Schweizerische Südostbahn (2001)

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Schweizerische Südostbahn AG

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Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 2001
Sitz St. Gallen, Schweiz
Leitung Hans Altherr
(VR-Präsident)
Thomas Küchler (CEO seit 1. Januar 2010)
Mitarbeiterzahl 544 FTE (Ende 2015)
Umsatz 174.7 Mio. CHF (2015)
Branche Verkehrsunternehmen
Website www.sob.ch

Die Schweizerische Südostbahn (SOB) ist eine normalspurige Eisenbahngesellschaft in der Zentral- und Ostschweiz mit Sitz in St. Gallen. Sie entstand 2001 aus einer Fusion der ehemaligen Schweizerischen Südostbahn und der Bodensee-Toggenburg-Bahn. 2006 kam im Rahmen einer Netzbereinigung mit den SBB der obere Teil der früheren Toggenburgerbahn dazu, im Gegenzug gab die SOB ihre Anteile an den Gemeinschaftsbahnhöfen ab. Die SOB unterhält heute ein Streckennetz von 123 km Länge. Charakteristisch für das SOB-Südnetz sind die Steigungen von bis zu 50 Promille.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorgängerbahnen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die älteste Strecke der SOB über den Seedamm bei Rapperswil mit dem neuesten Fahrzeugtyp, einem Flirt.
Gepäcktriebwagen De 4/4 22 der «alten» Südostbahn in Einsiedeln

Die älteste Strecke der SOB ist Lichtensteig–Ebnat-Kappel. Diese wurde am 24. Juni 1870 im Zuge der Strecke Wil–Ebnat der Toggenburgerbahn eröffnet.

1877 nahm die erste der beiden Vorläuferinnen der «alten» Südostbahn den Betrieb auf, die Wädenswil-Einsiedeln-Bahn (WE). Bereits 1878 folgte die Zürichsee–Gotthardbahn (ZGB), welche die Bahnstrecke über den gleichzeitig eröffneten Seedamm von Rapperswil errichtete.

Zwölf Jahre später, am 1. Januar 1890 entstand die Schweizerische Südostbahn mit Sitz in Wädenswil, durch die Fusion der WE und der ZGB, sowie den beiden Initiativkomitees für die Strecken Biberbrücke–Goldau und Pfäffikon–Samstagern. Die bestehenden Strecken WädenswilEinsiedeln und RapperswilPfäffikon SZ wurden erst mit der im Jahre 1891 eröffneten Linien Pfäffikon SZ–Samstagern und BiberbruggArth-Goldau zu einem zusammenhängenden Streckennetz verbunden, das die SOB heute als Südnetz bezeichnet.

1904 wurde die Bodensee-Toggenburg-Bahn (BT) gegründet. Die BT eröffnete die Strecke RomanshornSt. Gallen St. Fiden und St. Gallen HBLichtensteigWattwil im Jahre 1910. Der Abschnitt Lichtensteig–Wattwil wurde parallel zur bestehenden Strecke der SBB gebaut, welche im selben Jahr die Strecke von Wattwil aus, durch den Rickentunnel nach Uznach verlängerte. Zwei Jahre später eröffnete die BT die Strecke Ebnat-KappelNesslau-Neu St. Johann und pachtete die bestehende SBB-Strecke Wattwil–Ebnat-Kappel für einen durchgehenden Betrieb.

Durch die verschiedenen Berührungspunkte arbeiteten sowohl die BT als auch die SOB schon früh mit den SBB zusammen. Die durchgehenden Züge von Romanshorn über Rapperswil und Arth-Goldau nach Luzern welche von den drei Gesellschaften gemeinsam betrieben werden, wurden ab 1992 unter dem Namen Voralpen-Express geführt und die Allianz wurde 1998 als einfache Gesellschaft formalisiert.

Fusion und weitere Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von der BT stammender Pendelzug im Jahr 2005 im Bahnhof Arth-Goldau. Der Triebwagen und der zweite Zwischenwagen tragen bereits den neuen Anstrich der SOB, der Steuer­wagen fährt noch in den Farben der BT.
Schubdienste waren bis 2013 nicht unüblich: In Biberbrugg abgekuppelter BDe 4/4 trennt sich vom Voralpen-Express, nachdem er diesen ab Pfäffikon SZ geschoben hat.

Rückwirkend auf den 1. Januar 2001 fusionierten die beiden Bahngesellschaften BT und SOB zur «neuen» Schweizerischen Südostbahn mit Sitz in St. Gallen. Dadurch wurden die Besitzverhältnisse neu verteilt – die heutige SOB gehört zu 35,83 % dem Bund, zu 19,17 % dem Kanton St. Gallen, zu 17,58 % diversen Gemeinden und Bezirken, zu 12,27 % den Kantonen Schwyz, Zürich, Thurgau und Appenzell Ausserrhoden, während sich die restlichen 15,15 % bei Privaten im Streubesitz befinden.

Nach der Fusion kam es zu verschiedenen Strukturbereinigungen. 2006 wurden die Eigentumsgrenzen zwischen dem SOB-Ostnetz und den SBB bereinigt. Bis dahin gehörte auf der doppelspurigen Strecke Lichtensteig–Wattwil (2,5 km) ein Gleis der SOB, das andere den SBB. Zudem wurde das Teilstück Wattwil–Ebnat-Kappel (4,9 km) von den SBB an die ehemalige BT bzw. die jetzige SOB verpachtet. Seit der Netzbereinigung gehören beide Abschnitte und die Bahnhöfe Lichtensteig und Wattwil vollumfänglich der SOB. Im Gegenzug übergab die SOB alle Eigentumsrechte am Bahnhof St. Gallen. Seit Dezember 2013 ist die Südostbahn vollumfänglich für den Voralpen-Express verantwortlich. Vorher war ein Joint Venture zuständig, an dem die SOB zu ⅔ und die SBB zu ⅓ beteiligt waren.

Seit 2013 verkehrt der Voralpen-Express als Doppelpendelzug mit zwei Triebfahrzeugen, um auf den bei grossem Verkehrsandrang notwendigen Schubbetrieb auf den Steilstrecken des Südnetzes verzichten zu können. Bis zum gleichen Jahr stellte die SOB Lokomotive mit dem Lokomotivführer und (bis Dezember 2008) den Buffetwagen für die werktags verkehrenden Berufspendlerzüge Einsiedeln–Wädenswil–Zürich Altstetten («Gipfeli-Express»), für die die SBB die Konzession hatten und die Erst- und Zweitklass-Wagen stellten. Im Juni 2014 stellten die SBB den «Gipfeli-Express» ein.

2017 gab die Südostbahn bekannt, den Abschnitt Wattwil–Nesslau Neu St. Johann mit einem automatischen S-Bahn-Zug mit Lokomotivführer betreiben zu wollen, der Lokomotivführer wird aber als Überwacher im Führerstand bleiben und wenn nötig eingreifen..
Siehe Abschnitt Automatisierter Fahrbetrieb im Artikel Bodensee-Toggenburg-Bahn

Ab Fahrplanwechsel 2020 befährt die SOB im Co-Branding mit den SBB die Linien ZürichZugArth-Goldau– / BaselOltenLuzern–Arth-Goldau–Gotthard-BergstreckeBellinzonaLocarno/Lugano und BernBurgdorfLangenthalOlten-Zürich–PfäffikonZiegelbrückeSargansChur. Zum Einsatz kommen Flirt-3-Züge, wie sie 2016 für den Voralpen-Express bestellt wurden.[1] Sie sind für den touristischen Verkehr entlang des Zürich- und Walensees besser geeignet als Doppelstockzüge RABe 511 der SBB.[2]

Streckennetz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Voralpen-Express, hier zwi­schen Immensee und Arth-Goldau am Zugersee, befährt die SBB-Strecke Arth-Goldau–Luzern im Netzzugang.
Voralpen-Express auf dem 99 m hohen Sitterviadukt der SOB

Seit der Fusion 2001 und dem Infrastrukturabtausch 2006 mit den SBB verfügt die Südostbahn über folgende Strecken:

Die Bahnhöfe Romanshorn und Pfäffikon SZ sowie die Streckenabschnitte St. Gallen St. FidenSt. Gallen, Wattwil (exklusive)–Rapperswil und Arth-Goldau–Luzern gehören den SBB und werden aufgrund der gesetzlichen Bestimmungen von der SOB im Netzzugang befahren. Der fahrplanmässige Verkehr wurde noch bis im Dezember 2009 zwischen den beiden Bahnen und mit der SBB-Tochter Thurbo grösstenteils auf vertraglicher Basis geregelt, das heisst zwischen Wattwil und Rapperswil waren alle Züge rechtlich gesehen SBB-Züge, wurden aber teilweise von der SOB mit ihrem Personal und Material geführt. Umgekehrt fuhren z. B. die Thurbo-GTW nach Herisau formell als SOB-Züge. Die SOB-Strecke über den Seedamm wurde dagegen von SBB-Zügen im Netzzugang befahren – die SOB-Station Hurden wurde tagsüber sogar ausschliesslich von den SBB (S5) bedient. Seit Dezember 2013 fahren SOB, SBB und Thurbo je ihre eigenen Linien im Netzzugang. Auf den Streckenabschnitten Romanshorn–St. Gallen und Wattwil–Nesslau-Neu St. Johann fahren keine SOB-Züge mehr.

Ungefähr ein Achtel der ganzen Strecke liegt auf Grund der schwierigen Topografie auf 177 Brücken oder in den 19 Tunnels und ist daher auch eine von Touristen gerne genutzte Bahn. Die höchste Eisenbahnbrücke der Schweiz, das Sitterviadukt zwischen St. Gallen Haggen und Gübsensee bei Herisau ist im Eigentum der SOB.

Liniennetz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Voralpen-Express
S-Bahn St. Gallen
  • S 4 Sargans – St. Margrethen – St. Gallen – Wattwil – Uznach – Sargans
  • S 81 Herisau – St. Gallen – Wittenbach
S-Bahn Zürich
March-Shuttle
S-Bahn Luzern

Ausblick[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Per 13. Dezember 2020, im Regionalverkehr: Übernahme der S 6 der S-Bahn St. Gallen von den SBB[3]
  • Per 13. Dezember 2020, im Fernverkehr: Betriebsaufnahme der Linie «Treno Gottardo» (Basel–/Zürich–Arth-Goldau–Göschenen–Locarno), in Kooperation mit den SBB
  • Per 12. Dezember 2021, im Fernverkehr: Betriebsaufnahme der Linie «Aare Linth» (Bern–Zürich–Chur), in Kooperation mit den SBB; Durchbindung des heutigen IR17 Bern–Zürich mit dem RE Zürich–Chur

Rollmaterial[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stand März 2018

Elektrische Lokomotiven

Re 456 mit Voralpen-Express auf dem Seedamm
  • 0 × SOB Be 4/4
    416 011-5, verkauft 2015 an Schorno Locomotive Management (SLM)
  • 4 × SOB Re 446 015–018
    vorher Re 4/4 446 445–448 (1982) SLM, BBC; 1995 von den SBB übernommene Re 4/4IV 10101–10104
  • 6 × SOB Re 456 091–096 (1987)
  • 0 × RM Re 456 142–143 (1993)
    ursprünglich VHB, 2002 von RM, heute BLS langfristig gepachtet (per 15. Juni 2011 an die BLS zurückgegeben)
  • 0 × Eea 936 031–032
    Dreiachsige elektrische Rangierlokomotiven Baujahr 1966, 1995 (ex RAG), abgebrochen / abgestellt
  • 5 × Te 216 035–039
    Zweiachsige elektrische Rangierlokomotiven, Baujahre 1941...66

Diesellokomotiven/Mehrzweckfahrzeuge

SOB Diesel-Kleinlokomotive TM 236 002 mit Schneeräumschilden
  • 0 × Am 846 033 (1964/93)
    ex DEG VE 151 ex WLE DE 0901 ex Krupp/AEG 201 001-5, im Sommer 2013 an Swiss Rail Traffic verkauft [4]
  • 8 × Tm 236 001–002 und 004–009
    zweiachsige Diesel-Kleinlokomotiven, Baujahre 1962...92
  • 1 × MPV 99 85 9131 005
    (006 2014 an Kummler und Matter verkauft) [5]
  • 3 × Tm 234 501–503
Regionalverkehrspendelzug NPZ Typ SBB der SOB

Triebwagen/-züge

  • 1 × SOB BDe 576 048–060 «Hochleistungstriebwagen»
    ehemals SOB ABe 4/4 71, BDe 4/4 81–87 > BDe 576 480–487
    ehemals BT BDe 4/4 50–53 > BDe 576 050–053
    ausrangiert/verkauft ausser BDe 576 058 (ex SOB 86)
  • 4 × SOB RBDe 566 071–076 «Privatbahn-NPZ»
    ehemals BT RABDe 4/12 «Triebzug»
    071 und 074 ausrangiert als Ersatzteilspender
  • 4 × SOB RBDe 561 081–084 «VAE-NPZ»
    ehemals SOB RBDe 566 077–080 «SBB-NPZ» Serie 4
  • 1 × SOB RBDe 561 174 «VAE-NPZ»
    ex MThB RBDe 566 634
  • 11 × SOB RABe 526 041–051 (2007–2008), «SOB-Flirt»
  • 12 × SOB RABe 526 052–063 (2013), «SOB-Flirt» Serie 2

Ausblick[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2016 wurden bei Stadler Rail insgesamt elf Flirt-3-Triebzüge bestellt; die sechs als «Traverso» bezeichneten achtteiligen Flirt (8/20) bestehen aus zwei kurzgekuppelten, vierteiligen Flirt (4/10) in Fernverkehrsausführung, und werden die Garnituren des Voralpen-Express ablösen. Die fünf zusätzlichen, vierteiligen Flirt (4/10) können sowohl der Verstärkung des «Traverso» dienen, wie auch im Regionalverkehr eingesetzt werden.[6]

Im Dezember 2017 wurden weitere elf «Traverso» für die Gotthardbergstreckenzüge «Treno Gottardo» bestellt, im Dezember 2018 gefolgt von einer Bestellung von sieben weiteren «Traverso» für das «Aare Linth»-Angebot, wie auch von fünf weiteren vierteiligen Flirt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schweizerische Südostbahn (2001) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. SOB fährt ab 2020 zwei Linien für die SBB. Strategische Kooperation zwischen SOB und SBB. In: Medienmitteilung der SOB. 7. Juli 2017, abgerufen am 8. Juli 2017.
  2. Tobias Gafafer: Ribar greift in Streit um Bahnlinien ein. In: St. Galler Tagblatt. 13. Juli 2017, S. 5 (online, abgerufen am 18. Juli 2017).
  3. Medienmitteilung: SOB und SBB bauen das Angebot im Raum Obersee / Glarnerland aus, 10. Juli 2018
  4. Swiss Rail Traffic [1], abgerufen am 19. August 2013.
  5. Typenskizze des SOB-MPV
  6. Elektrischer Niederflurtriebzug FLIRT-Voralpenexpress (Stadler)