zur Wahrung ihrer Interessen auf den Reichstagen, insbesondere im Reichsfürstenrat und im schwäbischen Reichskreis.

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorangegangen waren im schwäbischen Raum verschiedene ältere Zusammenschlüsse wie die Rittergesellschaft mit Sankt Jörgenschild von 1407 oder der Schwäbische Bund von 1488.

Am Ende des 15. Jahrhunderts entstand als Interessenvertretung des mindermächtigen hohen Adels in Sachen des Heiligen Römischen Reiches ein Grafenverein. Dieser trat neben das Wetterauische Reichsgrafenkollegium. Seit dem Reichstag von 1495 beanspruchten die Wetterauer und Schwaben je eine Stimme im Reichstag. Anfangs war indes nur die Stimme der Wetterauer Grafen unbestritten. Den Schwaben gelang erst 1524 vom Kaiser die feste Zusage für eine zweite gräfliche Kuriatstimme für die Reichsgrafen.

Seit 1549 verfügten die schwäbischen Grafen über eine ständige Gesandtschaft auf Reichsversammlungen. Die Gesandten vertraten ab 1557 auch die fränkischen Reichsgrafen. Mit der Bildung eines eigenen fränkischen Reichsgrafenkollegiums nach 1641 endete die Vertretung.

Im Jahr 1579 schloss das wetterauische mit dem schwäbischen Kollegium die Dinkelsbühler Union ab. Diese sah die gegenseitige Unterstützung gegen andere Reichsstände und einen gewaltlosen Interessenausgleich nach innen vor.

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An der Spitze des Kollegiums standen zwei Direktoren, Grafenhauptmänner genannt. Hinzu kamen später Adjunkte aus den Mitgliedern als weitere Amtsträger. Ohne deren Zustimmung konnte kein Grafentag einberufen werden und die Direktoren hatten in wichtigen Fragen ihren Rat einzuholen. Zusammen mit einem Syndikus bildeten diese Amtsträger und die Direktoren den Kollegiatsrat. Alle Amtsträger wurden zunächst auf unbestimmte Zeit, schließlich auf Lebenszeit gewählt.

Das schwäbische Reichsgrafenkollegium kam ab 1533 zu regelmäßigen Grafentagen zusammen. Unterbrochen wurden die Treffen während des Dreißigjährigen Krieges zwischen 1630 und 1645. In der Regel fand er gleichzeitig mit den Kreistagen des schwäbischen Reichskreises statt. Stimmrecht hatten die Oberhäupter der Mitgliedsterritorien. Bei dem Aussterben eines Geschlechts erlosch auch das Stimmrecht. Anfangs hatten die Grafen persönlich zu erscheinen, später konnten sie auch Vertreter entsenden. Es galt die einfache Mehrheit, seit 1613 die Zweidrittelmehrheit.

Voraussetzung der Mitgliedschaft war eine unmittelbare Reichsherrschaft. Seit Mitte des 16. Jahrhunderts gab es Ausnahmen. Danach gab es Realisten d.h. solche Mitglieder, die tatsächlich über ein Territorium verfügten und Personalisten. Diese umfasste die Mitglieder, bei denen man vorübergehend oder auf Dauer auf den Besitz eines Territoriums verzichtete.

Auf den Kreistagen des schwäbischen Reichskreises bildete das schwäbische Reichsgrafenkollegium die Grafenbank. Da die Mitglieder – bis auf Baden, das seit 1747 hinzu kam – katholisch waren, gehörte das Kollegium zum Corpus Catholicorum. In der Aufrufordnung des Reichsfürstenrats nahm die Schwäbische Grafenbank # 98 ein. Das Ende des Reiches 1806 bedeutete auch das Ende des schwäbischen Reichsgrafenkollegiums.

Die Mitglieder des Schwäbischen Reichsgrafenkollegiums 1792[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gerhard Köbler: Historisches Lexikon der deutschen Länder. Die deutschen Territorien vom Mittelalter bis zur Gegenwart. 4. vollständig überarbeitete Auflage. Beck, München 1992, ISBN 3-406-35865-9, S. 569.
  • Wilfried Beutter: Schwäbisches Reichsgrafenkollegium. In: Gerhard Taddey: Lexikon der deutschen Geschichte. Personen, Ereignisse, Institutionen. Von der Zeitwende bis zum Ausgang des 2. Weltkrieges. 2. überarbeitete Auflage. Kröner, Stuttgart 1982, ISBN 3-520-81302-5, S. 1129.
  • Nikolaus Schönburg: Die verfassungsrechtliche Stellung des Reichsgrafenstandes vom Ausgang des Mittelalters bis zum Ende des Alten Reiches. Magisterarbeit, Wien 2008, S. 99ff., Digitalisat (PDF; 893 kB).

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Besitzungen der Fürsten von Fürstenberg, dabei auch die Grafschaft Heiligenberg, wurden 1806 von Baden mediatisiert. Die Grafschaft Werdenberg war bereits seit 1483 in andere Hände gelangt und kam über die Grafen von Sax-Misox und die Freiherren von Hewen 1517 an den eidgenössischen Kanton Glarus.
  2. Im Reichsdeputationshauptschluss vom 25. Februar 1803 fielen Stadt und Stift Buchau als Reichsfürstentum Buchau an den Fürsten von Thurn und Taxis; 1806 an Württemberg.
  3. Straßberg wurde 1806 von Hohenzollern-Sigmaringen mediatisiert; der Fürst von Thurn und Taxis behielt seinen Grundbesitz, die sogenannte Grundherrschaft.
  4. Die Ballei wurde 1805 aufgelöst und ihre Besitzungen an Bayern, Baden, Württemberg und Hohenzollern-Sigmaringen übertragen
  5. Altshausen wurde 1806 von Württemberg mediatisiert, die Herrschaft Achberg sowie die Kommende Hohenfels zu Hohenzollern-Sigmaringen.
  6. Die Fürsten von Oettingen-Spielberg und Oettingen-Wallerstein erhielten im Reichsdeputationshauptschluss vom 25. Februar 1803 je eine eigene Virilstimme und schieden damit aus dem Schwäbischen Reichsgrafenkollegium aus; 1806 zu Bayern. Oettingen-Baldern, das 1798 im Erbgang an Oettingen-Wallerstein gefallen war, kam 1810 zu Württemberg.
  7. Die Grafschaft Montfort kam 1805 zu Bayern, im Grenzvertrag zwischen dem Königreich Bayern und dem Königreich Württemberg, geschlossen in Paris am 18. Mai 1810, an Württemberg abgetreten.
  8. Die Grafschaft Helfenstein wurde im Grenzvertrag zwischen dem Königreich Bayern und dem Königreich Württemberg, geschlossen in Paris am 18. Mai 1810, an Württemberg abgetreten.
  9. Der Fürst von Schwarzenberg erhielt im Reichsdeputationshauptschluss vom 25. Februar 1803 eine zusätzliche Virilstimme für Klettgau und schied damit aus dem Schwäbischen Reichsgrafenkollegium aus; 1806 Klettgau und Sulz zu Baden.
  10. Die Grafschaft Rothenfels wurde 1804 an Österreich verkauft, 1805 von Bayern annektiert.
  11. Aulendorf wurde 1806 von Württemberg mediatisiert.
  12. Die Besitzungen der Truchsessen von Waldburg einschließlich Waldburg-Scheer wurden 1806 von Württemberg mediatisiert; Trauchburg wurde 1810 von Württemberg an Bayern abgetreten. Waldburg-Scheer war nicht im Schwäbischen Reichsgrafenkollegium vertreten, da es seit 1680 als österreichisches Mannlehen galt. Als Lehensinhaber der 1786/87 erworbenen gefürsteten Reichsgrafschaft Friedberg-Scheer (gebildet aus den Besitzungen der drei Linien der Truchsessen von Waldburg als Erben der 1772 ausgestorbenen Linie Waldburg-Trauchburg) besaßen die Fürsten von Thurn und Taxis einen Sitz im Schwäbischen Reichskreis, Bank der Grafen und Herren, III. (konstanzisches) Viertel. Waldburg war trotz Reichsfürstenstand nicht vor 1803 in den Reichsfürstenrat aufgenommen worden, wurde aber in der Aufrufordnung nach dem Reichsdeputationshauptschluss 1803 nicht geführt.
  13. 1798 starb die Linie Wolfegg-Wolfegg des Hauses Waldburg aus und wurde von der Linie Wolfegg-Waldsee beerbt.
  14. Eberstein wurde 1806 von Baden mediatisiert.
  15. Der Fürst von Hohenzollern-Hechingen war Signatarstaat der Rheinbundakte vom 12. Juli 1806.
  16. Justingen wurde 1806 von Württemberg mediatisiert.
  17. Der Fürst von Hohengeroldseck war Signatarstaat der Rheinbundakte vom 12. Juli 1806.
  18. Die Besitzungen der Fugger wurden 1806 von Bayern mediatisiert.
  19. Die Grafschaft Hohenems wurde 1805 von Bayern annektiert.
  20. Eglofs wurde 1806 von Württemberg mediatisiert.
  21. Die Grafschaft Bonndorf fiel im Reichsdeputationshauptschluss vom 25. Februar 1803 an den Johanniterorden, 1805 zu Württemberg; 1806 zu Baden.
  22. Thannhausen wurde 1806 von Bayern mediatisiert.
  23. Eglingen wurde 1806 von Bayern mediatisiert und fiel im Grenzvertrag zwischen dem Königreich Bayern und dem Königreich Württemberg, geschlossen in Paris am 18. Mai 1810, an Württemberg. Als Lehensinhaber der 1786/87 erworbenen gefürsteten Reichsgrafschaft Friedberg-Scheer (gebildet aus den Besitzungen der drei Linien der Truchsessen von Waldburg-Scheer) besaßen die Fürsten von Thurn und Taxis einen Sitz im Schwäbischen Reichskreis, Bank der Grafen und Herren, III. (konstanzisches) Viertel.