Scott Walker (Musiker)

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Chartplatzierungen
Erklärung der Daten
Alben[1]
Scott
  UK 3 16.09.1967 (17 Wo.)
Scott 2
  UK 1 20.04.1968 (18 Wo.)
Scott 3
  UK 3 05.04.1969 (4 Wo.)
Songs from His TV Series
  UK 7 05.07.1969 (3 Wo.)
Climate of Hunter
  UK 60 31.03.1984 (2 Wo.)
No Regrets – The Best of 1965–1976 (mit The Walker Brothers)
  UK 4 25.01.1992 (14 Wo.)
Tilt
  UK 27 20.05.1995 (2 Wo.)
The Best of – The Sun Ain't Gonna Shine (mit The Walker Brothers)
  UK 24 13.05.2006 (4 Wo.)
The Drift
  DE 97 31.10.2014 (1 Wo.)
  UK 51 20.05.2006 (1 Wo.)
Bish Bosch
  UK 95 15.12.2012 (1 Wo.)
Soused (mit Sunn O))))
  DE 85 31.10.2014 (1 Wo.)
  UK 30 01.11.2014 (1 Wo.)
  US 88 08.11.2014 (1 Wo.)
Singles[1]
Jackie
  UK 22 12.12.1967 (9 Wo.)
Joanna
  UK 7 07.05.1968 (11 Wo.)
Lights of Cincinnati
  UK 13 17.06.1969 (10 Wo.)

Scott Walker (* 9. Januar 1943 in Hamilton, Ohio; eigentlich Noel Scott Engel[2]) ist ein US-amerikanischer Sänger und Musiker.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Walker ist ein Kind deutscher Eltern.[3] 1973 heiratete er in Las Vegas seine langjährige Freundin Mette Teglbjaerg, die er in Kopenhagen kennengelernt hatte, als er dort zeitweilig lebte. Mit ihr hatte Scott Walker die Tochter Lee. Die Ehe wurde Ende der 1970er Jahre geschieden. Scott Walker wohnt heute in London.

Frühe Aufnahmen / The Walker Brothers[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Walker wurde in den späten 1950er Jahren von Eddie Fisher entdeckt und trat mehrfach im Fernsehen auf. Er sollte, ähnlich wie Frankie Avalon, unter seinem Namen Scott (Scotty) Engel zu einem Teenager-Star aufgebaut werden. 1957 veröffentlichte er die Single When Is a Boy a Man als Scotty Engel.

Nach seinem Umzug nach Hollywood brachte er sich das Spielen auf der Bassgitarre bei. Er arbeitete für Jack Nitzsche als Studiomusiker. 1961 wurde Engel Bassist der Band The Routers.

Danach gründete er in Los Angeles die Dalton Brothers, die sich 1964 in The Walker Brothers umbenannten. Die Band bestand aus Walker als Bassist und Leadsänger, John Maus als Gitarrist und Sänger und dem Schlagzeuger Gary Leeds. Leeds war bereits mit P. J. Proby durch England getourt und schlug vor, sich dort niederzulassen. Die Walker Brothers hatten, vorwiegend mit aufwändig arrangierten Popballaden (The Sun Ain’t Gonna Shine Anymore) und Coverversionen (oft von Burt Bacharach und Hal David) weltweit Erfolg. Als Leadsänger wurde Walker zum Star. 1967 lösten sich The Walker Brothers auf. Ein Jahr später folgte noch eine Abschiedstournee durch Japan. Walker begann eine Solokarriere.

Erste Soloalben. Scott 1–4[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Walkers Soloalben zeugten von einer Neuorientierung. Seine frühen Soloalben waren mehr und mehr von europäischem Kabarett und Chansons beeinflusst. In dieser erfolgreichen Zeit vermischte Walker sein Image aus der Walker Brothers-Zeit mit dunklerer, idiosynkratischer Musik und gewagten Texten – sowohl in Coverversionen als auch in Eigenkompositionen, die immer mehr dominierten. Von der Kritik gelobt wurden seine Versionen bekannter Jacques-Brel-Chansons. Seine ersten drei Alben (Scott 1 (1967), Scott 2 (1968), Scott 3 (1969)) waren kommerziell sehr erfolgreich, Scott 2 gelangte an die Spitze der britischen Charts. 1969 bekam er seine eigene TV-Show. Scott 4, auf der Höhe seines Ruhms als Solokünstler veröffentlicht, wurde hingegen ein kommerzieller Misserfolg. Die Platte bestand ausschließlich aus Eigenkompositionen mit ambitionierten Texten und sparsameren Arrangements. The Seventh Seal basiert auf Ingmar Bergmans Film Das siebente Siegel; The Old Man’s Back Again spielt auf den Prager Frühling und die Restalinisierung der Tschechoslowakei an. Das Publikum folgte Walkers Kurswechsel nicht, da sich das Material von Scotts TV-Auftritten und seinen anderen Soloalben durch einen deutlich ernsteren Ton unterschied. Dazu war die Platte ursprünglich unter Walkers Realnamen Noel Scott Engel veröffentlicht worden. Auch die nächsten vier Soloalben hatten keinen Erfolg.

Die 1970er Jahren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der ersten Hälfte der Siebziger folgten noch vier reguläre Alben, bis 1975 die Reunion der Walker Brothers mit No Regrets anstand. Nach dem Nachfolger Lines (1976) vollzog Walker – noch unter dem Namen The Walker Brothers – wieder einen künstlerischen Richtungswechsel: auf dem Album Nite Flights (1978), dem letzten Album mit den „Brothers that never were“, waren seine ersten Kompositionen seit acht Jahren zu finden. Der kommerzielle Erfolg blieb jedoch aus.

Spätwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Climate of Hunter (1983), seine nächste Platte, gilt als das am wenigsten verkaufte Album der Plattenfirma Virgin. Hoch gelobt von den Kritikern bedeutete dieses Album für Virgin einen grosser Verlust. Auch die Mitwirkung bekannter Musiker wie Billy Ocean und Mark Knopfler konnten den Misserfolg nicht abwenden.

Es folgten die ebenfalls erfolglosen Alben Climate of Hunter und Tilt

1999 erschien sein Instrumental-Soundtrack zum Film Pola X. Im gleichen Jahr trug er mit dem David-Arnold-Song Only Myself to Blame zum James Bond Film Die Welt ist nicht genug bei. Im Jahr 2000 schrieb er zwei Lieder für das Album Punishing Kiss von Ute Lemper. Diese beiden Songs (Scope J und Lullabye) bezeichnete Walker einmal als „die besten Songs, die ich je geschrieben habe“ (Zitat im Film 30 Century Man). 2001 produzierte er das Erfolgsalbum We Love Life von Pulp.

2004 erschien mit Five Easy Pieces, ein Best-of-Album.

Am 5. Mai 2006 erschien sein Album The Drift auf dem Label 4AD. Der die Aufnahmesessions begleitende Film 30 Century Man wurde von David Bowie produziert.

Scott Walker komponierte 2007 das Instrumentalstück And Who Shall Go to the Ball? And What Shall Go to the Ball? für das Tanzprojekt „Candoco“ mit dem Cheoreographen Rafael Bonachela. Das Projekt brachte körperlich behinderte und nichtbehinderter Künstler zusammen. Das reine Instrumentalstück für Kammerorchester, Cello, Flöte, Saxofon und Percussion besteht aus vier Teilen und ist knapp 25 Minuten lang. Die Einspielung übernahm das auf zeitgenössische Musik spezialisierte Kammerorchester London Sinfonietta. Das Label 4AD veröffentlichte das Werk im September 2007 als limitierte Edition, die niemals wiederveröffentlicht werden soll.[4]

Anfang Dezember 2012 veröffentlichte das Label 4AD sein Album Bish Bosch, das Walker selbst als finalen Teil einer Trilogie bezeichnete, zu dem auch seine Alben The Drift und Tilt gehören. Die internationale Kritik reagierte auf das Werk weitgehend positiv.

Das im Oktober 2014 erschienene Album Soused wurde in Kooperation mit der Drone Doom-Band Sunn O))) aufgenommen.[5]

Zitat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Ich bin zum Orson Welles der Musikindustrie geworden. Man will mit mir Mittag essen, aber niemand will den Film finanzieren…“ Interview mit The Independent, April 1995

Diskografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reguläre Alben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Scott 1 (1967)
  • Scott 2 (1968)
  • Scott 3 (1969)
  • Scott 4 (1969)
  • Scott Sings Songs from His TV-Series (1969)
  • Til the Band Comes In (1970)
  • The Moviegoer (1971)
  • Any Day Now (1973)
  • Stretch (1973)
  • We Had It All (1974)
  • Climate of Hunter (1983)
  • Tilt (1995)
  • Pola X (1999)
  • The Drift (2006)
  • And Who Shall Go to the Ball? And What Shall Go to the Ball? (2007)
  • Bish Bosch (2012)
  • Soused (2014), gemeinsam mit Sunn O)))

Kompilationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • The Romantic Scott Walker (1969)
  • Fire Escape in the Sky: The Godlike Genius of Scott Walker (1981)
  • Scott Walker Sings Jacques Brel (1981)
  • Boychild (1993)
  • Five Easy Pieces (2004)
  • Scott – The Collection 1967-1970 (2013), enthält Scott 1-4 und ’Til the Band Comes In

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Chartquellen: Singles Alben UK US
  2. Anthony Reynolds: The Impossible Dream: The Story of Scott Walker and the Walker Brothers. Jawbone Press, London 2009, ISBN 978-1-906002-25-1, S. 29
  3. Interview im Beat-Club, Radio Bremen, 26. April 1969
  4. 4AD: And Who Shall Go to the Ball?
  5. Das Nichts nichtet, Rezension von Christian Schachinger in Der Standard vom 23. Oktober 2014, abgerufen 3. November 2014