Schwarzburg

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Schwarzburg
Schwarzburg
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Schwarzburg hervorgehoben
Koordinaten: 50° 38′ N, 11° 12′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Saalfeld-Rudolstadt
Verwaltungs­gemeinschaft: Mittleres Schwarzatal
Höhe: 280 m ü. NHN
Fläche: 14,67 km2
Einwohner: 560 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 38 Einwohner je km2
Postleitzahl: 07427
Vorwahl: 036730
Kfz-Kennzeichen: SLF, RU
Gemeindeschlüssel: 16 0 73 082
Adresse der Verbandsverwaltung: Hauptstraße 40
07429 Sitzendorf
Webpräsenz: www.mittleres-schwarzatal.de
Bürgermeisterin: Heike Printz
Lage der Gemeinde Schwarzburg im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt
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Schwarzburg ist eine Gemeinde im Schwarzatal im thüringischen Landkreis Saalfeld-Rudolstadt. Sie ist Mitglied in der Verwaltungsgemeinschaft Mittleres Schwarzatal.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schwarzburg liegt im Thüringer Wald an der Nordabdachung des Gebirges und am Fluss Schwarza. Die Landesstraße 1112 verbindet Schwarzburg mit Bad Blankenburg und dem Umland.

Angrenzende Gemeinden sind Allendorf, die Stadt Bad Blankenburg, Bechstedt, Döschnitz, Saalfelder Höhe und Sitzendorf.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ersterwähnung 1071 als „Swartzinburg“ erfolgte in einer Grenzbeschreibung der Orlasenke.

Das Dorf unterhalb der Burg wuchs durch Ausnutzung der Wasserkraft (Mahlmühle, Schneidemühle, Lohmühle, Eisenhammer) bis zum 19. Jahrhundert als kleines Industriezentrum. Besonders im Hochmittelalter war es durch Goldwäscherei (Seifengold) wichtiger Ort im Schwarzatal. Nach Aufgabe des Eisenhammers 1846 erfolgte eine große Auswanderungswelle (mehr als 20 % der Einwohner) nach Nordamerika. Danach btachte Fremdenverkehr einen Aufschwung. Die Urburschenschaft, Ludwig Bechstein und Maler der Romantik hatten das wildromantische Tal der Schwarza (Saale) gerühmt. Auch Goethe, in einem Brief an Charlotte von Stein vom 5. Juli 1781, fand das Tal erwähnenswert: „NB. von Schwarzburg auf Blanckenburg ist ein fürtrefflicher Weeg der Schwarze nach, durch ein tiefes Thal zwischen Fels und Wald Wänden.“[2] 1887 wurde in Schwarzburg der Schwarzburgbund gegründet, ein Zusammenschluss von christlich geprägten farbentragenden, nichtschlagenden Studentenverbindungen. In jener Zeit galt Schwarzburg (im sächsischen Idiom) als „Berle“ von Thüringen.[3]

Besondere historische Bedeutung erlangte Schwarzburg, als Reichspräsident Friedrich Ebert im Urlaub am 11. August 1919 die Weimarer Verfassung, die erste demokratische Verfassung Deutschlands, unterzeichnete. Dieser Akt fand wahrscheinlich im Hotel „Weißer Hirsch“ statt, jedenfalls nicht im Schloss. Zwischen dem Hotel und seiner Villa „Schwarzaburg“ – in der Ebert wohnte – wurde auf einer Rasenfläche ein schlichter Gedenkstein wieder kenntlich gemacht. Die Inschrift lautet: IN SCHWARZBURG WURDE AM 11. AUGUST 1919 VOM REICHSPRÄSIDENTEN EBERT DIE VERFASSUNG DES DEUTSCHEN REICHES AUSGEFERTIGT.

Im Jahre 1944 waren im Schloßberg-Hotel 30–40 Schüler im Rahmen der Kinderlandverschickung untergebracht. Diese Verschickung erfolgte seit dem 27. September 1940 nach einem Rundschreiben Martin Bormanns mit dem Vermerk „Auf Anordnung des Führers“. Die Durchführung der Aktion wurde von der HJ-Führung organisiert und hatte zur Aufgabe, die Kinder aus den bombengefährdeten Gebieten in „friedlicher“ Umgebung zu schützen. So wurde das KLV-Lager im Schloßberg-Hotel von Schülern mit ihren Lehrern durch das Düsseldorfer Lessing-Gymnasium belegt. Das Hotel wurde damals von Familie Schildbach geführt.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schwarzburg
Unterzeichnung der Reichsverfassung 1919 durch Reichspräsident Ebert

Entwicklung der Einwohnerzahl der Gemeinde

  • 1895: 703
  • 1994: 742
  • 1995: 735
  • 1996: 728
  • 1997: 707
  • 1998: 708
  • 1999: 707
  • 2000: 698
  • 2001: 688
  • 2002: 689
  • 2003: 665
  • 2004: 645
  • 2005: 619
  • 2006: 609
  • 2007: 578
  • 2008: 569
  • 2009: 562
  • 2010: 542
  • 2011: 535
  • 2012: 542
  • 2013: 532
  • 2014: 554
Datenquelle: Thüringer Landesamt für Statistik[4]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schloss Schwarzburg: links das Zeughaus, rechts das Schlossgebäude
Ehrenhain des Schwarzburgbundes

Das Schloss Schwarzburg war seit dem 12. Jahrhundert Stammsitz der Grafen von Schwarzburg. Nach wiederholten Aufteilungen in verschiedene Linien entstanden 1599 die zwei Hauptlinien Schwarzburg-Sondershausen (1909 erloschen) und Schwarzburg-Rudolstadt, die 1697 und 1710 in den Reichsfürstenstand erhoben wurden. Schwarzburg gehörte bis 1918 zur Oberherrschaft des Fürstentums Schwarzburg-Rudolstadt. Das renovierte Zeughaus des Schlosses war anlässlich des Jubiläums "125 Jahre Schwarzburgbund" (Pfingsten 2012) der Öffentlichkeit vorübergehend zugänglich. Das Schlossgebäude wurde renoviert.

Im ehemaligen Pädagogium (Privatschule von 1919, die zur mittleren Reife und zum Abitur führte) wurde 1946 eine Landesforstschule eingerichtet. 1950 wurde sie Fachschule, 1968 Ingenieurschule, seit 1992 Fachhochschule für Forstwirtschaft. Die Fachhochschule wurde durch die Freistaaten Sachsen und Thüringen als verwaltungsinterne Ausbildungsstätte für den gehobenen Forstdienst gemeinsam betrieben und mit Ausbildungsende des letzten Studienjahrgangs 2008 geschlossen. Im Norden von Schwarzburg befindet sich der frei zugängliche „Forstbotanische Garten Schwarzburg“.

Etwas oberhalb der Stadt liegt das Bahnhofsgebäude von 1900, es ist das schönste und aufwendigste der Schwarzatalbahn. Das Dach ist mit farbig glasierten Ziegeln gedeckt. An der Westseite wurde für die Schwarzburger Fürsten ein separater Anbau errichtet. Das Empfangsgebäude ist seit dem 1. Juni 1992 geschlossen und fungiert nach der Wiedereröffnung der Strecke nur noch als Haltepunkt. Es wurde von der Firma Faller als Modell nachgebaut.

In der Nähe des Ortseinganges zum unteren Tal Schwarzburgs befindet sich der öffentliche Zugang zum sogenannten Ehrenhain. Es finden sich hier zwei Gedenksteine. Einmal für die Gefallenen der Gemeinde und zum anderen für die des Schwarzburgbundes.

Des Weiteren bietet Schwarzburg Hobbyfischern (Forellen, Fliegenfischen) ein reichhaltiges Angebot zu günstigen Konditionen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Friedrich Ebert in Schwarzburg. Aus Anlaß des 75. Jubiläums der Unterzeichnung der Weimarer Verfassung (= Rudolstädter Heimathefte. Sonderausgabe. ZDB-ID 2292488-7). Landkreis Rudolstadt, Rudolstadt 1994.
  • Ludwig Friedrich Hesse: Rudolstadt und Schwarzburg nebst ihren Umgebungen. Historisch und topographisch dargestellt (= Taschenbuch der Geschichte u. Topographie Thüringens gewidmet. Bändchen 1). Verlag der Hof-Buch- u. Kunst-Handlung, Rudolstadt 1816, (Digitalisat).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schwarzburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerung der Gemeinden vom Thüringer Landesamt für Statistik (Hilfe dazu).
  2. Richard Müller-Freienfels (Hrsg.): Briefe an Frau von Stein. Mit dem Tagebuch aus Italien und Briefen der Frau von Stein (= Sonderreihe des Volksverbandes der Bücherfreunde. 9, ZDB-ID 2015270-X). Band 1. Wegweiser-Verlag, Berlin 1923, S. 137.
  3. Arthur Barth: Meine Universitätszeit. Corpsbericht der Franconia zu Jena, Winter-Semester 1930/31, S. 26
  4. Thüringer Landesamt für Statistik: Gemeinde Schwarzburg abgerufen am 2. August 2014