Screwball-Komödie

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Screwball-Comedy bezeichnet eine spezielle Unterart der Filmkomödie Hollywoods, die ihren Höhepunkt von Mitte der 1930er bis Anfang der 1940er Jahre erlebte. Der englische Slang-Ausdruck Screwball beschreibt eine Person mit eigenartigen bzw. skurrilen Angewohnheiten. Der Begriff stammt ursprünglich aus dem Baseball-Sport und bezeichnet dort einen gleichnamigen angeschnittenen Ball, der ebenso unberechenbar ist.

Eigenschaften der Screwball-Comedy[Bearbeiten]

Screwball-Komödien, auch als Beziehungskomödien tituliert, thematisieren häufig den Konflikt zwischen Gegensätzen wie Bildung und Unbildung, Reich und Arm sowie vor allem Mann und Frau, wobei diese Gegensätze am Ende des Filmes nicht ausgeglichen werden, sondern es kommt meist zur – weitgehend – friedlichen Koexistenz der Gegensätze.[1] Im Idealfall zeichnen sie sich durch hohe Dialoglastigkeit (mit schnell gesprochenen Dialogen), feinen und intelligenten Wortwitz, ein rasantes Tempo und eine raffiniert konstruierte Handlung aus. Das Genre bewegt sich oft an der Grenze zur Farce und greift durchaus auch visuelle Slapstick-Anleihen aus der Stummfilmzeit auf. Zumeist kommt es zu Missverständnissen oder Geheimnissen zwischen den einzelnen Figuren, die sich im Verlaufe des Filmes zuspitzen und erweitert werden, um dann meist erst gegen Ende des Filmes aufgelöst zu werden.

Die Protagonisten stammen normalerweise aus urbanem, gutem Hause und teilen somit nicht die finanziellen Nöte ihres damaligen, oftmals von der Weltwirtschaftskrise betroffenen Publikums, obwohl die Weltwirtschaftskrise dennoch nicht selten in Filmen wie Es geschah in einer Nacht oder Mein Mann Godfrey thematisiert wird. Viele Figuren in Screwball-Komödien fallen dabei durch ihr schrulliges, temperamentvolles, kindliches oder exzentrisches Verhalten auf. So schrieb Howard Hawks den Misserfolg seines Filmes Leoparden küßt man nicht dem Umstand zu, dass im gesamten Film kein einziger normaler Charakter vorkam. Auch zeichnen sich die meisten – reichen – Figuren des Genres durch große Freizeit aus, man sieht sie kaum arbeiten.[2] Oftmals erhalten die wohlhabenden Charaktere im Verlaufe des Filmes eine Lektion, die ihren Charakter zum Guten wandelt. Die nicht selten bissige Kritik an den Reichen und Mächtigen entsprach dem Wunsch des von der Wirtschaftskrise gebeutelten Publikums. Aber auch andere Bereiche des öffentlichen Lebens wurden in Screwball-Komödien kritisiert, etwa die sensationsgierige Presse in Denen ist nichts heilig oder His Girl Friday.

Ein zentrales Thema war der Kampf der Geschlechter: Hauptdarsteller und Hauptdarstellerin stehen sich zu Anfang der Handlung in der Regel als Antagonisten gegenüber, um schließlich, nach Überwindung vieler Hindernisse, als Paar zu enden. Gelegentlich kommt es auch dazu, dass sich bereits Paare nach langen Streitereien wiederfinden, etwa in Die Nacht vor der Hochzeit oder Mr. und Mrs. Smith. Mann und Frau agieren dabei mindestens gleichberechtigt, häufig ist sogar die selbstbewusste und intelligente weibliche Hauptperson dem Mann überlegen. Das führt zur Frustration der männlichen Hauptfigur.[3] In dieser Beziehung ähneln sie dem Film noir mit seinen Femmes fatales, allerdings haben Screwball-Komödien im Gegensatz zum Film noir stets ein Happy End.[4] Bereits in frühen Filmen des Genres sind oftmals sexuelle Anspielungen zwischen den Hauptfiguren enthalten. Die Beschränkung auf Andeutungen und zweideutige Wortspiele ist auf den Anfang der 1930er Jahre in Hollywood eingeführten Hays Code zurückzuführen, einen strengen Produktionskodex, der die direkte Behandlung von heiklen Themen wie Ehebruch, Prostitution und anderen verbot und ab 1934 verpflichtend war.

Geschichte der Screwball-Komödie[Bearbeiten]

Die Screwball-Komödie, für die Wortwitze von großer Bedeutung waren, begann sich bereits mit Beginn des Tonfilmes herauszubilden. Filme wie The Front Page (1931) und Ärger im Paradies (1932) hatten bereits Eigenschaften von Screwball-Komödien, ohne dass sie unter diesem Genrebegriff aufgefasst wurden. Diese lassen sich erst in der Rückschau hinzurechnen. Stilbildend für das Genre der Screwball-Komödie waren zwei Filme aus dem Jahr 1934: Howard Hawks’ Verfilmung des Broadway-Hits Napoleon vom Broadway (engl. Twentieth Century) mit John Barrymore und Carole Lombard sowie vor allem Frank Capras Klassiker Es geschah in einer Nacht (engl. It Happened One Night) mit Claudette Colbert und Clark Gable. Das Screwball-Genre war in den nächsten Jahren sowohl bei Kritikern als auch beim Publikum höchst erfolgreich, doch schon spätestens Mitte der 1940er-Jahre war die klassische Screwball-Ära beendet. Auch viele andere Genres dieser Zeit, wie die Dünner-Mann-Kriminalkomödien oder die Tanzfilme mit Fred Astaire, sind nicht direkt Screwball-Komödien, haben aber Anleihen an diese.

Auch jüngere Komödien, die von den gängigen Filmklischees abweichen und besonders intelligent und clever daherkommen, werden mitunter ebenfalls als Screwball-Comedy bezeichnet. Merkmale des Genres wurden auch immer wieder gerne in Fernsehserien (z. B. Verliebt in eine Hexe, Das Model und der Schnüffler oder Sex and the City) verwendet.

Film-Beispiele[Bearbeiten]

„Vor-Screwball-Ära“

Klassische „Screwball-Ära“

Spätere Beispiele/Einflüsse

Personal (Auswahl)[Bearbeiten]

Regisseure[Bearbeiten]

Bekannte Regisseure der Screwball-Comedy waren:

Schauspieler[Bearbeiten]

Regelmäßig in Screwball-Komödien eingesetzte Hauptdarsteller waren:

Dazu kamen auch viele oftmals markante Nebendarsteller, die häufig in Screwball-Filmen spielten.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. "Screwball-Komödie" im Filmlexikon
  2. "Screwball-Komödie" im Filmlexikon
  3. "Screwball-Komödie" im Filmlexikon
  4. Dancyger, Ken; Rush, Jeff Alternative Scriptwriting Focal Press. S. 85–85. ISBN 978-0240808499, 2006. "The screwball comedy is funny film noir that has a happy ending... The premise of the film is about the struggle in their relationship. During the course of the struggle, which is highly sexually charged, the maleness of the central character is challenged. The female is the dominant character in the relationship. This role reversion is central to the screwball comedy."