Schweizer Bankwesen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Das Schweizer Bankwesen zählt zu den bedeutendsten der Welt. Sein guter Ruf basiert auf der politischen und wirtschaftlichen Stabilität der Schweiz und der Hauptaktivität der Vermögensverwaltung (englisch Wealth Management) sowie der vergleichsweise konservativen und nachhaltigen Anlage.[1]

Kritiker werfen dem Bankenplatz Schweiz vor, er begünstige durch das Schweizer Bankgeheimnis Geldwäscherei und Steuerflucht. Um diesem schlechten Ruf entgegenzuwirken hat die Schweiz 1998 ein Anti-Geldwäscherei-Gesetz erlassen. Bereits 1991 wurden die Banken von der Eidgenössischen Bankenkommission (EBK) verpflichtet, bei allen neuen Kontoeröffnungen sowie für alle bestehenden Konten die wirtschaftlich Berechtigten des Kontos zu ermitteln.[2] Die Schweiz wird im Schattenfinanzindex des Tax Justice Networks auf Platz eins gelistet. Dies geschah, nachdem auf ausländischen Druck hin das Bankgeheimnis für ausländische Einlagen generell stark gelockert worden war.

Bedeutung der Bankbranche und des Finanzplatzes Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der gesamte Finanzsektor (inklusive Versicherungen) erbrachte 2009 11 % der Bruttowertschöpfung der Schweiz (CHF 59,1 Mrd.). Davon steuerte der Bankensektor CHF 35,9 Mrd. zur Wertschöpfung bei, was einem Anteil von 6,7 % vom Bruttoinlandsprodukt entspricht. Der inländische Personalbestand im Bankensektor lag im Jahr 2009 bei 135'900 Personen. Die in der Schweiz verwalteten Vermögen beliefen sich 2009 auf CHF 5'600 Mrd., davon entfielen CHF 3'000 Mrd., etwa 54 %, auf ausländische Kunden. Im grenzüberschreitenden Vermögensverwaltungsgeschäft ist die Schweiz mit einem Marktanteil von 25 % Weltmarktführer.[3]

Die verschiedenen Bankengruppen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schweizer Banken lassen sich grob in sechs Gruppen einteilen, es handelt sich hierbei um Grossbanken, Raiffeisenbanken, Kantonalbanken, Regionalbanken und Sparkassen, Börsen-, Effekten-, Vermögensverwaltungsbanken und Privatbankiers sowie um ausländisch beherrschte Banken. Daneben gibt es etliche, z. T. auch bekannte Banken, die ihren eigenen Platz in der Branche gefunden haben sowie PostFinance, welche zwar über keine Banklizenz verfügt, als Geschäftsbereich der Schweizerischen Post aber dennoch im Retail Banking eine sehr starke Position hat.

Grossbanken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die beiden Grossbanken UBS und Credit Suisse sind die grössten Bankkonzerne der Schweiz und gehören zu den grössten der Welt. Sie treten als global tätige Universalbanken auf. Im Gegensatz zu vielen ausländischen Instituten sind sie selbst im inländischen Retail Banking landesweit die gewichtigsten, auch wenn regional vor allem die Raiffeisenbanken und die Kantonalbanken einen höheren Marktanteil haben. Im Verlauf der Zeit haben sowohl UBS wie auch Credit Suisse etliche, auch traditionsreiche Banken übernommen und in ihren eigenen Konzernen aufgelöst oder zu spezialisierten Einheiten umorganisiert und eingegliedert.

Raiffeisenbanken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 316 selbstständigen Raiffeisenbanken sind solidarisch in Raiffeisen Schweiz zusammengeschlossen, in deren Rahmen sie gegenseitig haften. Raiffeisen Schweiz koordiniert die Aktivitäten der Gruppe, schafft Rahmenbedingungen für die Geschäftstätigkeit der örtlichen Raiffeisenbanken (beispielsweise IT, Infrastruktur, Refinanzierung) und berät und unterstützt sie in sämtlichen Belangen. Das Tätigkeitsgebiet der Raiffeisenbanken liegt traditionell im lokalen Retail Banking und in der Kreditvergabe an örtliche kleine und mittlere Unternehmen. Raiffeisen Schweiz ist die drittgrösste Bankengruppe der Schweiz.

Kantonalbanken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Kantonalbank

Zusammengenommen würden die Kantonalbanken die drittgrösste Bankengruppe der Schweiz bilden. Doch im Gegensatz zu den Raiffeisenbanken bilden die Kantonalbanken keine Bankengruppe, sondern sind rechtlich und wirtschaftlich absolut selbständige und z. T. konkurrierende Banken. Ihr Tätigkeitsgebiet liegt traditionell im Retail Banking und Bankgeschäft für kleine und mittlere Unternehmen innerhalb des eigenen Kantonsgebietes. Einzelne Kantonalbanken, wie die Zürcher Kantonalbank und die Banque Cantonale Vaudoise haben ihr Tätigkeitsgebiet auf die Vermögensverwaltung und auf das Investmentbanking ausgedehnt und sich so wichtige zusätzliche Ertragspfeiler geschaffen. Die Zürcher Kantonalbank ist die mit Abstand grösste Kantonalbank und macht rund ein Viertel der Bilanzsumme bzw. des Personalbestandes sämtlicher Kantonalbanken aus. Die Zürcher Kantonalbank ist damit die viertgrösste Bank der Schweiz.

Regionalbanken und Sparkassen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Regionalbanken und Sparkassen (Schweiz)

Das Tätigkeitsgebiet der Regionalbanken liegt traditionell ebenfalls im lokalen Retail Banking. 36 der 63 Schweizer Regionalbanken und Sparkassen sind dem Verband Schweizer Regionalbanken, der RBA-Gruppe, angeschlossen. Die der Holding angeschlossenen Banken agieren jedoch weiterhin als selbständige Institute.

Die übrigen 27 Regionalbanken, darunter vier der insgesamt fünf grössten Regionalbanken der Schweiz, sind nicht der RBA-Holding angeschlossen. Einige von ihnen wurden im Verlauf der Zeit von Finanzkonzernen übernommen und werden als selbständige Geschäftsbereiche innerhalb des Konzerns geführt. Hierzu gehört die grösste Regionalbank der Schweiz, die Neue Aargauer Bank, als Tochtergesellschaft der Credit Suisse Group sowie die drittgrösste, die Baloise Bank SoBa, als Tochtergesellschaft der Bâloise-Holding.

Börsen-, Effekten-, Vermögensverwaltungsbanken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schweizer Börsen-, Effekten-, Vermögensverwaltungsbanken und Privatbankiers haben eine bis über 250-jährige Tradition und gelten als die eigentlichen Väter des Schweizer Finanzplatzes. Diese lassen sich heute in zwei Gruppen aufteilen. Auf der einen Seite sind es die eigentlichen Privatbankiers, welche keine Gesellschaft bilden, sondern heute noch als private Bankiers tätig sind und mit ihrem guten Ruf und ihrem gesamten privaten Vermögen haften. Die beiden mit Abstand grössten unter ihnen sind Pictet & Cie sowie Banque Lombard Odier & Cie, welche, gemessen an den verwalteten Vermögen von CHF 420 Mrd. bzw. CHF 180 Mrd., hinter UBS und Credit Suisse die dritt- bzw. hinter Julius Bär die fünftgrösste Vermögensverwalterinnen der Schweiz sind. Auf der anderen Seite sind die Privatbanken, die ursprünglich ebenfalls Privatbankiers waren, im Verlauf der Zeit in eine Gesellschaft umgewandelt wurden. Die mit Abstand grösste unter ihnen ist die traditionsreiche Julius Bär, welche, gemessen an den verwalteten Vermögen von CHF 406 Mrd., die viertgrösste Vermögensverwalterin und gemessen an der Bilanzsumme die achtgrösste Bank der Schweiz ist.

Ausländische Banken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Bankenplatz Schweiz haben sich auch etliche ausländische Banken niedergelassen, oft durch Eröffnung einer eigenen Filiale, Übernahme einer bereits bestehenden Bank oder Gründung einer eigenen Tochtergesellschaft. Die Filialen ausländischer Banken sind wirtschaftlich und rechtlich keine eigene Rechtspersönlichkeiten in der Schweiz, sondern sind ihren Muttergesellschaften unterstellt. Die ausländisch beherrschten Banken sind mehrheitlich in der Vermögensverwaltung sowie im Investmentbanking tätig, haben ihre Sitze vor allem in Zürich oder Genf und spielen eine wichtige Rolle auf dem Finanzplatz Schweiz. Die beiden grössten in der Gruppe der übrigen Banken, zu welchen die ausländisch beherrschten Banken gehören, die HSBC Private Bank (Suisse) SA und die BNP Paribas (Suisse) SA, sind, gemessen an der Bilanzsumme von CHF 58,3 Mrd. bzw. 38,5 Mrd. die fünft- bzw. sechstgrösste Bank der Schweiz. Crédit Agricole (Suisse) ist die drittgrösste ausländisch beherrschte und insgesamt die neuntgrösste Bank der Schweiz. Mit einem Anteil von 17 % sind die ausländischen Banken hinter den Grossbanken aber vor den Kantonalbanken die zweitwichtigsten Arbeitgeber der Bankbranche.

Sonstige Banken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben den in den oben genannten Gruppen eingeteilten Banken gibt es noch etliche weitere, manche davon haben sich eine eigene Nische geschaffen. Als Beispiele sind die im Retail Banking tätige Migros Bank, Tochtergesellschaft des Detailhandelskonzerns Migros, die ebenfalls im Retail Banking tätige Bank Cler, bei der heute die Basler Kantonalbank Mehrheitsaktionär ist, die aber zuvor Tochtergesellschaft des Detailhandelskonzerns Coop war, die in der Vermögensverwaltung und im Kreditkartengeschäft tätige Cornèr, die genossenschaftlich organisierte WIR Bank oder auch die nach ökologisch und sozialen Grundsätzen tätigen Banken Alternative Bank Schweiz und Freie Gemeinschaftsbank zu nennen.

PostFinance als Spezialfall[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Gegensatz zur deutschen Postbank ist PostFinance keine Bank, sondern lediglich ein Geschäftsbereich der Schweizerischen Post. Durch das Fehlen einer Banklizenz beschränkt sich das Tätigkeitsgebiet von PostFinance auf sein traditionelles Hauptgebiet – den nationalen und internationalen Zahlungsverkehr und die dazugehörigen Dienstleistungen, sowie auf den Vertrieb von einzelnen in Kooperation mit Banken geschaffenen Finanzdienstleistungen bzw. -produkten. Dennoch positioniert sich PostFinance als Nummer fünf unter den Retailfinanzinstituten.

[Anmerkung: Die PostFinance hat im Frühjahr 2013 eine offizielle Bankenlizenz bekommen und wird im Zuge ihrer Umwandlung in eine öffentliche Aktiengesellschaft der regulären FINMA-Aufsicht unterstehen (2./3. Quartal 2013) [4] ]

Die grössten Banken der Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Tabelle zeigt die grössten Banken der Schweiz gemessen jeweils nach verschiedenen Kennzahlen per Ende 2017. Nebst den acht grössten Instituten nach Bilanzsumme enthält die Tabelle auch die Banken, die jeweils gemessen an den verwalteten Vermögen, dem Eigenkapital oder der Mitarbeiterzahl unter den grössten acht rangieren.

Bank (auf Konzernebene) 1 Hauptsitz Bilanzsumme
(Mrd. CHF)
verwaltete
Vermögen
(Mrd. CHF)
Eigenkapital
(Mrd. CHF)
Reingewinn
(Mio. CHF)
Mitarbeiter
UBS Zürich 915,61 3179 51,2 47 61'253
Credit Suisse Zürich 796,29 1376 41,9 −983 46'800
Raiffeisen Schweiz St. Gallen 228,15 210 2,2 47 9411
Zürcher Kantonalbank Zürich 163,88 289 11,2 782 5117
PostFinance Bern 120,84 120 6,6 420 3474
Julius Bär Zürich 97,92 388 5,9 716 6292
Banque Cantonale Vaudoise Lausanne 45,42 86 3,4 320 1922
Migros Bank Zürich 43,29 34 3,7 201 1319
Basler Kantonalbank Basel 40,77 24 3,9 103 1244
Pictet & Cie Genf 37,29 509 2,8 572 4220

1 sämtliche Zahlen 2017 auf Konzernebene, inklusive Tochtergesellschaften

Geschichte des Schweizer Bankwesens[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Bankenwesen in der Schweiz nahm seinen Anfang im späten Mittelalter[5]. Im Jahr 1853 wurde in Genf die Banque Générale Suisse geschaffen, die bis 1869 existierte, 1856 gründete sich die Schweizerische Kreditanstalt (SKA) in Zürich.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Im Auge des Orkans. Der damalige CEO der Bank Bär, Alex Widmer, in der Weltwoche 31/2008 über seine Erfahrungen in den USA.
  2. Montebourg-Bericht: Weitgehend ungerechtfertigter Rundumschlag gegen den Finanzplatz Schweiz. Eidgenössisches Finanzdepartement, 21. Februar 2001 (Seite abgerufen am 15. April 2008)
  3. Schweizer Bankgeheimnis wird gelüftet n-tv.de, 3. September 2013, abgerufen am 2. November 2013.
  4. PostFinance AG wird der Aufsicht der FINMA unterstellt
  5. Die Entstehung der öffentlichen Banken (15. Jahrhundert). Historisches Lexikon der Schweiz. 17. August 2006. Abgerufen am 12. April 2017.