Schwan (Symbol)

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Luther mit dem Schwan, Gemälde Kirche Strümpfelbach im Remstal[1]

Der Schwan steht im christlichen Kontext als Symbol für den Reformator Martin Luther.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dass der Schwan zum Symbol für Luther wurde, wird meist mit einer Legende erklärt: Der als Vorreformator geltende Jan Hus wurde 1415 während des Konzils von Konstanz als Ketzer hingerichtet, obwohl ihm freies Geleit zugestanden worden war. Er soll, bevor er verbrannt wurde, gesagt haben: „Heute bratet ihr eine Gans, aber aus der Asche wird ein Schwan auferstehen“ (tschechisch „Hus“ bedeutet „Gans“). Später wurde dieser Ausspruch auf Martin Luther gedeutet.

Nach dem Tode Luthers verbreitete sich das Bildmotiv von „Luther mit dem Schwan“. Erste Bilder stammen aus dem 16. Jahrhundert. In den folgenden beiden Jahrhunderten spielte das Bildmotiv in den unterschiedlichsten Varianten eine wesentliche Rolle in der künstlerischen Darstellung von Luthers Leben und Werk. Es fand in vielen Kirchen Einzug als Wand- und Emporenmalerei, auf Leinwand- und Tafelgemälden und vereinzelt als Skulpturenschmuck (Altar der Martinikirche Halberstadt). Außerdem wurden die Einbände von Bibeln und Gesangbüchern mit dem Symbol verziert und trugen so zur wesentlichen Verbreitung des Symbols bei.

Der Schwan findet sich daher in zahlreichen lutherischen Gemeinden anstelle eines Wetterhahnes auf der Kirchturmspitze, besonders in Nordwestdeutschland und in den Niederlanden,[2] wo der sogenannte „Lutherschwan“ die konfessionelle Abgrenzung zu den reformierten Gemeinden deutlich machte, aber auch an anderen Orten wie etwa in Monschau[3][4] in der Eifel oder Wuppertal-Barmen auf der Alten Kirche Wupperfeld.

Kirchen, Kirchen- und Glockentürme mit dem „Lutherschwan“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weitere Kirchen, Kirchen- und Glockentürme mit „Lutherschwänen“:

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wilhelm Rotscheidt: Kirchturmspitzen im Rheinland. In: Monatshefte für Rheinische Kirchengeschichte. Bd. 34, Evangelischer Pressverband für das Rheinland, Essen 1940, S. 33 f., Digitalisat (40,1 MB).
  • Friedrich Goethe: Der Schwan auf Kirchen Ostfrieslands und Oldenburgs. In: Ostfriesland – Zeitschrift für Kultur Wirtschaft und Verkehr 1971/4; Ostfriesische Landschaft (Hrsg.), Verlag Rautenberg, Leer 1971, S. 7–19.
  • J. K. Schendelaar: Luther, de Lutheranen en de Zwaan. Verlag Dabar/boekmakerij Luyten, Aalsmeer/Woerden 1993.
  • Lutherhalle Wittenberg in Verbindung mit Gerhard Seib (Hrsg.): Luther mit dem Schwan. Tod und Verklärung eines großen Mannes. Verlag Schelzky & Jeep, Berlin 1996, ISBN 3-89541-120-5, (Ausstellungskatalog).
  • Ummo Lübben: Wetterschwäne auf lutherischen Kirchen zwischen Ems und Jade. SKN Druck und Verlag, Norden 2010, ISBN 978-3-939870-35-7.
  • Brage Bei der Wieden: Luther und der Schwan. In: Brage Bei der Wieden: Mensch und Schwan – Kulturhistorische Perspektiven zur Wahrnehmung von Tieren. transcript Verlag, Bielefeld 2014, ISBN 978-3-8376-2877-7, S. 180 ff.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise und Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Das Lutherbild, abgerufen am 22. März 2017.
  2. Friedrich Goethe: Schwäne als Wetterfahnen auf lutherischen Kirchen in Ostfriesland, Oldenburg und anderswo. In: Luther mit dem Schwan – Tod und Verklärung eines grossen Mannes; Katalog zur Ausstellung in der Lutherhalle Wittenberg anlässlich des 450. Todestages von Martin Luther, Hrsg.: Lutherhalle Wittenberg in Verbindung mit Gerhard Seib, Verlag Schelzky & Jeep, Berlin 1996, ISBN 978-3895411205, S. 70-79.
  3. Ein Wetterschwan als Wahrzeichen, abgerufen am 18. März 2017.
  4. a b c Luther-Symbole, abgerufen am 18. März 2017.
  5. Ein Schwan ziert den Kirchturm der Wittmunder Kirche, abgerufen am 18. März 2017.
  6. a b Der Schwan auf den Kirchtürmen in Schwanewede und Svaneke ist sowohl Symbol für Martin Luther als auch Zeichen für den jeweiligen Ortsnamen.
  7. Die Lutherkirche in Amsterdam von Willem Koekkoek, abgerufen am 20. März 2017.
  8. Sprengel Ostfriesland-Ems, abgerufen am 18. März 2017.
  9. Wetterschwan statt Wetterhahn, abgerufen am 18. März 2017.
  10. Lutherschwan ziert die Kirchturmspitze, abgerufen am 16. März 2017.
  11. Der Schwan auf der Friedenskirche in Berndorf ist sowohl Symbol für Martin Luther als auch Hinweis auf den Schwan im Wappen einstiger Patronatsherren, der Herren/Grafen von Giech.
  12. Kurze Geschichte der ev.-luth. Kirchengemeinde Bloherfelde, abgerufen am 16. März 2017.
  13. Die Geschichte des Schwans, abgerufen am 16. März 2017.
  14. Kirche bekommt einen Wetterschwan auf die Spitze, abgerufen am 18. März 2017.
  15. a b c Der Hahn auf dem Dach, abgerufen am 20. März 2017.
  16. Ev. Kirche Wesel-Büderich, abgerufen am 20. März 2017.
  17. Geschichte der Kirche Büderich, abgerufen am 20. März 2017.
  18. a b Der Schwan auf dem Kirchturm in Cäciliengroden, abgerufen am 16. März 2017.
  19. a b c d e f g h i j Kirchtürme tragen einen goldenen Wetterschwan. In: Gemeindebrief der Ev.-luth. Gemeinden Lingen, September-Oktober-November 2011, S. 2, abgerufen am 16. März 2017.
  20. Die Kirche in Nierswalde, abgerufen am 17. März 2017.
  21. a b Schwan als „Wappentier“ Luthers, abgerufen am 18. März 2017.
  22. Die Ostkirche Pfalzdorf, abgerufen am 17. März 2017.
  23. Gottfried Kiesow: Architekturführer Ostfriesland. Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn 2010, ISBN 978-3-86795-021-3, S. 79.
  24. Die St.-Elisabeth-Kirche in Hude, abgerufen am 17. März 2017.
  25. Geschichte der Lutherkirche in Leer, abgerufen am 17. März 2017.
  26. Der Schwan auf dem Turm der Lutherkirche in Pirmasens ist sowohl Symbol für Martin Luther als auch für die Grafschaft Hanau-Lichtenberg.
  27. Die Kirche in Rhaude, abgerufen am 18. März 2017.
  28. Kirche zu Ribbeck – Bildergalerie, abgerufen am 18. März 2017.
  29. Die evangelische St. Georgskirche zu Schermbeck, abgerufen am 18. März 2017.
  30. Mittelpunkt des Ortes war und ist die Kirche., abgerufen am 21. März 2017.
  31. Evangelische Kirchengemeinde Stolberg – Vogelsangkirche, abgerufen am 17. März 2017.
  32. Altstadtkirchen: Hahn, Schwan, Engel, abgerufen am 17. März 2017.
  33. Ev.-luth. Kirchengemeinde Voslapp – „St. Martin“, abgerufen am 17. März 2017.
  34. Der Wetterschwan auf dem Dach der St.-Martin-Kirche, abgerufen am 18. März 2017.
  35. Ein Gemeindezentrum für Wallinghausen, abgerufen am 19. März 2017.
  36. Die St. Marienkirche in Waren, abgerufen am 18. März 2017.
  37. Lutherschwäne als Wetterfahnen, abgerufen am 20. März 2017.
  38. Ein Hahn oder ein Schwan?, abgerufen am 21. März 2017.
  39. Kirche Stadskanaal, abgerufen am 20. März 2017.
  40. Lutherische Kirche Utrecht, abgerufen am 20. März 2017.
  41. Kirche von Zuidwolde, abgerufen am 20. März 2017.