Schwarzenfeld

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum deutschen Journalisten siehe Horst Schreitter-Schwarzenfeld.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen des Marktes Schwarzenfeld
Schwarzenfeld
Deutschlandkarte, Position des Marktes Schwarzenfeld hervorgehoben
Koordinaten: 49° 23′ N, 12° 8′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberpfalz
Landkreis: Schwandorf
Verwaltungs­gemeinschaft: Schwarzenfeld
Höhe: 364 m ü. NHN
Fläche: 38,27 km²
Einwohner: 6244 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 163 Einwohner je km²
Postleitzahl: 92521
Vorwahl: 09435
Kfz-Kennzeichen: SAD, BUL, NAB, NEN, OVI, ROD
Gemeindeschlüssel: 09 3 76 163
Marktgliederung: 19 Ortsteile
Adresse der
Marktverwaltung:
Viktor-Koch-Str. 4
92521 Schwarzenfeld
Webpräsenz: www.schwarzenfeld.de
Bürgermeister: Manfred Rodde (CSU)
Lage des Marktes Schwarzenfeld im Landkreis Schwandorf
Altendorf Bodenwöhr Bruck in der Oberpfalz Burglengenfeld Dieterskirchen Fensterbach Gleiritsch Guteneck Maxhütte-Haidhof Nabburg Neukirchen-Balbini Neunburg vorm Wald Niedermurach Nittenau Oberviechtach Östlicher Neubäuer Forst Pfreimd Schmidgaden Schönsee Schwandorf Schwarzach Schwarzenfeld Schwarzhofen Stadlern Steinberg am See Stulln Teublitz Teunz Thanstein Trausnitz Wackersdorf Weiding Wernberg-Köblitz Winklarn Wolferlohe Bayern Landkreis Amberg-Sulzbach Landkreis Regensburg Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz Landkreis Cham Tschechien Landkreis Neustadt an der WaldnaabKarte
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Markt
Schwarzenfeld (2012)

Schwarzenfeld ist ein Markt im Oberpfälzer Landkreis Schwandorf und Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Schwarzenfeld.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schwarzenfeld liegt in der Region Oberpfalz-Nord am Zusammenfluss der Naab und der Schwarzach am nördlichen Ende des Oberpfälzer Seenlands. Höchste Erhebung ist der Miesberg mit der Dreifaltigkeitskirche (Grundsteinlegung der Kapelle 1691; 1721 wurde die Kapelle zu einer Kirche vergrößert, 1888 erhielt die Kirche den noch heute erhaltenen Turm) und dem Passionistenkloster (1934–1935 gegründet). Rund um die Anlage auf dem Miesberg führt ein Kreuzweg (1951 eingeweiht) entlang des Philosophenwegs; an diesem liegt auch die St.-Barbara-Aussichtskanzel. Zwischen Miesberg und Traunrichter Berg (Name vom Ortsteil Traunricht) liegt der Naabdurchbruch mit der Naabinsel (Schlosspark), gegenüber die von der A 93 überquerte Mündung der Schwarzach.

Auf dem Dachsberg sind Ausläufer des Pfahls sichtbar, eines sich zum Bayerischen Wald erstreckenden Quarzgestein-Felsenzugs von rund 150 km Länge.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schwarzenfeld hat 19 Ortsteile[2]:

Es gibt die Gemarkungen Pretzabruck, Schwarzenfeld, Sonnenried, Frotzersricht.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schwarzenfeld wird am 17. April 1015 erstmals in einer Schenkungsurkunde von Kaiser Heinrich II. an das Bistum Bamberg als Suarzinvelt erwähnt.

Schwarzenfeld gehörte zum Rentamt Amberg und zum Landgericht Nabburg des Kurfürstentums Bayern. Die Grafen von Holnstein besaßen hier ein Landsassengut mit niederer Gerichtsbarkeit. Der Ort besaß jedoch auch das Marktrecht mit wichtigen Eigenrechten. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde. 1890 wurde Schwarzenfeld zum Markt erhoben.

Zum Ende des Zweiten Weltkrieges im April 1945 begannen die Todesmärsche von KZ-Häftlingen aus dem KZ Flossenbürg in das KZ Dachau. Am 17. April 1945 wurden etwa 2000 jüdische Häftlinge mit dem Zug aus dem KZ Flossenbürg abtransportiert. Am 19. April 1945 um 7 Uhr erreichte der Zug den Ort Schwarzenfeld, wo dieser wieder von amerikanischen Fliegern angegriffen wurde. 200 SS-Soldaten gingen in Deckung und bewachten den Zug, dass die Häftlinge den Zug nicht verlassen. Einige Häftlinge versuchten bei diesem Luftangriff zu fliehen, die meisten von ihnen wurden dabei von SS-Bewachern getötet oder starben durch den Luftangriff. In den Waggons konnte man die Häftlinge vor Hunger schreien hören, aber die SS verhinderte, dass sie Essen von der Bevölkerung bekamen. Die verwundeten Häftlinge oder diejenigen, die zu schwach waren zum Marschieren wurden von der SS erschossen. 140 Tote blieben am Bahnhof in Schwarzenfeld zurück. Abends am 19. April verließen sie Schwarzenfeld aufgeteilt in zehn Kolonnen, die in zehnminütigen Intervallen abmarschierten. Einige Kolonnen hatten die Route Schwarzenfeld, Kemnath, Fuhrn genommen, andere die Route Schwarzenfeld, Asbach, Taxöldern. In Neunburg vorm Wald trafen sich die meisten wieder.[3] Als kurz darauf die Amerikaner nach Schwarzenfeld kamen, fanden sie die ersten Leichen. Die Amerikaner stellten der Gemeinde ein Ultimatum. Innerhalb von 48 Stunden mussten die Leichen exhumiert und unter der Mithilfe der Bevölkerung würdig bestattet werden, sonst wird der Ort zerstört. Die Leichen wurden im Friedhof in Schwarzenfeld bestattet, bis man sie 1957 nach Flossenbürg umbettete.

Durch den Zuzug vieler Vertriebener nach 1945 (insbesondere aus dem Sudetenland und Schlesien, aber auch Ostpreußen) wuchs nicht nur die Einwohnerzahl nach dem Zweiten Weltkrieg beträchtlich (1939: 3276 Einwohner, 1950 waren es 5664), sondern erfuhr der Ort auch einen beträchtlichen wirtschaftlichen und insbesondere kulturellen Aufschwung.

Zeittafel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schwarzenfeld im 19. Jahrhundert
  • 1015: Erste urkundliche Erwähnung
  • 1796: In Schwarzenfeld stehen sich die Parteien des 1. Koalitionskrieges, die Franzosen und Österreicher, gegenüber
  • 1890: Erhebung zum Markt
  • 1935: Klosterbau auf dem Miesberg
  • 1938: Errichtung der Keramischen Betriebe Buchtal als „Hermann-Göring-Werke“ mit Wohnsiedlung („Hermann-Göring-Siedlung“)
  • 1952: Die Grundsteine für die katholische Marienkirche und die protestantische Christuskirche werden gelegt
  • 1974: Verwaltungsgemeinschaft mit der Nachbargemeinde Stulln
  • 1977: Die Partnerschaft mit Straß in der Steiermark wird beschlossen und das neue Rathaus eingeweiht
  • 1978: Schwarzach b. Nabburg tritt der Verwaltungsgemeinschaft bei

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Januar 1972 wurden die bis dahin selbständige Gemeinde Pretzabruck und Teile der aufgelösten Gemeinde Frotzersricht eingegliedert.[4] Die Gemeinde Ebermannsdorf wurde in zwei Schritten aufgelöst. Das Gebiet der endgültig aufgelösten Gemeinde wurde am 1. Juli 1973 eingegliedert.[5] Am 1. Januar 1978 kam Sonnenried ohne den am 1. Oktober 1949 eingemeindeten Ort Rauberweiherhaus hinzu.[6]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1961: 5990
  • 1970: 6429
  • 1987: 5929
  • 2000: 6338
  • 2009: 6355
  • 2011: 6173
  • 2013: 6263

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marienkirche und das Rathaus in Schwarzenfeld (Oberpfalz)

Bürgermeister von Schwarzenfeld ist Manfred Rodde (CSU). Er wurde im Jahr 2002 Nachfolger von Josef Meier (Überparteiliche Wählergruppe) und 2008, mit knapp 82 %, in seine 2. Amtszeit gewählt. 2014 gelang mit hauchdünnen 51 % der Sieg gegen den ÜPW-Kandidaten Peter Neumeier (49 %).

Stellvertretende Bürgermeister sind Peter Neumeier (ÜPW) und Gerhard Peter (CSU).

Der Marktrat von Schwarzenfeld setzt sich zusammen aus dem Bürgermeister und 20 Markträten. Aktuell hat das Gremium folgende Besetzung:

  • CSU 7 Sitze (-3)
  • SPD 1 Sitz (-1)
  • Überparteiliche Wählergruppe (ÜPW) 5 Sitze (+2)
  • Siedlergemeinschaft Schwarzenfeld (Siedler) 3 Sitze (+1)
  • Christliche Wählergemeinschaft (CWG) 2 Sitze (+1)
  • Schwarzenfelder Wählergruppe (SWG) 2 Sitze (+1)

Die Wählergruppe "Frauen für Schwarzenfeld" trat nicht mehr an (-1).

CSU-CWG (9 Sitze + Bürgermeister) und ÜPW-Siedler-SWG (10 Sitze) bilden jeweils Fraktionsgemeinschaften.

Die Gemeindesteuereinnahmen betrugen im Jahr 1999 umgerechnet 2,85 Millionen Euro, davon betrugen die Gewerbesteuereinnahmen (netto) umgerechnet 625.000 Euro.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen Schwarzenfelds ist ein Entwurf des Volksschullehrers, Gemeinderats und Hobbykünstlers Karl Denk † von 1963.

Blasonierung: Durch einen silbernen Wellenbalken geteilt von Schwarz und Blau; oben eine durchgehende goldene Brücke mit Zollhaus, unten ein silberner Karpfen.

Im oberen Feld stilisierte Brücke mit Zollhäuschen in der Mitte ganz in Gelb vor schwarzem Grund (für Schwarzenfeld) über die Naab; die Brücke war Teil der bedeutenden Handelsstraße von Nürnberg nach Prag (genauer: der unter Karl IV. „Verbotenen Straße“, einem Alternativweg zur Goldenen Straße, der ab etwa 1490 vermehrt genutzt wurde). Die Naab wird darunter als stilisiertes Wellenband (schwarz-silbern) angedeutet. Im dadurch vom oberen Feld abgegrenzten unteren Teil des Wappens ein silberner Karpfen vor blauem Grund. Die Farben sind die der Grafen von Leuchtenberg, die das Gebiet lange Zeit beherrschten. Die spärlichen Schuppen auf dem Rücken des Karpfens zeigen einen „Spiegelkarpfen“, dieser symbolisiert die große Bedeutung der Karpfenzucht für den Ort.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1978 unterhält Schwarzenfeld offiziell eine Partnerschaft mit Straß in der Steiermark. Die Verbindung der beiden Märkte beruht auf einem Kuriosum: Postsendungen kamen oftmals nicht in Straß in Österreich, sondern in Schwarzenfeld an, da die beiden Orte seinerzeit die gleiche Postleitzahl 8472 hatten.

Aus dem eher durch administrative Zwänge entstandenen Kontakt der beiden Post-Dienststellen erwuchs die spätere Städtepartnerschaft.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick über den Grünen See Richtung Norden
Westfront der Miesbergkirche

Profanbauten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch: Liste der Baudenkmäler in Schwarzenfeld

Musik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schwarzenfelder Musiksommer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Schwarzenfelder Musiksommer mit alljährlich am letzten Juli-Wochenende stattfindenden Konzerten wurde von Prof. Josef Blank, Solo-Oboist im Orchester des Staatstheaters am Gärtnerplatz in München, ins Leben gerufen. Aufführungsorte waren die alte Pfarrkirche und der Garten des Passionistenklosters auf dem Miesberg. Nach einem Beschluss des Marktgemeinderates fand der Schwarzenfelder Musiksommer 2010 zum letzten Mal statt.

Oischnak Festival[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2000 wurde das Oischnak-Festival ins Leben gerufen. Bis zum Jahr 2002 fand es alljährlich in der Tyczka-Halle (einer ehemaligen Gasflaschenabfüllhalle) statt. Nachdem man die Kapazitäten der Industriehalle mit fast 900 Gästen endgültig gesprengt hatte, entschied man sich umzuziehen. Seit dem 27. September 2003 ist die Heimat des Oischnak-Festivals die Sportparkhalle in Schwarzenfeld. Seit 2003 zeichnet der Oischnak e. V. mit etwa 60 Mitgliedern für das Festival verantwortlich. Seit 2007 kehrte das Festival zu seinen Ursprüngen zurück und wurde seitdem wieder in der Tyczka-Halle veranstaltet. Die Tyczka-Halle wurde unterdessen abgerissen; auf dem ehemaligen Werksgelände entstand ein weiterer Supermarkt.

Musikalische Highlights der letzten Jahre:

Naab bei Schwarzenfeld

Sunpark Festival[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jeweils im Sommer der Jahre 2002 bis 2007 fand im Schwarzenfelder Schlosspark das Sunpark Festival statt, welches vom ortsansässigen Jugendverein SUCKeR e. V. organisiert wurde. Das Festival erfreute sich alljährlich einer großen Beliebtheit, zog Besucher aus Nah und Fern an und wurde kontinuierlich um mehrere Musikbereiche erweitert. Über 12.000 Besucher konnten in Schwarzenfeld bereits OpenAir-Festivalatmosphäre genießen. Neben regionalen Gruppen wie z. B. Rattle Gang, gongFM Band, Mary´s Cake oder Analog Rock traten überregional bekannte bzw. national bekannte Gruppen auf wie z. B. Natural Born Hippies, Chair-o-plane, DSDS-Gewinnerin Elli Erl, Anastasia, AK4711 oder Louis Osbourne (Sohn von Ozzy Osbourne).

Geschwister Winterer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zahlreiche Arbeitskräfte für das damalige Buchtal waren aus dem Bayerischen Wald zugewandert ("Waldler"), so auch der Vater der Geschwister Winterer, eines der bekanntesten Gesangsduos der Oberpfalz, dessen genuine Volksmusik weithin großes Ansehen genießt.[7][8]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Überblick; Land- und Forstwirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gab 1998 im Bereich der Land- und Forstwirtschaft drei, im Produzierenden Gewerbe 1412 und im Bereich Handel und Verkehr 202 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Ort. In sonstigen Wirtschaftsbereichen waren am Arbeitsort 334 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt, und es gab insgesamt 2094 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort. Im verarbeitenden Gewerbe gab es zwei, im Bauhauptgewerbe acht Betriebe.

Zudem bestanden im Jahr 1999 65 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 1696 ha; davon waren 1201 ha Ackerfläche.

Industrie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Johannes-Schacht, Wölsendorf, September 1951

Lange Zeit spielte in Schwarzenfelds Umland – wie auch in anderen Gegenden der Oberpfalz – der Bergbau eine bedeutende Rolle, insbesondere der Abbau von Flussspat, u. a. im nahe gelegenen Wölsendorf auf der Grube Marienschacht und Johannesschacht. Im Johannesschacht wurde noch 1951 Uranerz (Uranotil) im Hangenden von Flussspatgängen abgebaut. Die Bergleute mussten dabei Bleischürzen tragen. Das Material versetzten sie in alte Abbaustrecken, die mit einer Abschlussmauer versehen wurden. Im Johannesschacht wurde auch das uranhaltige Mineral Wölsendorfit entdeckt. Der Flussspat-Abbau wurde 1987 endgültig eingestellt. Bereits um 1500 wurde im Umland Silber abgebaut (Venezianer Schacht in Lissenthan bei Nabburg). Die mineralogisch-geologische Gesteinssammlung im Rathaus Schwarzenfeld erinnert an diese Epoche; das Oberpfälzer Flussspatbergwerk Reichhart-Schacht in Freiung (Gemeinde Stulln) ist ein beliebtes Ausflugsziel. Zu einem Besucherbergwerk ist auch der Kocher-Stollen in Wölsendorf ausgebaut worden. Von 1937 bis 1953 baute man dort Flussspat ab und transportierte ihn zum nahegelegenen Marienschacht. Der Stollen gilt als exemplarisch für die Bergbaugeschichte der gesamten Region.[9]

Marien-Schacht, Wölsendorf, August 1968

Im Mai 1938 wurde auf dem Gelände des Ziegelwerkes der Vereinigten Gewerkschaft Schmidgaden-Schwarzenfeld der Grundstein gelegt für das neue Werk der Buchtal A.G., Keramische Betriebe der Reichswerke Hermann Göring. Die Buchtal–Reichswerke waren eine Tochter des Annawerkes, die mehrheitlich der Cremer–Gruppe (gegründet 1906 in Frechen) gehörte. Die Gesamtplanung des Werkes und die Betriebsführung hatte Gottfried Cremer inne. Das moderne Buchtal-Werk wurde errichtet zur Sicherung des Bedarfes an hochwertigen Schamottesteinen für den Aufbau und den Betrieb der Hüttenbetriebe.[10] Feuerfeste Schamottesteine sind u. a. notwendig für den Betrieb von Stahl-Hochöfen und haben somit eine zentrale kriegswichtige Bedeutung. Das Buchtal-Werk hatte ein betriebseigenes Zwangsarbeiterlager mit ca. 750 Personen.[11]

Über Jahrzehnte war die Firma Buchtal A.G., jetzt Agrob Buchtal (ein Unternehmen der Deutsche Steinzeug AG), ein Hersteller von Keramik-Produkten für den Bau (Fliesen, Riemchen, patentierte Großplatten und früher in großem Umfang auch Dachziegel und Rohre vorwiegend für die Kanalisation), wichtigster Arbeitgeber und Gewerbesteuerzahler. Aus Schwarzenfeld stammen u. a. die Fliesen für die Olympia-Schwimmbäder in München wie auch in Moskau. Grund für die Ansiedlung Ende der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts waren die umfangreichen Vorkommen an Ton im Umland.

Seit den 80er Jahren unterhalten die Naabtaler Milchwerke (eines der größten milchwirtschaftlichen Unternehmen Deutschlands) in Schwarzenfeld eine bedeutende Produktionsstätte (rund 420 Beschäftigte).

In einem Werk an der Naab wurde über Jahrzehnte Aluminium-Bronze (Anstrichmittel) hergestellt.

Ausgebeutet werden nach wie vor Kiesgruben im Nassabbau; das Landschaftsbild südlich von Schwarzenfeld war lange Zeit maßgeblich durch sie geprägt. In den 70er Jahren entstand so zum Beispiel der Grüne See, ein Naherholungsgebiet und Anglerparadies. Unmittelbar an ihn angrenzend entstanden bis 2011/2012 zwei weitere Seen, die derzeit Anglern vorbehalten sind.

Bekannt ist auch die in Schwarzenfeld ansässige Firma Pontis (mittlerweile in einem anderen Unternehmen aufgegangen), deren Geschäftsführer als Erfinder des heute weit verbreiteten tragbaren MP3-Players gelten kann (Speicherung auf MMC, 1995).

Fischwirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Panorama: Der Grüne See

Die Gesamtgröße der Weiher zwischen Asbach und Holzhaus beträgt etwa 260 ha und ist damit in etwa identisch mit dem ehemaligen Besitz der Gräflichen zu Holnstein’schen Teichwirtschaft. Ein beschilderter Fischlehrpfad von rund 4 km Länge ist per Rad oder zu Fuß zu erkunden. Neben Karpfen landen Brachse, Schleie, Zander, Aal, Waller, Barbe, Nase, Barsch und Hecht in den Reusen und an den Angelhaken.

Ende des 18. Jahrhunderts erwarb Max Joseph Graf von Holnstein, der letzte Statthalter der Oberpfalz vor der Säkularisation ab 1803, das Gut Rauberweiherhaus mit den dazugehörigen Fischgewässern und züchtete durch Kreuzung eines fränkischen und eines böhmischen Karpfens den Schwarzenfelder Spiegelkarpfen, der durch sein einheitliches Schuppenbild rasch bekannt und oft prämiert wurde. Er wurde u. a. an Bord der Titanic als Spezialität serviert. – Seit 1934 betreiben private Teichwirte die Fischwirtschaft.

Dienstleistungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Schwarzenfeld sind etliche Dienstleistungsunternehmen angesiedelt, darunter der seit 2005 ansässige Neufeld Verlag.

Verkehr und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehrsanbindung von Schwarzenfeld

Fernstraßenanbindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch das Ortsgebiet von Schwarzenfeld führt in Nord-Süd-Richtung die Bundesautobahn 93 (HofMünchen). Vor dem Bau der A 93 und der Abstufung zur Kreisstraße im Streckenabschnitt zwischen Neustadt und Schwandorf war die ehemalige Bundesstraße 15 (HofRosenheim) die Hauptverbindung nach Regensburg, welche in Nord-Süd-Richtung durch Schwarzenfeld verlief. Etwa 20 Kilometer nördlich zwischen Wernberg-Köblitz und Pfreimd kreuzt die Bundesautobahn 6 (NürnbergWaidhaus), die künftige Magistrale Paris – Prag (Europastraße 50), von der im Wesentlichen noch das Teilstück zwischen dem westlich gelegenen Amberg und dem Autobahnkreuz fertigzustellen war, das bis dahin über die Bundesstraße 85 geführt wurde. Die Inbetriebnahme zwischen Amberg-Ost und dem Autobahnkreuz Oberpfälzer Wald erfolgte 2008; Baubeginn für diesen letzten 20 km langen Abschnitt war am 9. Juni 2004.

Bahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bahnhof Schwarzenfeld liegt an der Bahnstrecke Regensburg–Oberkotzau.

Am 19. November 1902 fuhr der Nachtzug München–Berlin (D-Zug 21) in der Ausfahrt des Bahnhofs auf einen verspätet ebenfalls ausfahrenden Güterzug. Dessen letzte vier Wagen wurden zertrümmert, zwei Bremser des Güterzugs starben. Ursache war ein missverstandener telefonischer Befehl des Bahnhofsvorstehers an einen Bahnwärter.[12]

Der Bahnhof Schwarzenfeld liegt zwei Kilometer nördlich des Eisenbahnknotens Irrenlohe, wo die Bahnstrecke Regensburg–Hof von der Bahnstrecke Nürnberg–Schwandorf gekreuzt wird. Dieser wichtige Knotenpunkt wurde seitens der Alliierten bemerkenswerterweise erstmals am 17. April 1945 beim Angriff auf die Kreisstadt Schwandorf und auf das Industriezentrum Falkenau in Böhmen bombardiert. Bis zu diesem Zeitpunkt konnte die Wehrmacht relativ ungehindert ihren Nachschub über diese Verbindung abwickeln.

Radwege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schwarzenfeld liegt am Kreuzungspunkt mehrerer wichtiger Fernradwege: Hier kreuzen sich der Waldnaabtal-/Naabtal-Radweg (BärnauRegensburg), der Schwarzachtal-Radweg (Schwarzenfeld – Waldmünchen) sowie der Schweppermann-Radweg (Neumarkt – Schwarzenfeld).

Flughafenanbindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Flughafen Nürnberg etwa 90 km
  • Flughafen München etwa 156 km

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt folgende Einrichtungen (Stand: 1999):

  • Kindergärten: 225 Kindergartenplätze mit 204 Kindern
  • Volksschulen: 1 mit 43 Lehrern und 600 Schülern

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fußball[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der 1920 gegründete 1. FC Schwarzenfeld schaffte 2012 erstmals den Aufstieg in die Fußball-Landesliga Mitte (1. Mannschaft), während die 2. Mannschaft in die Kreisliga West aufstieg.[13]

Bogenschießen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bogenschützen der SG Schwarzenfeld haben unter Kennern einen guten Ruf. Die Schützengesellschaft stellte in den 70er Jahren bereits einmal den Weltmeister.[14][15]

Basketball[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2002 wurde die Sparte Basketball des 1.FC Schwarzenfeld gegründet. Die Sparte umfasst im September 2012 etwa 100 Mitglieder und hat derzeit vier Mannschaften im Spielbetrieb. Spielstätte ist die Sportparkhalle Schwarzenfeld.[16]

Mountainbike[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem Jahr 2012 integrierte sich die Sparte Mountainbike als festes Mitglied des 1. FC Schwarzenfeld mit den Trendsportarten Freeride/Downhill und Slopestyle. Die vereinseigene Strecke in Knölling wird bereits seit 2007 gepflegt und befahren. Seit 2015 entsteht westlich des Sportparks eine vereinseigene Pumptrackstecke.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenkstein für die in Schwarzenfeld zu Tode gekommenen KZ-Häftlinge
  • Pater Viktor Koch C.P., Deutsch-Amerikaner, Mitbegründer des Passionisten-Klosters auf dem Miesberg 1934. Ihm, einem amerikanischen Pater, gelang es, während der NS-Zeit auf dem Miesberg in Schwarzenfeld ein Kloster zu gründen. Er konnte auch während der Kriegswirren in Schwarzenfeld bleiben. In den Zeiten 1941 bis 1943 durfte er das Kloster nicht nutzen – in diesem waren Kinder der Kinderlandverschickung untergebracht. Ab 1943 wurde eine Forschungsanstalt der FH Berlin, die Ionenforschung betrieb und Rosenberg zuarbeitete, in das Kloster einquartiert. Der Leiter des Instituts, Prof. Nikoradse, erlaubte Pater Viktor Koch und seinem letzten noch verbliebenen Mitbruder Johannes Irlbacher, ein paar Zimmer im Kloster zu nutzen. Am 18. April 1945 war ein Zug aus Richtung Weiden, voll mit Häftlingen aus dem KZ Flossenbürg in Schwarzenfeld. Es ging nicht weiter, da das Schienennetz für die Weiterfahrt zerstört wurde. Der Zug im Bahnhof wurde von amerikanischen Tieffliegern versehentlich beschossen. Einige Häftlinge versuchten bei diesem Luftangriff zu fliehen, die meisten von ihnen wurden dabei von SS-Bewachern getötet oder starben durch den Luftangriff. Die verwundeten Häftlinge oder diejenigen, die zu schwach waren, zum Marschieren, wurden von der SS nach diesem Angriff erschossen. 133 Tote blieben am Bahnhof in Schwarzenfeld zurück. Die überlebenden setzen den Todesmarsch nach Neunburg vorm Wald fort.[17] [18]. Die US-Soldaten der 26. US-Infanterie-Division, die am 22. April einmarschierten, hatten von dem SS-Massaker erfahren und wollten die Schwarzenfelder für die Morde zur Verantwortung ziehen. Nur das Eingreifen Pater Viktors konnte den beabsichtigten Vergeltungsschlag abwenden; für die „wunderbare Errettung des Marktes“ und seine Verdienste in der Nachkriegszeit (Einrichtung einer Apotheke, Baumaterial, CARE-Pakete) verlieh ihm die Gemeinde 1947 die Ehrenbürger-Würde. Pater Viktor Koch verstarb 1955 im Kloster in Schwarzenfeld.
  • Hans Troidl, Universitätsprofessor und ehemaliger Direktor des II. Chirurgischen Lehrstuhls der Universität zu Köln (Klinikum Merheim), international renommierter Ordinarius für Chirurgie, Mitverfasser mehrerer Lehrbücher (z. B.: Surgical Research. Basic Principles and Clinical Practice; Effektivität und Ökonomie chirurgischen Handelns) und vielfacher Träger einschlägiger angesehener Medizinpreise. Schüler u. a. von Karl Popper.
  • Joseph Kiener, * 21. Juli 1856 in Schwarzenfeld, † 7. Februar 1918 in Eichstätt, war Kunstpädagoge und Jugendbuch-Illustrator.
  • Edmund Georg Stoiber, der Vater des ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber, stammt aus Schwarzenfeld. Der gelernte Bürokaufmann Stoiber senior arbeitete bisweilen beim Chemiekonzern Bayer in Dormagen als Monteur. Dort lernte er auch seine spätere Frau Elisabeth Zimmermann kennen. Deren Eltern waren aus Nabburg – acht Kilometer nördlich von Schwarzenfeld – ins Rheinland abgewandert.

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Xaver Luderböck, Roman von Götz (Illustrator): Miesbergkirche und Passionistenkloster Schwarzenfeld. 2. Aufl., Schnell & Steiner, 2004. ISBN 3-7954-5260-0
  • Josef Menath: St. Dionysius und Ägidius Schwarzenfeld. Alte Pfarrkirche. Schnell & Steiner, 1990. ISBN 3-7954-5554-5
  • Oswald Wilhelm: Chronik Schwarzenfeld 1015–1990. 1989
  • Peter Bartmann: Heimat Schwarzenfeld - Ein Bildband mit alten Ansichten. 1988

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schwarzenfeld – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom Juli 2016 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. http://www.bayerische-landesbibliothek-online.de/orte/ortssuche_action.html?anzeige=voll&modus=automat&tempus=+20111210/020027&attr=OBJ&val=1063
  3. Konzentrationslager Flossenbürg, Peter Heigl, 1994, ISBN 3-921114-29-2, S. 27-41
  4. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 529 und 530.
  5. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 639.
  6. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 668.
  7. Wolfgang Houschka: Die Volksmusik im Blut: "Geschwister Winterer" bestehen 40 Jahre (Oberpfalznetz.de, 16. April 2012)
  8. Thomas Starringer: Altlandrat feierte mit Geschwistern Winterer (Bildergalerie), Wochenblatt.de, 17. April 2012
  9. Harald G. Dill, Berthold Weber: Die Oberpfälzer Flussspat-Anthologie - „Bunte Steine“ prägen die Region und ihre Menschen um den Wölsenberg. Druckkultur Späthling, Weißenstadt, 2011, ISBN 978-3-942668-01-9.
  10. Gottfried Cremer: Buchtal AG, 1940, S.7.
  11. Winfried Nerdinger (Hg.): Bauen im Nationalsozialismus. Bayern 1933-1945, München 1993, S. 536.
  12. Ludwig Ritter von Stockert: Eisenbahnunfälle. Ein Beitrag zur Eisenbahnbetriebslehre., Bd. 1. Leipzig 1913, S. 185, Nr. 49.
  13. 1. FC Schwarzenfeld, Fupa.net (laufende Berichte)
  14. Bogen-Sport mit Klasse in Schwarzenfeld (Mittelbayerische.de, 5. November 2011)
  15. Thomas Dobler: Die Nachfahren Wilhelm Tells: In Schwarzenfeld wird fast unbemerkt Bogensport auf höchstem Niveau betrieben (Oberpfalznetz.de, 14. März 2006)
  16. http://www.basketball-schwarzenfeld.de/verein/geschichte.html
  17. German Vogelsang: SIE KOMMEN! Die letzten Kriegstage in der Oberpfalz 1945, Amberg 2015, ISBN 978-3-95587-008-9, S. 82.
  18. Bild der Umbettung der in einem Massengrab verscharrten getöteten KZ-Insassen vom 25. April 1945 (United States Holocaust Memorial Museum, Washington, D.C.)
  19. Am Hofe Ludwigs II. – Max Graf von Holnstein aus Bayern (Bericht über einen Vortrag des Holnstein-Experten Martin Irl)