Schwarze Krähenbeere

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Schwarze Krähenbeere
Schwarze Krähenbeere (Empetrum nigrum)

Schwarze Krähenbeere (Empetrum nigrum)

Systematik
Asteriden
Ordnung: Heidekrautartige (Ericales)
Familie: Heidekrautgewächse (Ericaceae)
Unterfamilie: Ericoideae
Gattung: Krähenbeeren (Empetrum)
Art: Schwarze Krähenbeere
Wissenschaftlicher Name
Empetrum nigrum
L.

Die Schwarze Krähenbeere (Empetrum nigrum) ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Krähenbeeren (Empetrum). Standorte der Krähenbeere sind Sandheiden, Moorheiden, Hochmoorränder. Diese Art ist in den Alpen sehr selten, sie wird dort von der Zwittrigen Krähenbeere (Empetrum hermaphroditum) vertreten. Die Schwarze Krähenbeere ist zirkumpolar verbreitet. Der Name Krähenbeere leitet sich durch die Verdauungsverbreitung durch Krähen ab. Die schwarzen Früchte sind essbar.

Beschreibung[Bearbeiten]

Illustration
Krähenbeere mit reifer Frucht
Samen

Die Schwarze Krähenbeere (Empetrum nigrum) ist der Zwittrigen Krähenbeere (Empetrum hermaphroditum) sehr ähnlich.

Vegetative Merkmale[Bearbeiten]

Die Schwarze Krähenbeere ist ein niederliegender, immergrüner, teppichbildender Zwergstrauch, der Wuchshöhen von bis zu 50 Zentimetern erreicht. Die einzelnen Sträucher können über 80 Jahre alt werden.

Die nadelartig rinnigen Laubblätter sind bis zu 6 Millimeter lang und etwa 2 Millimeter breit und sind am Blattrand umgerollt.

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Generative Merkmale[Bearbeiten]

Die Schwarze Krähenbeere ist vorwiegend zweihäusig getrenntgeschlechtig (diözisch). Die Farbe der eher unscheinbaren, eingeschlechtigen Blüten ist bei den männlichen blassrosafarben und bei den weiblichen purpurfarben.

Es werden beerenartige Steinfrüchte gebildet.

Die Schwarze Krähenbeere (Empetrum nigrum ) besitzt die Chromosomenzahl 2n = 26, während die Zwittrige Krähenbeere (Empetrum hermaphroditum) die Zahl 2n = 52 hat.[1]

Bei guten Bedingungen wächst die Krähenbeere flächendeckend
Krähenbeerbestand in einem Moor
Braundünen auf Spiekeroog. Auf den mittlerweile versauerten Böden überzieht die Krähenbeere in großen dunkelgrünen Teppichen die Nordhänge der Dünen.

Ökologie und Phänologie[Bearbeiten]

Die Schwarze Krähenbeere ist ein Wurzelkriecher. Die Schwarze Krähenbeere bildet eine Mykorrhiza vom Ericaceen-Typ aus. Die auf der Blattunterseite befindlichen Spaltöffnungen stehen nur durch einen schmalen Spalt mit der Außenluft in Verbindung, dies wohl eher eine Anpassung an die Mineralsalzarmut des Bodens darstellt als eine Anpassung an die Trockenheit.

Die Blüten werden schon im Spätsommer für das nächste Jahr angelegt. Die Blütezeit reicht von Mai bis Juni. Blütenökologisch handelt es sich bei der Schwarzen Krähenbeere um nektarreiche „Scheibenblumen“. Bestäuber sind Bienen und Schwebfliegen; auch Windbestäubung ist möglich.

Bis Mitte Juli wachsen zahlreiche schwarze, beerenartige Steinfrüchte heran. Diese unterliegen der Verdauungsausbreitung beispielsweise durch Krähen.

Vorkommen[Bearbeiten]

Die Schwarze Krähenbeere ist auf die Nordhalbkugel zirkumpolar weitverbreitet. In Europa erstreckt sich das Verbreitungsgebiet von Nord- über Mitteleuropa südwärts bis zu den Pyrenäen, dem mittleren Teil des Apennins und bis Bulgarien.

Sie gedeiht am besten auf torfig-sandigen Böden in ausgesprochen luftfeuchtem und wintermildem Klima. In den Alpen kommt die Schwarze Krähenbeere in Höhenlagen von bis zu 2800 Metern im Berner Oberland vor. In den Nordalpen bis liegt die Höhengrenze bei 2200 Meter, während die Zwittrige Krähenbeere in den Allgäuer Alpen im Tiroler Teil an der Rothornspitze bis in eine Höhenlage von 2300 Meter aufsteigt[2]. Pflanzensoziologisch gedeiht sie vor allem in Gesellschaften der Oxycocco-Sphagnetea, des Genistion pilosi, in Küstennähe in Gesellschaften des Empetrion nigri.[1]

In Deutschland kommt die Schwarze Krähenbeere in den Mittelgebirgen Rhön, Eifel, Harz Thüringer Wald und im Bayerischen Wald vor. An der Norddeutschen Küste besiedelt Dünen an den Küsten von Nord- und Ostsee. Im Tiefland findet man die Art zerstreut und oft bestandsbildend an trockeneren Stellen in Hochmooren. Vereinzelt ist die Art im Harz, im Thüringer Wald, im Fichtelgebirge und anderen Randgebirgen des Böhmischen Beckens sowie im Schwarzwald anzutreffen.

Verwendung[Bearbeiten]

Die Früchte schmecken säuerlich bitter und wirken aufgrund ihres Gehaltes an Andromedotoxin leicht berauschend und Schwindel erregend.

Die Früchte sind roh und gekocht essbar. Die in Nordeuropa vorkommenden Formen mit größeren und aromatisch schmeckenden Beeren werden insbesondere nach Frost in größeren Mengen verzehrt. Die Sami lassen sie in Milch einfrieren als Vorrat für den Winter, die Eskimos essen sie als Delikatesse vermischt mit breiartig zerschlagener Dorschleber, in Island bewahrt man sie in saurer Milch auf oder trinkt den Fruchtsaft und auf Grönland verzehrt man sie mit Seehundspeck vermengt. In Norwegen bereitet man Wein daraus.

In der Volksmedizin wurden Beeren wegen ihres hohen Gehaltes an Vitamin C gegen Skorbut und dank ihres Gerbstoffgehaltes gegen Durchfall verwendet.

Giftigkeit[Bearbeiten]

Die ganze Pflanze ist wenig giftig; in den skandinavischen Ländern und in Nordrussland gelten die Früchte roh und verarbeitet als genießbar.

Hauptwirkstoffe sind: Ursolsäure, Rutin, Quercetin, Isoquercetin und Ellagsäure; auch Andromedotoxin kommt in der Pflanze vor.

Vermutlich sind bei den örtlichen Rassen starke Schwankungen der Inhaltsstoffe festzustellen. Bienenhonig von Empetrum-Arten kann im Extremfall Gastroenteritis und kardiale Komplikationen hervorrufen.

Trivialnamen[Bearbeiten]

Für die Schwarze Krähenbeere bestehen bzw. bestanden auch die weiteren deutschsprachigen Trivialnamen: Affenbeere (Pommern, Schlesien), Apenbär (Mecklenburg, Brocken), Apfra, Appenbeere (Mark), Beerenheide (Niedersachsen), Besheide (holländisch), Felsenstrauch, Fulbeeren, Gichtkraut, Grambeeren, Heidbeere (Unterweser), Heidelbeere, Hirtenbeeren (Graubünden im Rheinwald), Kränbeeren (Ostpreußen), Krähenbeere (Preußen, Schlesien), Moorheide (Mark), Nebelbeere (Pongau), Rausch (Österreich), schwarzer Rauschbeerenstrauch (Österreich), Steinbeere, Steinheide, Stoanhadach (Kärnten), Strickbeeren, Trinkelbeeren, Trunkelbeere (Erzgebirge) und gülden Wiederthon (Erzgebirge).[3]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Xaver Finkenzeller, Jürke Grau: Alpenblumen. Erkennen und bestimmen (= Steinbachs Naturführer). Mosaik, München 2002, ISBN 3-576-11482-3.
  •  Manfred A. Fischer, Wolfgang Adler, Karl Oswald: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 2., verbesserte und erweiterte Auflage. Land Oberösterreich, Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz 2005, ISBN 3-85474-140-5.
  •  Oskar Sebald, Siegmund Seybold, Georg Philippi (Hrsg.): Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs. 2. erweiterte Auflage. Band 2: Spezieller Teil (Spermatophyta, Unterklasse Dilleniidae): Hypericaceae bis Primulaceae, Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 1993, ISBN 3-8001-3323-7.
  •  Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder. Die häufigsten mitteleuropäischen Arten im Porträt. 7., korrigierte und erweiterte Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2011, ISBN 978-3-494-01424-1.
  •  Lutz Roth, Max Daunderer, Kurt Kormann: Giftpflanzen – Pflanzengifte. Giftpflanzen von A-Z. Notfallhilfe. Vorkommen. Wirkung. Therapie. Allergische und phototoxische Reaktionen. 4. Auflage. Nikol, Hamburg 2000, ISBN 3-933203-31-7 (Nachdruck von 1994).
  • Peter Schütt, Hans Joachim Schuck, Bernd Stimm (Hrsg.): Lexikon der Baum- und Straucharten. Das Standardwerk der Forstbotanik. Morphologie, Pathologie, Ökologie und Systematik wichtiger Baum- und Straucharten. Nikol, Hamburg 2007, ISBN 978-3-933203-53-3 (Nachdruck von 1992).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b  Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. Unter Mitarbeit von Angelika Schwabe, Theo Müller. 8., stark überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 728.
  2. Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 2. IHW-Verlag, Eching bei München, 2004. ISBN 3-930167-61-1
  3. Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, Seite 139.(online).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schwarze Krähenbeere (Empetrum nigrum) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien