Schwarze Pumpe

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Dieser Artikel behandelt den Ort. Zum Industriestandort siehe Industriepark Schwarze Pumpe, zum dortigen Kraftwerk siehe Kraftwerk Schwarze Pumpe.

Koordinaten: 51° 31′ 16″ N, 14° 19′ 58″ O

Stadt Spremberg
Einwohner: 1900 (31. Dez. 2012)
Eingemeindung: 27. September 1998
Postleitzahl: 03130
Vorwahl: 03564

Schwarze Pumpe (niedersorbisch Carna Plumpa) ist ein Ortsteil der brandenburgischen Stadt Spremberg im Landkreis Spree-Neiße.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenkstein des Gasthofes „Zur schwarzen Pumpe“

Erste Hinweise auf den Ort Schwarze Pumpe findet man in der 1852 erschienenen Chronik der Stadt Hoyerswerda. Darin wird eine in einer Viertelstunde Entfernung vom Dorf Terpe befindliche Gaststätte „Zur Schwarzen Pumpe“ erwähnt. In einer Landkarte vom Landkreis Spremberg, die 1880 erschien, ist für den heutigen Ort Schwarze Pumpe außer der erwähnten Gaststätte, einem Chausseehaus und zwei Ziegeleien fast keinerlei Bebauung erkennbar.

Über die namentliche Herkunft der Gaststätte „Zur schwarzen Pumpe“, auch Namensgeber des heutigen Ortsteiles, gibt es verschiedene Überlieferungen und Legenden, die auf die Zeit des Dreißigjährigen Krieges zurückgehen. Eine Legende besagt, dass Friedrich Wilhelm von Brandenburg (der Große Kurfürst) beim Gasthof eine Pferdetränke errichten ließ. Zum Schutz vor feindlichen Söldnerhorden wurde die Pumpe des Gasthofes schwarz angestrichen, das damalige Symbol für die Pest. Mit dieser List erhoffte man sich, die feindlichen Truppen auf Distanz halten zu können.

Eine andere Legende besagt, dass der kaiserliche Feldherr Wallenstein im Jahre 1626 hier vorbeizog, als die Pest tatsächlich im nahegelegenen Spremberg wütete und die Pumpe im Gasthof deshalb schwarz angestrichen wurde. Da die Chaussee von Spremberg in Richtung Hoyerswerda direkt durch das Gehöft des Gasthofes verlief, war dieser ein zentraler Anlaufpunkt und Raststation. Auch August II. von Polen (August der Starke) soll bei seinen Fahrten zwischen seinen Residenzen in Sachsen und Polen mehrmals hier eingekehrt sein.

Durch die zunehmende Industrialisierung und aufkommende Bergbautätigkeit in der Region wurden – ausgehend vom Gasthof – nach und nach weitere Siedlungsbauten rechts und links der Chaussee errichtet. So entstand in der damaligen Gemeinde Terpe eine neue Siedlung, die „Kolonie Pumpe“ genannt wurde. Im 1878 erschienenen Adressbuch der Stadt Spremberg ist diese Siedlung noch nicht separat aufgeführt, sondern lediglich unter „Terpe mit der schwarzen Pumpe“ zu finden. 113 von 598 Einwohnern der Gemeinde Terpe lebten laut diesem Verzeichnis in der Kolonie Pumpe. Ab 1908 konnten Kinder der Kolonie, die bis dahin noch in der Gemeinde Terpe eingeschult wurden, eine Schule in der eigenen Siedlung besuchen. 1918 wurden erste Telefonanschlüsse gelegt. Im Jahre 1916 (anderen Quellen zufolge 1920/22) brannte der namensgebende Gasthof ab und wurde später unweit dieser Stelle neuerrichtet. In der Folgezeit wurden weitere Wohn- und Geschäftsbauten errichtet, und die Kolonie weitete sich entlang der Chaussee Spremberg–Hoyerswerda beträchtlich aus. Hauptarbeitgeber war zu dieser Zeit die Braunkohlengrube „Brigitta“ in Spreetal unweit der Kolonie Schwarze Pumpe. Mitte der dreißiger Jahre gab es bereits 111 Häuser. Die Einwohnerzahl war Anfang 1937 auf 623 angewachsen. Auf Grund des zunehmenden Verkehrsaufkommens wurde die Chaussee zur Reichsstraße hochgestuft. Auf Anordnung des Regierungspräsidenten in Frankfurt/Oder war die Straßenbebauung einzustellen. Eine weitere Bebauung fand danach auf der Fläche westlich der Reichsstraße, der heutigen Ringstraße, statt. In der Zeit des Nationalsozialismus regte sich Widerstand gegen das Regime. Drei Einwohner des Ortsteils Brigittenhof hatten Flugblätter verteilt, wurden aber entdeckt und 1935 zu hohen Zuchthausstrafen verurteilt. Einer von ihnen, Fritz Schulz, wurde 1945 in der Strafanstalt Brandenburg-Görden ermordet. Nach ihm ist eine Straße benannt.

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs kam es auch in der Kolonie Schwarze Pumpe, wie fast im gesamten Reich, zur Unterbrechung der Entwicklung und des Aufbaus der Kolonie. Am 20. April 1945 lieferten sich in der Kolonie Schwarze Pumpe vorrückende russische und polnische Truppenteile und sich zäh verteidigende deutsche Einheiten schwere Gefechte. Dadurch waren nicht nur erhebliche Schäden an Wohnbebauung, Handwerksbetrieben und Stallungen zu beklagen, sondern auch Verluste auf beiden Seiten.

1946–2001[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 30. April 1959 versammelten sich die Beschäftigten vor dem Beginn des Probebetriebs.

1949 wurde ein sowjetisches Ehrenmal für die 108 Sowjetsoldaten errichtet, die bei den Kämpfen um Schwarze Pumpe gefallen waren. Dieses Ehrenmal wurde genau an der Stelle errichtet, wo sich bis 1916 der ursprüngliche Gasthof „Schwarze Pumpe“ befunden hatte.

Auf Grundlage eines Ministerratsbeschlusses vom 23. Juni 1955 wurde im selben Jahr mit den ersten Maßnahmen zum Aufbau des später als Gaskombinat Schwarze Pumpe bekannten Kohleveredlungsbetriebes begonnen. Den ersten Spatenstich führte der damalige Minister für Schwerindustrie Fritz Selbmann durch.

Am 5. August 1959 wurde durch Beschluss des Kreistages Spremberg die Gemeinde Terpe in Gemeinde Schwarze Pumpe umbenannt. Das Gaskombinat Schwarze Pumpe entwickelt sich durch den immer weiter steigenden Bedarf in der DDR zum damals größten Braunkohleveredlungsbetrieb der Welt.

Mit dem Ende der DDR wurden ab 1992 die veralteten Anlagen des Gaskombinats Schwarze Pumpe schrittweise stillgelegt und das Gelände in den Industriepark Schwarze Pumpe umgewandelt. Im nördlichen Teil des Geländes, nur wenige hundert Meter östlich des Ortes, entstand von 1993 bis 1998 das neue Kraftwerk Schwarze Pumpe. Am 27. September 1998 wurde die bis dahin selbstständige Gemeinde Schwarze Pumpe zusammen mit Sellessen in die Stadt Spremberg eingemeindet.[1] 2001 wurde der Unterricht des Erwin-Strittmatter-Gymnasiums hierher für ein volles Jahr ausgelagert.

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Evangelisches Gemeindehaus

Das evangelische Gemeindehaus wurde von 1963 bis 1966 erbaut und 1995 um einen freistehenden Glockenturm bereichert. Seit 2002 gehört das Gemeindehaus zur Auferstehungskirchgemeinde Spremberg der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz.[2]

Die katholische St.-Michael-Kirche ist nach dem Erzengel Michael benannt, sie wurde von 1951 bis 1953 erbaut und gehört seit 2004 als Filialkirche zur Pfarrei St. Benno mit Sitz in Spremberg im Bistum Görlitz.[3][4]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gedenkanlage mit Gedenkstein für die Opfer des Faschismus und für den Kommunisten Ernst Thälmann an der Fritz-Schulz-Straße im Ortsteil Brigittenhof
  • Der ostdeutsche Sänger und Pop-Poet Gerhard Gundermann würdigte den Ort Schwarze Pumpe mit einem Lied Namens Es ist Sonntag in Schwarze Pumpe, erschienen auf dem Album Frühstück für immer.

Verkehrsanbindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Straßenanbindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch Schwarze Pumpe führen von Nord nach Süd die Bundesstraße 97 (GubenDresden) und von West nach Ost die Bundesstraße 156 (GroßräschenBautzen). Ab dem zentralen Kreuzungspunkt „Berliner Kreuzung“ in Spremberg bis etwa zur Mitte der Ortslage Schwarze Pumpe sind auf einer Länge von ca. 6 km beide Bundesstraßen zu einer gemeinsamen Straße vereint.

Zur Entlastung des innerstädtischen Verkehrsaufkommens wurde eine 12,5 km lange Umgehungsstraße von der Bundesstraße 97 aus Richtung Cottbus kommend kurz vor dem Ortseingang Spremberg beginnend, mit westlicher Umgehung des Stadtgebietes, gebaut. Hinter der Ortslage Schwarze Pumpe trifft die Umgehungsstraße dann wieder auf die Bundesstraße 97. Die Inbetriebnahme erfolgte am 16. September 2011.

Die nächstgelegene Autobahnanbindung ist die 17 km nördlich befindliche Anschlussstelle Cottbus-Süd der A 15 (Grenzübergang Bademeusel–Dreieck Spreewald). Als Alternativanbindung ist die Anschlussstelle Großräschen der A 13 (Kreuz SchönefeldDreieck Dresden-Nord) westlich von Spremberg in ca. 38 km Entfernung zu sehen.

Bahnanbindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schwarze Pumpe besitzt heute keine aktive Bahnanbindung mehr. Die Mitte der 1980er Jahre noch aufwendig sanierte und elektrifizierte Bahnstrecke Knappenrode–Sornoer Buden Senftenberg–Schwarze Pumpe–Hoyerswerda sowie Schwarze Pumpe–Spreewitz ist zwar weitestgehend zweigleisig angelegt worden, der Verkehr kam aber Anfang der 1990er Jahre im Zuge des Strukturwandels und neuer Tagebauerschließungen wieder zum Erliegen. Der Bahnhof Schwarze Pumpe war mit zwei überdachten Mittelbahnsteigen großzügig angelegt worden. Das Bahnhofsgebäude ähnelt dem von Potsdam Pirschheide.

Radfahren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Spremberg und Umgebung verfügt über ein ausgezeichnetes gut ausgebautes und ausgeschildertes Radwandernetz. Durch Spremberg selbst führen sowohl überregionale Radwanderwege wie der „Spreeradweg“ oder die „Niederlausitzer Bergbautour“ als auch regionale Touren wie die „Strittmattertour“.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bekanntheit erlangte Schwarze Pumpe durch die damalige Werksfußballmannschaft BSG Aktivist Schwarze Pumpe.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heimatkalender der Stadt Spremberg und Umgebung

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schwarze Pumpe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1998
  2. http://www.spremberg-evangelisch.de/auferstehung/gebaeude-historie/schwarze-pumpe-terpe
  3. http://www.st-benno-spremberg.de/michael.htm
  4. http://www.tdh-online.de/archiv_1996_bis_2007/artikel/1514.php