Lifeline (Schiff)

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Lifeline
Lifeline mit geretteten Menschen an Bord (21. Juni 2018)
Lifeline mit geretteten Menschen an Bord (21. Juni 2018)
Schiffsdaten
Flagge Siehe Abschnitt #Kontroverse um die Flagge
andere Schiffsnamen
  • Sea-Watch 2
  • Clupea
Rufzeichen PD8224
Heimathafen Amsterdam
Eigner Mission Lifeline e. V.
Bauwerft Hall, Russell & Company, Aberdeen
Baunummer 940
Übernahme 1968
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
32,31 m (Lüa)
Breite 7,92 m
Tiefgang max. 3,5 m
Vermessung 231 BRZ / 69 NRZ
 
Besatzung 15
Maschinenanlage
Maschine 1 × Dieselmotor
Propeller 1
Sonstiges
Registrier-
nummern

IMO 6825842

Die Lifeline ist ein privat betriebenes Seenotrettungsschiff des Vereins Mission Lifeline. Im Juni 2018 erfuhren sowohl seine Einsätze im Mittelmeer als auch die Frage, ob das Schiff zu Recht die niederländische Flagge führe, erhebliche öffentliche Aufmerksamkeit.[1][2][3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Clupea vor Schottland.

Clupea[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Schiff wurde 1968 unter der Baunummer 940 auf der Werft Hall, Russell & Company in Aberdeen als Clupea für die britische Behörde Department of Agriculture & Fisheries for Scotland gebaut.[4] Der in Leith beheimatete Trawler wurde als Fischereiforschungsschiff genutzt. Bereedert wurde das Schiff von Marr Vessel Management in Hull.[5]

2008[4] wurde das Schiff an East Coast Charters in Lowestoft verkauft und umgebaut. Im Juli 2009 ging es an das ebenfalls in Lowestoft ansässige Unternehmen IDP International.[5]

Sea-Watch 2[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sea-Watch 2 beim auslaufen aus dem Hamburger Hafen

2015 kaufte der Verein Sea-Watch das Schiff und überführte es nach Hamburg. Auf der Pella-Sietas-Werft wurde es von Aktivisten zum Seenotrettungsschiff umgerüstet.[6] Am 18. März 2016 wurde es auf Sea-Watch 2 umgetauft und startete anschließend zur Überfahrt nach Malta ins Operationsgebiet Mittelmeer. Im Frühsommer 2017 entschloss sich der Verein, die Sea-Watch 2 zu verkaufen und ein größeres Schiff, die Dignity 1, zu kaufen.[7]

Die Sea-Watch 2 operierte vom Hafen von Valletta aus vor der libyschen Küste, um in Seenot befindliche Flüchtlingsboote zu finden und zu versorgen. Normalerweise kehrte sie alle vierzehn Tage in den Hafen zurück, um Ausrüstung zu ergänzen und Teile der Besatzung auszutauschen. Das Schiff wurde bei der Rettung von über 25.000 Menschen eingesetzt.[6]

Lifeline[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Logo der Mission Lifeline

2017 sammelte die Organisation Mission Lifeline aus Dresden 200.000 Euro, um das Schiff zu kaufen, und taufte es in Lifeline um. Es ist seit September 2017 im Einsatz.[8]

Im November 2017 war die Lifeline an einer Rettungsaktion vor der libyschen Küste beteiligt.[9]

Kapitän Claus-Peter Reisch wurde von der Österreichischen Liga für Menschenrechte der Menschenrechtspreis 2018 verliehen.[10][11]

Juni 2018[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Claus-Peter Reisch – Kapitän der Lifeline

Am 21. Juni 2018 sichtete die Besatzung, zwischen vier und fünf Uhr morgens zwei seeuntüchtige Boote in internationalen Gewässern, meldete dies der Notleitstelle in Rom und nahm 234 Menschen an Bord.[12] Am 21. Juni 2018 bezeichnete der italienische Innenminister Matteo Salvini (Regierung Conte) einen aktuellen Rettungseinsatz der Lifeline und der Seefuchs als illegal, weil die Besatzungen die Anweisungen der zuständigen Leitstelle ignoriert hatten, die der libyschen Küstenwache das Kommando über diesen Rettungseinsatz übergeben hatte.[13] Der libyschen Küstenwache die Rettung zu übertragen, nannte Vereinsgründer Axel Steier in einem Interview mit der Zeit „absurd“, weil die Libyer über schlechtere Ausrüstung verfügten, oft weiter entfernt seien und die Leute später in Straflager verfrachten würden.[3]

Die Lifeline unterstützte später das Containerschiff Alexander Mærsk bei der Bergung von weiteren Menschen aus Seenot.[14]

Italien[15] verwehrte der Lifeline (wie schon wenige Wochen vorher der Aquarius) das Anlegen in einem Hafen.[14] Auch Malta ließ das Schiff zunächst keinen Hafen der Insel anlaufen.[16] Es gibt hier einen seerechtlichen Graubereich, da Schiffe verpflichtet sind, Menschen in Seenot aufzunehmen, Staaten jedoch im Allgemeinen nicht verpflichtet sind, Schiffe mit Geretteten an Bord einlaufen zu lassen.[17]

Maltas Ministerpräsident Joseph Muscat teilte am 23. Juni 2018 mit, sein Land werde die Lifeline mit Proviant versorgen.[16] Malta machte schließlich eine Einfahrtserlaubnis davon abhängig, dass europäische Länder sich zur Aufnahme der Flüchtlinge bereit erklärten. Nachdem diese Zusicherungen erfolgt waren, erlaubte Muscat dem Schiff am 27. Juni, einen Hafen in Malta anzulaufen.[18] Malta, Frankreich, Italien, Portugal, Belgien, die Niederlande, Irland und Luxemburg hätten zuvor die Bereitschaft zur Aufnahme signalisiert. Muscat teilte ebenfalls mit, dass gegen den deutschen Kapitän der Lifeline Claus-Peter Reisch[19], ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wird, da die Aktivisten offenbar mehrfach den Transponder, der die Position des Schiffes übermittelt, abgeschaltet hätten. Er darf Malta ab dem 16. Juli verlassen; das Gericht hat die Ausreisesperre aufgehoben. Zur Fortführung der Gerichtsverhandlungen am 30. Juli muss er wieder in Malta sein.[20]

Kontroverse um die Flagge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Flagge der Sea-Watch 2 beim Auslaufen aus dem Hamburger Hafen Richtung Mittelmeer

Bezugnehmend auf den Flaggenstaat der Lifeline und der Seefuchs forderte Innenminister Salvini in sozialen Medien, die beiden Schiffe sollten die geborgenen Personen in die Niederlande bringen.[14] Nach Meinung von Seline Trevisanut, die an der Universität Utrecht Seerecht lehrt, ist, obwohl Staaten im Allgemeinen nicht verpflichtet sind, Boote mit Geretteten an Bord einlaufen zu lassen, der Flaggenstaat im Speziellen sehr wohl dazu verpflichtet.[17] Die Vertretung der Niederlande bei der Europäischen Union erklärte jedoch, die beiden Schiffe seien nicht in den Niederlanden registriert.[21] Italiens Verkehrsminister Toninelli kündigte die Beschlagnahme der Schiffe zum Zwecke einer Registrierungsüberprüfung an.[22]

Die Niederlande erklärten, das Schiff sei zwar beim Koninklijk Nederlands Watersportverbond registriert, einem Sportverband, dies sei jedoch nicht mehr als ein Eigentumsnachweis.[1][23] Ein Eintrag ins niederländische Schiffsregister liege dagegen nicht vor,[24] und folglich auch kein Schiffszertifikat.[25] Die niederländische Regierung erklärte, sie sehe für sich keinen Handlungsbedarf, da aus dem – aus ihrer Sicht – unrechtmäßigen Führen der niederländischen Flagge für die Niederlande keine Verpflichtung erwachse.[1] Die Seerechtlerin Nele Matz-Lück vom Walther-Schücking-Institut der Universität Kiel nahm an, dass die niederländische Argumentation korrekt sei.[26]

Axel Steier von Mission Lifeline hielt dagegen, dass für Boote unter 500 t die Eintragung als Sportboot beim Wassersportverband ausreiche, um die Flagge zu führen.[2][3] Mission Lifeline stütze sich dabei auf ein Gutachten der Universität Leiden.[27]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: IMO 6825842 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c 'Migrantenschip staat geregistreerd bij Nederlands Watersportverbond'. In: nos.nl. Abgerufen am 28. Juni 2018.
  2. a b Stephanie Millonig: Kapitän aus Landsberg sitzt mit 234 Flüchtlingen vor Malta fest. In: Augsburger Allgemeine. 25. Juni 2018, abgerufen am 28. Juni 2018.
  3. a b c "Gäbe es Kontingente, würde Malta uns reinlassen". Interview mit Axel Steier. In: Zeit online. 24. Juni 2018, abgerufen am 28. Juni 2018.
  4. a b Clupea. Aberdeen Built Ships, abgerufen am 25. Juni 2018.
  5. a b Clupea. Scottish Built Ships – The History of Shipbuilding in Scotland, abgerufen am 25. Juni 2018.
  6. a b Das Projekt Sea-Watch 2. In: sea-watch.org. Abgerufen am 23. Juni 2018.
  7. Jahresbericht 2016–2017. Sea-Watch, 2017, S. 9.
  8. Markus Weinberg: Hilfe für Bootsflüchtlinge im Mittelmeer – Dresdner Seenotretter erstmals mit eigenem Schiff im Einsatz. In: mdr.de. 17. September 2017, archiviert vom Original am 16. Juni 2018; abgerufen am 23. Juni 2018. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.mdr.de
  9. Mehr als tausend Flüchtlinge vor Libyen aus Mittelmeer gerettet. In: Der Standard. 23. November 2017, abgerufen am 23. Juni 2018.
  10. Menschenrechtspreis — Österreichische Liga für Menschenrechte. Abgerufen am 9. Dezember 2018.
  11. Menschenrechts-Preis für Kapitän des Rettungsschiffs. Deutschlandfunk.de, abgerufen am 9. Dezember 2018.
  12. Situation an Bord der Lifeline: „Die Riesenangst – wo geht’s hin?“ Interview von Raphael Thelen mit Alina Watermann. In: Spiegel online. 24. Juni 2018, abgerufen am 25. Juni 2018.
  13. Malta says not responsible for Lifeline boat denied by Italy. In: aljazeera.com. 22. Juni 2018, abgerufen am 25. Juni 2018.
  14. a b c Italy migrant row: 'Inhumane' Malta refuses rescue ship. In: bbc.com. 22. Juni 2018, abgerufen am 25. Juni 2018.
  15. Weiteres Schiff mit Migranten wartet vor Italien auf Hafeneinfahrt. In: faz.net. 24. Juni 2018, abgerufen am 25. Juni 2018.
  16. a b Auch Malta verweigert Rettungsschiff „Lifeline“ die Einfahrt. In: welt.de. 23. Juni 2018, abgerufen am 25. Juni 2018.
  17. a b 'Nederlands' reddingsschip zit in juridisch niemandsland. In: nos.nl. Abgerufen am 1. Juli 2018.
  18. Deutsches Rettungsschiff „Lifeline“ legt in Malta an. In: FAZ.net. 27. Juni 2018, abgerufen am 27. Juni 2018.
  19. Rettungsschiff im Mittelmeer "Lifeline"-Besatzung erhebt Vorwürfe. In: tagesschau.de. 28. Juni 2018, abgerufen am 28. Juni 2018.
  20. Deutscher „Lifeline“-Kapitän darf Malta verlassen. In: faz.net. 11. Juli 2018, abgerufen am 11. Juli 2018.
  21. Italiens Minister fordert: „NGO-Crew festnehmen“. In: krone.at. 22. Juni 2018, abgerufen am 25. Juni 2018.
  22. Italien will Schiffe deutscher Flüchtlingshelfer beschlagnahmen. In: welt.de. 22. Juni 2018, abgerufen am 23. Juni 2018.
  23. Seehofer sieht keine Notwendigkeit für Aufnahme von Migranten. In: Welt.de. 27. Juni 2018, abgerufen am 27. Juni 2018.
  24. Malta vervolgt kapitein van Lifeline vanwege vlagkwestie. In: trouw.nl. Abgerufen am 28. Juni 2018.
  25. Italië wil vluchtelingen nu toch aan land laten. In: tijd.be. Abgerufen am 28. Juni 2018.
  26. Kieler Seerechtsexpertin: Rettungschiff ,Lifeline‘ ist vogelfrei. In: welt.de. Abgerufen am 5. Juli 2018.
  27. Migration: Kapitän von Flüchtlings-Hilfsschiff Lifeline muss sich vor Gericht verantworten. In: welt.de. 29. Juni 2018, abgerufen am 30. Juni 2018.