Schwedisches Heer

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Das schwedische Heer (swed. Armén) umfasst 10.200 Soldaten (davon 4.300 Wehrpflichtige)[1] und stellt die Heereskomponente der schwedischen Streitkräfte dar.

Das Heer ist gekadert und setzt sich aus aktiven und Reserveverbänden zusammen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1623 hatte Gustav II. Adolf Schwedens Landschaft in neun große Aushebungsbezirke für Landregimenter einteilen lassen. In jedem Bezirk sollte ein Landregiment nach oranischem Muster in einer Stärke von 3600 Mann aufgestellt werden. Zuzüglich eines Hofregiments verfügte der König so über eine Armee von 36.000 Mann ausgehobener Bauern. Dieses im schwedischen als Einteilungswerk benannte Rekrutierungssystem wurde in Kriegszeiten als starke Belastung für die Bevölkerung empfunden.

Unter Karl X. Gustav erfolgte die Rekrutierung von Soldaten für die Armee mittels Werbung. Die Ausschreibung hierzu musste zuvor auf dem Reichstag beschlossen werden. Aufgrund des Geldmangels der staatlichen Institutionen wurden häufig Verträge mit den Regimentsinhabern, den Obersten geschlossen, welche diesen die Aufgabe der Werbung und Besoldung übertrugen. Geworben wurde innerhalb, aber auch außerhalb Schwedens, so dass sich eine große Zahl von Ausländern in der Armee fanden, vorwiegend Deutsche. Im Jahr 1682 wurde dieses System reformiert und ein neues Einteilungswerk eingeführt, das für die schwedische Armee bis ins 19. Jahrhundert Gültigkeit hatte. Rekrutierung und Unterhalt der Soldaten erfolgte nun vor Ort. Im Kriegsfall mussten die Bezirke im Falle von Verlusten unverzüglich diese ausgleichen.

Nach dem Tode Karl X. Gustavs bestand die Armee aus dem Aufgebot des Adels, die den so genannten Rossdienst zu leisten hatten, insgesamt 1100 Mann. Dazu kamen an Einheiten zwei Dragonerregimenter, 17 Infanterieregimenter in Schweden und sieben in Finnland, vier geworbene Regimenter und die Gardetruppen. 1673 war die schwedische Armee auf 16.000 Kavalleristen und 38.000 Infanteristen angewachsen.

Seit dem 17. Jahrhundert stand der Armee das Kriegskollegium vor, eine Behörde, die für alle Militärangelegenheiten zuständig war. Eine weitere frühneuzeitliche Institution war das Kriegsgericht, dessen Beisitzer aus der Generalität stammten. Der eingeführte Posten des Reichszeugmeisters hatte die Aufsicht über die Artillerie und das Munitionswesen. Um die Disziplin weiter zu erhöhen, wurden 1683 neue Kriegsartikel eingeführt. Darin wurde u. a. die Todesstrafe für Militärangehörige bei Plünderung eingeführt. 1687 wurde eine einheitliche blaue Uniformierung eingeführt. Unter Karl XI. wurde ein Militärhospital, das Kriegsmannshaus in Vadstena, gegründet.

1901 erfolgte die Einführung der Wehrpflicht, die das alte Rekrutierungssystem außer Kraft setzte. 2010 wurde die Wehrpflicht ausgesetzt, 2017 wird sie wieder eingeführt.[2]

Aktive Verbände[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Soldatin des Skaraborgs regemente (2018)

Die aktiven Verbände werden aus neun Regimentern gebildet, die Bataillonsstärke haben:

Reserveverbände[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Falle einer Mobilmachung sind als weitere Kräfte im Rahmen eines Divisionskommandos drei Panzerregimenter, acht mechanisierte Infanteriebataillone, ein Aufklärungsregiment, zwei Artilleriebataillone, einem Flugabwehrbataillon, drei Pionierbataillone und vier Logistikbataillone vorgesehen.

Weitere 80 Bataillone würden in diesem Fall zur Heimatverteidigung zur Verfügung stehen.

Ausrüstung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An Ausrüstung stehen u. a. 120 Strv-122 "Leopard" 2S-Kampfpanzer, 160 Strv-121 "Leopard" 2A4-Kampfpanzer, 485 Strv 9040 (CV-9040)-Schützenpanzer, 232 PbV 401A (MT-LB)-Mannschaftstransportpanzer, 334 Pbv 302-Mannschaftstransportpanzer, 50 BvS-10 "Viking"-Mannschaftstransportpanzer, 183 XA-180 bzw. XA-203-Mannschaftstransportpanzer, 50 FH-77B-Selbstfahrlafetten und 3 Sperwer-Drohnen zur Verfügung.

Ehemalige Heeresfliegertruppe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab 1958 betrieb das schwedische Heer eigene Flugzeuge und Hubschrauber. Diese wurden bis 1980 als Artilleriefliegertruppe („Artilleriflyget“) bezeichnet und 1980 in „Arméflyget“ (Heeresflieger) umbenannt, blieben jedoch weiterhin dem Artilleriekommando unterstellt. Erst 1991 wurde Arméflyget zum eigenständigen Truppenteil innerhalb des Heeres. Bis 1991 genutzte Flugzeugtypen waren Piper PA-18, Dornier Do 27 und Scottish Aviation Bulldog. Danach wurden nur noch Hubschrauber eingesetzt.

1998 wurde Arméflyget (ebenso wie die Marinefliegertruppe) aufgelöst und die noch verbliebenen Hubschrauber in die gemeinsame Hubschraubertruppe („Försvarsmaktens helikopterflottilj“) überführt, in die auch die Hubschrauber der (jetzt federführenden) Luftwaffe transferiert wurden.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stefan Kroll, Kersten Krüger: Militär und ländliche Gesellschaft in der frühen Neuzeit, LIT Verlag Münster, 2000.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Länderinformation des österreichischen Verteidigungsministeriums
  2. Meldung, nzz.ch, 2. März 2017, abgerufen am 2. März 2017

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Armén – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien