Schweißaufsicht

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Logo des Deutschen Instituts für Normung DIN EN ISO 14731
Bereich Schweißtechnik
Titel Schweißaufsicht – Aufgaben und Verantwortung
Letzte Ausgabe 2006-12
ISO 14731

Als Schweißaufsicht ist nach EN ISO 14731 „die Koordinierung von Herstellungsprozessen für alle schweißtechnischen und mit dem Schweißen verbundenen Tätigkeiten“ definiert. Die Person oder Organisation, die hierfür verantwortlich und kompetent ist, nennt man Schweißaufsichtspersonal.

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemäß EN ISO 14731 muss das Schweißaufsichtpersonal über die entsprechenden allgemeinen, technischen und schweißtechnischen Kenntnisse verfügen, um seine Aufgaben erfüllen zu können. Diese können aus einer Verbindung von theoretischem Wissen, Schulung oder Erfahrung erworben sein. Es obliegt dem Hersteller, die Anforderungen so festzulegen, dass die spezifischen Aufgaben von der Schweißaufsicht qualifiziert wahrgenommen werden können. Es wird jedoch laut EN ISO 14731 eine Mindestanforderung mit einer der folgenden Qualifikationen empfohlen:

  • Internationaler Schweißfachingenieur (SFI)
  • Internationaler Schweißtechniker (ST)
  • Internationaler Schweißfachmann (SFM, IWS, International Welding Specialist).[1]
  • Internationaler Schweißpraktiker (IWP, International Welding Practitioner).[2]

Die IIW Diplome sind, wie ein akademischer Grad, lebenslang gültig. Mit einer drei Jahre lang gültigen Zertifizierung wird entsprechend internationalem Recht die Weiterbildung und Tätigkeit als Schweißaufsicht erstmals drei Jahre nach Erteilung des Patents testiert.[3]


  • CERTIFIED INTERNATIONAL WELDING ENGINEER
  • CERTIFIED INTERNATIONAL WELDING TECHNOLOGIST
  • CERTIFIED INTERNATIONAL WELDING SPECIALIST
  • CERTIFIED INTERNATIONAL WELDING PRACTITIONER

In zahlreichen Metallberufen wird das Wissen und Können eines IWP mit der bestandenen Meisterprüfung erworben. Abhängig vom anzuwendenden technischen Regelwerk können allerdings spezifische Mindestqualifikationen festgelegt sein. So fordert die DIN EN 1090-2[4] beispielsweise für dynamisch belastete Bauteile der Klasse E ebenso wie im Bereich der Bahnanwendungen gemäß DIN EN 15085-2[5] eine Ausbildung der Schweißaufsicht zum Schweißfachingenieur.

Aufgaben und Verantwortung der Schweißaufsicht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Aufgaben und Verantwortung der Schweißaufsicht sind in der EN ISO 3834 „Qualitätsanforderungen für das Schmelzschweißen von metallischen Werkstoffen“ in Abhängigkeit von den Anforderungen festgelegt; die Arbeitsbeschreibung ist schriftlich niederzulegen. In der EN ISO 3834-2 „Umfassende Qualitätsanforderungen“ sind darüber hinaus alle zum Verantwortungsbereich der Schweißaufsicht gehören Tätigkeiten, inklusive der Arbeitsbeschreibung und des Verantwortungsbereichs der Schweißaufsicht schriftlich zu dokumentieren.

Überprüfung der Anforderungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Schweißaufsicht obliegt vor Arbeitsbeginn die Überprüfung folgender Anforderungen:

  • die anzuwendende Produktnorm
  • die Überprüfung der Fähigkeit des Herstellers, die Anforderungen zu erfüllen: Liegen z. B. die entsprechenden Herstellerzulassungen vor

Technische Prüfung und Dokumentation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die technische Prüfung ist bei und vor Fertigungsbeginn durchzuführen, unter anderem sind dies:

  • Beratung des Konstrukteurs bezüglich der Auswahl des Grundwerkstoffes und geeigneter Schweißzusätze
  • Auswahl der Schweißprozesse und Zusätze in Abhängigkeit von den Qualitäts- und Abnahmeforderungen an das Bauteil
  • Beratung des Konstrukteurs bezüglich der Schweißeignung der Konstruktion und Zugänglichkeit der Schweißnähte
  • Festlegung von Schweißfolgen und Nahtvorbereitung
  • Prüfung und Festlegung der Schweißparameter, anhand von zu erstellenden Schweißanweisungen und Arbeitsanweisungen
  • Erstellung von Dokumentationen, in der erforderlichen, geforderten oder vertraglich vereinbarten Weise
  • Technische Überprüfung der Anforderungen an die Schweißkonstruktion
  • Festlegung der Schweißtechnologie und der Schweißnahtvorbereitung, einschließlich der erforderlichen Vor- und Nachbehandlungen,
  • Erstellung und Überprüfung von Schweißanweisungen (WPS)
  • Festlegung der Mindestgröße von Kehlnahtüberlappflicken bei Reparaturen, Festlegung der versetzten Anordnung bei mehrteiligen Flicken und gerundetes Ausschneiden des geknickten Altmaterials[6]
  • Anschrägen von Reparaturteilen zur Vermeidung von Spannungsspitzen und Brüchen bei schwingender Belastung
  • Beaufsichtigung und Überwachung der Tätigkeit des ihm unterstellten schweißtechnischen Personals,
  • Ausbildung und Prüfungsvorbereitung,
  • Einsatz dieses Personals aufgrund seiner Qualifikation und Fähigkeiten
  • Überwachung der Gültigkeit der Schweißerzertifikate,
  • persönlicher Arbeitsschutz und sonstige Sicherheitseinrichtungen,
  • Veranlassung der erforderlichen Verfahrens-, Schweißer- und Schweißnahtprüfungen
  • Kontrolle der Beschaffenheit und sachgemäßen Lagerung von Werkstoffen, Zusatzwerkstoffen und Hilfsstoffen, ggf. Rücktrocknung von Schweißzusätzen
  • Bereitstellung einwandfreier Schweißgeräte, Zusatzeinrichtungen und deren Instandhaltung,
  • Überwachung und Prüfung vor, während und nach dem Schweißen, ggf. Einleitung von Korrekturmaßnahmen,
  • Wärmenachbehandlung,
  • Kennzeichnung und Rückverfolgbarkeit sowie Dokumentation.
  • Qualitätsprüfungen der Nähte und der Bauteile

Schweißfachingenieur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schweißfachingenieur (SFI) oder auch International Welding Engineer (IWE) ist eine zusätzliche Bezeichnung für einen Ingenieur, der in international genormten Lehrinhalten aus den Bereichen Schweißtechnik, Werkstoffkunde, Konstruktion und Fertigung seine Fachkunde in Prüfungen nachgewiesen hat. Mit der bestandenen Abschlussprüfung erhält der Auszubildende ein international anerkanntes Diplom.

Aufbau der Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ausbildung kann in Deutschland an allen Schweißtechnischen Lehr- und Versuchsanstalten (SLV) sowie einigen Hochschulen durchgeführt werden. In Österreich kann am WIFI die weltweit gültige Prüfung zur Schweißaufsicht nach internationalem Recht abgelegt werden. Sie gliedert sich in drei Teile und vier Hauptgebiete: Die 2 Jahre lang gültigen Fachkundeprüfungen und Nahtprüfungen (Schweißerprüfung) sind oft Bestandteil von Berufsausbildungen. Es ist hierbei unerheblich, wer (z. B. DVS, TÜV, Germanischer Lloyd, Dekra) die Schweißerprüfung abgenommen hat. Wer keine Prüfungen vorweisen kann, muss an einem Schweißpraktikum in allen Schweißverfahren teilnehmen.

  • Teil 1
    • Hauptgebiet 1: Schweißprozesse und -ausrüstung
    • Hauptgebiet 2: Werkstoffe und deren Verhalten beim Schweißen
    • Hauptgebiet 3: Konstruktion und Gestaltung
  • Teil 2: Praktische Grundlagen
  • Teil 3: Hauptlehrgang: Weiterführung Hauptgebiete 1 bis 3 und zusätzlich
    • Hauptgebiet 4: Fertigung und Anwendungstechnik

Auf die Teilnahme am Teil 1 kann oft verzichtet werden, sofern durch das absolvierte Ingenieurstudium die Inhalte von Teil 1 „Schweißtechnische Grundlagen für Ingenieure“ vermittelt wurden und dies durch eine von der Hochschule, Technikerschule oder Berufsakademie ausgestellte Bescheinigung nachgewiesen werden kann.

Verbände[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die nationale und internationale Zusammenarbeit bei der Ausbildung, Zertifizierung, Normung und technisch-wissenschaftliche Weiterentwicklung im Bereich Schweiß- und Fügetechnik wird in Deutschland durch den DVS, in Europa durch die EWF und weltweit durch das IIW koordiniert.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. DVS – Deutscher Verband für Schweißen und verwandte Verfahren e. V. (Hrsg.): Richtlinie 1170.
  2. DVS – Deutscher Verband für Schweißen und verwandte Verfahren e. V. (Hrsg.): Richtlinie 1170.
  3. Welding
  4. DIN EN 1090-2:2011-10: Ausführung von Stahltragwerken und Aluminiumtragwerken – Teil 2: Technische Regeln für die Ausführung von Stahltragwerken
  5. DIN EN 15085-2:2008-01 Bahnanwendungen – Schweißen von Schienenfahrzeugen und -fahrzeugteilen – Teil 2: Qualitätsanforderungen und Zertifizierung von Schweißbetrieben
  6. DNV GL Vorschriften und Richtlinien: Klassifikations- und Bauvorschriften: Ergänzende Vorschriften und Richtlinien. (PDF)