Schwinge (Fahrzeugtechnik)

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Schwingen (gelb markiert) zur Aufhängung beider Räder an einem Motorrad

Schwinge ist eine Bauart der Radaufhängung in der Fahrwerkstechnik von Motorrädern. Sie ist dort die am häufigsten vorkommende Art der Hinterradaufhängung. Die Schwinge dreht um ein Drehgelenk mit der Achse quer zur Fahrtrichtung am Rahmen auf und ab. An der Schwinge greift die Feder und der Stoßdämpfer an. Unterschieden wird zwischen gezogenen Schwingen und geschobenen Schwingen. In Fahrtrichtung gesehen ist bei gezogenen Schwingen der Drehpunkt (Lager) vor der Radachse, bei geschobenen dahinter.

In Sachbüchern zur Fahrzeugtechnik wird der Begriff auch bei Radaufhängungen von PKW verwendet, wenn der Radträger unmittelbar durch ein Drehgelenk mit dem Fahrzeugkörper verbunden ist. In der Fachliteratur zur Fahrwerkstechnik bezieht sich dieser Begriff nur auf Radaufhängungen von Motorrädern.

Schwingen beim Motorrad[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Vorderradaufhängung gab es früher sowohl gezogene als auch geschobene Schwingen. Sie sind an der Gabel gelagert und machen die Lenkbewegung mit. Motorräder mit Langarmschwinge am Vorderrad sind äußerlich meist an einem massiven Schwingenträger erkennbar, der um den Kotflügel herumgeführt ist. Ein bekanntes Beispiel für Kurzschwingen am Vorderrad ist die Vespa. Vom Schwingenkonzept am Vorderrad hat nur die geschobene Langarmschwinge bei Motorradgespannen überdauert. Am Fahrgestell gelagerte Schwingen für das Vorderrad in Verbindung mit einer Achsschenkellenkung sind an Motorrädern selten verwirklicht worden, etwa bei der Ner-a-Car (1918).

Hinterradschwingen von Zweirädern sind gezogene Langarmschwingen. Dabei überwiegen zweiarmige Schwingen, die das Rad beidseitig führen.

Bremsmomentabstützung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wenn die Halterung der Bremsklötze, zum Beispiel der Bremssattel wie üblich an der Hinterradschwinge befestigt ist, bewirkt die gegen die Drehung des Rads gerichtete Kraft der Bremse ein Drehmoment an der Schwinge. Dieses Drehmoment ist gegen die Federung gerichtet, so dass das Rad beim Bremsen kurzzeitig entlastet wird. Dieser Effekt kann durch eine Bremsmomentabstützung verringert werden, bei der der Bremssattel drehbar auf der Radachse gelagert und mit einer beidseitig drehbar gelagerten Strebe am Rahmen befestigt ist.[1]

Schwingen beim Automobil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Längslenker (Schwinge) am Hinterrad eines Renault 4

Längslenkerachsen gibt es bei Automobilen seit den 1930er-Jahren, so etwa beim Stoewer Greif V8 an der Hinterachse und beim den Goliath-Dreirädern wie Goliath Goli vorn. Da diese Art der Radaufhängung den bei Motorrädern anzutreffenden Radaufhängungen mit Schwingen gleicht, werden diese häufig auch so bezeichnet.

Eine Lösung für die Radführung, die ebenfalls der Motorradtechnik entspricht, ist das „Dubonnet-Federknie“. Wie bei der geschobenen „Kurzschwinge“ am Vorderrad des Motorrads wird der Kurbelarm beim Lenken um eine aufbaufeste Drehachse geschwenkt. Alle Opel außer P4 und Kapitän und Admiral, das sind Opel 1,3 Liter und Opel 6, Olympia, Kadett (außer der „Normal-Limousine“) waren mit dieser Konstruktion ausgestattet, sie lief dort unter der Werbebezeichnung „Synchron-Federung“. Aber auch Fiat verwendete die Dubonnet-Federung vor dem Zweiten Weltkrieg in einigen Modellen.

Da es im PKW nicht wie beim Motorrad nur quer zum Chassis liegende Drehachsen gibt, sollten die entsprechenden Radaufhängungen mit der spezifischen Bezeichnung als Schräglenker- oder Pendelachsen bezeichnet werden.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wolfgang Matschinsky: Radführungen der Straßenfahrzeuge: Kinematik, Elasto-Kinematik und Konstruktion. 2. Auflage. Springer, ISBN 978-3-662-09653-6, S. 331,337.
  • Rüdiger Bellersheim, Hans-Georg Delius, Michael Gressmann, Frank Löwe, Peter Ryf: Fachkunde Motorradtechnik. 2. Auflage. Europa-Lehrmittel, 2013, ISBN 978-3-8085-2232-5, S. 415.
  • Jörnsen Reimpell: Fahrwerktechnik: Radaufhängungen. Vogel Business Media, Würzburg 1988, ISBN 978-3-8343-3227-1, S. 376.
  • Alfred Böge, Rainer Ahrberg, Klaus-Dieter Arndt, Werner Bahmann, Lutz Barfels, Jürgen Bauer, Ulrich Borutzki, Gert Böge, Wolfgang Böge, Berthold Heinrich, Arnfried Kemnitz, Peter Kurzweil, Susanna Labisch, Petra Linke, Manfred Ristau, Werner Roddeck, Johannes Sebulke, Dominik Surek, Werner Thrun, Jürgen Voss, Frank Weidermann, Wolfgang Weißbach, Heinz Wittig: Handbuch Maschinenbau: Grundlagen und Anwendungen der Maschinenbau-Technik. 21. Auflage. Springer Vieweg, 2012, ISBN 978-3-8348-2478-3, S. 1500.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wolfgang Matschinsky: Radführungen der Straßenfahrzeuge: Kinematik, Elasto-Kinematik und Konstruktion. 2. Auflage. Springer, ISBN 978-3-662-09653-6, S. 336,337 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).