Schwarz-Gruppe

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
ALPHA Schwarz Beteiligungs-GmbH[1]

Logo
Rechtsform GmbH
Sitz Neckarsulm, DeutschlandDeutschland Deutschland
Leitung Klaus Gehrig (Komplementär der Schwarz Unternehmenstreuhand KG)[2]
Mitarbeiterzahl 458.000 (2020)[3]
Umsatz 113,3 Mrd. Euro (2019/20)[3]
Branche Lebensmitteleinzelhandel
Website Schwarz-Gruppe

Beteiligungen innerhalb der Schwarz Gruppe

Die Schwarz Gruppe ist mit einem Jahresumsatz von 113 Mrd. Euro (2019/2020) das größte Handelsunternehmen Europas. Die deutsche Unternehmensgruppe mit Sitz im baden-württembergischen Neckarsulm kontrolliert als Muttergesellschaft die Handelssparten Lidl und Kaufland.[4][5]

Unternehmensgeschichte (seit 1930)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lidl & Co. Südfrüchtenhandlung in der Sülmerstraße 54 in Heilbronn (um 1905)

1930 trat der Heilbronner Kaufmann Josef Schwarz (1903–1977) als persönlich haftender Gesellschafter (Komplementär) in die Lidl & Co. Südfrüchtenhandlung ein. Das Unternehmen wurde in Lidl & Schwarz KG umbenannt und zu einer Lebensmittelgroßhandlung für die Region Heilbronn-Franken ausgebaut.

Nachdem Lidl & Schwarz 1944 im Zweiten Weltkrieg völlig zerstört wurde, gelang der Wiederaufbau innerhalb von zehn Jahren. 1954 schloss sich Lidl & Schwarz der A&O-Handelskette an. Das Unternehmen erhielt 1954 in Heilbronn erneut ein eigenes Domizil.[6]

Der einzige Sohn von Josef Schwarz, Dieter Schwarz, absolvierte nach seinem Abitur von 1958 bis 1960 eine kaufmännische Ausbildung in der Lebensmittelgroßhandlung Lidl & Schwarz KG in Heilbronn. Das Unternehmen wurde von seinem Vater zu diesem Zeitpunkt als alleiniger Geschäftsführer geleitet.[7] 1962 wurde Dieter Schwarz Prokurist und 1963 persönlich haftender Gesellschafter der Lidl & Schwarz KG in Heilbronn. 1972 wurde in Neckarsulm eine neue Unternehmenszentrale eröffnet.

Gründung des Discounters Lidl (1973)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1973 eröffnete Dieter Schwarz seinen ersten Discountermarkt in Ludwigshafen am Rhein in der Mundenheimer Straße. Weil er den Namen Lidl aus rechtlichen Gründen nicht ohne Weiteres übernehmen konnte und um das Wortspiel „Schwarzmarkt“ zu vermeiden, sicherte er sich rechtlich ab, indem er dem pensionierten Berufsschullehrer und Kunstmaler Ludwig Lidl für 1000 DM die Namensrechte abkaufte. Nach der Expansion Lidls innerhalb Deutschlands, begann ab 1988 der Markteintritt Lidls in Europa.

Gründung des Vollsortimenters Kaufland (1984)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1968 eröffnete Dieter Schwarz mit seinem Vater den ersten Supermarkt unter dem Namen „Handelshof“ im schwäbischen Backnang. 1984 eröffnete in Neckarsulm der allererste Supermarkt unter dem damals neuen Namen „Kaufland“. Alle Handelshof-Supermärkte wurden in Kaufland umbenannt. Nach der Wende in der DDR 1989/90 expandierte Kaufland massiv in die neuen Bundesländer. Der erste ostdeutsche Kaufland-Supermarkt wurde 1990 in Meißen eingerichtet. Heute ist Kaufland im Supermarktsegment Marktführer in den neuen Bundesländern. 1998 wurde in Kladno in Tschechien die erste Kaufland-Filiale im Ausland eröffnet. Weitere Filialen betreibt Kaufland in den mittel- und osteuropäischen Ländern.[8]

Schwarz Gruppe (1977 bis heute)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Josef Schwarz 1977 im Alter von 74 Jahren starb, übernahm Dieter Schwarz die Lebensmittelgroßhandlung Lidl & Schwarz KG. Zu diesem Zeitpunkt verfügte Dieter Schwarz bereits über 30 Lidl-Filialen. 1976 wurde Klaus Gehrig Geschäftsführer unter dem Unternehmenseigentümer Dieter Schwarz. Die Unternehmens-Aktivitäten wurden in den Bereich der Discountmärkte (Kleinflächen) unter dem Namen Lidl sowie in den Bereich der Vollsortimenter (Großflächen) Kaufland aufgeteilt.[9] Mit dem Rückzug aus der Unternehmensleitung übertrug Dieter Schwarz seinen Anteil steuersparend auf die Dieter-Schwarz-Stiftung, deren Zweck unter anderem die Förderung von Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur ist.

Seit 2004 ist Klaus Gehrig[10] alleiniger Komplementär der Schwarz Unternehmenstreuhand KG und damit Leiter der Schwarz Gruppe.[11][12] Klaus Gehrig soll Konzern-Chef bleiben, bis er 75 Jahre alt ist (im Jahr 2023). In den letzten zwei Jahren soll ein Nachfolger eingearbeitet sein. Wer das sein wird, sei noch offen.[13] Eigentümer der Schwarz Beteiligungs-GmbH sind die Dieter-Schwarz-Stiftung gGmbH (99,9 % der Anteile) und die Schwarz Unternehmenstreuhand KG (0,1 % der Anteile); letztere hält 100 % der Stimmrechte.[14] Der Sitz der Schwarz Gruppe ist Neckarsulm.[15] Der Online-Handel wird von der Lidl Digital International (ehemals Schwarz E-Commerce), einer Schwestergesellschaft von Lidl, betrieben. Rückwirkend zum Jahresbeginn 2018 wurde der fünftgrößte Entsorger Deutschlands Tönsmeier im Juli 2018 von PreZero, einem Tochterunternehmen der Schwarz Gruppe, übernommen.[16]

Die Schwarz Gruppe ist aktuell (2020) nach Jahresumsatz das größte Handelsunternehmen Europas und beschäftigt etwa 458.000 Mitarbeiter. In Europa und den USA gibt es über 11.000 Lidl-Filialen, womit Lidl nach der Anzahl der Filialen der größte Discounter der Welt ist.[17] Auf Kaufland entfallen laut Unternehmensangaben vom Dezember 2020 rund 1.300 Märkte mit etwa 132.000 Mitarbeitern in acht Ländern Europas.[18]

Im Bundesanzeiger meldete die Schwarz-Gruppe für das am 29. Februar 2020 endende Fiskaljahr 2019 Umsätze in Höhe von 56,87 Mrd. Euro für die Lidl Stiftung & Co. KG und 22,28 Mrd. Euro für die Kaufland Stiftung & Co. KG, was in Summe 79,15 Mrd. Euro ergibt. Der Unterschied zu den kolportierten Gruppenumsätzen von 113,3 Mrd. Euro resultiert aus abweichenden Konsolidierungskreisen. Neben den Einzelhandelsfilialen gehören beispielsweise auch das Recycling-Unternehmen PreZero sowie eine Reihe von Produktionsbetrieben wie etwa die Großbäckerei Bonback, die Schokoladenfabrik Solent, der Getränkehersteller MEG und der Eiscreme-Produzent Bon Gelati zur Gruppe, die unter SCHWARZ Produktion GmbH & Co. KG zusammengefasst sind.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Schwarz-Gruppe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Amtsgericht Stuttgart HRB 104073
  2. Gehring ist neuer Lidl- und Kaufland-Chef. handelsblatt.com, 2. März 2004.
  3. a b Lidl und Kaufland: Schwarz-Gruppe schreibt Rekordumsätze. In: Spiegel Online. 31. Juli 2020, abgerufen am 11. August 2020.
  4. dde: In Deutschland leben jetzt 195 Milliardäre. In: welt.de. 24. August 2017, abgerufen am 7. Oktober 2018.
  5. Siehe Global Powers of Retailing-Studien von 2015, 2016 und 2017; Top-10 der globalen Einzelhändler. Deloitte, Pressemitteilung, 26. September 2014, abgerufen am 13. Februar 2017.
  6. Kaufland kämpft mit der Digitalrevolution im Einzelhandel (Memento vom 5. März 2018 im Internet Archive) (5. März 2018)
  7. Dieter Schwarz ist heute 70 Jahre alt. (Nicht mehr online verfügbar.) Nachrichten für die Wirtschaft. Informationen für Entscheider in der Region Heilbronn-Franken, 24. September 2009, archiviert vom Original am 6. Februar 2013; abgerufen am 16. April 2017.
  8. Expansion in Australien: Down Under freut sich auf Kaufland. (handelsblatt.com [abgerufen am 24. April 2017]).
  9. Lidl eröffnet erste Filialen in den USA. In: Spiegel Online. 15. Juni 2017, abgerufen am 21. Juni 2017.
  10. Geburtsdatum nach Manfred Stockburger: Zeitenwende bei Kaufland. Neckarsulm Wie Vorstandschef Kaudewitz den Lebensmittelhändler wieder attraktiv machen möchte. In: Heilbronner Stimme. 14. Mai 2016 (bei stimme.de [abgerufen am 15. Mai 2016]).
  11. Gehring ist neuer Lidl- und Kaufland-Chef. handelsblatt.com, 2. März 2004.
  12. Klaus Gehrig im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
  13. sueddeutsche.de
  14. Karsten Langer: Dieter Schwarz: Aldis Erzfeind. manager-magazin.de, 2. März 2004.
  15. (Memento vom 27. April 2012 im Internet Archive)
  16. Mindener Tageblatt,02.07.2018: Handelsriese kauft Tönsmeier-Gruppe.
  17. Karsten Kilian: Markenprodukte. Markenlexikon.de, abgerufen am 16. April 2017.
  18. Über Kaufland

Koordinaten: 49° 10′ 21,2″ N, 9° 13′ 22,9″ O