Schweigeminute (Film)

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Filmdaten
OriginaltitelSchweigeminute
ProduktionslandDeutschland
Dänemark
OriginalspracheDeutsch
Erscheinungsjahr2016
Länge89 Minuten
AltersfreigabeFSK 12[1]
Stab
RegieThorsten M. Schmidt
DrehbuchAndré Georgi
Claudia Kratochvil,
Thorsten M. Schmidt
ProduktionOliver Berben
Sarah Kirkegaard
MusikGert Wilden junior
KameraHannes Hubach
SchnittAndreas Althoff
Margit Wiltschko
Besetzung

Schweigeminute ist ein deutscher Fernsehfilm aus dem Jahr 2016 von Thorsten M. Schmidt. Dem Stoff liegt die gleichnamige Erzählung von Siegfried Lenz zugrunde.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stella Petersen kehrt nach ihrem 14-jährigen Englandaufenthalt in ihren Heimatort zurück, um dort nach dem Ende der Ferien an der Schule als Lehrerin anzufangen. Der achtzehnjährige Gymnasiast Christian Voigt, Sohn eines Steinfischers aus einem deutschen Küstenort an der Ostsee[2], verliebt sich auf den ersten Blick in die junge Frau. Doch nicht alle nehmen Stellas Rückkehr so positiv auf. Ein Schulkamerad Christians bezeichnet sie beispielsweise als Tommy-Flittchen und einige andere im Ort finden, dass sie nicht mehr so recht hierher passen würde. Christian sucht vom ersten Tag an ihre Nähe und lädt sie zu gemeinsamen Bootsfahrten ein. Er genießt die Zeit, in der er mit ihr allein ist. Ihr imponiert, wie erwachsen Christian schon für sein Alter ist und wie verantwortungsbewusst er seinem Vater bei dessen Arbeit hilft. So dauert es nicht lange und beide gehen eine Liebesbeziehung ein. Doch nachdem die Schule wieder beginnt, findet Christian kaum noch Gelegenheit, mit Stella allein zu sein. In der Öffentlichkeit ignoriert sie ihn und versucht ihr Verhältnis geheim zu halten, denn schließlich gilt in den frühen 1960er-Jahren eine Beziehung zwischen Schüler und Lehrer als Skandal. Christian hält das nicht aus und küsst Stella vor der ganzen Klasse. Daraufhin zieht sie die Notbremse und will ihn in der Öffentlichkeit nicht mehr allein treffen. So verabreden sie sich nur noch auf einer kleinen Insel. Doch auch das bleibt nicht unbemerkt. Während sein Vater volles Verständnis für seinen Sohn hat, ist seine Mutter empört.

Als Stella mit Freunden aus England übers Wochenende zu einer Segeltour aufbricht, ahnt Christian nicht, welch ein dramatisches Ende ihre Liebe nehmen wird. Im Gegenteil, er plant ihre gemeinsame Zukunft auf der kleinen Insel, auf der er die alte Hütte des Vogelwarts pachten und für sie ausbauen will. Auf Stellas Rückreise gerät das Segelboot in ein Unwetter. Bei dem Versuch, die Segel herunterzunehmen, schlägt ihr der Baum des Großsegels gegen den Kopf und sie stürzt bewusstlos ins Wasser. Sie wird ins Krankenhaus gebracht, wo sie ins Koma fällt. Mitten in der Nacht erwacht Christian von einem Traum, in dem Stella sich immer mehr von ihm entfernt. Er fährt spontan ins Krankenhaus und erfährt, dass sie vor wenigen Minuten gestorben sei.

Während in der Schule für Stella eine Schweigeminute abgehalten wird, fährt Christian ein letztes Mal zu ihrer „Vogelinsel“. Er sieht sich zusammen mit ihr dort glücklich vereint. In seinem Schmerz stürzt er sich selber vom Boot ins Wasser.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Dreharbeiten fanden vom 2. September 2015 bis zum 5. Oktober 2015 in Berlin und auf Bornholm statt.[3] Der Film wurde am 25. Juni 2016 auf dem Münchner Filmfest uraufgeführt[4] und lief am 31. Oktober 2016 erstmals im Fernsehen beim ZDF.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Von den Lenz-Verfilmungen der vergangenen Jahre ist diese, nicht zuletzt wegen des überzeugend geglückten Zusammenspiels zwischen Julia Koschitz und Jonas Nay, zweifellos die gelungenste.“

Rainer Tittelbach von tittelbach.tv meinte: „‚Schweigeminute‘ nach der Novelle von Siegfried Lenz erzählt von der ersten großen Liebe und vom ganz großen Glück. Die männliche Hauptfigur lässt die aufregende Zeit zwischen der ersten Begegnung, einem tragischen Unfall und den Tagen danach noch einmal an ihrem inneren Auge vorbeiziehen. Der Film vereint das Beste der anderen sechs Lenz-Adaptionen der letzten zehn Jahre: Zeitkolorit, ein hohes Maß an narrativer Abstraktion, eine elaborierte Filmsprache, mit Julia Koschitz und Jonas Nay eine charismatische Besetzung, Raum für eigene Lesarten. Das Sujet Liebe wird in ‚Schweigeminute‘ nicht als schöne, telegene TV-Illusion ‚Herzkino‘-like banal präsentiert, sondern vielmehr in einen geradezu philosophischen Diskurs über das Erwachsenwerden verwandelt.“[6]

Für Kino.de wertete Tilmann P. Gangloff: „Obwohl der betrübliche Ausgang der Geschichte von vornherein feststeht, erzählt das Drehbuch […] die Geschichte nicht als Tragödie; selbst wenn kurze Einschübe immer wieder daran erinnern, welch’ tragisches Ende die Beziehung nehmen wird. ‚Schweigeminute‘ ist daher so etwas wie ein Gegenentwurf zum in der Regel tendenziell kitschigen Sonntagsfilm im ZDF und der Beweis, dass eine Romanze auch als anspruchsvolles Drama mit geschmackvoll inszenierten erotischen Momenten erzählt werden kann.“[7]

Ulrich Feld von der FNP schrieb: Die „Verbotene Liebe zwischen Lehrerin und Schüler vor wildromantischem Hintergrund: Das hätte auch einen tollen Kinofilm ergeben.“[8]

Für Die Zeit und den Tagesspiegel schreibt Nikolaus von Festenberg: „Es ist ein kleines Wunder, dass es Regisseur Thorsten M. Schmidt, der mit André Georgi und Claudia Kratochvil das Drehbuch schrieb, gelungen ist, das, wie es Produzent Oliver Berben nennt, „Lenzige“ in einen Film zu überführen. Was Berben mit „lenzig“ meint, ist den nordisch strahlenden Bildern (Kamera: Hannes Hubach) anzusehen. Auch dem Spiel der Protagonisten (Julia Koschitz und Jonas Nay). Es trifft den Geist der Novelle.“[9][10]

Bei der Süddeutschen Zeitung wertete Bernd Graff: „Lenz siedelt die Geschichte einer fatalen Liebe in einem fiktiven Fischerdorf in den späten Sechzigerjahren an. Die ebenso kluge wie bildstarke Oliver-Berben-Produktion unter der Regie von Thorsten M. Schmidt, die das ZDF daraus gemacht hat, lässt sie noch etwa zehn Jahre früher spielen, was die gesellschaftliche Ächtung der Affäre noch bedrohlicher und das Aufbegehren des Paares gegen die Ächtung noch hilfloser macht. Ansonsten bleibt die Produktion recht texttreu.“[11]

Einschaltquoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Fernseherstausstrahlung von Schweigeminute am 31. Oktober 2016 wurde in Deutschland von 4,20 Millionen Zuschauern gesehen und erreichte einen Marktanteil von 13,2 % für das ZDF.[12]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung für Schweigeminute. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (PDF; Prüf­nummer: 163371/V).Vorlage:FSK/Wartung/typ nicht gesetzt und Par. 1 länger als 4 Zeichen
  2. Susanne Haverkamp: Lenz-Verfilmung „Schweigeminute“ mit Jonas Nay. noz.de, 31. Oktober 2016
  3. Schweigeminute bei crew united
  4. Schweigeminute. In: filmportal.de. Deutsches Filminstitut, abgerufen am 1. November 2016.
  5. Heike Hupertz: Wenn Zeit keine Rolle mehr spielt. In: Feuilleton. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31. Oktober 2016, abgerufen am 31. Oktober 2016.
  6. Rainer Tittelbach: Julia Koschitz, Jonas Nay, Thorsten M. Schmidt, Lenz. Er war gerade 18 Jahr... Filmkritik bei tittelbach.tv, abgerufen am 23. November 2017.
  7. Filmkritik bei Kino.de, abgerufen am 23. November 2017.
  8. Ulrich Feld: Schweigeminute: Koschitz als ideale Verführerin bei zeit.de, abgerufen am 23. November 2017.
  9. Nikolaus von Festenberg: Reise in den Liebestod bei zeit.de, abgerufen am 5. Juni 2018.
  10. Nikolaus von Festenberg: An allen Heulbojen vorbei bei tagesspiegel.de, abgerufen am 5. Juni 2018.
  11. Eine ungehörige Liebe bei sueddeutsche.de, abgerufen am 23. November 2017.
  12. Robert Meyer: Primetime-Check: Montag, 31. Oktober 2016. Quotenmeter.de, 1. November 2016, abgerufen am 1. November 2016.