Scilly-Inseln
| Isles of Scilly | |
|---|---|
|
Lage in Cornwall |
|
| Basisdaten | |
| Status | Unitary Authority, sui generis |
| Region | South West England |
| Zerem. Grafschaft | Cornwall |
| Verwaltungssitz | Hugh Town |
| Fläche | 16,33 km² |
| Einwohner (2013) | 2251[1] |
| ONS-Code | 15UH |
| Website | www.scilly.gov.uk |
Die Scilly-Inseln ([ˈsɪli], englisch Scilly Isles oder Scillies, amtlich Isles of Scilly, kornisch Ynysek Syllan) sind eine Gruppe von mehr als 140 Inseln und über 90 Felsen vor der Südwestspitze Englands. Sie liegen etwa 45 km südwestlich von Land’s End im Atlantik, nahe dem westlichen Ende des Ärmelkanals. Von den etwa 55 größeren Inseln sind sechs bewohnt. Die Scillies bilden eine Unitary Authority und gehören zur zeremoniellen Grafschaft Cornwall.[2]
Inhaltsverzeichnis
Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Der genaue Ursprung des Namens gilt als ungeklärt. Der Buchstabe „-c-“ wurde aber jedenfalls erst im 17. Jahrhundert in den Namen eingefügt, um ihn von dem englischen Wort silly zu unterscheiden, das ab dieser Zeit eine negative Bedeutung annahm. In älteren Quellen sind viele Varianten und Schreibarten des Inselnamens zu finden; bei dem römischen Autor Plinius finden sich die Formen Silumnus sowie Silimnis.[3]
Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Wegen des Golfstroms haben die Inseln sehr mildes, beinahe subtropisches und konstantes Klima mit vielen Sonnentagen und einer Temperaturdifferenz zwischen Sommer- und Wintermittel von nur etwa 9 °C. Auf den Inseln wachsen subtropische Bäume (z. B. Pinien) und Pflanzen wie Rhododendren und Azaleen.
Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
2012 lebten 2264 Einwohner auf den Inseln. In früheren Jahrhunderten waren die kleineren Inseln stärker bevölkert. Eine weitere Insel südlich von Bryher gelegen, Samson (0,38 km²), war seit 1669 von einer Familie bewohnt. 160 Jahre später lebten rund 30 Menschen dort. Die letzten zehn Bewohner wurden 1855 auf andere Inseln umgesiedelt. Die Reste der sechs Wohnhäuser können besichtigt werden.
Die wichtigsten Inseln im Überblick:
| Insel | Bevölkerung (Volkszählung 2001) |
Fläche km² |
Hauptort |
|---|---|---|---|
| St. Mary’s (Hauptinsel) | 1666 | 6,29 | Hugh Town |
| Tresco | 180 | 2,97 | New Grimsby |
| St. Martin’s (mit White Island) | 142 | 2,37 | Higher Town |
| St. Agnes (mit Gugh) | 70 | 1,48 | Saint Agnes |
| Bryher (mit Gweal) | 92 | 1,327 | Bryher |
| Samson | –1) | 0,38 | |
| Annet | – | 0,21 | |
| St. Helen’s | – | 0,20 | |
| Teän | – | 0,16 | |
| Great Ganilly | – | 0,13 | |
| übrige 45 Inseln | – | 0,50 | |
| gesamt | 2153 | 16,03 | Hugh Town |
1) bis 1855 bewohnt
Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Vor dem Ende der letzten Kaltzeit lag der Meeresspiegel 80 bis 100 Meter niedriger, die heutigen Inseln bildeten eine große zusammenhängende Insel. Sie wurde in der Mittelsteinzeit vom nahen Cornwall aus besiedelt. Mehr als 500 jungsteinzeitliche und bronzezeitliche Denkmäler finden sich auf den Scilly-Inseln, etwa 30 davon sind nur bei Ebbe sichtbar. Die versunkenen, jedoch archäologisch ausgegrabenen Plätze bestehen aus zehn Hüttenfundamenten, sieben Steinkisten, einigen Gräbern, vier umwallten Einhegungen und zwölf anderen Objekten. Es gibt einen versunkenen Wald in der Mount’s Bay und Fischer berichten über Häuser unter Wasser nahe dem Longships-Leuchtturm. Aus der Jungsteinzeit existieren über 80 Entrance Graves auf den Inseln. Die bekanntesten archäologischen Sehenswürdigkeiten sind:
- Bant’s Carn (Scillonian Entrance Grave auf St. Mary’s)
- Burnt Hill, Rundhütten
- Buzza Hill Dolmen
- Castle Down, 78 Cairns
- Chapel Down, Entrance Grave, Cairns und Statuenmenhir
- Clapper of Works und Carn of Works, Entrance Graves
- Cruther's Hill Cairns
- Giant’s tomb, (Port Hellick)
- Great Arthur Cairns, 3 Entrance Graves
- Great Hill, Cairns
- Gweal Hill, Cairns
- Halangy Down, (Eisenzeitdorf)
- Innisidgen, (zwei Eingangsgräber)
- Kittern Hill, (drei Eingangsgräber)
- Knackyboy, Cairn
- Long Rock Mênhir, (Menhir)
- Menawethan, Cairn
- Middle Arthur, Cairns
- Mount Flagon Mênhir, Menhir
- Northwethel Entrance Grave
- Obadiah’s Barrow
- Old Man of Gugh Menhir
- Porth Hellick Down Cairns
- Samson Hill Cairns
- South Hill Cairns
- Tregarthen Hill Cairns
- White Island Cairn
- Wingletang Down
Während des Englischen Bürgerkrieges wurden die Anhänger der Monarchie von den Britischen Inseln verdrängt. Die königstreue Marine zog sich daraufhin auf die Scilly-Inseln zurück, die der Herrschaftsbereich des Royalisten Sir John Grenville (1643–1701) waren. Nach Kämpfen forderte der niederländische Admiral Maarten Tromp, der mit seinen Schiffen vor Scilly ankerte, am 30. Mai 1651 als Ausgleich für die Piraterie Reparationen von den Royalisten. Da er keine zufriedenstellende Antwort erhielt, erklärte er daraufhin den Krieg. Noch im Juni musste die königstreue Seestreitmacht jedoch gegenüber Admiral Robert Blake kapitulieren, der die Inseln für die Parlamentsarmee eroberte. Die niederländischen Schiffe vor Scilly zogen ab, ohne selbst Kriegshandlungen aufgenommen zu haben. Auf eine Anfrage des Historikers und Ratsvorsitzenden der Inseln, Roy Duncan, bei der Londoner Vertretung der Niederlande 1985 wurde von deren Seite bestätigt, dass sich Scilly offiziell noch im Kriegszustand mit den Niederlanden befinde. Am 17. April 1986 unterzeichneten Duncan und der Botschafter Rein Huydecoper auf den Scilly-Inseln einen Friedensvertrag. Man sprach damals vom Dreihundertfünfunddreißigjährigen Krieg (1651–1986). Kritiker wie der Lokalhistoriker Rex Lyon Bowley wenden ein, dass es sich bei dem angeblichen Krieg um einen Mythos handle. Tromp habe keine Vollmacht besessen, den Kriegszustand zu erklären. Ein derartiger Schritt habe vermutlich auch nicht den außenpolitischen Interessen der Niederlande entsprochen. Selbst im Falle einer gültigen Kriegserklärung sei der Konflikt aber mit dem Ende des ersten englisch-niederländischen Kriegs am 5. April 1654 formell beendet gewesen.
Die Scilly-Inseln waren wegen der vielen Klippen und Unterwasserfelsen immer ein schwieriges Gewässer für die Seefahrt und wurden trotz der im 19. Jahrhundert erbauten Leuchttürme, der Leuchtturm Bishop Rock ist der westlichste in England, manchem Schiff zum Verhängnis. So waren die Inseln Schauplatz einer der größten Schiffskatastrophen in der Geschichte Englands: In der Nacht vom 22. Oktober 1707 lief eine Flotte von 21 Schiffen der Royal Navy unter dem Kommando von Admiral Sir Cloudesley Shovell vor den Scilly-Inseln auf Klippen auf. Vier der Schiffe schlugen leck und versanken, neben dem Admiral gab es 1.450 weitere Tote. Als Ursache gilt eine mangelhafte Positionsbestimmung und Unkenntnis des Längengrads, inzwischen werden außerdem auch fehlerhafte Karten und Navigationstabellen angenommen. Unter den Wracks der Scilly-Inseln ist auch das der Thomas W. Lawson. Sie war eines der größten Segelschiffe und der Welt einziger Siebenmastschoner. Sie sank im Dezember 1907 nach Strandung, Auseinanderbrechen und Kentern im Sturm nahe Annet. Nur zwei Mann der Besatzung überlebten. Das Schiffsunglück verursachte eine der ersten Ölkatastrophen, denn der Schoner fuhr als Tanker.
Die Inseln wurden 1975 zum Area of Outstanding Natural Beauty ernannt und dadurch unter besonderen Schutz gestellt. Ausschlaggebend waren die unbewohnten Inseln mit ihren großen Vogel- und Robbenkolonien, wie Annet und Samson.
Bei den Scilly-Inseln (und Fastnet) begannen die festgeschriebenen Seewege über den Nordatlantik.
Lord Proprietors of the Scilly Islands[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Die Scilly-Inseln wurden 1539 Teil der Grafschaft Cornwall. Von 1568 bis 1830 erhielt die Familie Godolphin von der englischen Krone die Inseln als Lehen. Die Lehensnehmer durften sich Governor of Scilly nennen. 1834 ging das Lehen an Augustus John Smith und seine Erben. 1920 erlosch das Lehen für die meisten der Inseln.
- 1568–1608 Sir Francis Godolphin (1540–1608)
- 1608–1613 Sir William Godolphin of Godolphin (1567–1613)
- 1613–1636 William Godolphin (1611–1636)
- 1636–1643 Sidney Godolphin (1610–1643)
- 1643–1667 Sir Francis Godolphin of Godolphin (1605–1667)
- 1667–1712 Sidney Godolphin, 1. Earl of Godolphin (1645–1712)
- 1712–1766 Francis Godolphin, 2. Earl of Godolphin (1678–1766)
- 1766–1785 Thomas Osborne, 4. Duke of Leeds (1713–1789)
- 1785–1799 Francis Osborne, 5. Duke of Leeds (1751–1799)
- 1799–1834 George Osborne, 6. Duke of Leeds (1775–1838)
- 1834–1872 Augustus John Smith (1804–1872)
- 1872–1918 Thomas Algernon Dorrien-Smith
- 1918–1920 Arthur Algernon Dorrien-Smith
Tauchtourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Vor der Inselgruppe liegen über 800 Wracks – aus mehr als tausend Jahren Geschichte – am Meeresgrund. Viele davon sind für Taucher leicht erreichbar, weshalb das Meer vor den Scilly-Inseln ein beliebtes Tauchgebiet für das Wracktauchen ist.[4]
Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Auf der Inselgruppe gibt es eine Reihe traditioneller Sportveranstaltungen, welche regelmäßig ausgetragen werden. Neben einem jährlich ausgetragenen Rennen in Gig-Booten gibt es auch zwei Fußballteams auf der Hauptinsel St Mary's. Die Garrison Gunners und die Woolpack Wanderers spielen in der „Kleinsten Liga der Welt“ pro Saison 16 mal gegeneinander und tragen zudem drei Pokalspiele aus. Insgesamt hat die „Isles of Scilly Football League“ vier verschiedene Wettbewerbe.[5][6]
| Wettbewerb | Woolpack Wanderers | Garisson Gunners |
| Charity Shield | 8 | 2 |
| Lioness Shield | 7 | 3 |
| Foredeck Cup | 2 | 2 |
| Wholesalers Cup | 2 | 2 |
Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- Gary Robinson: The Prehistoric Island Landscape of Scilly (British Archaeological Reports British Series)
- Julian Cope: The Modern Antiquarian: A Pre-millennial Odyssey Through Megalithic Britain : Including a Gazetteer to Over 300 Prehistoric Sites
- Rex L. Bowley: Scilly at War. Bowley, St. Mary’s 2001, ISBN 0-900184-34-5.
- George Woodley: A View of the Present State of the Scilly Islands. London 1822, 344 Seiten, bei Google Books
Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- Isles of Scilly auf genuki.org.uk (englisch)
- The Scilly Islands. In: Daniel Lysons, Samuel Lysons: Cornwall. Cadell, London 1814 (Magna Britannia. Band 3), S. 330–337.
- Katharine Sawyer: Archaeological and Historical Sites on Scilly. (englisch)
- Offizielle Scilly-Tourismus-Website (englisch)
- Scillypedia (englisch)
- Cairns, Menhirs etc.
Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- ↑ Population Estimates for UK, England and Wales, Scotland and Northern Ireland, Mid-2013
- ↑ Scilly Council: About the Council of the Isles of Scilly
- ↑ Online Etymology Dictionary, s.v. Scilly (abgerufen 21. März 2017)
- ↑ Isles Of Scilly, England, www.tauchen-online.de, zugegriffen: 10. Januar 2011
- ↑ Offizielle Webseite des Council of the Isles of Scilly (abgerufen am 10. April 2011)
- ↑ http://www.worldssmallestleague.co.uk/html/trophy_room.html
Caradon | Carrick | Isles of Scilly | Kerrier | North Cornwall | Penwith | Restormel
Bewohnt: St. Marys | Tresco | St. Agnes | Bryher | Gugh
Unbewohnt: Annet | Bishop Rock | Crim Rocks | Eastern Isles | Great Ganilly | Gweal | Norrard Rocks | Rosevear | Round Island | Samson | St. Helen’s | Teän | Western Rocks | White Island | Zantman’s Rock
Koordinaten: 49° 56′ N, 6° 19′ W
