Schweizer Filmwochenschau

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Die Schweizer Filmwochenschau war eine vom Bundesrat in Auftrag gegebene Reihe von Filmbeiträgen, die wöchentlich im Vorprogramm der Kinos gesendet wurde. Als Ergänzung zu den Nachrichten in den Zeitungen und dem Radio abonnierten die Kinos – anfangs noch obligatorisch – die Filmbeiträge über Aktualitäten aus Politik, Kultur, Wissenschaft, Technik, Sport und Unterhaltung, wobei die Filme in deutscher, französischer und italienischer Sprache ausgestrahlt wurden. Produzentin war die in Lausanne ansässige Cinégram. Mit der Verbreitung der privaten Fernsehgeräte und dem Fernsehen als Massenmedium verlor die Wochenschau an Bedeutung, bis sie mangels Abonnementen den Betrieb einstellen musste.

Vorläufer 1923–1936[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Vorläufer der Schweizer Filmwochenschau gilt die ab September 1923 in Lausanne produzierte Wochenschau der Office cinématographique, einer Unternehmung von Emile Taponnier, Jacques Béranger und Arthur-Adrien Porchet. Die ausländische Konkurrenz war allerdings zu stark, was im März 1936 zu einer Einstellung der Produktion führte.

Die Schweizer Filmwochenschau 1940–1975[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründung 1940 und Obligatorium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bundesrat forderte primär darum eine schweizerische Wochenschau, weil er Ende der 1930er-Jahre vor allem der in der Schweiz stark präsenten nationalsozialistischen, aber auch der französischen Propaganda eine eigene Filmwochenschau entgegenhalten wollte.[1] Der Bund beteiligte sich teilweise an den Kosten der Produktionen. Mit Bundesratsbeschluss vom 16. April 1940 wurde die Vorführung in den Schweizer Kinosälen obligatorisch. Das Obligatorium begründete er 1940 mit finanziellen und politischen Überlegungen – einerseits, um "zunächst überhaupt die ökonomische Existenzgrundlage für eine schweizerische Filmwochenschau zu schaffen", andererseits sei es infolge des Kriegs ein Bedürfnis, "neben Presse und Funkspruch auch den Film in den Dienst unseres nationalen Lebens und unserer nationalen Aufgaben zu stellen"[2]. Erst im Januar 1946 schaffte der Bundesrat das Obligatorium ab.[3]

Beiträge der Filmwochenschau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die jeweils rund fünf bis acht Minuten dauernde Filmwochenschau stand im Zeichen der Geistigen Landesverteidigung – sowohl während der Zeit des Zweiten Weltkriegs als auch im Kalten Krieg.

Zugang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen 1940 und 1975 sind über 6'600 Beiträge produziert worden. Diese werden seit 2017 sukzessive online zugänglich gemacht und stehen der Öffentlichkeit auf der Online-Plattform des Vereins Memoriav und der Archivdatenbank des Schweizerischen Bundesarchiv zur Verfügung.[4][5]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rebekka Fränkel: Bilder der „sonntäglichen“ Schweiz. Die Schweizer Filmwochenschau in der Ära des Kalten Krieges. Lizenziatsarbeit, 2003 (PDF)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Botschaft des Bundesrates an die Bundesversammlung über die Schaffung einer Schweizerischen Filmkammer vom 13. Juli 1937, S. 494 (Digitalisat des Schweizerischen Bundesarchivs)
  2. Dritter Bericht des Bundesrates an die Bundesversammlung über die auf Grund der ausserordentlichen Vollmachten ergriffenen Massnahmen vom 19. November 1940, S. 1200 (Digitalisat des Schweizerischen Bundesarchivs)
  3. Massnahmen betr. die Schaffung einer schweizerischer Filmwochenschau. Bundesratsbeschluss vom 16. April 1940 (Digitalisat des Schweizerischen Bundesarchivs)
  4. Der Geist der Schweiz. In: tagesanzeiger.ch. Abgerufen am 23. November 2016.
  5. Zehn Jahre Schweizer Geschichte gehen online (1950-1959), Medienmitteilung des Bundesarchivs vom 27. Oktober 2017.