Schwarzwaldverein

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Renzscher Felsenkeller, Sitz und Gründungshaus in Freiburg

Der heutige Schwarzwaldverein (kurz SWV) entstand im Jahre 1934 aus dem Zusammenschluss des 1864 in Freiburg im Breisgau gegründeten Badischen Schwarzwaldvereins mit dem 1884 in Stuttgart gegründeten Württembergischen Schwarzwaldverein. Ein erster Versuch des Zusammenschlusses beider Vereine scheiterte im Jahre 1906. Die Vereinigung erfolgte schließlich 1934 nach einer Anordnung des Reichswanderführers, nach der in jedem Landschaftsgebiet nur ein Wanderverein bestehen dürfe.

Der Schwarzwaldverein ist damit der älteste Gebirgs- und Wanderverein in Deutschland.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Badischer Schwarzwaldverein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Badische Schwarzwaldverein wurde am 8. Juni 1864 als Badischer Verein von Industriellen und Gastwirten im Renzschen Felsenkeller in Freiburg gegründet.[1] 1880 zählte man 500 Mitglieder. Bedeutenden Zuwachs erhielt der Verein während der Präsidentschaft von Wilhelm Jakob Behaghel. 1892 fand eine Hauptversammlung in Todtnau statt. 1913 zählte der Verein 72 Sektionen mit 12.000 Mitgliedern. Im Gründungsjahr beauftragte der Badische Schwarzwaldverein Carl Wilhelm Schnars mit der Abfassung eines Schwarzwaldführers, der bis 1928 zahlreiche Auflagen erlebte.[2] Er gab ein Kartenwerk mit 11 Blättern heraus, weiter die Monatsblätter des Badischen Schwarzwaldvereins; ebenso das Liederbuch des Badischen Schwarzwaldvereins, mit dem bekannten Volkslied von Ludwig Auerbach.

Württembergischer Schwarzwaldverein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Württembergische Schwarzwaldverein wurde am 23. November 1884 im Restaurant Zach in Stuttgart gegründet. Erster Vorsitzender war Freiherr von Bätzner. Treibende Kraft war der Baurat Rheinhard, der 1. Vorsitzende von 1887 bis 1889.[3][4] Sein Arbeitsgebiet war von Anfang an der württembergische Anteil des Schwarzwalds mit seinem Vorland bis zum Neckar. Insbesondere oblag ihm die Betreuung des 1903 eingerichteten Ostwegs von Pforzheim nach Schaffhausen, während der Mittelweg und der Westweg vom Badischen Schwarzwaldverein betreut wurden. Der Verein bestand bei seiner Fusion mit dem Badischen Schwarzwaldverein im Jahre 1934 aus 58 Ortsgruppen. Die Mitgliederzahl betrug 1913 11.500, der Jahresbeitrag 3 Mark. Vom Württembergischen Schwarzwaldverein wurden der Schwarzwaldführer von Julius Wais (1909) mit mehreren Neuauflagen, die Monatsblätter „Aus dem Schwarzwald“ (seit 1893), die Neue Karte des Württembergischen Schwarzwalds in neun Blättern, eine Höhenschichtkarte im Fünffarbendruck (die erste Karte des Württembergischen Vereins 1886, sieben Jahre vor der ersten Karte des Badischen Vereins), das Liederbuch des Württembergischen Schwarzwaldvereins und verschiedene weitere Publikationen herausgegeben.

Aktivitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Festumzug beim Deutschen Wandertag 2010 in Freiburg

Aktivitäten des Schwarzwaldvereins sind Wanderungen, Naturschutz, Heimatpflege, Wegenetzerhaltung und Familien- und Jugendarbeit im Schwarzwald. Der Verein betreibt 26 Wanderheime,[5] in denen jährlich etwa 30.000 Wanderer übernachten.

Im Jahre 2010 hat der Schwarzwaldverein den 110. Deutschen Wandertag in Freiburg ausgerichtet.

Der Schwarzwaldverein ist Mitherausgeber des Schwäbischen Heimatkalenders.

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Schwarzwaldverein besteht aus dem Hauptverein (vollständiger Name Schwarzwaldverein -Hauptverein - e. V.), dessen Mitglieder 230 selbständige Ortsvereine sind. Die Ortsvereine sind in 16 Bezirken[6] organisiert und haben insgesamt knapp 65.000 Mitglieder.[7] Dem Präsidium des Hauptvereins gehören drei Mitglieder an; Präsident ist seit 2013 Georg Keller, der ehemalige Bürgermeister von Rickenbach. Neben dem Präsidium gibt es neun Hauptfachwarte, die für bestimmte Themen verantwortlich sind, und die hauptamtlich besetzte Hauptgeschäftsstelle. Sitz des Hauptvereins ist Freiburg im Breisgau, er ist in das Vereinsregister des dortigen Amtsgerichts eingetragen (VR 452).

Wanderwegsbetreuung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wanderwegemarkierung des Schwarzwaldvereins

Der Schwarzwaldverein betreut ein Netz von Wanderwegen mit einer Länge von mehr 23.000 km, mit 14.500 Wegweiserstandorten in über 300 Gemeinden,[8] das sich über den gesamten Schwarzwald und seine angrenzenden Regionen erstreckt.[9] Über den Schwarzwald hinaus ist der Verein auch für die Wanderwege im westlichen Bodenseeraum zuständig, die im (früher) badischen Gebiet liegen.

Die Unterhaltung wird ausschließlich von Ehrenamtlichen erledigt. Die sogenannten Hauptwanderwege (Westweg, Mittelweg und Ostweg) verlaufen in Nord-Süd-Richtung; hinzu kommen in dieser Richtung noch der Kandelhöhenweg und der Ortenauer Weinpfad im Westen sowie der Gäurandweg im Osten. Die „Querwege“ verlaufen in Ost-West-Richtung: Querweg Gengenbach–Alpirsbach, Querweg Rottweil–Lahr, Querweg Freiburg–Bodensee, Hotzenwaldquerweg und andere. In den 1990er Jahren kam ein Fernradweg hinzu, der in Karlsruhe beginnt und in Basel endet. Er verläuft abschnittsweise parallel zum Westweg. Neuestes Projekt, das durch den Schwarzwaldverein mitbetreut wird, ist der Schluchtensteig.

Alle Wege sind mit einer Raute gekennzeichnet. Regionale Wanderwege sind mit einer blauen Raute markiert, örtliche mit einer gelben Raute. Die Hauptwanderwege sind mit unterschiedlichen Rauten gekennzeichnet.

Jugend im Schwarzwaldverein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Jugend im Schwarzwaldverein ist eine eigenständige Jugendorganisation des Schwarzwaldvereins mit zirka 11.000 Mitgliedern. Zu ihr zählen alle Mitglieder des Vereins bis zum 27. Lebensjahr. Veranstaltungen werden auf verschiedenen Ebenen durchgeführt. Einige Ortsgruppen bieten Gruppenstunden, Ausflüge, Freizeiten und vieles mehr an. Die Bezirke veranstalten Bezirkszeltlager und Fortbildungen für ihre Jugendleiter vor Ort. Auf der Hauptvereinsebene werden größere Freizeiten, erlebnispädagogische Maßnahmen und Fortbildungen für Mitglieder und Nichtmitglieder angeboten.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen und Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Geschichte des Schwarzwaldvereins auf schwarzwaldverein.de
  2. Schau-ins-Land: Jahresheft des Breisgau-Geschichtsvereins Schauinsland, Nr. 105, 1986, S. 104
  3. Julius Wais: Schwarzwaldführer, 3. Aufl. 1913, in Kommission bei A. Bonz Erben, Stuttgart
  4. 75 Jahre Schwarzwaldverein Ortsgruppe Neubulach – Festschrift von 1988
  5. Wanderheime des Schwarzwaldvereins. Abgerufen am 10. April 2015.
  6. Schwarzwaldverein – Ortsgruppen und Bezirke. Abgerufen am 10. April 2015.
  7. Der Schwarzwaldverein. Abgerufen am 12. Januar 2016.
  8. Wegweiser. Abgerufen am 10. April 2015.
  9. Auf den Wegen des Schwarzwaldvereins. Abgerufen am 10. April 2015.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schwarzwaldverein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien