Schwabengau

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Schwabengau
Ostfalen um das Jahr 1000
Schwabengau
Ostfalen um das Jahr 1000

Der Schwabengau oder Suebengau war eine mittelalterliche Gaugrafschaft im heutigen Sachsen-Anhalt. Er erstreckte sich östlich von Quedlinburg bis an die Saale, war also gesondert vom südwestdeutschen Herzogtum Schwaben. Der Name Sueben bezog sich in Tacitus’ Werk Germania, Kapitel 38, auf sämtliche elb- und ostgermanischen Stämme südlich des Mare Suebicum (= der Ostsee).

In diesem Schwabengau waren im Jahre 569 unter König Siegbert I. schwäbische und fränkische Siedler angesiedelt. Nach anderer Meinung verblieben viele im ursprünglichen Siedlungsgebiet rechts der Saale und sind im 6. Jahrhundert vor den Slawen an den Nordostrand des Harzes ausgewichen. Sie behaupteten sich gegenüber den Sachsen, die 573 von einem gemeinsam mit Langobarden unternommenen Italienzug heimkehrten.[1]

Eike von Repgows Bericht von Schwaben am Harz erklärt die Herkunft der Herren im Lande Sachsen wie folgt: die Herren von Anhalt, von Brandenburg, von Orlamünde, Markgraf von Meißen, Graf von Brehna, Hakeborn, von Gneiz von Müchlen, von Dröbel, von Elsdorf, von Schneidlingen, Vogt Albrecht von Spandau, Schrapen von Gersleben, Anno von Jerdingsdorf, Hermann von Mehringen, Winningens und Seedorf alle sind Schwaben. Es folgen weitere Schwaben und Franken, jedoch alle freien Herren und Schöffen in Sachsen ansässig, sind geborene Sachsen.[2]

927 nutzte König Heinrich I. eine bereits längerwährende Adelsfehde im Schwabengau aus und griff zusammen mit dem Halberstädter Bischof zugunsten der frühen Askanier (nach Aschersleben benannt) ein. Sein Berater und Heerführer Thietmar belagerte und zerstörte die Burg Salfurt derart, dass der Ort (heute Bernburg an der Saale) danach "Brandanburg" (die verbrannte Burg) genannt wurde. Wahrscheinlich erhielt Thietmar danach auch die Grafenrechte im Schwabengau, weil schon 934 sein Sohn Siegfried nachweislich im Besitze derselben war. Thietmar verstarb am 1. Juni 932.

Grafen im Schwabengau waren:

  • Siegfried von Merseburg († 937), auch Siegfried von der Ostmark, war Graf im Friesenfeld und im Hassegau und wohl ab 932, nachweislich 934 Graf im Schwabengau
  • Christian († um 950), dessen Schwager, Graf im Schwabengau und im Gau Serimunt, aus der Familie der Billunger, Vater des Erzbischofs Gero von Köln (967-976); ∞ Hidda, Schwester von Siegfried und des Markgrafen Gero
  • Markgraf Gero († 965), dessen Schwager, Bruder von Siegfried, war Graf im Nordthüringgau und bereits vor 941[3] (vermutlich spätestens seit 932) im Besitz königlicher Lehen im Schwabengau und 950[4] Graf im Schwabengau

Der Schwabengau war seit Esiko das Kerngebiet der Askanier und wurde zusammen mit dem benachbarten, zwischen Saale, Elbe und Mulde gelegenen Gau Serimunt zur Keimzelle des späteren Fürstentums Anhalt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kleine Geschichten aus Sachsen-Anhalt, Karl Hermann Weck
  2. Kleine Geschichten aus Sachsen-Anhalt, Karl Hermann Weck
  3. „Otto I. - RI II,1 n. 98 941 iuni 7, Rore schenkt dem von ihm aus der taufe gehobenen Sigifrid, dem sohn des markgrafen Gero, auf des letztem und anderer grafen bitte das neue schloss und was Gero ausserdem bisher in der mark der villen Egeln (Osteregulun) und Westeregeln im Schwabengau in der grafschaft desselben Gero als königliches lehen inne hatte, mit ausnahme des zu Hersfeld gehörigen gutes“ Regesta Imperii RI II,1 n. 98 (online; abgerufen am 02. November 2016).
  4. „Otto I. - RI II,1 n. 192 950 dez. 6, Imanlevu schenkt dem vom markgrafen Gero zu ehren des h. Ciriacus erbauten kloster Frohse auf für sprache seines bruders Brun und des stifters seinen besitz zu Hebanthorp (unbekannt...) im Schwabengau in der grafschaft desselben Gero und 2 hörige familien“ Regesta Imperii RI II,1 n. 192 (online; abgerufen am 02. November 2016).
  5. „Otto I. - RI II,1 n. 114 944 febr. 29, Kissenbruka gibt dem markgrafen Gero seinen besitz in der villa Turtlinga (unbekannt...) in dessen grafschaft Nordthüringau zu tausch gegen die halbe mark (dimidiam partem confinii id est marche) der villa Ritterode im Schwabengau in der grafschaft Thietmars.“ Regesta Imperii RI II,1 n. 114 (online; abgerufen am 02. November 2016).