Schwedter Straße

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Schwedter Straße
Wappen
Straße in Berlin
Schwedter Straße
Schwedter Ecke Gleimstraße, 2012
Basisdaten
Ort Berlin
Ortsteil Prenzlauer Berg,
Mitte
Angelegt 18. Jahrhundert
Hist. Namen Verlorener Weg
Anschlussstraßen Behmstraße,
Metzer Straße
Querstraßen (Auswahl)
Schönhauser Allee,
Kastanienallee,
Bernauer Straße
Bauwerke Baudenkmale
Nutzung
Nutzergruppen Fußverkehr, Radverkehr, Autoverkehr
Technische Daten
Straßenlänge 2270 Meter

Die Schwedter Straße (bis 1862: Verlorener Weg)[1] ist eine mehr als zwei Kilometer lange Straße im Norden von Berlin. Sie führt teilweise entlang der Grenze der Bezirke Pankow und Mitte und durchquert den Mauerpark.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der heutige Straßenverlauf folgt einem seit dem 18. Jahrhundert dokumentierten Feldweg, der nahe dem Vorwerk am Schönhauser Tor außerhalb der Berliner Zollmauer begann und im Jahr 1860 gepflastert wurde.[1] Benannt wurde die Straße am 29. Mai 1862 nach der nordöstlich von Berlin gelegenen Stadt Schwedt/Oder in der Uckermark. Die Schreibweise war, wie damals üblich, in einem Wort: Schwedterstraße. Bereits 1862 standen entlang der Straße mehrere Wohnhäuser, zehn davon Mehrfamilienhäuser, sowie kleinere nicht nummerierte Wohngebäude, die nach ihren Eigentümern benannt waren (Kliese, Heese, Heintzel, Holzmann, Mitsching, Schultze, Scheibe, Schwarz, Streit, Schmidt, Löffler, Schütze). Eine ebenfalls nicht nummerierte Parzelle war mit einer Evangelischen Mägde-Herberge bebaut.[2]

Im Jahr 1875 war die Straße nordwestwärts verlängert und ihre Nummerierung reichte von 1 bis 46, 47 bis 221 waren als „Baustellen“ ausgewiesen. Die südliche Straßenseite ist von 222 (westlich, an der Griebenowstraße) bis zur Hausnummer 268 an der Schönhauser Allee geführt.[3]

1877 eröffnete an der Schwedter Straße nördlich der Bernauer Straße der Berliner Nordbahnhof. Als Güterbahnhof war er bis 1985 in Betrieb.

Die heutige volle Länge bis zur Behmstraßenbrücke erreichte die Schwedter Straße zum Beginn des 20. Jahrhunderts. 1901 gab es folgende Nebenstraßen: Christinenstraße, Templiner Straße, Choriner Straße, Kastanien Allee, Griebenowstraße, Fürstenberger Straße, Cremmener Straße, Oderberger Straße, Eberswalder Straße, Bernauer Straße, Gleimstraße, Ringbahn (hier befindet sich eine Fläche des Fiskus und des Güterbahnhofs der Nordbahn), Behmstraße.[4] Die Hausnummern blieben weiterhin lückenhaft.

Während der deutschen Teilung verlief ein Teil der Schwedter Straße entlang der Berliner Mauer. Zwischen der Eberswalder Straße und dem Bahndamm im Norden verlief die Grenzmauer direkt an der Westseite der Straße. Heute gehört dieser Teil der Schwedter Straße zum Berliner Mauerweg.

Verlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Amphitheater an der Schwedter Straße im Mauerpark, 2010

Die Schwedter Straße verläuft in nordwestlicher Richtung durch die Ortsteile Prenzlauer Berg und Mitte. Sie beginnt gegenüber dem Senefelderplatz an der Schönhauser Allee, um mit einem Knick nahe der Choriner Straße nach Nordnordwest zu schwenken. Im Gleimviertel durchquert sie als Fuß- und Radweg den Mauerpark, passiert Falkplatz und Gleimtunnel und führt anschließend als Fahrradstraße zu einer Fußgängerbrücke namens Schwedter Steg, die an die Behmstraße reicht. Größere Querstraßen sind die Kastanienallee, Oderberger Straße, Eberswalder Straße, Bernauer Straße und Gleimstraße. Zwischen Choriner Straße und Eberswalder Straße markiert die nordöstliche Straßenseite die Bezirksgrenze zwischen Pankow und Mitte.[5] Die Schwedter Straße ist zwischen Schönhauser Allee und Gleimstraße zudem Teil des Radfernwegs Berlin–Usedom.

Die Hausnummern sind in Hufeisenform vergeben, die Zählung beginnt an der Nordseite Ecke Schönhauser Allee. Die Nummern 53 bis 75 und 91 bis 222 sind nicht vergeben, dort befand sich zunächst der Bahnhof und später der Mauerpark.

Randbebauung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bundesarchiv Bild 183-41444-0001, Berlin, Schwedter Straße, Neubauten, Wohnblocks.jpg
Revisited (5944077990).jpg


Neubauten von 1956 und Marthashof 2011

In den 1950er Jahren ließ der damalige Stadtbezirk Prenzlauer Berg zwischen Kastanienallee und Fürstenberger Straße einige Wohnneubauten errichten.

Das Gelände des heutigen Marthashofs in der Schwedter Straße 37–40 befand sich seit Mitte des 19. Jahrhunderts im Eigentum der Kaiserswerther Diakonie. Sie unterhielt hier neben der Mägde-Herberge die Bildungsschule „Martha's Hof“. Angeschlossen waren eine Höhere Privat-Töchterschule und eine Klein-Kinderbewahr-Anstalt. Der im Zweiten Weltkrieg zerstörte Komplex wurde Anfang des 21. Jahrhunderts zur Bebauung freigegeben und es entstand ab 2008 eine Wohnanlage mit 129 Einheiten gehobener Ausstattung. Anwohnerinitiativen, die einen Park anstelle des Baus favorisiert hatten[6] befürchteten dadurch eine beschleunigte Gentrifizierung, Mietpreiserhöhungen und eine Zerstörung gewachsener Sozialstrukturen im Kiez. Die Erschließungsstraße erhielt mit der beginnenden Bebauung den Namen Marthashof.

Im Gleimviertel grenzen östlich an die Schwedter Straße und den Mauerpark der Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark und die Max-Schmeling-Halle.

Baudenkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wohnblockbebauung Ecke Christinenstraße, 2011
  • Nr. 230: ein fünfgeschossiges Wohngebäude aus der Bauzeit um 1890 mit siebenachsiger Fassade. Wurde im Jahr 1975 wiederhergestellt.[7] In der aktuellen Senatsdatenbank ist das Wohnhaus nicht mehr als Baudenkmal ausgewiesen.
  • Nr. 231: Predigerhaus der Zionskirche, 1888 erbaut[8]
  • Nr. 232–234: Dieser Baukomplex wurde 1876/1877 als 89./96. Gemeinde-Doppelschule nach Plänen von Hermann Blankenstein errichtet.[9] Das Ensemble besteht aus zwei viergeschossigen Knaben-Schulhäusern, einer Turnhalle und einem hofseitigen Winkelbau als gesonderte Mädchen-Schule mit Aula. Der gut erhaltene Klinkerbau war in der DDR die Pädagogische Schule für Kindergärtnerinnen „Friedrich Fröbel“, die aus der Grabbeallee in Pankow hierher umgezogen war.[7] In der aktuellen Senatsdatenbank ist das Schulgebäude nicht mehr als Baudenkmal ausgewiesen.
  • Nr. 261–268: Wohnblockbebauung rund um den Teutoburger Platz, die auch die Christinenstraße, Zehdenicker Straße und weitere Teile umfasst.[10]

Gedenktafel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Des deutschen Widerstandskämpfers Helmut Masche (1894–1944) wurde an dessen Wohnhaus in der Schwedter Straße 5 mit einer aus dem Jahr 1960 stammenden Gedenktafel gedacht. Die erst 1984 restaurierte Tafel wurde 1991 von Unbekannten entfernt. Der gemeinnützige Verein Aktives Museum Faschismus und Widerstand in Berlin brachte jedoch 1993 eine inzwischen ebenfalls verschwundene Ersatztafel an mit der Inschrift:

„Hier, an seinem Wohnhaus, war eine Gedenktafel für
Helmut Masche
16.3.1894–28.8.1944
Er beteiligte sich am Widerstand in der AEG Turbinenfabrik
und an illegalen KPD-Versammlungen. 1940 wurde Helmut
Masche verhaftet, im Arbeitslager Wuhlheide und im Zuchthaus Landsberg gefangengehalten und 1944
zum Tode verurteilt und hingerichtet.“

Diese war bereits vor dem Verschwinden stark zerkratzt worden.[11]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schwedter Straße (Berlin) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Verlorener Weg. In: Straßennamenlexikon des Luisenstädtischen Bildungsvereins
  2. Schwedter Straße. In: Allgemeiner Wohnungs-Anzeiger nebst Adreß- und Geschäftshandbuch für Berlin, 1863, Teil 2, S. 159.
  3. Schwedter Straße. In: Berliner Adreßbuch, 1875, Teil 2, S. 356.
  4. Schwedter Straße. In: Adreßbuch für Berlin und seine Vororte, 1901, Teil 3.1, S. 580.
  5. Zum genauen Straßen- und Grenzverlauf siehe: Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt: Karte Berlin Zoom, (Stand: 10. August 2014).
  6. Aufsatz auf scheinschlag.de
  7. a b Institut für Denkmalpflege (Hrsg.): Die Bau- und Kunstdenkmale der DDR. Hauptstadt Berlin-II. Henschelverlag, Berlin 1984, S. 311/312.
  8. Schwedter Straße 231, Predigerhaus der Zionskirche, 1888
  9. Schwedter Straße 232-234, 89. und 96. Gemeindeschule
  10. Christinenstraße 4-37, Teutoburger Platz, Platzanlage, Mietshäuser, Gewerbe- und Sozialbauten Angermünder
  11. Stefanie Endlich, Nora Goldenbogen, Beatrix Herlemann, Monika Kahl, Regina Scheer: Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus – Eine Dokumentation, Band II. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1999

Koordinaten: 52° 32′ 26″ N, 13° 24′ 16″ O