Scientific Linux

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Scientific Linux
Logo von Scientific Linux
Bildschirmfoto
Screenshot von Scientific Linux 7.0
Scientific Linux 7.0 (Nitrogen)
Basisdaten
Entwickler Fermilab und CERN
Aktuelle Version 7.2
(5. Februar 2016)
Abstammung GNU/Linux
↳ Red Hat Linux
↳ Fedora
↳ RHEL
↳  Scientific Linux
Architekturen i386, AMD64
Lizenz GPL (Freie Software)
Website www.scientificlinux.org

Scientific Linux (SL) ist eine Linux-Distribution, die auf der Distribution Red Hat Enterprise Linux (RHEL) der Firma Red Hat basiert und zu dieser binärkompatibel ist. Die Distribution wird hauptsächlich von Entwicklern am Fermilab, am CERN, an der ETH Zürich und am DESY weiterentwickelt.[1]

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die kommerzielle Linux-Distribution RHEL kann nur im Zusammenhang mit Supportverträgen erworben werden. Die Firma Red Hat stellt aber alle Quellpakete von RHEL im Netz bereit, um die Anforderungen unterschiedlicher Lizenzen von – in RHEL enthaltener – freier Software zu erfüllen, und ermöglicht es so, auf dieser Basis eine zu RHEL binärkompatible Linux-Distribution zu entwickeln. Durch die Binärkompatibilität ermöglicht Scientific Linux, Computer mit einer RHEL-kompatiblen Linux-Distribution zu nutzen, ohne einen Supportvertrag mit Red Hat abschließen zu müssen. Neben finanziellen Ersparnissen ergibt sich auch der Vorteil, dass alle Software, die für RHEL angeboten wird, direkt und ohne Einschränkungen unter Scientific Linux genutzt werden kann.

Ziel von Scientific Linux[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Scientific Linux entstand im Umfeld verschiedener Forschungslabore und Universitäten und wurde geschaffen, um verschiedene Ansprüche dieser Institutionen zu erfüllen:[2]

  • Nicht jedes Institut und Labor muss eine eigene Distribution erstellen – das Bündeln der Anstrengungen vermeidet doppelte Arbeit.
  • Durch eine gemeinsame Distribution steht allen Forschern eine gemeinsame Installationsbasis für verschiedene Experimente zur Verfügung.
  • Durch die Kompatibilität zu RHEL wird gewährleistet, dass auch Enterprise-Linux-Software, die häufig nur für RHEL zur Verfügung steht, problemlos auf Scientific Linux läuft.
  • Die einfache Anpassbarkeit der Distribution ermöglicht es, dass Institutionen oder Labore eine optisch angepasste Variante der Distribution veröffentlichen können, ohne die anderen Ziele einzuschränken.
  • Scientific Linux wird um in der Wissenschaft häufig notwendige oder praktische Software erweitert, um den Software-Ansprüchen der wissenschaftlichen Einrichtungen zu genügen.

Enterprise-Betriebssystem[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Scientific Linux ist binärkompatibel zu RHEL und ist daher ebenfalls ein Enterprise-Betriebssystem, also ein Betriebssystem, das auf die Bedürfnisse großer Unternehmen und staatlicher Organisationen ausgerichtet ist. Als Enterprise-Betriebssystem ist es deshalb auf Stabilität und lange Wartungszyklen ausgelegt. Man kann Scientific Linux über zehn Jahre nutzen, ohne Pakete bzw. Softwareversionen migrieren zu müssen, weshalb es für den kommerziellen Einsatz geeignet ist. Für RHEL bieten große Softwarehäuser wie Oracle oder SAP Zertifikate an, die garantieren, dass deren Software auf RHEL problemlos funktioniert, was analog für große Serverhersteller gilt. Enterprise-Betriebssysteme findet man daher meist auf Workstations und Servern, wo ein extrem stabiler Betrieb verlangt wird (z. B. Wissenschaft, Forschung, Börse, Militär oder Raumfahrt). Im Gegensatz zu RHEL gibt es für Scientific Linux von den meisten Software- und Hardware-Herstellern weder Zertifikate noch Support. Aufgrund der Binärkompatibilität zu RHEL kann es aber oft von den Voraussetzungen, die für RHEL geschaffen werden, direkt profitieren.

Geschichte von Scientific Linux[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Scientific Linux entstand im Umfeld verschiedener Universitäten und Forschungsinstitute wie CERN und Fermilab. Es baute am Anfang auf der Linux-Distribution „Fermi Linux LTS 3.0.1“ (Codename „Feynman“) auf, die um einige Programme und Updates erweitert worden war. Danach entschied man sich aber, die Quellen von RHEL zu nutzen, um binärkompatibel zu dieser Linux-Distribution zu werden, da für RHEL die meiste Enterprise-Linux-Software angeboten wird.[3]

Einsatzgebiete[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Scientific Linux wird neben RHEL und Debian auf der Internationalen Raumstation (ISS) eingesetzt, wie die NASA bekannt gab.[4]

Versionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Legende:
Ältere Version; nicht mehr unterstützt
Ältere Version; noch unterstützt
Aktuelle Version
Aktuelle Vorabversion
Zukünftige Version
Version Codename RHEL Version Linux-Kernel Version Veröffentlichung Unterstützung bis
(Voller Support)[5]
Unterstützung bis
(Erweiterter Support)[5]
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 3.0.1 Lithium 3.1 2.4.9 10. Mai 2004 20. Juli 2006 31. Oktober 2010
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 3.0.9 3.9 12. Oktober 2007
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 4.0 Beryllium 4.0 2.6.9 1. März 2005 31. März 2009 29. Februar 2012
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 4.9 4.9 21. März 2011
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 5.0 Boron 5.0 2.6.18 14. Mai 2007 31. März 2017 30. November 2020
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 5.1 5.1 16. Januar 2008
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 5.2 5.2 26. Juni 2008
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 5.3 5.3 19. März 2009
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 5.4 5.4 4. November 2009
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 5.5 5.5 19. Mai 2010
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 5.6 5.6 21. Juni 2011
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 5.7 5.7 14. September 2011
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 5.8 5.8 24. April 2012
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 5.9 5.9 5. Februar 2013
Ältere Version; noch unterstützt: 5.10 5.10 11. November 2013
Aktuelle Version: 5.11 5.11 4. November 2014[6]
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 6.0 Carbon 6.0 2.6.32 3. März 2011 30. November 2020 Termin ausstehend
voraussichtlich Ende 2023
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 6.1 6.1 28. Juli 2011
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 6.2 6.2 16. Februar 2012
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 6.3 6.3 8. August 2012
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 6.4 6.4 28. März 2013
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 6.5 6.5 12. Dezember 2013
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 6.6 6.6 12. November 2014
Ältere Version; noch unterstützt: 6.7 6.7 11. August 2015[7]
Aktuelle Version: 6.8 6.8 7. Juli 2016[8]
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 7.0 Nitrogen 7.0 3.10.0 13. Oktober 2014 30. Juni 2024 Termin ausstehend
voraussichtlich Mitte 2027
Ältere Version; noch unterstützt: 7.1 7.1 13. April 2015[9]
Aktuelle Version: 7.2 7.2 5. Februar 2016[10]

Der Codename der jeweiligen Versionen von Scientific Linux folgt aus dem wissenschaftlichen Namen des chemischen Elements, dessen Ordnungszahl der Versionsnummer entspricht.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Scientific Linux – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. About S.L. Abgerufen am 19. Mai 2011 (englisch): „Giving credit where credit is due.“
  2. Scientific Linux – The Experiment that worked (PDF). Abgerufen am 19. Mai 2011 (PDF; 344 kB, englisch).
  3. Indepth History. Abgerufen am 19. Mai 2011 (englisch): „Scientific Linux's History“
  4. Raumstation ISS setzt verstärkt auf Linux. Heise Online, abgerufen am 27. Mai 2013.
  5. a b Red Hat Enterprise Linux Life Cycle. Red Hat Inc., abgerufen am 2. Oktober 2015 (englisch).
  6. Scientific Linux 5.11 Release Notes. Fermilab und CERN, 13. November 2014, abgerufen am 2. Oktober 2015 (englisch).
  7. Scientific Linux 6.7. Release Notes. Fermilab und CERN, 11. August 2015, abgerufen am 26. August 2015 (englisch).
  8. Scientific Linux 6.8. Release Notes. Fermilab und CERN, 7. Juli 2015, abgerufen am 19. Juli 2015 (englisch).
  9. Scientific Linux 7.1 Release Notes. Fermilab und CERN, 3. April 2015, abgerufen am 2. Oktober 2015 (englisch).
  10. Pat Riehecky: Scientific Linux 7.2 x86_64 official release. Fermilab, 5. Februar 2016, abgerufen am 7. Februar 2016 (englisch).