Schweizerischer Erdbebendienst

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Logo Schweizerischer Erdbebendienst, 2014

Der Schweizerische Erdbebendienst (SED) an der ETH Zürich ist die Fachstelle des Bundes für Erdbeben. In dessen Auftrag überwacht er die Erdbebenaktivität in der Schweiz sowie im grenznahen Ausland und beurteilt die Erdbebengefährdung in der Schweiz. Im Falle eines Erdbebens informiert der SED Öffentlichkeit, Behörden und Medien über den Ort, die Stärke und mögliche Auswirkungen. Die Aktivitäten des SED sind in das eidgenössische Massnahmenprogramm Erdbebenvorsorge eingebunden.[1] Ausserdem betreibt er Forschung und Lehre und ist zuständig für die Schweizer Beteiligung an der internationalen Atomteststoppüberwachung.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Anfänge des Schweizerischen Erdbebendienstes gehen zurück auf die Gründung der Erdbebenkommission im Jahr 1878. 1914 wurde das Mandat zur Erdbebenüberwachung im Bundesgesetz festgeschrieben und damit eine zuvor ehrenamtlich ausgeführte Aufgabe in eine Institution überführt. In seiner heutigen Form als ausserdepartementale Einheit an der ETH Zürich besteht der SED seit 2009.[2]

Erdbebenüberwachung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rund um die Uhr überwachen über 150 vom SED installierte und betreute Messstationen die Erdbebenaktivität in der Schweiz und im grenznahen Ausland. Das Datenverarbeitungszentrum in Zürich erfasst Daten, die von zwei verschiedenen Quellen in der Schweiz aufgezeichnet werden:[3]

  • Das Nationale Netzwerk der Schweiz (CHNet), bestehend aus dem Breitbandnetz (SDSNet) und dem Starkbebennetz (SSMNet), die vorwiegend Breitbandseismometer nutzen, um schwache lokale, mässige regionale und mässige bis starke globale Erdbeben zu registrieren, sowie Akzelerometer, um mässige und starke lokale Erdbeben zu registrieren.
  • Spezielle (häufig temporäre) Netzwerke zur Überwachung erhöhter natürlicher Erdbebenaktivität können eingesetzt werden, um Nachbeben und geothermische Exploration zu kontrollieren, Forschungs- und Ausbildungsprojekte zu unterstützen (wie z. B. AlpArray und seismo@school) oder gewerbliche Aufträge von Dritten auszuführen.

Zusammenarbeit findet mit ausländischen Erdbebendiensten statt, etwa mit dem Landeserdbebendienst Baden-Württemberg (LED).

Erdbebengefährdung in der Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Vergleich mit anderen europäischen Ländern weist die Schweiz eine mittlere Erdbebengefährdung auf, wobei regionale Unterschiede bestehen: Im Wallis, in Basel, im St. Galler Rheintal, in Mittelbünden, im Engadin und in der Zentralschweiz werden mehr Erdbeben registriert als in anderen Gebieten. Erdbeben können aber jederzeit und überall in der Schweiz auftreten.

Mit einem starken Erdbeben mit einer Magnitude von etwa 6 ist im Durchschnitt alle 50 bis 100 Jahre zu rechnen. Ein Erdbeben dieser Stärke ereignete sich zum vorerst letzten Mal im Jahr 1946 bei Sierre im Wallis.

Das bisher stärkste Erdbeben in der Schweiz, das Basler Erdbeben 1356, hatte eine Magnitude von etwa 6.6 und zerstörte im Jahr 1356 grosse Teile der Stadt Basel. Käme es heute in Basel zu einem ähnlichen Erdbeben, wäre mit mehreren tausend Todesopfern, zehntausenden Schwer- und Leichtverletzten sowie mit Sachschäden in der Grössenordnung von etwa 140 Milliarden Schweizer Franken zu rechnen.

Den besten Schutz vor den Auswirkungen eines Erdbebens bieten eine erdbebengerechte Bauweise sowie das Sichern von Gegenständen, die herunterfallen könnten. In der Schweiz ist bei 90 Prozent der Gebäude unklar, inwieweit sie einem starken Erdbeben standhalten. Nur wenige Kantone schreiben die Einhaltung der Baunormen für erdbebengerechtes Bauen gesetzlich fest.[4][5]

Alarmierung im Ereignisfall[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erdbeben lassen sich weder vorhersagen noch verhindern. Der SED zeichnet die Erschütterungen des Bodens jedoch kontinuierlich auf. Innert ungefähr 90 Sekunden erscheinen auf der Webseite www.seismo.ethz.ch Angaben zum Zeitpunkt, zum Ort, zur Stärke und zu den möglichen Auswirkungen eines Bebens.

Möglicherweise spürbare Erdbeben meldet der SED automatisch an Behörden und Medien. Gleichzeitig werden diese Informationen dem 24-Stunden Pikettdienst des SED via Pager, E-Mail und SMS übermittelt. Dieser steht Behörden und Medien für weiterführende Informationen zu aktuellen Erdbeben zur Verfügung und erarbeitet Hintergrundinformationen, die auf der Webseite veröffentlicht werden. Bei grossen Schadensbeben weltweit informiert der SED zusätzlich das Schweizerische Korps für humanitäre Hilfe (SKH).[6]

Forschung und Lehre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Forschenden des SED beteiligen sich neben der Erdbebenüberwachung und der Beurteilung der Erdbebengefährdung an vielen nationalen und internationalen Forschungsprojekten, die zum Grossteil durch Drittmittel finanziert werden. Dies garantiert einen regen fachlichen Austausch über die Landesgrenzen hinaus. Gebiete, in denen sich die Forschenden am SED engagieren sind zum Beispiel die Glazio- und Ingenieur-Seismologie, statistische Seismologie, induzierte Seismizität, die Überwachung von Felsstürzen und Seismotektonik. Ebenfalls eine wichtige Rolle für den SED spielt die Ausbildung von Nachwuchsforschenden. Dies geschieht in Form von Vorlesungen und Seminaren, die in den Lehrbetrieb der ETH integriert sind, sowie durch die Betreuung von Master- und Doktorarbeiten.[7]

Atomteststoppüberwachung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

BW

Im Jahr 1996 haben sich die Staaten der UNO darauf geeinigt, einen Vertrag zum Verbot von Atomwaffensprengungen aufzulegen. Um die Einhaltung dieses Vertrages zu überprüfen, wurde ein internationales Überwachungssystem eingerichtet.

Der SED leistet einen Beitrag, indem er die Organisation des Vertrags über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen in Wien mit Daten beliefert, welche die eigens dafür errichtete seismische Station im Dischmatal bei Davos aufzeichnet. An dieser Station wurden beispielsweise bereits zwölf Minuten nach dem Atomwaffentest im Februar 2013 in Nordkorea entsprechende Bodenerschütterungen registriert.[8]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Maßnahmen zur Erdbebenvorsorge. Abgerufen am 6. Mai 2018.
  2. Geschichte Schweizerischer Erdbebendienst. In: www.seismo.ethz.ch. Abgerufen am 3. November 2016.
  3. Erdbebenüberwachung Erdbebendienst. In: www.seismo.ethz.ch. Abgerufen am 3. November 2016.
  4. Erdbebengefährdung und Risiko. In: www.seismo.ethz.ch. Abgerufen am 3. November 2016.
  5. Szenario Erdbeben in Basel. In: www.seismo.ethz.ch. Abgerufen am 3. November 2016.
  6. Alarmierung. In: www.seismo.ethz.ch. Abgerufen am 4. Februar 2014.
  7. Forschung und Lehre. In: www.seismo.ethz.ch. Abgerufen am 3. November 2016.
  8. Verifikation von Atomtests. In: www.seismo.ethz.ch. Abgerufen am 3. November 2016.