Schwartzkopffstraße

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Schwartzkopffstraße
Wappen
Straße in Berlin
Schwartzkopffstraße
Schwartzkopffstraße
Basisdaten
Ort Berlin
Ortsteil Mitte
Angelegt im 19. Jahrhundert
Anschlussstraßen Pflugstraße, Chausseestraße
Nutzung
Nutzergruppen Fußverkehr, Radverkehr, Autoverkehr
Technische Daten
Straßenlänge 260 Meter

Die Schwartzkopffstraße ist eine Wohnstraße in der Oranienburger Vorstadt im Berliner Ortsteil Mitte. Sie ist eine östliche Querstraße zur Chausseestraße.

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Straße wurde 1889 nach dem Unternehmer Louis Schwartzkopff (1825–1892) benannt, der von 1851 bis 1867 in der benachbarten Chausseestraße die Berliner Maschinenbau AG betrieb. Anders als die Namensgeber der benachbarten Pflugstraße und Wöhlertstraße, ebenfalls Schwerindustrielle, lebte Schwartzkopff zum Zeitpunkt der Benennung noch.

Verlauf und Verkehrsbauten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprünglich wurde am 12. März 1889 nur der Straßenabschnitt von der Chausseestraße bis zur Pflugstraße und der damaligen Heringsdorfer Straße benannt. Der Abschnitt von dieser Kreuzung bis zum Gelände des Stettiner Bahnhofs wurde am 12. Februar 1898 einbezogen.[1] Ein kurzer, noch erkennbarer Abschnitt der Heringsdorfer Straße gehört jetzt zur Schwartzkopffstraße und dient als Zugang zur Hausnummer 7 mit ihrem seitlichen Eingang sowie als Durchfahrt in den hinteren Teil des Grundstücks Chausseestraße 40.

Am Ende der Schwartzkopffstraße befand sich der Eingang zum 1896 eröffneten Stettiner Tunnel, einem Fußgängertunnel zur Gartenstraße im Ortsteil Gesundbrunnen. Er ist nicht mehr zugänglich. Um eine Verbindung zur 2005 eröffneten Caroline-Michaelis-Straße zu schaffen, wurde die Schwartzkopffstraße um weitere 23 Meter nach Osten verlängert. Zur Verkehrsberuhigung ist die Durchfahrt für Kraftfahrzeuge gesperrt.

Bis 2013 bildete die Schwartzkopffstraße mit der Pflug- und Wöhlertstraße die Wendeschleife mehrerer Straßenbahnlinien. Auf der Chausseestraße befindet sich der U-Bahnhof Schwartzkopffstraße der Linie U6.

Städtische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schwartzkopffstraße gehört zu den Straßen, die zunächst vom Gelände des Stettiner Bahnhofs im Osten, den Fabriken im Süden, der Maikäferkaserne im Westen und den Friedhöfen an der Liesenstraße im Norden umschlossen wurden. Im Zweiten Weltkrieg wurde mit den Hausnummern 1, 11 bis 14 und 20 sowie der angrenzenden Pflugstraße 1 etwa ein Drittel der Gebäude an der Schwartzkopffstraße zerstört. Die meisten wurden nach dem Bau der Berliner Mauer, auf die die Schwartzkopffstraße zuführte, ersetzt. Nach dem Fall der Mauer wurden die meisten Gebäude saniert. Seither gewinnt die Straße an Urbanität. Sie liegt nahe den Bundesministerien für Wirtschaft und für Verkehr, dem Hauptbahnhof und der im Bau befindlichen Zentrale des Bundesnachrichtendienstes.

Gebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon 1891 waren die 16 Grundstücke bis zur Pflugstraße bebaut oder in Bau.[2] Mit der Verlängerung von 1898 kamen vier weitere Grundstücke mit den Hausnummern 8 bis 11 hinzu. Deswegen war eine Umnummerierung der Häuser 8 bis 16 zu 12 bis 20 erforderlich.

In Nr. 1 residierte der litauische Dichter August Paulukat, der in seinem dort ebenfalls ansässigen Vaya-Verlag 1914 seinen kriegslyrischen Band Eiserne Poesie veröffentlichte.[3] Das Haus wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Während der DDR-Zeit stand hier ein Flachbau, der von Industrieunternehmen genutzt wurde. Seit 2015 entsteht hier das Wohnhaus Sapphire des Architekten Daniel Libeskind mit einer Fassade, die an die Struktur eines Edelsteins angelehnt ist.[4]

In Nr. 2 lebte der Student Otto Tauschwitz, der am Seminar für Orientalische Studien bereits ein Diplomzeugnis für die Dolmetscherlaufbahn in Marokko erworben hatte, als er 1916 in Frankreich fiel. Tauschwitz war Schüler des Arabisten Georg Kampffmeyer, der den Nachruf in der Fachzeitschrift Die Welt des Islams veröffentlichte.[5]

In Nr. 4 lebte der Schriftsteller Karl Döring, der zwischen 1896 und 1902 Skizzen, Novellen und Romane über das Berliner Großstadtmilieu veröffentlichte.[6]

Der Platz vor dem Stettiner Tunnel war in den 1920er Jahren Schauplatz von Kämpfen zweier rivalisierender Jugendgruppen, deren Mitglieder an den jeweiligen Ausgängen des Tunnels wohnten.[7]

Das Haus Nr. 11 wurde im Krieg zerstört. Das Grundstück ist verwildert. Die Hausnummer wird nun für ein Bürogebäude genutzt, das aus einem nebenan gelegenen ehemaligen Stellwerk entstanden ist. Zwischen diesen beiden Grundstücken beginnt ein Stück der Hinterlandmauer, die unter Denkmalschutz steht.[8]

In Nr. 14 eröffnete 1932 ein „Brauner Laden“ zur Propagierung des Nationalsozialismus. Kurz darauf kam es im und vor dem Stettiner Tunnel zu einem Zusammenstoß zwischen etwa 50 Nationalsozialisten und Arbeitern aus den politisch von der KPD dominierten Häusern der Straße. Dabei sollen Schüsse gefallen sein. Auf einer Mieterratsversammlung bildete sich ein „Einheitsausschuss der Werktätigen in der Schwartzkopff-, Pflug- und Wöhlertstraße zum Kampf gegen den Hakenkreuzterror“, der auf Flugblättern das Schließen des „Braunen Ladens“ verlangte.[9]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schwartzkopffstraße (Berlin-Mitte) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Potsdam und der Stadt Berlin. Potsdam 1898, S. 86
  2. Berliner Adressbuch für das Jahr 1891. Band 2, Scherl, Berlin 1891, S. 448, online
  3. Die deutsche Kriegsliteratur von Kriegsbeginn bis Anfang Dezember 1914, Leipzig 1915, S. 17
  4. Uwe Aulich: Libeskind-Wohnhaus in Berlin. In: Berliner Zeitung, 12. November 2014, online
  5. Georg Kampffmeier: Nachrichten über Angelegenheiten der Gesellschaft. In: Die Welt des Islams, Bd. 3 (1916), S. 312
  6. Allgemeines Literaturblatt, Band 13 (1904), S. 149
  7. Andreas R. Kuhrt: Eine Reise durch die Ackerstraße, Berlin 1997, online
  8. Mauer-Denkmal bei berlin.de
  9. Oliver Reschke: Kampf um die Kieze. Nationalsozialisten im Zentrum Berlins 1925–1933, Vortrag im Bundesarchiv, 19. Juni 2014, S. 13–15, Manuskript online

Koordinaten: 52° 32′ 5″ N, 13° 22′ 47″ O