Schwerwasserreaktor

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Der Schwerwasserreaktor (Heavy Water Reactor, HWR) ist ein Kernreaktortyp, bei dem schweres Wasser (D2O, anders geschrieben 2H2O) als Moderator – und meist auch als Kühlmittel – verwendet wird. Schweres Wasser ist Wasser, das anstatt des gewöhnlichen Wasserstoffs (1H) mit der Massenzahl 1 das schwerere Wasserstoffisotop Deuterium (D oder 2H) mit der Massenzahl 2 enthält.

Schweres Wasser absorbiert Neutronen weniger stark als gewöhnliches Wasser. Daher kann dieser Reaktortyp im Gegensatz zu Leichtwasserreaktoren als Natururanreaktor betrieben werden, so dass keine Urananreicherung nötig ist. Ein Nachteil besteht darin, dass die Gewinnung des schweren Wassers mit Kosten verbunden ist. Außerdem ergeben sich höhere Kosten durch die größeren Abmessungen und den damit verbundenen höheren Materialbedarf solcher Reaktoren.

Der Unterschied in der Neutronenabsorption wird im Gefahrenfall (z. B. einem Kühlungsleck oder bei Versagen des Steuerstabsystems) ausgenutzt: Der Reaktorbehälter wird mit gewöhnlichem Wasser H2O (Leichtwasser) aus den Reservekühlwasserbecken geflutet. Die stärkere Neutronenabsorption des Leichtwassers verringert die Reaktivität, der vorher kritische Reaktor wird unterkritisch, und die Kettenreaktion hört auf. Der Reaktor kann ohne schweres Wasser nicht wieder angefahren werden.

In Schwerwasserreaktoren entsteht aus dem Deuterium des schweren Wassers durch Neutroneneinfang das Wasserstoffisotop Tritium, das wiederum für die Herstellung bestimmter Kernwaffen verwendet werden kann.

Technische Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chicago Pile 3

Am 15. Mai 1944 wurde Chicago Pile 3 im Rahmen des Manhattan-Projekts kritisch und war damit der erste funktionierende Schwerwasserreaktor der Welt. Auch der deutsche Forschungsreaktor Haigerloch − der nie die Kritikalität erreichte − verwendete schweres Wasser als Moderator.

Schwerwasserreaktoren werden vor allem von Ländern mit eigenen Uranvorkommen, die (noch) keine Uran-Anreicherungsanlage besitzen, betrieben. Von den verschiedenen Reaktortypen hat sich vor allem der in Kanada entwickelte CANDU-Reaktor (Druckröhrenreaktor) durchgesetzt. Als wirtschaftlicher Flop erwies sich der Siedeschwerwasserreaktor; diese Entwicklungslinie hat sich nicht durchgesetzt.

Von den über 400 Kernreaktoren weltweit sind nur 49 mit schwerem Wasser moderiert.[1] In Indien gibt es zahlreiche Druckschwerwasserreaktoren.[2] Bei den Plänen zur Entwicklung von sogenannten Reaktoren der vierten Generation ist schweres Wasser als Moderator nicht mehr vorgesehen.

Schwerwasserreaktoren in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die einzigen beiden zur Stromerzeugung eingesetzten Schwerwasserreaktoren in Deutschland waren

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. International Atomic Energy Agency: Operational & Long-Term Shutdown Reactors. 3. August 2014, abgerufen am 4. August 2014 (englisch).
  2. Statistik der IAEO abgerufen am 22. Dezember 2013 (englisch)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Michaelis: Handbuch der Kernenergie. Originalausgabe März 1982, Deutscher Taschenbuchverlag, München.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Schwerwasserreaktor – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen