Schweißtuch der Veronika

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel beschreibt einen Gegenstand der christlichen Legende, für einen Roman von Gertrud von le Fort siehe Das Schweißtuch der Veronika.
Hans Memling: Hl. Veronika, um 1470
Meister der heiligen Veronika: hl. Veronika mit dem Schweißtuch Christi, um 1420. München, Alte Pinakothek (wahrscheinlich aus St. Severin in Köln)
St. Veronika mit dem Schweißtuch, gotische Skulptur, St. Lorenz (Nürnberg)
Schweißtuch der Veronika, Volkskunst 18. Jahrhundert, ausgestellt im Museumsdorf Niedersulz
Schweißtuch in der Schatzkammer der Wiener Hofburg

Das Schweißtuch der Veronika (Sudarium) ist ein Gegenstand der christlichen Überlieferung. Dieser zufolge reichte die hl. Veronika ihr Tuch Jesus Christus auf seinem Weg nach Golgota, um Schweiß und Blut von seinem Gesicht abzuwischen. Dabei soll sich das Gesicht Jesu auf wunderbare Weise auf dem Schweißtuch als sogenanntes Veronikabild eingeprägt haben.

Ursprung der Legende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Evangelien (Neues Testament) wird bei Mk 5,25 und Mt 9,20 ff über eine blutflüssige Frau berichtet, die schon zwölf Jahre an Blutungen litt und das Gewand Jesu von hinten berührte: „Sofort hörte die Blutung auf und sie spürte deutlich, dass sie von ihrem Leiden geheilt war.“ (Mk 5,29 EU)

In den apokryphen Acta Pilati, die auch Nikodemusevangelium genannt werden, trägt die blutflüssige Frau den Namen Berenike. Dessen lateinische Übertragung Veronika wurde später in der westlichen Darstellung als eine Zusammensetzung aus lateinisch vera. „wahr“ und griechisch Εικών ikon. „Bild“, in „wahres Bild“, umgedeutet.

Weiterentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einer spätantiken koptischen Version der Acta Pilati aus dem 6. Jahrhundert heilte das Schweißtuch den schwerkranken Kaiser Tiberius, indem der Anblick des Gesichtes Christi auf dem Tuch, das Veronika dem Tiberius reichte, die Heilung vom Aussatz bewirkte. Die byzantinische Legende – in Verbindung mit der Abgarlegende – erzählt, dass Jesus noch zu Lebzeiten dem König Abgar von Edessa – dem heutigen Şanlıurfa in der Türkei – ein wunderkräftiges Tuch mit dem Abbild seines Antlitzes zugesandt habe,[1] das dieser am Stadttor von Edessa anbringen ließ; dort habe sich das Bild als Ziegelabdruck erhalten. Jüngere Fassungen dieser Legende berichten, dass nicht Abgar, sondern seine Tochter Berenike das Tuch erhalten habe. Kaiser Konstantin VII. ließ demnach 944 den Abdruck in seine Palastkapelle bringen; nach der Eroberung von Konstantinopel – dem heutigen İstanbul – 1204 durch die Kreuzfahrer verlor sich seine Spur.

Die Überlieferung nach der Veronika ihr Tuch Jesus auf dem Weg nach Golgota gereicht habe, ist seit dem 12. Jahrhundert nachgewiesen. Ebenfalls seit dem 12. Jahrhundert ist in Rom ein Bild der hl. Veronika mit dem Schweißtuch bekannt, und in dieser Form fand die Überlieferung im Mittelalter weite Verbreitung. Im Kreuzweg ist diese Szene als sechste Station dargestellt.

Reliquien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Schweißtuch der Veronika war einst eine der kostbarsten und am höchsten verehrten Reliquie der Christenheit und befindet sich heute in einem gewaltigen Tresor im Veronikapfeiler, einem der Vierungspfeiler des Petersdoms in Rom, der 1506 eigens dafür über dem Grundstein der Kirche errichtet wurde. Die anderen drei Pfeiler der Vierung enthielten andere bedeutende Reliquien, die einmal im Jahr zur Verehrung gezeigt wurden, das Schweißtuch jeweils Mitte Januar am zweiten Sonntag nach dem Fest der Erscheinung des Herrn.

Eine lange als das echte Schweißtuch verehrte Kopie wurde 1721 dem Habsburger-Kaiser Karl VI. geschenkt und ist heute in der Schatzkammer der Wiener Hofburg öffentlich zugänglich. Das Wiener Schweißtuch ist mutmaßlich eine von fünf bekannten Kopien, die im Jahre 1616 vom damaligen vatikanischen Schweißtuch angefertigt wurden.

Einer neueren Theorie nach soll das Tuch der Veronika identisch mit dem Schleier von Manoppello sein, der in einer kleinen Kirche im Ort Manoppello in den Abruzzen aufbewahrt wird.

Verwendung des Motivs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An der Südseite des Kirchturms der Heilig-Kreuz-Kirche des Zentrums für christliche Meditation und Spiritualität des Bistums Limburg in Frankfurt-Bornheim befindet sich ein Putzrelief des Schweißtuchs. Das Tuch wird an den vier Kanten von symmetrischen hervortretenden Holzbalken überragt. Geschaffen wurde das Relief von dem Wiesbadener Bildhauer Arnold Hensler.[2]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im spanischen Stierkampf gibt es die Figur der „Veronica“, bei der der Matador seine muleta ähnlich hält wie Veronika das Schweißtuch in der ikonographie.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.heiligenlexikon.de/BiographienV/Veronika.htm
  2. Hermann Gille und P. Helmut Schlegel: Katholische Heilig-Kreuz-Kirche Frankfurt-Bornheim, Schnell & Steiner, Regensburg 2009

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Paul Badde: Das Göttliche Gesicht, die abenteuerliche Suche nach dem wahren Antlitz Jesu. Pattloch, München 2006, ISBN 3-629-02149-2.
  • Hans Belting: Bild und Kult. Eine Geschichte des Bildes vor dem Zeitalter der Kunst. Beck, München 1990, ISBN 3-406-34367-8 (6. Auflage. ebenda 2004, ISBN 3-406-37768-8).
  • Hermann Gille, P. Helmut Schlegel: Katholische Heilig-Kreuz-Kirche Frankfurt-Bornheim. Schnell & Steiner, Regensburg 2009, ISBN 978-3-7954-6808-8 (Kleine Kunstführer 2722).
  • Michael Hesemann: Die stummen Zeugen von Golgatha. Die faszinierende Geschichte der Passionsreliquien Christi. Hugendubel, München 2000, ISBN 3-7205-2139-7.
  • Ist ER es? Dossier. In: Die Zeit. 52 (21.Dez.) 2005, ISSN 0044-2070, S. 15f.
  • Gertrud von Le Fort: Das Schweißtuch der Veronika. (Roman). Kösel & Pustet, München 1928 (Neuauflage: Deutscher Taschenbuch-Verlag, München 1991, ISBN 3-423-11449-5 (dtv 11449)).
  • Heinrich W. Pfeiffer: Die römische Veronika. In: Grenzgebiete der Wissenschaft. 49, 2000, 3, ISSN 1021-8130, S. 225–240.
  • Joseph Sauer: Die ältesten Christusbilder. Wasmuth, Berlin 1920.
  • Daniel Spanke: Das Mandylion. Ikonographie, Legenden und Bildtheorie der „Nicht-von-Menschenhand-gemachten Christusbilder“. Ikonen-Museum, Recklinghausen 2000, ISBN 3-929040-48-4 (Monographien des Ikonen-Museums Recklinghausen 5).
  • Gerhard Wolf: Schleier und Spiegel. Traditionen des Christusbildes und die Bildkonzepte der Renaissance. Fink, München 2002, ISBN 3-7705-3632-0 (Zugleich: Berlin, Freie Univ., Habil.-Schr., 1995: Vera icon und verum corpus.).
  • Tristan Weddigen: Weaving the Face of Christ: On the Textile Origins of the Christian Image. In: Henri de Riedmatten u. a. (Hrsg.): Senses of Sight: Towards a Multisensorial Approach of the Image. Rom, 'L'Erma' di Bretschneider 2015, S. 83–110, doi:10.5167/uzh-113276.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schweißtuch der Veronika – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien