Schwinge (Technik)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Schwingen an einer BMW R 26

Eine Schwinge ist ein Bauteil der Radaufhängung bei Fahrzeugen. Sie ist meist parallel zur Fahrtrichtung ausgerichtet, an einer quer zur Fahrtrichtung liegenden Rotationsachse drehbar gelagert. An ihrem freien Ende nimmt sie das Rad auf. Die Rotationsachsen der Schwinge und des Rades befinden sich ungefähr auf gleicher Höhe. Die Schwinge kommt bei Vorderrad - und Hinterradaufhängungen zum Einsatz. Im Motorradbau ist sie die am häufigsten vorkommende Art der Hinterradaufhängung.

Die Radaufnahmen[Bearbeiten]

  • Bei Motorrädern ist das meist eine einfache Achse.
  • Bei ungelenkten Rädern sind das die Wälzlager der Räder
  • Bei den gelenkten Rädern sind es die Achsschenkel.

Arten von Schwingen[Bearbeiten]

Unterschieden wird zwischen gezogenen Schwingen und geschobenen Schwingen. In Fahrtrichtung gesehen ist bei gezogenen Schwingen der Drehpunkt (Lager) vor der Radachse, bei geschobenen dahinter.

Einsatz beim Motorrad[Bearbeiten]

Vorderradaufhängung[Bearbeiten]

Vorderradschwingen wurden früher mit gezogenen oder geschobenen Schwingen realisiert. Von diesen Konzepten hat nur die geschobene Langarmschwinge bei Motorradgespannen überlebt. Am Fahrgestell gelagerte Schwingen für das Vorderrad in Verbindung mit einer Achsschenkellenkung wie an der Yamaha GTS 1000 oder einer Radnabenlenkung wie an der Bimota Tesi konnten sich trotz ihrer Steifigkeit wegen der aufwändigen Konstruktion und dem kleinen Lenkeinschlag nicht durchsetzen.

Hinterradaufhängung[Bearbeiten]

Hinterradaufhängungen von Zweirädern werden heute immer mit gezogenen Schwingen realisiert. Dabei überwiegen zweiarmige Schwingen, die das Rad beidseitig führen.

Bremsmomentabstützung[Bearbeiten]

Wenn die Halterung der Bremsklötze, z. B. der Bremssattel wie üblich an der Schwinge befestigt ist, bewirkt die gegen die Drehung des Rads gerichtete Kraft der Bremse ein Drehmoment an der Schwinge. Bei einer gezogenen Schwinge ist dieses Drehmoment gegen die Federung gerichtet, so dass die Schwinge beim Bremsen kurzzeitig angehoben wird. Das Rad wird so entlastet, wodurch die Haftreibung zwischen dem Reifen und der Fahrbahn abnimmt. Daraus ergibt sich eine geringere Bremswirkung und Richtungsstabilität. Dies kann durch eine Bremsmomentabstützung verhindert werden, bei der der Bremssattel drehbar auf der Radachse gelagert und mit einer beidseitig drehbar gelagerten Strebe am Fahrgestell oder einem anderen gefederten Teil befestigt ist.

Einsatz beim Automobil[Bearbeiten]

Hinterradschwinge eines Renault 4

Bei Automobilen gibt es Schwingen – durchweg Einarmschwingen – seit den 1930er-Jahren, so etwa beim Stoewer Greif V8, Adler Trumpf Junior (als geschobene Schwingen an der Hinterachse). Als vordere Einzelradaufhängung gab es das „Dubonnet-Federknie“. Dies ist eine geschobene Schwinge, die zum Lenken horizontal schwenkbar gelagert ist. Die Feder und der Stoßdämpfer sitzen in einem gemeinsamen Gehäuse und werden über einen Winkelhebel betätigt (daher „Knie“). Alle Opel außer P4 und Kapitän und Admiral, das sind Opel 1,3 Liter und Opel 6, Olympia, Kadett (außer der „Normal-Limousine") waren mit dieser Konstruktion ausgestattet, sie lief dort unter der Werbebezeichnung „Synchron-Federung“. Aber auch Fiat verwendete die Dubonnet-Federung vor dem Zweiten Weltkrieg in einigen Modellen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Schwingen in frontgetriebenen Klein- und Mittelklassewagen verwendet, meistens nur hinten und in Frankreich und Großbritannien. Der Citroën 2CV hatte Schwingen rundum (vorn geschoben), ebenso BMW 600, 700 mit hinten angestellten Schwingen. Mittelklassewagen mit hinteren Schwingen sind der Citroën DS, Renault 16 und der BMC ADO17 (Austin 1800).

Bei parallelen Schwingen liegt das Momentanzentrum sehr niedrig (auf Fahrbahnhöhe[1]) wodurch sich starkes Wanken (Seitenneigung) in Kurven und Probleme mit der Fahrstabilität ergeben können. Wegen der großen Momente in den Lagerpunkten wird oft ein Fahrschemel verwendet.

Schwingen werden oft (etwas ungenau) auch als Längslenker bezeichnet.

Sie werden auch heute noch verwendet, oft auch etwas angestellt als Schräglenkerachse. Werden parallele Schwingen durch einen biegesteifen Stabilisator verbunden, kann die Lagerung vereinfacht und komfortabel weich in Gummi ausgeführt werden, diese Bauart heißt dann Koppel- oder Verbundlenkerachse.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Rüdiger Bellersheim, Hans-Georg Delius, Michael Gressmann, Frank Löwe, Peter Ryf: Fachkunde Motorradtechnik. 2 Auflage. Europa-Lehrmittel, 2013, ISBN 978-3808522325, S. 415.
  •  Jörnsen Reimpell: Fahrwerktechnik: Radaufhängungen. Vogel Business Media, Würzburg 1988, ISBN 978-3834332271, S. 376.
  •  Alfred Böge , Rainer Ahrberg, Klaus-Dieter Arndt, Werner Bahmann, Lutz Barfels, Jürgen Bauer, Ulrich Borutzki, Gert Böge, Wolfgang Böge, Berthold Heinrich, Arnfried Kemnitz, Peter Kurzweil, Susanna Labisch, Petra Linke, Manfred Ristau, Werner Roddeck, Johannes Sebulke, Dominik Surek, Werner Thrun, Jürgen Voss, Frank Weidermann, Wolfgang Weißbach, Heinz Wittig: Handbuch Maschinenbau: Grundlagen und Anwendungen der Maschinenbau-Technik. 21 Auflage. Springer Vieweg, 2012, ISBN 978-3834824783, S. 1500.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Manfred Mitschke,Henning Wallentowitz:Dynamik der Kraftfahrzeuge, Springer 2004 Tabelle 144.1, S.731 ISBN 978-3-662-06802-1