Schwarzbauch-Höschenkolibri

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Schwarzbauch-Höschenkolibri
Schwarzbauch-Höschenkolibri (Eriocnemis nigrivestis) (Lithografie von Henry Constantine Richter nach einer Zeichnung von John Gould, 1858)

Schwarzbauch-Höschenkolibri (Eriocnemis nigrivestis)
(Lithografie von Henry Constantine Richter nach einer Zeichnung von John Gould, 1858)

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Seglervögel (Apodiformes)
Familie: Kolibris (Trochilidae)
Gattung: Wollhöschen (Eriocnemis)
Art: Schwarzbauch-Höschenkolibri
Wissenschaftlicher Name
Eriocnemis nigrivestis
(Bourcier & Mulsant, 1852)

Der Schwarzbauch-Höschenkolibri (Eriocnemis nigrivestis) oder manchmal auch Schwarzbrust-Schneehöschen ist eine Vogelart aus der Familie der Kolibris (Trochilidae). Die Art ist endemisch in Ecuador. Der Bestand wird von der IUCN als „vom Aussterben bedroht“ (Critically Endangered) eingeschätzt.

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Schwarzbauch-Höschenkolibri erreicht eine Körperlänge von etwa 9 cm, wobei der kurze gerade schwarze Schnabel 1,5 cm und der leicht gegabelte dunkel stahlblaue Schwanz 3,5 cm lang ist. Die Männchen haben eine schwärzliche Unterseite mit violettblauer Kehle und Unterschwanzdecken. An den Füßen befinden sich weiße Bäusche. Die Oberseite der Weibchen schimmert bronzegrün, was an Bürzel und Oberschwanzdecken in eine bläulich grüne Färbung übergeht. Die Unterseite ist goldengrün mit einem blassen Blau am Kinn. Die Unterschwanzdecken und Beinbüschel sind wie beim Männchen.[1]

Verhalten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Nahrungsaufnahme suchen sie vorzugsweise die zu den Rötegewächsen gehörenden Art Palicourea amethystina auf, doch gehören auch die Blüten von Gebüsch, Kräutern und Reben zu ihren Nahrungsquellen. Bei einer Studie zur Ökologie der Art flogen sie die zu den Heidekrautgewächsen gehörende Art Macleania macrantha, Thibaudia floribunda, Disterigma acuminatum, die zu den Myrtenartigen gehörende Art Miconia hymenanthera, die zu den Fuchsien gehörende Art Fuchsia sylvatica und Arten der Gattung Rubus an. Zu den angeflogenen Reben gehörten die zu den Gesneriengewächsen gehörende Art Heppiella ampla, die zu den Rötegewächsen gehörende Art Manettia recurva, die zu den Glockenblumengewächsen gehörende Gattung Burmeistera und die zu den Kapuzinerkressen gehörende Art Tropaeolum pubescens. Außerdem wurden sie an Miconia corymbiformis und an der zu den Brechsträucher gehörenden Art Psychotria uliginosa beobachtet.[2] Meist holen sie sich ihren Nektar direkt über den Eingang der Blüten. Die Blüten sind etwa so lange wie der Schnabel des Schwarzbauch-Höschenkolibris. Gelegentlich bohren sie die Blüten an oder nutzen Löcher, die der Stahlhakenschnabel (Diglossa lafresnayii) bereits gemacht hat.[3]

Lautäußerungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ihr Gesang hört sich wie ein monotones metallisches tsit, tsit, tsit... an.[1]

Verbreitung und Lebensraum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verbreitungsgebiet (grün) des Schwarzbauch-Höschenkolibris

Sie bewegen sich an grasbedeckten Hängen mit verkrüppelten Bergwäldern mit Blaubeergestrüpp und Heidekräutern. Die Männchen ziehen außerhalb der Brutsaison in höhere Lagen. Die Art kommt in Höhenlagen zwischen 2440 und 3700 Metern vor. Sie sind nur sehr begrenzt am Pichincha und Atacazo und eventuell am Imbabura vor. Es gibt nur wenige Berichte über das Vorkommen in den zu den Vulkanen angrenzenden Berggebieten.[1]

Etymologie und Forschungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jules Bourcier und Étienne Mulsant beschrieben den Schwarzbauch-Höschenkolibri unter dem Namen Trochilus nigrivestis. Das Typusexemplar stammte aus Tumbaco.[4] 1849 führte Heinrich Gottlieb Ludwig Reichenbach die neue Gattung Eriocnemis ein, der erst später auch der Schwarzbauch-Höschenkolibri zugeordnet wurde.[5][A 1] Dieser Name leitet sich von den griechischen Worten »erion ἔριον« für »Wolle« und »knēmis κνημίς« für »Manschette, Beinschiene« ab.[6] Der Artname setzt sich aus den lateinischen Worten »niger« für »schwarz« und »vestis« für »Gewand« zusammen.[7]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jon Fjeldså, Niels Krabbe: Birds of the High Andes: A Manual to the Birds of the Temperate Zone of the Andes and Patagonia, South America. Apollo Books, Stenstrup 1990, ISBN 87-88757-16-1.
  • James A. Jobling: Helm Dictionary of Scientific Bird Names. Christopher Helm, London 2010, ISBN 978-1-4081-2501-4.
  • Jules Bourcier, Étienne Mulsant: Description quelques nouvelles espèces d'oiseaux-mouches. In: Annales des sciences physiques et naturelles, d'agriculture et d'industrie (= 2). Band 4, 1852, S. 139–144 (gallica.bnf.fr).
  • Heinrich Gottlieb Ludwig Reichenbach: Avium systema naturale. Das natürliche System der Vögel mit hundert Tafeln größtenteils Original-Abbildungen der bis jetzt entdeckten fast zwölfhundert typischen Formen. Vorläufer einer Iconographie der Arten der Vögel aller Welttheile, welche, nachdem bereits fast dreitausend Abbildungen erschienen sind, ununterbrochen fortgesetzt wird. Friedrich Hofmeister, Leipzig 1849 (books.google.de).
  • Robert Bleiweiss, Manuel Olalla P.: Notes on the Ecology of the Black-Breasted Puffleg on Volcan Pichincha, Ecuador. In: Wilson Bulletin. Band 95, Nr. 4, 1983, S. 656–661 (sora.unm.edu [PDF; 332 kB]).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Schwarzbauch-Höschenkolibri (Eriocnemis nigrivestis) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Jon Fjeldså u. a., S. 272.
  2. Robert Bleiweiss u. a., S. 658.
  3. Robert Bleiweiss u. a., S. 660.
  4. Jules Bourcier u. a., S. 144.
  5. Heinrich Gottlieb Ludwig Reichenbach, Tafel XL.
  6. James A. Jobling S. 148
  7. James A. Jobling, S. 271.

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Reichenbach lieferte nur eine Tafel mit den Merkmalen der Gattung. Eine konkrete Art ordnete er in der Erstveröffentlichung nicht zu.