Schwedentrunk

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Dieser Artikel behandelt die Foltermethode Schwedentrunk; Schwedentrunk wird auch als Synonym für Schwedenbitter oder Schwedenkräuter benutzt.
Wasserfolter. Holzschnitt von 1556

Der Schwedentrunk war eine während des Dreißigjährigen Krieges häufig angewandte Foltermethode.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei dieser Foltermethode wurde den Opfern Jauche oder Wasser, oft auch vermischt mit Urin, Kot und Schmutzwasser, über einen Eimer oder Trichter direkt in den Mund eingeführt. Neben dem dadurch erregten Ekel und Abscheu sowie der Möglichkeit bakterieller Infektionen verursachte der Schwedentrunk Erstickungsängste sowie starke Magen- und Bauchschmerzen. Auch verätzte die stark säurehaltige Jauche die Speiseröhre des Opfers. Das regelmäßige Eindringen von Flüssigkeit und Feststoffen über die Luftröhre in die Lungen mit der Folge einer in der Regel tödlichen Pneumonie ist bei den Umständen solcher Folterungen stark anzunehmen. Die Qualen konnten dadurch verstärkt werden, dass der Bauch mit Brettern zusammengepresst wurde oder die Folterer auf dem Bauch des Opfers herumsprangen und -trampelten.

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Anwendung dieser Methode durch Söldner des schwedischen Heeres war namensgebend, sie wurde aber auch von der Soldateska anderer Truppen und plündernden Marodeuren praktiziert.

Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen beschrieb die Methode in seinem zeitgenössischen Roman Der abenteuerliche Simplicissimus (I. Buch, IV. Kapitel) folgendermaßen:

„Den Knecht legten sie gebunden auf die Erd, stecketen ihm ein Sperrholz ins Maul, und schütteten ihm einen Melkkübel voll garstig Mistlachenwasser in Leib, das nenneten sie ein Schwedischen Trunk.“

Peter Thiele, Stadtschreiber von Beelitz lieferte ebenfalls eine Darstellung der Folter:[1]

„Da haben die reuber und mörder ein Holt genohmmen den armmen leutten solches im halße gestocken, umbgerühren, waßer eingegoßen, sandt darzu eingeschutten, ja wohl menschen koth und die leutte jämmerlich gequelen umb Gelde, wie den eine Bürger in Beelitz, David Örtel genannt, wiederfahren und balde davon gestorben.“

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Carl W. Hering: Geschichte des sächsischen Hochlandes: mit besonderer Beziehung auf das Amt Lauterstein und angrenzende Städte, Schlösser und Rittergüter, Band 1. Verlag Barth 1828, S. 353.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. zitiert nach Christopher Clark: Preußen, S. 56