Schwansen

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Sieseby an der Schlei
Torhaus Gut Damp

Die Landschaft Schwansen (dänisch: Svans oder Svansø) ist eine Halbinsel im Norden Schleswig-Holsteins (im Landesteil Schleswig) zwischen Schlei und Eckernförder Bucht. Im Nordwesten, jenseits der Schlei, liegt die Stadt Kappeln, im Süden Eckernförde. Beide Städte werden seit 1972 durch die Schwansenstraße (B 203) verbunden. Schwansen umfasst zwölf Gemeinden des Amtes Schlei-Ostsee, die zum Stadtgebiet Kappelns gehörenden ehemaligen Gemeinden Kopperby und Olpenitz sowie den Ortsteil Bohnert der Gemeinde Kosel. Hauptort der Harde und des späteren Amtes Schwansen war Rieseby. Die Halbinsel hat ca. 20.000 Einwohner.

Grenzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Karte Johannes Mejers mit Markierung der Grenze Schwansens zur Bergharde (=Hüttener Harde) auf Höhe Kosel-Windebyer Noor

Schwansen wird im Osten von der Eckernförder Bucht, im Westen und Norden und von der Schlei umgrenzt. Die Abgrenzung gen Süden ist strittig. Auf einzelnen Landkarten vom Herzogtum Schleswig des Kartographen Johannes Mejer aus der Mitte des 17. Jahrhunderts wird die Kolholmer bzw. Koseler Au (mit einer gedachten Linie aus der Nähe Barkelsbys entweder zum Eckernförder Lachsenbach (Landtcarte uom dem Dænischen Walde, 1652), zum Möhlwischbach oder zur ehemaligen Gemeindegrenze zwischen Eckernförde und Borby hin (Carte Von den Lándern Anglen Und Schwansen, 1649)) als Grenze der Riesebyharde angegeben, die allerdings eher politischer denn geographischer Natur sist. Ihre Südgrenze veränderte sich zudem im Laufe der Jahrhunderte mehrmals - beispielsweise gehörte Borby zuletzt der Hüttener Harde an.

Der Kolhomer-Au-Linie folgen bis heute viele Publikationen auch zur geographischen Bestimmung der Südgrenze. Nach dieser Definition liegen allerdings die Orte Kosel, teilweise ebenso Barkelsby und Gammelby, die allgemein und auch historisch als Schwansener Gebiet gelten, fast ausschließlich außerhalb desselben. Auch der heutige Eckernförder Stadtteil Borby gehört demnach ganz (ehemalige Grenze zu Eckernförde), teilweise (Lachsenbach-Grenze) oder gar nicht (Möhlwischbach-Grenze) dazu.

Als weitest definierte Grenze Schwansens gilt der Osterwall, ein Teilstück des Danewerks zwischen dem Windebyer Noor und der Osterbek hin zur Schlei beim Fleckebyer Ortsteil Götheby-Holm. Ähnlich sieht es Bronnmann, der die Südgrenze von der Großen Breite der Schlei aus über den Holmer See bei Götheby-Holm, den Großen Schnaaper See und das Windebyer Noor (ab Schnaap) zieht.[1] Nach weiteren Abgrenzungsdefinitionen wie der Ostwall- oder der Bronnmann-Linie liegen sämtliche nördlich der Eckernförder Bucht, dem Eckernförder Hafen und dem Windebyer Noor gelegenen Stadtteile Eckernfördes in Schwansen, des Weiteren kleinere Gebiete der Gemeinden Fleckeby und Windeby.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schwansen zur Zeit Waldemars

Der Name leitet sich vermutlich vom Schwansener See in der Gemeinde Dörphof ab. Urkundlich erwähnt ist der Name bereits 1231 im Waldemar-Erdbuch als Swansø (dänisch: Schwanensee) und in einer Urkunde 1260 als Swansio.[3][4] Swansø soll erst der Name des Schwansener Sees gewesen sein, später dann des Kirchspiels und schließlich die Benennung der ganzen Halbinsel.[5]

Steilküste bei Eckernförde

Das Gebiet wurde um 750 von Dänen und Jüten besiedelt, was sich, wie im benachbarten Angeln, an den vielen Ortsnamen auf -by (≈ -dorf; z. B. GammelbyAltes Dorf) ablesen lässt. Die Region zwischen Eider und Schlei war zeitweise zwischen Dänen und Deutschen umstritten. Im 10. Jahrhunderten war Schwansen vermutlich Teil der sächsischen Mark Schleswig (auch: Dänische Mark). Spätestens ab dem 13. Jahrhundert war es ein Teil des dänischen Gesamtverwaltungsgebietes Fræzlæt (Waldemar-Erdbuch). 1352 wird erstmals die Riesebyharde genannt. Im Süden zwischen Schlei und dem Windebyer Noor bei Eckernförde befand sich mit dem Osterwall ein Teilstück des Danewerks. An dessen östlichem Ende in Borby befand sich die Ykernaeburgh (dän. Egernborg : Eichhörnchenburg), die 1231 im Erdbuch von König Waldemar II. erwähnt wurde. Im 15. Jahrhundert errichtete der dänische König Erich von Pommern Wehranlagen wie die Schwonsburg und die Königsburg. Ab dem ausgehenden Mittelalter entstand in Schwansen eine ausgeprägte Gutswirtschaft mit befestigten adeligen Gütern, was die Einführung der Leibeigenschaft nach sich zog. Administrativ bildete die frühere Riesebyharde nun Schwansens Güterdistrikt, der zur Zeit der Landesteilung der Herzogtümer gemeinschaftlich von Gottorfer Herzögen und dänischen Königen regiert wurde.

Sprachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schwansen ist ein traditionell mehrsprachiges Gebiet: Heute werden neben der Amtssprache Hochdeutsch umgangssprachlich auch Dänisch (vor allem Sydslesvigdansk, eine Variante des Reichsdänischen) und Plattdeutsch (Schwansener Platt, ein Kleindialekt des Schleswigschen) gesprochen. Historisch reichte auch der Sprachraum des Südjütischen im Mittelalter bis an die Linie Eckernförde-Treene-Husum und wurde in der Varietät des Angeldänischen in Schwansen gesprochen. Die heutigen Ortsbezeichnungen basieren auf allen vier Sprachen bzw. Dialekten.

Infrastruktur und Denkmalschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die sanft hügelige Endmoränenlandschaft mit Stränden und Steilküsten ist heute durch Gutswirtschaft geprägt. Die zahlreichen Höfe um die Herrenhäuser und Schlösser werden großteils von alteingesessenen adligen Familien betrieben, darunter die Herzöge von Schleswig-Holstein und Mecklenburg. Schwansen ist unter anderem bekannt für das unter Denkmalschutz stehende Dorf Sieseby (Gemeinde Thumby) an der Schlei und das Ostseebad Damp. Außer Damp besitzen weitere Gemeinden entlang der Ostseeküste eine touristische Infrastruktur. Bei Karlsminde befindet sich das größte der zahlreichen Hünengräber.

Größere Orte auf der Halbinsel Schwansen (in deutscher und dänischer Form)

Ortschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gemeinde Barkelsby (je nach Definition der Südgrenze ganz oder teilweise)
  • Gemeinde Brodersby
  • Gemeinde Damp
  • Gemeinde Dörphof
  • Gemeinde Fleckeby (je nach Definition der Südgrenze teilweise oder nicht)
  • Gemeinde Gammelby (je nach Definition der Südgrenze ganz oder teilweise)
  • Gemeinde Holzdorf
  • Gemeinde Karby
  • Gemeinde Kosel (je nach Definition der Südgrenze ganz oder teilweise; OT Bohnert ganz)
  • Gemeinde Loose
  • Gemeinde Rieseby
  • Gemeinde Thumby
  • Gemeinde Waabs
  • Gemeinde Windeby (je nach Definition der Südgrenze teilweise oder nicht)
  • Gemeinde Winnemark
  • Stadtteil Eckernförde–Borby (je nach Definition der Südgrenze ganz, teilweise oder nicht)
  • Stadtteil Kappeln-Olpenitz
  • Stadtteil Kappeln-Kopperby (Ellenberg)

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wikivoyage: Schwansen – Reiseführer

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wilhelm Bronnmann: Schwansen, Heimatgemeinschaft Eckernförde 1988; insbesondere Seiten 9–16
  2. der Osterwall verläuft mitten durch den Windebyer Hauptort Kochendorf; siehe: Irmgard Busch in einem Beitrag zum Osterwall in Rund ums Windebyer Noor (Publikation der SPD Windeby) Dezember 2008 Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven: @1@2Vorlage:Toter Link/www.spd-windeby.deonline
  3. Urkunde vom 12. Mai 1260; Dipl. Dan. II, 1, Nr. 316.
  4. Swansio ist altdänisch und bedeutet ebenfalls Schwanensee Store Norske Leksikon
  5. Nudansk Ordbog, 13. Ausgabe, Politikens Forlag.

Koordinaten: 54° 34′ 0″ N, 9° 54′ 0″ O