James Schwarzenbach

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James Schwarzenbach im Mai 1970
James Schwarzenbach (1970)

James Eduard Schwarzenbach[1] (* 5. August 1911 in Rüschlikon; † 27. Oktober 1994 in St. Moritz) war ein zuerst frontistischer und später rechtspopulistischer Schweizer Publizist und Politiker (Nationale Front,[2] Republikanische Bewegung bzw. Nationale Aktion). Vom 12. Dezember 1967 bis zum 28. Februar 1979 vertrat er den Kanton Zürich im Nationalrat.[3]

Herkunft und Beruf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

James Schwarzenbach entstammte einer protestantischen Textilindustriellenfamilie aus dem Kanton Zürich. Die antifaschistische Schriftstellerin Annemarie Schwarzenbach war seine Cousine, ihre Mutter Renée Schwarzenbach-Wille seine Tante. 1933 konvertierte er zum unter dem Einfluss des rechtskonservativen Freiburger Intellektuellen Gonzague de Reynold zum Katholizismus[4]. Eine wichtige Rolle dabei dürfte auch der Zürcher Jesuitenpater P.Josef Gutzwiller SJ (26. Mai 1896 – 29. Mai 1958), der als Studentenseelsorger in Zürich arbeitete[5]. Schwarzenbach erwähnt ihn namentlich in seinen Tagebüchern.[6]

Er war Autor und Verleger mit seinem Thomas-Verlag, der die Autobiografie des geflüchteten sowjetischen Diplomaten Wiktor Andrejewitsch Krawtschenko publizierte. Ein Teil der Veröffentlichungen des Thomas-Verlags war antisemitisch.[7][8]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In seiner Jugend war Schwarzenbach Mitglied der Nationalen Front, welche die nationalsozialistische Ideologie verherrlichte.[9] Aktenkundig ist ein Vorfall vom 16. November 1934 in Zürich, als Schwarzenbach mit einer Gruppe von Frontisten eine Vorführung des Cabarets Pfeffermühle störte. Es sei Zeit zu zeigen, dass für Emigranten und Juden, die das Gastrecht missbrauchten, in der Schweiz kein Platz sei.[10] Zudem war er ein Verehrer des spanischen Diktators Franco.[8] Später wurde er Parteichef der Nationalen Aktion. Von den Wahlen 1967 bis 1979 gehörte er dem Nationalrat an und war 1971 bis 1974 Fraktionspräsident.[11] 1971 gründete er die Republikanische Partei der Schweiz.[12]

Mit der Nationalen Aktion gegen die Überfremdung von Volk und Heimat[13] lancierte er 1968 die sogenannte «Schwarzenbach-Initiative».[14] Er wollte die Schweiz vor «Überfremdung» schützen, indem der Anteil ausländischer Bevölkerung in jedem einzelnen Kanton die 10-%-Hürde nicht hätte überschreiten dürfen. Genf wäre die einzige Ausnahme gewesen, wo ein Anteil von 25 % Ausländern erlaubt gewesen wäre. Der Abstimmungskampf verlief sehr emotional und riss zum Teil tiefe Gräben auf. Wäre die Initiative angenommen worden, hätten 300'000 bis 400'000 Menschen ausgewiesen werden müssen.[15]

Schwarzenbach galt als hervorragender Redner und erster Schweizer Politiker, der die Strategie des Rechtspopulismus auszuspielen verstand. Er präsentierte sich gern als Einzelkämpfer. An den meisten Podiumsdiskussionen zu seiner Initiative trat er als einziger Befürworter auf. Das Begehren wurde am 7. Juni 1970 mit 54 Prozent Nein- zu 46 Prozent Ja-Stimmen abgelehnt[16], wobei es in acht Kantonen eine Ja-Mehrheit gab.[17]

Die Familie Schwarzenbach ist auch Gegenstand eines dokumentarischen Romans der Schweizer Autorin Eveline Hasler aus dem Jahr 2015: Stürmische Jahre: Die Manns, die Riesers, die Schwarzenbach.[18]

Nachlass[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

James Schwarzenbach hat 1984 dem Schweizerischen Sozialarchiv seine persönlichen Unterlagen aus der Zeit der Überfremdungsinitiative überlassen. Der neun Laufmeter umfassende Bestand beinhaltet die umfangreiche Korrespondenz Schwarzenbachs aus der Zeit seiner aktiven politischen Karriere, Zeitungsartikel und Propagandamaterial zur Schwarzenbach-Initiative, Akten zu Schwarzenbachs parteipolitischer und parlamentarischer Tätigkeit, Vorträge, Reden und Rezensionen sowie Unterlagen zu mehreren Gerichtsprozessen, in die Schwarzenbach verwickelt war. 1986 wurde der Bestand ergänzt durch die Akten der Republikanischen Bewegung, die Schwarzenbachs Sekretär und spätere SVP-Nationalrat Ulrich Schlüer ablieferte.[19] Diese umfangreichen Unterlagen sind öffentlich und können vor Ort eingesehen werden.[20] Seit 2020 ist auch das Tagebuch von James Schwarzenbach vor 1945 zugänglich. Es befindet sich im Archiv für Zeitgeschichte der ETH-Zürich. Es enthält private Notizen und war zunächst gesperrt. Dokumente und Akten finden sich auch im Schweizerischen Bundesarchiv in Bern sowie im Stadtarchiv Zürich. Mehrere dieser Dokumente sind in einem Artikel des Tages-Anzeigers vom 6. Juni 2020 abgedruckt.[10]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Dichter zwiespältigen Lebens François Mauriac. Benziger Verlag, Einsiedeln 1938.
  • Schultheiss von Steiger. Ein historisches Schauspiel in fünf Akten. Sauerländer, Aarau 1943(?).
  • Die Stunde des Bürgertums. Thomas-Verlag, Zürich 1953.
  • Dolch oder Degen. Ein Kaleidoskop unserer Zeit. Zürich 1964.
  • Der Regimentsarzt. Roman aus dem Engadin. Thomas-Verlag, Zürich 1965.
  • Die Überfremdung der Schweiz, wie ich sie sehe. Verlag der Republikaner, Zürich 1974.
  • Im Rücken das Volk. Thomas-Verlag, Zürich 1980 (Autobiografie).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dokumentarfilme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Who’s Who in Switzerland, including the Principality of Liechtenstein. 14. Ausgabe (1984–1985), S. 491.
  2. Walter Wolf: Nationale Front. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 7. September 2010.
  3. Ratsmitglied ansehen. Abgerufen am 10. Juni 2020.
  4. Carl Holenstein. Mit dem Rücken zur Zukunft. 1971, S. 9
  5. Carl Doka: In Memoriam P.Richard Gutzwiller. In: Orientierung. Katholische Blätter für weltanschauliche Information. Nr. 11. Zürich 15. Juni 1958, S. 121 -124 (orientierung.ch [PDF]).
  6. Stefan Keller: Die Lust. Der Antichrist. In: Die Wochenzeitung WOZ. Zürich 4. November 1994, S. 40.
  7. Susanne Peter-Kubli: Schwarzenbach, James. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  8. a b Anna Jikhareva: Schwarzenbachs langer Schatten. Die Wochenzeitung, 4. Juni 2020, abgerufen am 4. Juni 2020.
  9. Walter Wolf: Nationale Front. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 7. September 2010.
  10. a b Andreas Tobler: 50 Jahre Überfremdungsinitiative – Er erfand den Schweizer Rechtspopulismus. In: Tages-Anzeiger. 6. Juni 2020, abgerufen am 6. Juni 2020. (Archiv-Dokumente (PDF))
  11. Fraktionspräsidien seit 1917. In: parlament.ch. Abgerufen am 23. Mai 2020.
  12. «James war ein Meister der Demagogie, ein Superpopulist» – ein Gespräch mit François Schwarzenbach über seinen Onkel und dessen Initiative, die die Schweiz spaltete In: Neue Zürcher Zeitung vom 5. Juni 2020
  13. Cenk Akdoganbulut: Von «guten» und «schlechten» Ausländern. In: Saiten. 16. Februar 2017, abgerufen am 23. Dezember 2018.
  14. Bundeskanzlei BK: Politische Rechte. Abgerufen am 23. Dezember 2018.
  15. Die Schweiz und die «Überfremdung». In: Saiten. 20. März 2017, abgerufen am 23. Dezember 2018.
  16. Jens Renner: Schweizerangst. In der: WOZ. 8. Juli 2004.
  17. Nämlich in Bern, Freiburg, Luzern, Nidwalden, Obwalden, Schwyz, Solothurn und Uri.
  18. Verlag Nagel & Kimche AG Zürich.: Stürmische Jahre Die Manns, die Riesers, die Schwarzenbachs. Nagel & Kimche, Zürich 2015, ISBN 978-3-312-00668-7.
  19. Vor 50 Jahren: Die Schwarzenbach-Initiative. Abgerufen am 6. Juni 2020.
  20. Ar 108 Schwarzenbach, James (1911-1994). Abgerufen am 6. Juni 2020.