Scribonius Largus

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Scribonius Largus war ein römischer Arzt der empirisch-skeptischen Schule im 1. Jahrhundert n. Chr. zur Zeit des Claudius.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über die Herkunft des Scribonius liegen keine sicheren Nachrichten vor. Sein nach Auffassung der älteren Forschung unbeholfen wirkendes Latein hatte zeitweise die Vermutung nahegelegt, dass es sich um einen griechischen Sklaven handelte, der zunächst Griechisch schrieb und erst dann ins Lateinische übersetzte. Die negative sprachliche Beurteilung wurde jedoch in jüngerer Zeit zunehmend revidiert.

Man nimmt an, dass er Celsus als Quelle benutzte, aber es ist fraglich, ob er als sein Schüler gelten kann. Er stand in Beziehung zum Hof des Claudius, den er mehrfach als deus noster Caesar bezeichnet, und den er auf dessen Feldzug nach Britannien (43 n. Chr.) begleitete (comp. 163). Gesichert ist auch seine Beziehung zu Gaius Iulius Callistus, dem er seine Compositiones widmete. Vermutet hat man darüber hinaus, dass er auch Leibarzt des Claudius oder Valeria Messalina gewesen sei.

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von seinen Werken sind nur die Compositiones erhalten, eine Kompilation von 271 Rezepten, inhaltlich nach dem seit Aristoteles und noch heute bekannten Schema a capite ad calcem (vom Scheitel bis zum Fuß)[1] geordnet, und entstanden zwischen 44 und 48 n. Chr., das heißt in der Zeit zwischen der Rückkehr des Claudius aus Britannien und dem Tod der noch als lebend erwähnten Messalina (comp. 60). Das Buch, das von dem jüngeren Andromachos und dem Pharmakologen Asklepiades, besonders aber von Marcellus Empiricus benutzt wurde, beruht auf griechischen Quellen: Herakleides von Tarent und seiner Schule.

Der Text der Compositiones war bis in die jüngere Zeit nur durch die Editio princeps von Jean Ruel (1528) nach einer seither verschollenen Handschrift und durch Sekundärüberlieferung besonders bei Marcellus Empiricus bekannt, der um 400 n. Chr. rund 90 Kapitel abschrieb. 1983 publizierte Innocenzo Mazzini die Entdeckung einer der Tradition von Marcellus nahestehenden mittelalterlichen Epitome der Kapitel 97-107 und 214 in einer Handschrift des 9. Jahrhunderts (Bodmerianus 84 C, vormals Phillipps 386), und 1974 gelang Sergio Sconocchia in einer Handschrift vom Beginn des 16. Jahrhunderts (Toletanus Capit. 98,2) die Entdeckung eines Scriboniustextes, der demjenigen der Editio princeps nahesteht. Maßgeblich ist heute die kritische Ausgabe Sconocchias 1983, doch sind in der Erstellung des Textes, insbesondere in der Beurteilung der Tradition von Marcellus, noch manche Unsicherheiten geblieben.

Scribonius Largus bietet im Prolog der Compositiones das älteste Zeugnis in der Überlieferung des Hippokratischen Eides.

Ausgabe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sergio Sconocchia (Hrsg.): Scribonii Largi Compositiones. Teubner, Leipzig 1983
  • Kai Brodersen: Scribonius Largus, Der gute Arzt / Compositiones. Lateinisch und Deutsch. Marix, Wiesbaden 2016. ISBN 978-3-7374-1017-5

Übersetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Übersichtsdarstellung

  • Véronique Boudon-Millot: Scribonius Largus. In: Richard Goulet (Hrsg.): Dictionnaire des philosophes antiques. Band 6, CNRS Éditions, Paris 2016, ISBN 978-2-271-08989-2, S. 161–163

Untersuchungen

  • Innocenzo Mazzini: Due testimoniane altomedievali inedite di Scribonio Largo. In: Rivista di filologia e di istruzione classica 111, 1983, S. 158-170
  • Sergio Sconocchia: Le fonti e la fortuna di Scribonio Largo. In: Innocenzo Mazzini, Franca Fusco (Hrsg.): I testi di medicina latini antichi: problemi filologici e storici (= Università di Macerata, Pubblicazioni della Facoltà di lettere e filosofia, 28). Bretschneider, Rom 1985, ISBN 88-7689-003-3, S. 151-213

Konkordanz

  • Sergio Sconocchia (Hrsg.): Concordantiae Scribonianae. Olms-Weidmann, Hildesheim [u. a.] 1988 (= Alpha - Omega, Reihe A, 92), ISBN 3-487-09116-X

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ortrun Riha: Das Gliederungsprinzip „a capite ad calcem“ und der Lokalismus im chirurgischen Krankheitsverständnis. Der Diagnoseschlüssel der Chirurgischen Universitätsklinik Göttingen 1912–1958. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen 12, 1994, S. 299–313.