Schwedenplatz

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Schwedenplatz
Wien Wappen.svg
Platz in Wien
Schwedenplatz
Der Schwedenplatz, Blickrichtung Westen
Basisdaten
Ort Wien
Ortsteil Innere Stadt
Neugestaltet 1978
Einmündende Straßen Franz-Josefs-Kai
Bauwerke Schwedenbrücke, Uniqa Hotel- und Geschäftsgebäude
Nutzung
Nutzergruppen Autos, U-Bahn (U1, U4), Straßenbahn, Schiffe, Fußgänger
Platzgestaltung Straßen, Straßenbahnhaltestellen
Donaukanal gesehen vom Schwedenplatz aus
Stadtbild gesehen vom Schwedenplatz aus

Der Schwedenplatz befindet sich im 1. Wiener Gemeindebezirk, Innere Stadt, am rechten Ufer des Donaukanals und ist einer der wichtigsten Knotenpunkte des öffentlichen Verkehrs in Wien. Er stellt eine Erweiterung des hier verlaufenden Franz-Josefs-Kais dar. Schwedenbrücke und Schwedenplatz erhielten ihre heutigen Namen im November 1919 durch Beschluss des Stadtrates unter dem Vorsitz von Bürgermeister Jakob Reumann zum Dank für die Hilfe Schwedens nach dem Ersten Weltkrieg, die insbesondere den Kindern Wiens zugutekam.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rotenturmtor, Brücke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom Mittelalter bis 1858 stand beim heutigen Schwedenplatz das Rotenturmtor der Stadtmauer Wiens, das direkten Zugang von Wien zum an die Stadt heranreichenden Donauarm (heute Donaukanal) ermöglichte. An der schmalsten Stelle des Donauarms, nahe der heutigen Schwedenbrücke, wurde die (schon Mitte des 15. Jh. genannte) Schlagbrücke über den Donauarm errichtet, lang die einzige Donaubrücke. Am anderen Ufer entwickelte sich auf der Donauinsel Unterer Werd die später Leopoldstadt genannte Vorstadt, seit 1850 der 2. Wiener Gemeindebezirk. Die Schlagbrücke wurde ab 1819 durch den nach dem damaligen Kronprinzen Ferdinand benannten Neubau ersetzt.

Platz am Kai[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Abriss des Rotenturmtors wurde bis 1860 entlang des Donaukanals der Franz-Josefs-Kai angelegt. Er erhielt bei der Brücke eine platzartige Erweiterung, die 1897 nach dem Vorgänger des regierenden Monarchen Kaiser-Ferdinands-Platz benannt wurde. Der damalige Umfang des Platzes ist bis heute an den wenigen Hausnummern des Platzes zu ersehen: Nr. 1 war die Seitenfront des 1945 zerstörten Häuserblocks zwischen Adlergasse und Kai und ist heute nicht vorhanden, Nr. 2 ist das Eckhaus zum Laurenzerberg (in dem sich seit 1925 eine Apotheke befindet), auf Nr. 3 und 4 steht der nach 1945 errichtete Dr.-Alma-Motzko-Seitz-Hof, in dem sich unter anderem das Hotel Capricorno befindet, Nr. 5 ist die Seitenfront des Hauses Dominikanerbastei 21 (Ecke Postgasse).

Am Donaukanal fand 1945 im Zuge der Schlacht um Wien ein Artillerieduell statt, dem speziell um den Schwedenplatz viele Gebäude zum Opfer fielen. Der der heutigen Häuserfront zwischen Laurenzerberg und Rotenturmstraße, damals Adlergasse, vorgelagerte Häuserblock wurde so stark zerstört, dass der Wiederaufbau unterblieb. Die Fläche wurde gestalterisch in den heutigen Schwedenplatz einbezogen, unter anderem durch zwei Abgänge zur U-Bahn-Station Schwedenplatz. Die altstadtseitigen Häuser der 1954 aus dem Straßenverzeichnis gestrichenen Adlergasse erhielten aber nicht die Adresse Schwedenplatz, sondern die Hausnummern 13 bis 23 des Franz-Josefs-Kais.

Verkehrsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kai wurde seit 1869 von der Pferdetramway und wird seit 1898 von der elektrischen Straßenbahn befahren.[2] Details zum historischen Straßenbahnverkehr auf Kai und Ring sind hier angeführt.

Schwedenplatz 1976, vor der Umgestaltung

1901 wurde beim Ferdinandsplatz eine Station der neuen, dampfbetriebenen Donaukanallinie der Stadtbahn eröffnet, die 1925 von der Gemeinde Wien als Wiener elektrische Stadtbahn in Betrieb genommen wurde. Das pavillonartige, von Otto Wagner entworfene Aufnahmsgebäude (es besteht nicht mehr) befand sich oberirdisch neben der Brücke, die Bahnsteige befinden sich, eingehaust, auf dem Niveau des Vorkais zum Donaukanal. 1978 wurde die Platzoberfläche vollständig neu gestaltet. Seit damals verkehrt hier anstelle der Stadtbahn die U-Bahn-Linie U4, die zwei Abgänge vom Platz erhielt, einen weiteren vom Kai östlich der Schwedenbrücke. Sie wird seit 1979 von der den Donaukanal unterquerenden Linie U1 gekreuzt.

Polizeiliche Videoüberwachung 2005[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund der starken Frequenz auf dem Platz wurden in den letzten Jahren Probleme mit Kleinkriminalität evident, die nicht zuletzt mit Drogenhandel und Beschaffungskriminalität verbunden waren. Daher wurden 2005 auf dem Schwedenplatz als erstem Ort in Wien mobil einsetzbare Videokameras der Wiener Polizei installiert, ein Beispiel, das Schule machte. Die Videoüberwachung geriet im Dezember 2005 in negative Schlagzeilen, als bekannt wurde, dass einige Polizisten mit den Kameras nicht nur den Schwedenplatz, sondern auch die Fenster angrenzender Wohnungen im Blick hatten.[3]

Verkehrsknotenpunkt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Schwedenplatz ist heute wichtiger Verkehrsknotenpunkt am Rand der Altstadt. Neben den beiden U-Bahn-Linien tragen die Straßenbahnlinien 1 und 2, die Citybuslinie 2A, eine Buslinie zum Flughafen Wien, eine Ein- und Aussteigstelle für Touristenautobusse, die vier- bis fünfspurige, als Einbahn Richtung Osten geführte Fahrbahn des Franz-Josefs-Kais und die 2010 eröffnete Schiffstation Wien City dazu bei. Von ihr aus verkehrt u.a. der so genannte Twin City Liner, ein Schnellkatamaran, dreimal pro Tag nach Bratislava. In den Schwedenplatz bzw. den Kai mündet die Rotenturmstraße, Ausfahrt aus der Altstadt vom Stadtmittelpunkt, dem Stephansplatz, her. Am breiten Geh- und Radweg auf Straßenniveau entlang des rechten Donaukanalufers fließt Radverkehr zwischen den weiterführenden Radverkehrsübergängen.

Diskussion um Umgestaltung seit 2011[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der zusammenhängende Platz begleitet auf etwa 300 m Länge rechtsseitig den Donaukanal, der vom Nordwesten kommt und in einer leichten Linkskurve zuletzt nach Ostsüdost fließt. Am rechten Pier läuft ein Gehweg, etwa 10 m höher liegt das Platzniveau mit anschließendem Gehsteig (Geh- und Radweg) und vielspuriger Fahrbahn des Franz-Josefs-Kais. Von dieser Fahrbahn treten die hohen Gebäude anfangs 70 m zurück. Im Nordwesten, im ersten Längensechstel, heißt der Platz Morzinplatz, danach Franz-Josefs-Kai und im Osten Schwedenplatz, wo er sich kontinuierlich auf 50 m (abseits der Kaifahrbahn) verjüngt.

Im Herbst 2011 wurde im Wien Museum eine Ausstellung über Geschichte und Entwicklungen des Gebiets Schwedenplatz-Morzinplatz gezeigt.[4] Bis Herbst 2013 wurde das "Leitbild Zukunft Schwedenplatz" erarbeitet. An der Oberfläche wurde mehr Erlebnisqualität für Fußgänger angestrebt.

Im Herbst 2015 wurde von der Stadtverwaltung ein Wettbewerb für Umgestaltungen gestartet. Verkehrliche Rahmenbedingungen waren

  • vier Geradeausspuren am Franz-Josef-Kai
  • Verschwenkung der Straßenbahngleise im Bereich Morzinplatz
  • Ausbau der Fuß- und Radwege.

60 Projekte aus In- und Ausland wurden im Februar 2016 in einer Dialogbox und im Internet den Bürgern vorgestellt und Rückmeldungen eingeholt. 2300 Menschen haben persönlich Ideen deponiert, 700 via Internet.[5][6]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Schwedenplatz befindet sich der beliebte und stark frequentierte Eissalon am Schwedenplatz. Unweit davon liegt die von 1970 bis 2006 von Herbert Lederer als Einmannbetrieb geführte Kleinbühne Theater am Schwedenplatz, die 2014 von Alexander Waechter unter dem Namen Theater franzjosefskai21 wieder in Betrieb genommen wurde. Der Schwedenplatz ist auch ein Eckpunkt des Wiener Bermudadreiecks, einer in den frühen 1980er Jahren etablierten Zone mit zahlreichen Lokalen. In unmittelbarer Nähe befinden sich zudem die Ruprechtskirche, einer der ältesten Sakralbauten der Stadt, und die Urania, die eine Volkshochschule sowie ein Kino und die Urania Puppenbühne (Kasperl & Pezi) beherbergt. Das Uraniakino ist alljährlich einer der Veranstaltungsorte des Filmfestivals Viennale. Direkt gegenüber dem Schwedenplatz, bereits im 2. Bezirk und über die Schwedenbrücke erreichbar, stehen auf den Eckgrundstücken an der Taborstraße links der vom Architekten Hans Hollein geplante und 2001 fertiggestellte Media-Tower und rechts der im Dezember 2010 eröffnete Hotelturm von Jean Nouvel, der als „Sofitel Vienna Stephansdom“ betrieben wird und auch ein Designkaufhaus der Kette „Stilwerk“ umfasst.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Protokoll der Stadtsenatssitzung vom 6. November 1919, zitiert nach Renate Schreiber: „Großmacht in Menschenliebe“ - schwedische Kinderhilfe nach dem Ersten Weltkrieg. In: Wiener Geschichtsblätter. Hrsg. Verein für Geschichte der Stadt Wien, Heft 3/2009, S. 76, Anm. 86.
  2. Walter Krobot, Josef Otto Slezak, Walter Sternhart: Straßenbahn in Wien vorgestern und übermorgen, Verlag Josef Otto Slezak, Wien 1972, ISBN 3-900134-00-6, S. 299 f.
  3. Holger Dambeck: Videoüberwachung: Wiener Verein hackt Polizeikamera (Quintessenz), Der Spiegel, 29. Dezember 2005, zuletzt abgerufen 18. Februar 2016.
  4. https://www.wien.gv.at/stadtentwicklung/projekte/schwedenplatz/ausstellung2011.html Nachlese zur Ausstellung "Platz für die Stadt - Schwedenplatz-Morzinplatz", Stadtentwicklung Wien, o.J., abgerufen 18. Februar 2016 – zahlreiche Materialien.
  5. https://www.wien.gv.at/stadtentwicklung/projekte/schwedenplatz/ Neugestaltung Schwedenplatz-Morzinplatz, 2015/2016, abgerufen 18. Februar 2016.
  6. http://wien.orf.at/news/stories/2758388/ 3.000 Ideen für Schwedenplatz neu, orf.at, 18. Februar 2016, abgerufen 18. Februar 2016.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Florentine Bachmann: Bauliche Ergänzung entlang des Donaukanals im Bereich Schwedenplatz-Morzinplatz. Diplom-Arbeit, Technische Universität Wien, 1987

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schwedenplatz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 48° 12′ 41″ N, 16° 22′ 44″ O